Blaue Agnes

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Die Legende von der blauen Agnes soll sich im Sinwelturm zugetragen haben.

Die Blaue Agnes ist eine Nürnberger Sagengestalt und zugleich der Schutzgeist der Nürnberger Türmer.

Inhaltsverzeichnis

Legende

In der Sage fand der Türmer des Sinwelturmes, Jörg Kohler, ein bewusstloses Mädchen eines Tages an seiner Schwelle liegen. Er nahm es bei sich auf und betreute sie wie seine eigene Tochter, da sich niemand fand, zu dem sie gehörte. Wie sich auf seine Nachfragen herausstellte, war sie offenbar das Kind einer jüdischen Familie, die bei einem Pogrom vertrieben worden war. Oft sah sie auf die Stadt herab, während sie am Webstuhl des Türmers saß. Der wie ein Einsiedler lebende Türmer stellte damit Stoffe her, die er blau einfärbte und anschließend verkaufte. Da deshalb auch Agnes meist blaue Kleider trug, wurde sie von den Leuten als „Die blaue Agnes“ bezeichnet. Als eines Tages in der Stadt ein großes Feuer ausbrach, wurde nur vom Sinwelturm aus kein Alarm gegeben. Als man nachsah, fand man den Türmer tot in seinem Stuhl sitzen, die blaue Agnes war und blieb verschwunden. Der Sinwelturm blieb danach viele Jahrzehnte lang unbesetzt und wurde erst wieder 1632 bemannt, als der Dreißigjährige Krieg ausgebrochen war und die Schweden heranmarschierten. Die Blaue Agnes soll daraufhin als guter Geist den Türmern erschienen sein, heimlich für Ordnung gesorgt und Feuer angezeigt haben, indem sie das Türmerhorn bei Gefahr an der Wand hin- und herbaumeln ließ.


Literatur

  • Franz Bauer: Alt-Nürnberg: Sagen, Geschichten und Legenden. München, 1933; 3. Auflage. München: Lindauer (Schaefer), 1955, 221 S. [1]


Siehe auch

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. In Bauers Version fehlt der Hinweis auf die jüdische Herkunft des Mädchens, stattdessen verweigert sie auf Nachfragen die Auskunft. Vermutlich erfolgte diese Änderung in Zusammenhang mit den politischen Verhältnissen in Deutschland ab 1933.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen