Arminiusstraße (Nürnberg)

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Arminiusstraße
Nürnberg

Die Nürnberger Arminiusstraße befindet sich im Stadtteil Mögeldorf. Benannt wurde sie nach dem Fürsten Arminius (um 17 v.Ch. - 21 n. Chr.), der im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht über die Römer triumphierte. In der Nürnberger Zeitung erschien dazu im Rahmen der Serie „Nürnberger Straßennamen“ folgender Artikel.

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Hermann der Cherusker

von Reinhard Kalb

Im Palast herrscht Weltuntergangsstimmung. Die Sklaven drücken sich winselnd vor Angst in die Ecken, die Konkubinen des Kaisers verstecken sich unter der Decke und die Leibgarde schwört Rache. „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ So brüllt, dem Wahnsinn nahe, der greise römische Kaiser Augustus immer wieder vor sich hin.
Was war geschehen? Der Kaiser hatte sich verspekuliert. Allerdings nicht an der Börse, sondern in der Militärpolitik. Hatte schon Julius Cäsar eine Brücke über den Rhein geschlagen, so hatte sein Nachfolger Augustus zur Zeitenwende den Machtbereich des Imperiums immer weiter in die norddeutsche Tiefebene verschoben, bis hin zur Elbe. Schließlich wollte er Germanien zu einer regelrechten römischen Provinz erheben.
Doch je weiter das Römische Reich expandierte, umso mehr Soldaten benötigte der Kaiser, um die Grenzen zu sichern. So viele Römer im kampffähigen Alter gab es nun auch wieder nicht. Deshalb waren unterworfene Barbaren, die sich auf die fremde Kultur eingelassen hatten, dazu angehalten, in so genannten Auxiliareinheiten fürs Römische Reich Wache zu schieben.
Ein fataler Fehler, der sich bitter rächen sollte. Bald darauf schlugen römisch kultivierte Barbaren die Offizierslaufbahn ein und lernten die römische Kriegsführung von innen her kennen. Und hier kommt Arminius ins Spiel. Arminius, dem erst spätere Chronisten den Namen Hermann gaben, war zwar der Sohn eines Cheruskerfürsten, aber auch römischer Bürger und sogar römischer Ritter. Als solcher befehligte er ein Cheruskerheer im Auftrag der Römer und sammelte in den pannonischen Kriegen seine ersten militärischen Erfahrungen.
Der Erfolg des Imperiums lag zum einen in der besseren Ausrüstung begründet. Die Römer verfügten über die besseren Waffen, im Gefecht brachen keltische und germanische Schwerter schnell entzwei. Noch schwerer wog, dass Kelten und Germanen ohne jede Schlachtordnung ins Getümmel stürzten und wild drauflos schlugen. Tapferkeit und Todesverachtung alleine reichten nicht aus. Die disziplinierten Römer nahmen den Gegner in der Feldschlacht einfach in die Zange und zermalmten ihn zwischen ihren Kohortenblöcken. Trat eine (in der Regel sechstausend Mann starke) Legion auf den Plan, so walzte sie alles nieder. Wie sollte Arminius, gerade Mitte Zwanzig, gleich drei Legionen auf einmal schlagen? Undenkbar! Und doch ist ihm dies im September des Jahres 9 gelungen, nämlich (laut Tacitus) im „Saltus Teutoburgiensis“.
Lange hatten die Gelehrten nach der Walstatt geforscht. Dutzende von Schauplätzen wetteiferten um die Ehre. Den entscheidenden Hinweis lieferte erst 1987 ein britischer Major. Der entdeckte bei Kalkriese (nahe Osnabrück) einen Schatz von Münzen sowie drei Schleuderkugeln aus Blei. Ausgrabungen der Folgezeit lieferten jede Menge an Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Knochen und Schädel.
Nun konnten die Historiker rekonstruieren, wie Arminius die überlegenen Römer besiegen konnte. Als der Oberbefehlshaber Quintilius Varus die 17., 18. und 19. Legion (das war die halbe Rheinarmee) ins Winterlager führte, passierte der Heertross einen Engpass. 15 – 20.000 Soldaten zuzüglich der Heerkarren bildeten eine Kolonne von 25 Kilometern Länge. Links erstreckte sich der Steilhang des Kalkrieser Berges, rechts brodelte das Große Moor. Da brachen die Cherusker, Brukter, Marser und Chatten zwischen den Bäumen hervor, fielen den Römern in die Flanke und zerrissen die Kolonne in einzelne Glieder. Wer nicht im Moor unterging, flüchtete ins Unterholz und lief den Cheruskern ins Messer. Drei Tage lang tobte das Gemetzel im Urwald. Am Ende waren die Legionen zerrieben; Varus gab sich die Klinge, und Arminius triumphierte auf ganzer Linie. Fünf Jahre später stieß der Feldherr Germanicus auf die traurigen Reste: „Mitten auf dem Felde lagen bleiche Knochen, bald einzeln, bald haufenweise. In den Hainen in der Nähe standen die Altäre der Barbaren, an denen man die Tribunen und Zenturionen ersten Ranges geschlachtet hatte.“
Danach verließ den Arminius sein Glück. Neidische Verwandte meuchelten ihn, seine Gattin Thusnelda geriet in römische Gefangenschaft und sein Sohn endete als Gladiator. Dafür erlebte er als „Hermann der Cherusker“ rauschende Wiederauferstehung als Bühnenheld und deutsch-nationale Symbolfigur. In den rund hundert Jahren von den Napoleonischen Kriegen bis zum Ersten Weltkrieg brachte er es auf mindestens 75 Dramen. Überdauert haben davon nur zwei: „Die Hermannsschlacht“ von Kleist, und das gleichnamige bühnensprengende Epos von Christian Grabbe. Und dann steht ja noch das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Und in Nürnberg gibt es eine Arminiusstraße. Und was hat Nürnberg mit Arminius zu tun? Genauso viel wie Detmold, wo Hermanns Denkmal steht: Viel zu weit weg vom wahren Schauplatz im Wiehengebirge!