Adelheidstraße (Nürnberg)
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| Adelheidstraße |
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Die Adelheidstraße in Nürnberg liegt in der westlichen Außenstadt. Benannt wurde sie nach der Königstochter Adelheid von Burgund (931-999), zu deren Geschichte in der Nürnberger Zeitung im Rahmen der Serie "Nürnberger Straßennamen" ein Artikel erschienen ist.
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
Königstochter Adelheid zwischen Thron, Kerker und Kloster
von Reinhard Kalb
- Deutschland regiert von einer Frau? Bei dieser Vorstellung konnte nicht nur ein Gerhard Schröder herzhaft lachen, wie in der denkwürdigen Wahlnacht im September 2005. Und doch nahm die Geschichte einen anderen Verlauf. Ähnliches hatte sich allerdings vor tausend Jahren schon einmal zugetragen. Und da waren es gleich zwei Damen, die in großer Koalition über das Deutsche Reich geboten. Gemeint sind Adelheid von Burgund und Theophanu aus Byzanz.
- Königstochter Adelheid, geboren anno 931, galt nicht nur als eine Schönheit, sie war darüber hinaus eine hochgebildete Frau. Und früh, sehr früh, lernte sie die Höhen und Tiefen der Macht kennen. Ihre Karriere war eine Achterbahn zwischen Thron, Kerker und Kloster. Und stets stellte der Tod die Weichen!
- Kaum war ihr Vater, König Rudolf II. von Burgund, gestorben, da heiratete dessen Erzfeind Hugo von der Lombardei ihre Mutter und verlobte die sechsjährige Adelheid mit seinem 14jährigen Sohn Lothar. Zehn Jahre später vertrieb ein Markgraf namens Berengar Hugo vom Thron, Lothar übernahm die Macht und schloss mit Adelheid die Ehe. 16 Jahre alt und schon Königin der Lombardei!. Doch nur drei Jahre später starb der Gemahl. Das konnte ein Fieber, das konnte auch Gift sein, die Symptome ließen sich nie so ganz eindeutig unterscheiden...
- Jedenfalls war der Thron verwaist, und sollte so ein Mädchen das Land regieren? Berengar nahm Adelheid in Como gefangen, riss ihr den Schmuck vom Leib, schor ihr die Haare und warf sie in den Kerker der Burg Garda. Dort sollte sie versauern, doch nach vier Monaten gelang Adelheid mit Hilfe ihrer Magd und ihres Kaplans bei Nacht und Nebel die Flucht. Zu dritt ruderten sie über den Gardasee und schlugen sich durch die Sümpfe, bis sie auf Canossa in Sicherheit waren.
- Da saß sie nun, gerade 20 Jahre alt, schon Witwe, eine Schachfigur in einer riskanten Partie. Da mischte sich von jenseits der Alpen ein deutscher König ein, Otto der Erste. Auch er war Witwer, betrauerte seine Gemahlin Edgith von England, hatte aber bereits zwei Kinder, sodass die Thronfolge gesichert war. Und doch: Da war Italien und Burgund, und da war diese schöne und kluge Frau. Das war einen Heiratsantrag wert. Was blieb Adelheid sonst übrig, um ihre Stellung ein für allemal zu festigen? Sie sagte zu – und vertauschte das warme Italien gegen Sachsens kühle Wälder.
- Adelheid begleitete ihren Mann bei all seinen Unternehmungen. Und da gab es Politik satt: Krawall mit den Verwandten, Krawall mit den Römern, Krawall mit Papst und Gegenpapst, Mord und Totschlag in der Engelsburg; und selbst die Kaiserkrönung zu Rom anno 962 war ein riskanter Akt. So wies Otto seinen Leibwächter an: „Wenn ich heute an der heiligen Schwelle der Apostel beten werde, halte du ständig das Schwert über mein Haupt! Denn ich weiß wohl um die unseren Vorgängern oft recht gefährliche römische Treue. Geh später beten auf dem Monte Mario, soviel du willst!“
- Mit der Treue in der eigenen Familie war es nicht besser bestellt. Als gute Gemahlin schenkte Adelheid ihrem Otto vier Kinder, von denen zwei überlebten. Das aber schmeckte dem Thronfolger Liudolf aus erster Ehe gar nicht. Der probte 954 in Rosstal (beim urkundlich noch nicht erwähnten Nürnberg) schließlich den Aufstand gegen den eigenen Vater. „Hier kam es zur Schlacht, und einen härteren Kampf um die Mauern hat kein Sterblicher gesehen“, verzeichnet der Mönch Widukind. „Auf beiden Seiten wurden viele verwundet; die Finsternis der Nacht trennte das Treffen.“ Am Ende lag Liudolf im härenen Büßergewand auf den Knien. Der Vater verzieh ihm zwar, doch Liudolf sollte Recht behalten: Nicht er, sondern sein Halbbruder Otto erhielt die Krone. Liudolf starb nämlich ganz unverhofft in Italien im besten Alter. Tjaja, Italiens Sümpfe und die Malaria und das Fieber...
- Und eines schönen Tages war es auch mit Otto aus und vorbei. Verbraucht und abgezehrt starb er mit 60 Jahren in Memleben. 22 Jahre hatte er neben Adelheid verbracht. Dennoch bestimmte Otto sein Grab neben seiner ersten Frau Edgith im Magdeburger Dom.
- Der neue Kaiser war also Adelheids Sohn Otto II, der war gerade 18 Jahre alt und seine byzantinische Frau Theophanu erst 14! Aus heutiger Sicht scheinen sie unmündige Kinder, in Wahrheit waren sie hochgezüchtete, auf Machtbewusstsein getrimmte Geschöpfe. Vor allem Theophanu! Das Mädchen brachte es fertig, eine mit allen Wassern gewaschene Kaiserin wie Adelheid aus ihrer Position zu verdrängen.
- Adelheid zog sich nach Pavia zurück und kümmerte sich um die Klöster. So ging es zehn Jahre lang und hätte so schön weiter gehen können – da starb Otto II mit erst 28 Jahren. Und dessen Sohn Otto III. war erst drei Jahre alt!
- Da half alles nichts, Adelheid musste wieder ran und zusammen mit Theophanu das Reich regieren. Dann starb sogar Theophanu anno 991 mit Anfang 30, und Adelheid hielt die Zügel allein in der Hand, bis Otto mit 14 Jahren mündig ward. Doch auch Otto war nur ein kurzes Leben bestimmt. Im Alter von 21 Jahren erlag er (wahrscheinlich) der Malaria. Aber das musste Adelheid nicht mehr erleben. Ganz knapp vor der Jahrtausendwende, im Dezember 999 gab auch sie den Geist auf. Auf dem Sterbebett im Kloster Selz gestand sie: „Ich bekenne, dass ich die irdische Krone geliebt habe, um des Dienstes willen, zu dem sie mich berief, und dass es mich viele Tränen gekostet hat, sie zu lassen.“
