Abraham Wolfgang Küfner

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Abraham Wolfgang (Küffner) Küfner (* 3. Februar 1760 in Betzenstein; † 1817 in Ingolstadt) war ein Maler, Kupferstecher und Verleger in Nürnberg. Er ging in die Geschichte ein als Fälscher eines Dürerporträts.

Abraham Wolfgang Küffner mit 31 Jahren

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Herkunft

Abraham Wolfgang Küfner wurde am 3. Februar 1760 im Hause der Badestube zu Betzenstein als Sohn des Baders, Chirurgen und Accoucheurs (= Geburtshelfer) Conrad Küfner (Kiefner) geboren. Betzenstein stand damals unter der Verwaltung des Pflegers der Reichsstadt Nürnberg Georg Alexander Peßler, der seinen Sitz im Pflegamtsschloss zu Betzenstein hatte.

Studium

Als nächstes Datum findet sich in den Annalen die Einschreibung Küfners als Student an der Universität Altdorf bei Nürnberg im Jahr 1779. Von der Zahlung der Immatrikulationsgebühr wurde er auf Empfehlung seiner Gönner befreit. Obwohl er sich um eine Zeichenlehrer-Stelle beworben hatte, musste er wegen einiger Delikte Altdorf bald wieder verlassen.

Dies zeigt sich am nächsten Datum, dem 14. April 1781, an dem er sich an der Universität Erlangen als Medizinstudent einschrieb.

Miniaturmaler

Seine künstlerischen Begabungen lagen jedoch mehr in der Kunst der Malerei. Mit diesem Talent konnte er am 23. Mai 1786 in der Reichsstadt Nürnberg als »Mignateur«, d.h. Miniaturmaler das Bürgerrecht erwerben.

Nunmehr 26-jährig, scheint Küfner mit seinem Können sehr rasch erfolgreich geworden zu sein, denn von dem damals anerkannten Künstler stammen eine ganze Anzahl von Kupferstichen, die sich heute noch in Bibliotheken, Archiven und Museen befinden. Wie andere Künstler aber auch, lebte er ständig in Geldnöten.

Seinen Wohnort verlegte er von Nürnberg nach Feucht bei Nürnberg, wo er am 23. August 1791 das Zeidelmuttergut gekauft hatte, das er aber bald wieder veräußerte.

Exkurs: Ehe und Familie

Am 1. August 1786 heiratete er Anna Maria, die Tochter des Baders und Wundarztes Johann Carl Friedrich Aichele, der auch Feldscheer in der Burger-Cavallerie war. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor.

Kunstfälscher und Falschmünzer

Albrecht Dürer (1471-1528), Selbstbildnis im Pelzrock, 1500,
Alte Pinakothek München

Trotz (oder wegen der) hohen Schulden der Stadt Nürnberg (1794/95 waren es nahezu 9,5 Millionen Gulden) erhielt Abraham Wolfgang Küfner 1799 den Auftrag, das berühmte Selbstportrait Dürers aus dem Nürnberger Rathaus zu restaurieren. Der Magistrat ließ vorher auf der Bildrückseite Echtheitssiegel anbringen. Mit handwerklichem Geschick spaltete oder sägte Küfner in seiner Werkstatt die etwa 15 mm dicke Holztafel parallel zur Bildfläche durch und erhielt so zwei Tafeln, die vordere mit dem Originalbild und die hintere Tafel mit den Echtheitssiegeln. Auf diese abgespaltene Tafel kopierte er nun das Dürer-Porträt und gab dem Magistrat diese Tafel, die hinten die Siegel und Echtheitsbestätigungen trug, ohne Schwierigkeiten anstelle des Original-Dürers der Stadt Nürnberg zurück.

Albrecht Dürer, Fälschung von Wolfgang Küfner, 1799,
Albrecht-Dürer-Haus Nürnberg

Man muss diesen Vorgang unter den einschneidenden politischen Ereignissen in den Jahren von 1796 bis 1806 betrachten: Nach Drängen der preußischen Verwaltung im benachbarten Ansbach unterstellte sich Nürnberg schließlich der preußischen Herrschaft. Der Vertrag wurde nicht vollzogen, da Preußen von Nürnbergs Schulden abgeschreckt wurde. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 blieb Nürnberg dennoch zunächst weiter unabhängig, bis nach Unterzeichnung der Rheinbundakte und dem Ende des Alten Reiches französische Truppen Nürnberg besetzten. Am 15. September 1806 übergab die französische Armee schließlich die Stadt dem Königreich Bayern, das alsbald eine Zivilverwaltung installierte und die Stadt administrativ in das Königreich eingliederte. Das Königreich Bayern übernahm 1806 die exorbitanten Schulden der Reichsstadt Nürnberg als Teil der gesamtbayerischen Staatsschulden und sorgte damit für deren Konsolidierung und Tilgung.

Auf Anforderung des französischen, in Nürnberg weilenden Kommissars Neveu kam die Küfnersche Kopie des Dürer-Selbstbildnisses 1801 als Kunstraub der Franzosen ins Louvremuseum nach Paris.

In dieser Zeit orientierte sich Küfner wieder nach Betzenstein, wo er im Jahre 1804 eine Windmühle kaufte, mit deren Bau im Jahr 1801 dreiunddreißig Betzensteiner Bürger begonnen hatten. Der Bau scheint aber nicht vollendet gewesen zu sein, denn Küfner erwarb für die Windmühle und für den Bau eines neuen Wohnhauses daneben am 27. April 1805 von der Nürnberger Forstbehörde 77 Baumstämme aus den Betzensteiner Wäldern gegen Rechnung.

Im gleichen Jahr, also 1805, verkaufte Küfner das Originalgemälde Dürers für 600 Gulden (= fl.) an die kurfürstliche Galerie München. Heute ziert dieses Porträt die alte Pinakothek in München. Unter Inv.-Nr. 537 ist registriert: Albrecht Dürer (1471-1528), Selbstbildnis im Pelzrock 1500, Holz: 67,1 cm x 48,9 cm, Erworben 1805 durch die Zentralgemäldegaleriedirektion.

Die Begleichung seiner Schulden zog sich aber hin, denn am 18. März 1806 schuldete Küfner noch das Holzgeld im Betrage von 147 fl. und 17 Krz. und auch die Wohnungsmiete in Nürnberg. Da er vorher zur Sicherheit beim Nürnberger Pflegamt in Betzenstein 200 fl. deponieren musste, ermächtigte er nun das Pflegamt, die Schuldensumme dem Depot zu entnehmen.

Die Windmühle war aber nicht lange in seinem Besitz, denn schon 1806 saß ein Conrad Hummert auf der Windmühle, und Küfner hatte schon am 9. Juni 1806 wieder in Nürnberg einen Spezereiladen eröffnet, dessen Betriebserlaubnis ihm aber bald wieder entzogen wurde.

Küfner, vermutlich getrieben von Geldnöten, begann nun – er war ja auch der Kunst der Kupferstecherei kundig – selbst Münzen zu prägen. Diesmal aber überführte man ihn im Jahr 1810 der Münzfälschung, was ihm dann mehrere Jahre Gefängnis auf der Festung Rothenberg bei Schnaittach einbrachte.

Erst 1813 kam die Dürerkopie mit der Rückführung der von den Franzosen geraubten Kunstschätze wieder in den Besitz der Stadt Nürnberg. Seitdem hängt sie im zweiten Stock des Dürer-Hauses in Nürnberg.

Küfner zog nach Beendigung seiner Haft nach Ingolstadt an der Donau, wo er am 5. Oktober 1817 an Schlagfluss verstarb.

Küfners Kunstfälschung aber wurde erst Jahre nach seinem Tod entdeckt. Deshalb wurde er auch nie zu Lebzeiten der Kunstfälschung überführt. Die Münchener Direktion der bayerischen Staatsgemäldesammlung weigerte sich, das Original-Bild herauszugeben, und so ist es bis heute eine der Hauptattraktionen der Alten Pinakothek.

Literatur

  • Georg Kolbmann: Abraham Wolfgang Küfner aus Betzenstein. Maler, Kupferstecher und Verleger in Nürnberg. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, 2. Jahrg., Heft 2, 1953, S. 15-21
  • Sepp Schüller: Fälscher, Händler und Experten. Das zwielichtige Abenteuer der Kunstfälschung. München: Ehrenwirth Verlag, 1959, 288 S.; Sonderausgabe 1963
  • Sepp Schuller: Forgers, Dealers, Experts – Strange Chapters in the History of Art. New York: G.P. Putnam’s Sons 1960. LCC 60-13452
  • Sepp Schüller: Forgers, dealers, experts. Adventures in the twilight of art forgery. Translation from the German by James Cleugh. London: Barker, 1960, XV, 200 S.
  • vz [= Claus Volz]: Autorenrunde versinkt in Material. Neue Stadtchronik für Betzenstein soll bis zum Jubiläumsjahr 2011 fertig sein. In: Nordbayerische Nachrichten für Forchheim und Ebermannstadt vom 19. März 2010 - NN Forchheim/Ebermannstadt
  • Abraham Wolfgang Küfner. In: Stadt Betzenstein, 19. März 2010 - im Netz
  • Noch ein Mosaikstein zu Dürer und Küfner. Heimatforscher Karl Heinz Fietta erläutert heute den kämpferischen Freundesbund im Schatten des Porträts, in: Nordbayerische Nachrichten für Pegnitz und Auerbach, 7. August 2013, S. 29.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

Taufbuch Pfarramt Betzenstein.jpg