Andreas Lösel

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Andreas Lösel ist Schwimmer bei der SSG 81 Erlangen. Seine Sepzialdisziplin ist das Brustschwimmen. Sein Vereinstrainer ist Roland Böller.


Bericht in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Andreas Lösel
Foto: dpa

"Andreas Lösel ist als Student zurückhaltend und als Schwimmer selbstbewusst:

„Gut zu wissen, dass man die Gegner schlagen kann“

Von Emmi Spitzer

ERLANGEN — „Früher kam ich grundsätzlich jeden Tag eine Viertelstunde zu spät ins Training, mit Absicht“, gibt Andreas Lösel freimütig zu. „Wir sind einfach nicht früher losgefahren.“ Das war vor über zehn Jahren, als der damals 14-Jährige das Schwimmen noch nicht als Leistungssport betrieb. Doch seit 1997 trainiert er unter Erfolgscoach Roland Böller, bei dem er Disziplin und Zuverlässigkeit lernte. „Der Rolli hat von Anfang an gesagt, wer nicht immer da ist, der kann gehen. Jetzt komme ich lieber diszipliniert pünktlich, sonst zahlt man 50 Cent. Und das wäre mit der alten Angewohnheit doch recht teuer geworden.“

Andreas Lösel (24) spricht mit Begeisterung über seine Sportart, das Schwimmen. Da ist der Redefluss des sonst eher ruhigen Studenten kaum noch zu bremsen. Bei den diesjährigen Deutschen Schwimmmeisterschaften in Berlin hat er sich ein „Denkmal“ gesetzt. Über seine Paradestrecke, die 200 Meter Brust, schwamm er neuen deutschen Rekord. 2:11,97 stand nach seinem Anschlag an der Anzeigetafel – 2,59 Sekunden war Lösel unter dem alten Rekord seines Konkurrenten Johannes Neumann geblieben. Die Zeit beeindruckte auch DSV-Teamchef Örjan Madsen, der von der „herausragenden Leistung des Tages“ schwärmte.

Starallüren kennt Lösel aber nicht. „Ich freue mich über jeden, der mir gratuliert, doch man muss mich nicht auf eine höhere Stufe stellen.“ Sein Selbstbewusstsein ist dagegen schon größer geworden. „Wenn man weiß, man kann seine Gegner schlagen, dann geht man schon ganz anders an den Start.“

Enttäuschungen und Niederlagen macht der Baiersdorfer lieber mit sich selbst aus. Nur den sportlichen Rat vom Trainer oder von seinen Schwimmkollegen nimmt er dann an. „Ando ist ein akribischer Arbeiter, der intelligent und gewissenhaft trainiert“, sagt Böller über seinen langjährigen Schüler. Mit seinen 24 Jahren hat Andreas schon mehrere Durststrecken hinter sich, und oft war der Gedanke ans Aufhören da. Zum Beispiel im vergangenen Jahr bei den Deutschen Wintermeisterschaften, wo er nachweislich zu unrecht disqualifiziert wurde. „Da zweifelt man dann schon daran, was und wofür man das eigentlich macht.“

Von seinen Freunden wird Lösel einfach nur „Ando“ genannt. Sie mögen seinen direkten, ehrlichen Humor und seine Art, anderen zuzuhören. „Wenn er mal da ist, dann gibt sich Andreas in der Uni unauffällig und konzentriert. Ich kann mich hundert Prozent auf ihn verlassen, wenn ich was von ihm will, obwohl er auch manchmal ein bisschen planlos ist“, sagt eine Kommilitonin über den Schwimmer.

Andreas Lösel
Foto: dpa

Der gebürtige Erlanger pendelt zwischen seinem Wohnort Baiersdorf und Erlangen, der Universität und der Schwimmhalle der SSG 81. Mit acht bis zehn Trainingseinheiten pro Woche sieht er diese meist mehr, als sein Zuhause in Baiersdorf, wo er mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder und seinen Eltern wohnt.

Fast wäre Andreas Lösel gar kein Schwimmer geworden. „Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wann ich das Schwimmen gelernt habe“, überlegt er. Zum TB Erlangen bzw. zu dessen Kooperationspartner im Schwimmen, der SSG 81 Erlangen, ist Andreas Lösel erst mit neun Jahren über einen Freund gekommen. Trotz einer vermeintlichen Chlorallergie ist er dem Verein bis heute treu geblieben. Im Training gibt er sich fleißig, ehrgeizig, gewissenhaft und ausdauernd. „Meine Ansprüche sind manchmal zu hoch, doch das behindert mich nicht, im Gegenteil, das ist für mich Ansporn.“

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking will er zeigen, dass er als mehrfacher Deutscher Meister und Rekordhalter über 200 Meter Brust noch mehr drauf hat. Viel Zeit für seine langjährige Freundin Corinna bleibt da nicht. Und auch die Uni kommt bei Lösel zu kurz. Seinen Semesterplan musste der Lehramtstudent mit den Fächern Sport, Geographie und Wirtschaft deshalb umstellen. „Eigentlich wollte und muss ich dieses Semester viel für die Uni machen, doch da im Sommer nun Wettkämpfe anstehen und ich für die Olympia-Qualifikation trainiere, muss die Uni zurückstehen. Im Wintersemester werde ich sehr wenig an der Uni sein können“, stellt er fest. Selbst die Studentenpartys finden oft ohne ihn statt. „Wenn ich sehe, dass andere jedes Wochenende feiern gehen können, dann beneide ich sie schon darum. Aber ich habe mir das Schwimmen ausgesucht, und das geht nicht ohne Disziplin.“ Wie ernst Lösel seinen Sport nimmt, zeigt sich zum Beispiel am verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol, oder darin, dass er schon um 22 Uhr ins Bett geht, wenn er Frühtraining hat. Was für ihn die Faszination am Schwimmen ist? Andreas überlegt nicht lange und antwortet mit seinem typischen verschmitzten Lächeln: „Eigentlich erstmal nur, dass ich es kann.“

(Aus: Nürnberger Zeitung vom 14. Juni 2007)