Augustinerhof

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Der Augustinerhof ist ein Neubauprojekt in der Sebalder Altstadt. Auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerklosters sollte bereits in den 1990-er Jahren ein umstrittener Gebäudekomplex errichtet werden. Nach Protesten und einem Bürgerentscheid wurden die Pläne jedoch verworfen. Nach langer Zeit des Brachliegens hat sich erst in jüngster Zeit ein Immobilien-Entwickler des Areals angenommen. Die Vorarbeiten zu diesem neuen Bebauungskonzept auf dem Augustinerhof-Gelände haben im Sommer 2008 nun schließlich begonnen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Das 1265 erstmals urkundlich erwähnte Augustinerkloster hatte im Laufe der Jahrhunderte eine bewegte Geschichte. Nach der Sakularisation wurden die Gebäude zu "weltlichen Zwecken" genutzt, unter anderem als Schule, Gericht und Bank. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zu weiten Teilen zerstört. Die Folge: Die noch bestehenden Bauten verfielen.

Erster Entwurf von Helmut Jahn

Ende der 1980-er Jahre sollten dem Wunsch, den Augustinerhof wieder zu bebauen, schließlich Taten folgen. Der Unternehmer Mohammad Abousaidy und der in Nürnberg geborene Chicagoer Stararchitekt Helmut Jahn legten im Januar 1991 ein Konzept für den „neuen Augustinerhof“ vor, das sofort kontrovers diskutiert wurde. Am meisten störten sich die Kritiker an der Größe des Neubaus. Er passe nicht in die Umgebung, hieß es oft. Bereits im März 1991 bezeichneten die Altstadtfreunde den 22 Meter hohen geplanten Bau mit dem halboffenen Tonnen-Dach als „wuchernd ausgedehnte Wurst“ – ein Spitzname, den das Projekt nie mehr loswerden sollte. Auch viele Bewohner der Altstadt waren von Anfang an gegen den neuen Augustinerhof. Auf der Bürgerversammlung im Dezember 1991 ärgerten sich viele darüber, dass die Anwohner nicht in die Planungen einbezogen werden. Die NZ schrieb: „Die Bürger kommen sich verschaukelt vor.“

Die Politik - vor allem SPD-Oberbürgermeister Peter Schönlein und sein Baureferent Walter Anderle - hielt trotz zunehmender Proteste an den Plänen fest. Der Stadtratsbeschluss blieb bestehen. Anderle meinte, der Augustinerhof werde eine Sehenswürdigkeit, die mit der Nürnberger Burg mithalten könne. Währenddessen sammelten die Altstadtfreunde und das „Bürgerforum Rettet die Sebalder Altstadt“ Unterschriften gegen den Jahn-Entwurf. Im Januar 1992 übergaben sie dem selbstbewussten OB Schönlein Körbe voller Protestbotschaften: 51.000 Unterschriften kamen zusammen.

Die Bürger machen immer mehr Druck

Weil der öffentliche Druck schließlich zu groß wurde, legten Bauherr Mohammad Abousaidy und Architekt Helmut Jahn im Juli 1994 einen überarbeiteten Entwurf vor: Jetzt sollte der Augustinerhof ein Stockwerk weniger bekommen und das Dach etwas flacher werden. An den größten Kritikpunkten wurde aber nichts verändert: Der Neubau sollte weiterhin fast 22 Meter hoch sein und auch die wuchtige Erscheinung der „aufgeschlitzten Bratwurst sollte bleiben.

Kaum verwunderlich, dass die Kritiker auch vom neuen Entwurf nichts hielten. Sie erklärten im April 1995, nicht den modernen Charakter des Augustinerhofes abzulehnen – vielmehr passe der massige Neubau einfach nicht in die Umgebung. Außerdem waren sie gegen eine Ausdehnung des Lorenzer Geschäftsviertels nach St. Sebald.

Ein Bürgerentscheid bringt Klarheit

Im Januar 1996 sollte ein von den Altstadtfreunden initiierter Bürgerentscheid klären, ob gebaut werden dürfe. Nur 27 Prozent der Wahlberechtigten gingen am 14. Januar 1996 zur Abstimmung. Von denen, die aufkreuzten und ankreuzten, stimmten allerdings fast 69 Prozent gegen das Jahn-Projekt. Freilich war nach der Auszählung der Stimmen die Freude bei den Augustinerhof-Gegnern, allen voran bei den Altstadtfreunden, groß.

Das Gelände verwahrlost

Mehr als zehn Jahre lang tat sich auf dem Gelände so gut wie nichts. Der Innenhof wurde als Parkplatz genutzt. Bei der Versteigerung im Dezember 2007 erhielt die Alpha-Gruppe von Immobilien-Entwickler Gerd Schmelzer den Zuschlag für das 5.000 m² große Areal des Augustinerhofes. Im Zuge eines Architektenwettbewerbes wurden verschiedene Möglichkeiten der Bebauung gegeneinander abgewogen. Der große Unterschied zum Verfahren in den 1990er Jahren: Von Anfang an waren Interessengruppen wie die Altstadtfreunde und Bürger in die Planungen einbezogen. Parallel wurde im April 2008 mit dem Abbruch der verbliebenen Gebäudereste begonnen.

Neu-Anfang für den Augustinerhof

Aus dem Architektenwettbewerb ging im Oktober 2008 schließlich der Berliner Architekt Volker Staab hervor. Er schlug einen Mix aus Hotellerie, Wohnbebauung und Ladenflächen vor. Nach Staabs Entwurf soll sich das Areal zur Pegnitz hin öffnen. Ein beleuchtetes Portal soll Passanten vom Hauptmarkt anziehen. Volker Staab hat in den vergangenen Jahren der Stadt Nürnberg bereits einige markante „Ecken“ beschert: Aus seiner Hand stammt das Neue Museum am Klarissenplatz, außerdem hat er an der Bebauung der Sebalder Höfe mitgewirkt. Im Winter 2008 untersuchten Archäologen das Augustinerhof-Gelände. Der Beginn der Bauarbeiten ist für Ende 2009, Anfang 2010 geplant.


Dokumentation auf NZ-Online

  • Mit dem Augustinerhof beschäftigt sich auch die erste Folge der NZ-Online-Reihe NZ-History. NZ


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