August Engelhardt

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August Engelhardt

August Engelhardt (* 27. November 1875 in Nürnberg; † 6. Mai 1919 im heutigen Papua-Neuguinea) war ein selbsternannter Religionsgründer aus Nürnberg, dessen Heilslehre namens "Kokovorismus" die Ernährung mit Kokosnüssen und den Verzicht auf Kleidern beinhaltete. Mehr als 90 Jahre nach seinem Tod wurde er durch mehrere Romane wieder populär.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Der Sohn einer Unternehmerfamilie verließ vorzeitig das Gymnasium in Nürnberg und absolvierte eine Lehre als Apothekergehilfe. Er fand Interesse an den Lehren des "reinen Naturlebens", die vor allem um rein pflanzliche Ernährung und Nudismus kreisten. Er wollte sich den "Jungborn-Jüngern" der Brüder Just anschließen, doch deren Bewegung geriet in Konflikt mit der Justiz und wurde daraufhin aufgelöst.

Engelhardt beschloss nun, in das damalige Deutsch-Neuguinea auszuwandern. Am 15. September 1902 ließ er sich auf dem Inselchen namens Kabakon nieder, dass er größtenteils als Eigentum erwarb. Nicht weit entfernt lag damals Herbertshöhe, der damalige Sitz der deutschen Kolonial-Regierung von Neu-Guinea.

Engelhardt brachte die auf der Insel lebenden Eingeborenen dazu, für ihn die Kokosnussplantagen zu bewirtschaften. Er errichtete sich eine kleine Hütte und bewahrte dort seine Bibliothek deutscher Literatur auf. Er vertiefte sich immer mehr in seine Kokosnuss-Philosophie, deren Grundsatz lautete: "Die ausschließliche Kokosnuss-Diät macht unsterblich und vereinigt mit Gott, denn nackter Kokovorismus ist Gottes Wille".

Engelhardt verstieg sich auch zu der Vorstellung, dass das Gehirn deswegen das edelste Organ des Menschen sei, weil es sich der Sonne am nächsten befinde. Um seine Vorstellungen möglichst publik zu machen, gründete er den "Sonnenorden-äquatoriale Siedlungsgemeinschaft" und zog im Laufe der Jahre tatsächlich eine Schar von Anhängern und Gleichgesinnten an. Bekannt war etwa der Musiker Max Lützow, der sich - müde von der Zivilisation - auf Engelhardts Insel zurückzog und in begeisterten Briefen nach Deutschland von seinem neuen Leben berichtete. Sein Interesse erlahmte aber nach einen halben Jahr wieder, er erkrankte und starb 1905 nach den Strapazen einer Irrfahrt mit dem Segelschiff.

Engelhardts Gemeinschaft zerfiel zusehends, als August Bethmann und seine Verlobte Anna Schwab eintrafen. Zusammen mit dem "Naturschriftsteller" ging Engelhardt daran, seine Lehre neu zu veröffentlichen, verfiel aber körperlich immer mehr. Auf Drängen seiner Mitbewohner ließ sich Engelhardt schließlich in das Hospital in Herbertshöhe einweisen. Er war fast zu einem Skelett abgemagert und litt an Krätze, Geschwüren und massiver Auszehrung. Nach seiner Genesung behauptete er, mit den Geschwüren hätten die letzten krankhaften Elemente seinen Körper verlassen, so dass er sich nun wieder seiner reinen Lehre widmen könnte.

Engelhardt ließ nun wieder absurde Pamphlete verbreiten, in denen er etwa das "internationale tropische Kolonialreich des Fruktivorismus“ heraufbeschwor. Die deutsche Kolonialverwaltung hielt ihn aber mittlerweile für geisteskrank und verhinderte, dass weitere "Jünger" auf die Insel gelangten. Engelhardt gelangte aber immer mehr in den Ruf, eine lebende Kuriosität und Touristen-Attraktion zu sein.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Engelhardt 1915 interniert, kehrte aber noch einmal auf das nun australisch besetzte Kabakon zurück. Er starb Anfang Mai 1919, seine Grabstätte ist unbekannt.


Engelhardt-Romane und Reaktionen darauf

2011 veröffentlichte Marc Buhl den Roman "Das Paradies des August Engelhardt", der die Figur des Kokosnuss-Heilsbringers literarisch aufgreift [1]. Nur ein Jahr später erschien mit "Imperium" [2] ein weiterer Engelhardt-Roman, diesmal aus der Feder von Christian Kracht. Er löste eine große Kontroverse aus: Während andere Rezensenten das Werk positiv oder wohlwollend beurteilten, warf Georg Diez im "Spiegel" dem Autor vor, mit dem Text seine Nähe zu rechtem Gedankengut zu offenbaren. [3] Sowohl Krachts Verlag wie auch zahlreiche Feuilletonisten und Schriftstellerkollegen Krachts wiesen diese Anschuldigung aber als unbegründet zurück. In eine andere Richtung zielen Vorwürfe, die Marc Buhl gegenüber Kracht erhob: Er warf dem Schriftsteller vor, sich bei mehreren Passagen aus seinem Werk bedient zu haben.

Literatur

  • August Bethmann u. a.: Eine sorgenfreie Zukunft: Das neue Evangelium; Tief- u. Weitblicke f. d. Auslese der Menschheit … 5., völlig umgearbeitete und erweiterte Auflage. Bethmann & Engelhardt, Kabakon bei Herbertshöhe 1906.
  • Sven Mönter: Following a South Seas dream: August Engelhardt and the Sonnenorden. N.Z.: Research Centre for Germanic Connections with New Zealand and the Pacific, Univ. of Auckland, Auckland 2008
  • Golf Dornseif: Ein Kokosnuss-Apostel als Heilsbringe Neu-Guineas, - als PDF
  • Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt. Eichborn, Frankfurt a.M. 2011
  • Christian Kracht: Imperium. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012


Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt. Eichborn, Frankfurt a.M. 2011
  2. Christian Kracht: Imperium. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012
  3. Georg Diez: Die Methode Kracht. "Der Spiegel" vom 13.2.2012