Bäiderlasbou

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Der Bäiderlasbou, auch: Peiterlasbou, „Peterleinsbub“, „Petersilienbub“ oder „Petersilienknabe“, bekanntester Spitzname für einen gebürtigen Nürnberger.

<player align="right" width="300" thumb= AudioButton.jpg>Baeiderlesbou.mp3 | So klingt's auf Fränkisch</player>

Inhaltsverzeichnis

Zur dialektologischen Erfassung

Der Nürnberger Mundartforscher Dr. Herbert Maas führt das Wort „Bäiderlasbou“ in seinem Nürnberger Wörterbuch „Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn“ auf.

Dagegen findet man im Wörterbuch des Dialektologen Horst Haider Munske, Universität Erlangen, das Wort „Bäiderlasbou“ nicht:

  • Wörterbuch von Mittelfranken. Eine Bestandsaufnahme aus den Erhebungen des Sprachatlas von Mittelfranken. Zusammengestellt von Gunther Schunk, Alfred Klepsch, Horst Haider Munske, Karin Rädle und Sibylle Reichel. 2. Aufl. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2001, 224 S., ISBN 3-8260-1865-6 (1. Auflage, 2000, 218 S.)

Zur Wortgeschichte und Bedeutung

Weil der Chef der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. Erich Mulzer nicht glauben wollte, dass es den Ausdruck „Bäiderlasbou“ vor 1900 nicht gab, stellte Herbert Maas umfangreiche Nachforschungen an (Nürnberger Altstadtberichte, 1993). Er fand das Wort „Peiterlesboub'n“ in einer Posse „Der Peter auf der Fürther Kirchweih“ von Johann Friedrich Lehmann (1800-1863): „Su Peiterlesboub'n braucht mer grod in unsern Förth.“ Johann Friedrich Lehmann schrieb 1860 auch eine Erzählung: „Der Petersilienknabe“. Die Anmerkung des Herausgebers lautet: „Peiterlesbou, junger Nürnberger, Spitzname, welcher den jungen Norissöhnen in der Regel von den nicht-nürnbergischen Franken beigelegt wird, hergenommen von dem Nürnberger Nationalessen, der Petersilie.“

Herbert Maas bildet auch eine Ansichtskarte von 1902 ab mit einem Nürnberger Lausbuben: „Nürnberger Peiterlasbou“ und dem Spruch:

„I' bin a Närnberger Peiterlasbou,

Bekannt im Wait und Brait'n

Iss nix so gärn wöi Peiterla,

Schwemmkniedla aber a dazou,

Dees is mai schwacha Sait'n.“

Literatur

  • Herbert Maas: Seit wann die Nürnberger Peterleinsbuben heißen. In: Herbert Maas: Asuu und ned andersch. Deftiges und Deutliches über Nürnberger Wörter. Zeichnungen von Jules Stauber. Fotos von Erich Guttenberger. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 1991, 216, 10 S., ISBN 3-920701-82-8; hier: S. 128-130
  • Herbert Maas: Wie alt ist der Spitzname „Bäiderlasbou“? In: Nürnberger Altstadtberichte, Hrsg.: Altstadtfreunde Nürnberg e.V., Heft 18 (1993), S. 63-72
  • Peter („Bäiderla“) Zahn: Petroselinum crispum - Die Gartenpetersilie und die nürnbergischen Namen „Peterla / Pöiterla / Bäiderla“, In: Nürnberger Altstadtberichte, Hrsg.: Altstadtfreunde Nürnberg e.V., Heft 21 (1996), S. 93-96
  • Herbert Maas: Benedict Wilhelm Zahn: Bäiderla af alli Subbm. Die Sprichwörtersammmlung des Benedict Wilhelm Zahn. Hrsg. von Michael Diefenbacher und Wiltrud Fischer-Pache. Bearbeitet von Herbert Maas. Stadtrat zu Nürnberg. Nürnberg: Edelmann, 1997. - XXV, 237 S., ISBN 3-87191-240-9 (Edelmann) ISBN 3-925002-27-8 (Stadtarchiv Nürnberg) (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg; Band 27)
  • Herbert Maas: Peterlesbou. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, S. 806 - online

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

1) Ich danke Günter Stössel, der mich am 9. Dezember 2007 auf das Kapitel über die Peterleinsbuben in Herbert Maas: „Asuu und ned andersch. Deftiges und Deutliches über Nürnberger Wörter“, 1991, aufmerksam machte. Maas hatte auf Anregung Erich Mulzers noch einmal nachgeforscht und seine Forschungsergebnisse in den Nürnberger Altstadtberichten (1993) vorgestellt. Manfred Riebe