Nürnberger Bardentreffen
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Das Nürnberger Bardentreffen findet seit 1976 jedes Jahr Ende Juli/Anfang August statt.
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Zur Geschichte
Das Nürnberger Bardentreffen wurde anlässlich der Hans-Sachs-Feiern 1976 als Liedermacherfestival in Zusammenhang mit einem Bürgerfest 'Spiel mit Sachs' gegründet. Es knüpfte damit an die Tradition der Nürnberger Meistersinger an. In den Anfängen trafen sich tatsächlich Liedermacher und Barden überwiegend aus deutschsprachigen Ländern zu diesem Sängerfest. Aus den bescheidenden Anfängen hat sich das Bardentreffen längst zu einem international beachteten Musikfest entwickelt, das jedes Jahr neue thematische Schwerpunkte setzt. Die Veranstaltungsorte erstrecken sich heute quer über die Nürnberger Altstadt. Trotz hoher Kosten von rund 250.000 Euro jährlich ist es der Stadt bislang gelungen, alle Konzerte kostenlos zu veranstalten, bei denen immer wieder junge und unbekannte Talente aus der ganzen Welt auftreten. Das Bardentreffen zieht alljährlich geschätzte 200.000 Besucher an sowie zahllose Kleinkünstler, die abseits der offiziellen Festival-Bühnen auf den Straßen und Plätzen der Nürnberger Altstadt als die eigentlichen Barden auftreten.
Musikalische Jahres-Schwerpunkte
- 2002: Australien
- 2003: Russland
- 2004: Süditalien
- 2005: Frankreich/Schottland
- 2006: Barden aus Franken
- 2007: Frankreich
- 2008: Finnland
- 2009: Schweiz
Bekannte Barden
- Wolfgang Buck
- Dillberg (Musikgruppe)
- Giorgio Hupfer
- Maximilian Kerner
- Dan Reeder
- Günter Stössel
- Dieter Weigl
Literatur
- Clemens Wachter: Bardentreffen. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999 - im Netz
- Tilmann Grewe: Gespräch mit dem Bardentreffen-„Macher“ Charly Fischer zum 30-jährigen Bestehen des Bardentreffens. In: Nürnberger Zeitung 2006
Siehe auch
Weblinks
- Nürnberger Bardentreffen - im Netz
- Bardentreffen - Wikipedia
Artikel in der NZ
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
NZ-Redakteur Tilmann Grewe sprach zum 30-jährigen Bestehen des Bardentreffens für die Nürnberger Zeitung mit dem Bardentreffen-"Macher", Charly Fischer.
- Jürgen Drews führte mit „Ein Bett im Kornfeld“ die Hitparaden an, als das Nürnberger Bardentreffen 1976 sein Debüt hatte. Ende Juli findet es nun zum 30. Mal statt – und unterstreicht die fundamentale Wandlung vom eher spröden Liedermacher-Wettbewerb zum wohl größten Umsonst-und-Draußen-Festival überhaupt. 1200 Einzelinterpreten und Gruppen aus der ganzen Welt sind bislang im Schatten der Kaiserburg aufgetreten, zusammen wohl an die 5000 Musiker. Über die Entwicklung des Bardentreffens hat sich die NZ mit dessen Macher Charly Fischer unterhalten.
- NZ: 30 Jahre Bardentreffen — kommt die Veranstaltung langsam in die Jahre?
- Fischer: Das Bardentreffen ist im Verhältnis zur Stadt Nürnberg noch sehr jung. So gesehen kommt die Veranstaltung vielleicht gerade in die Pubertät oder in die Volljährigkeit.
- NZ: Also stehen uns jetzt erst einmal wilde Zeiten bevor?
- Fischer: Das wird sich herausstellen. Wir haben heuer ein paar wilde Gruppen beim Bardentreffen. Aus Frankreich kommen zum Beispiel „Babylon Circus“ oder „Les Hurlements d’Léo“, die mit fetzigem Groove und vielen Instrumenten auftreten.
- NZ: Ursprünglich war das Bardentreffen ein Beitrag zum Hans-Sachs-Jahr 1976, der dann schnell den Kinderschuhen entwuchs. Ist die Veranstaltung heute ein Selbstläufer?
- Fischer: Ein Selbstläufer ist heute eigentlich kaum mehr etwas. Das Bardentreffen hat sich immer gewandelt, hat viele unterschiedliche Spielstätten gehabt. Wir waren zum Beispiel schon auf dem Jakobsplatz, als die Straßenbahn dort noch gefahren ist, wir waren am Ölberg, wir waren im „Atlantik“-Café — das gibt es gar nicht mehr. Dann sind wir vom Burggraben auf den Hauptmarkt umgezogen. Da steht man von Jahr zu Jahr immer wieder vor Neuem.
- NZ: Sie sprechen von der Form. Was ist mit den Inhalten, mit dem Festival-Konzept?
- Fischer: Das ist ein fließender Prozess. Aber dieses Bänkelsänger-Fest der Anfangszeit, das nur für deutsche Musiker mit Gitarren da war, hat sich schnell gewandelt zu den „Liedern in der Fremde“, das heißt: zu anderen Sprachen. Dann wollten die Musiker mehr Musik machen — sie sind also mit Bands gekommen. Anschließend kam die „Musik aus der Welt“, was heute mit „Weltmusik“ umschrieben wird — von Australien bis in die Oberpfalz, denn das ist auch sehr exotisch (grinst). Als nächstes kamen neue Instrumente dazu — der Osten mit seinen Gruppen: Letztes Jahr hatten wir zum ersten Mal eine größere russische Combo beim Bardentreffen. Und so hat sich das in mindestens fünf, sechs, sieben Schwenks immer erweitert.
- NZ: Und in diesem Jahr?
- Fischer: Heuer machen wir ein Stück Rückschau und wir sehen uns Frankreich näher an, mit sechs, sieben Gruppen. Dazu kommt das Thema 20 Jahre Städtepartnerschaft mit Glasgow, da kommt schottischer Folk nach Nürnberg. Schließlich gehört die Neuentdeckung des Chansons zu den Schwerpunkten. Das reicht von der deutschen Gruppe Nylon bis zu Julie Delpy aus Frankreich — dort gibt es ja eine regelrechte Bewegung des neuen Chansons.
- NZ: Wie kann es überhaupt gelingen, über so viele Jahre hinweg immer wieder neue Musikformen, Strömungen und Themen zu präsentieren?
- Fischer: Völlig neue Sachen kann man wohl nicht finden. Aber man kann die Dinge gewichten, und die Musik ist sehr lebendig. Die Gruppen, die beim Bardentreffen spielen, kommen aus drei unterschiedlichen Quellen: Musiker, die sich direkt hier bewerben; Leute, die uns angeboten werden über Musikagenturen, mit denen wir zusammenarbeiten; und dann Bereiche, in denen wir selber suchen.
- Zum Zweiten: Das Bardentreffen ist mittlerweile europaweit bekannt. Auch dieser für manche antiquiert klingende Name ist ein Markenzeichen geworden. Das heißt, wenn eine Agentur aus London anruft oder aus Paris, dann sag’ ich nur: Guckt mal, was wir in den letzten Jahren gehabt haben, sprecht mal mit einer der Bands. Und dann entsteht sofort ein relativ offenes Verhältnis zum Bardentreffen, weil die Bands dann erzählen: ein super Festival, da verkauft man unglaublich viele CDs, tolle Atmosphäre — und das ist sehr hilfreich für uns. Wir hatten letztes Jahr Gruppen aus Neapel und Umgebung hier, und mittlerweile werde ich überschwemmt von süditalienischen Angeboten, weil sich das sehr schnell herumgesprochen hat.
- NZ: „Die Zeit“ hat das Bardentreffen als einen von 300 Top-Terminen weltweit bezeichnet. Macht Sie das stolz?
- Fischer: Sie kennen ja die Nürnberger Mentalität (lacht). Wir sagen immer: „Passt scho’.“ Natürlich sind wir sehr zufrieden und stolz — da sind ja jedes Jahr Hunderttausende von Menschen unterwegs, denen man Freude bereitet. Die sieht man als erstes. Dann versuchen wir natürlich auch, Nürnberg mit der Kultur in allen Bereichen bundesweit — wenn’s geht, sogar noch etwas weiter — in den Mittelpunkt zu stellen und zu zeigen, dass wir in Nürnberg sehr wohl mehr zu bieten haben als das Mittelalter.
- NZ: Die Premiere des Bardentreffens 1976 hat 9000 Mark (rund 4525 Euro) gekostet. Dafür würden Sie heute wohl kaum noch eine Band bekommen. Wie finanzieren Sie die enormen Kosten?
- Fischer: Unser Etat beträgt cirka 250 000 Euro. Davon wird die Hälfte eingespielt — durch Sponsoren, durch Übertragungsrechte und durch den Programmhefte-Verkauf. Und heuer versuchen wir zum ersten Mal, einen Pin zu kreieren. Der kostet drei Euro, ein kleiner Beitrag eigentlich — aber wenn das funktioniert wie beim Klassik-Open-Air, dann ist das ein großer Beitrag zur Finanzierung.
- NZ: Es gibt auch kritische Stimmen: Gerade in den letzten Jahren wurde dem Bardentreffen eine zunehmende Kommerzialisierung vorgeworfen.
- Fischer: Also, das ist eine Sache der Relationen. Lebensmittel kosten etwas, der Ausschank kostet etwas — und das kann nicht der billigste Preis sein, wie in der Fränkischen Schweiz. Da muss man die Gastronomen in Schutz nehmen. Außerdem: Über diese Einnahmen aus dem Verkauf finanzieren wir das Bardentreffen mit, weil die Gastronomen dafür natürlich etwas zahlen. Schließlich: Beim Bardentreffen ist es immer noch so, dass niemand etwas kaufen muss. Kurz: Es ist der Versuch, über die Gastronomie eine Umwegfinanzierung zu ermöglichen, und ich glaube, das ist einigermaßen ausgewogen.
- NZ: Was lieben Sie persönlich am Bardentreffen?
- Fischer: Die italienische Stimmung in Nürnberg. Wenn die Sonne scheint, man wird nicht eingepfercht in Sperrgittern, man kann sich an die lauschigen Plätze der Nürnberger Altstadt setzen. Eine Mischung aus dem mittelalterlichen Stadtbild, einer Belebung der Innenstadt und aus etwas Klingendem — das finde ich das Schönste am Bardentreffen.
