Christine Waitz

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Christine Waitz
Foto: Roland Fengler/NZ

Christine Waitz ist Triathletin aus Roth. Sie studiert an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Beim Langdistanz-Triathlon Ironman auf Hawaii wurde sie im Jahr 2006 beste Deutsche. Beim Quelle Challenge Roth wurde sie im Jahr 2007 Deutsche Meisterin.

Siehe auch

Berichte in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

"Christine Waitz wurde Meisterin, andere Lokalmatadoren enttäuschten
Die Freundin tröstete den Feuerwehrmann
ROTH/HILPOLTSTEIN — Eigentlich hätte Susanne Buckenlei stolz auf ihre Leistung beim diesjährigen Quelle Challenge sein können. Mit persönlicher Bestzeit von 9:49:40 Stunden landete die Triathletin vom SC Roth auf einem hervorragenden neunten Rang. Dennoch wollte keine rechte Freude aufkommen, als sie dieses Ergebnis realisierte. Vielmehr blickte die 31-Jährige besorgt und suchend umher, bis sie schließlich ihren Freund, den letztjährigen Weltmeister der Feuerwehrmänner Michael Hofmann, endlich in den Zielbereich einlaufen sah. Es war ein ungewohntes Bild, das sich den Zuschauern anschließend bot. Völlig erschöpft fiel der 26-jährige Rother seiner Freundin in die Arme.
Die Enttäuschung über seine Leistung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er hatte sich so viel vorgenommen, wollte den WM-Titel verteidigen und seine persönliche Bestzeit von 8:28:43 Stunden unterbieten. Aber es sollte diesmal einfach nicht sein. “Bis Kilometer 70 auf dem Rad ging’s ja noch einigermaßen“, sagte Hofmann. Dann bekam er Probleme mit der Nahrungsaufnahme und fiel weit zurück. „Danach lief nichts mehr, da war ich mir sicher, dass es eine Zeit um die zwölf oder sogar 13 Stunden wird.“
Der Rücken begann auch noch zu schmerzen, und der restliche Wettkampf wurde zur Qual. „Aber ich habe mir gesagt, jetzt zieh’s wenigstens noch bis zum Ende durch“, erzählte Hofmann niedergeschlagen. Da war es auch kein Trost, dass er trotz einer für ihn inakzeptablen Zeit von 9:53:05 Stunden noch unter den besten drei „Firefightern“ landete und sich nur dem Franzosen Frederic Tyrode sowie Michael Schroers aus Viersen geschlagen geben musste.
Eichhorn haderte mit dem Marathon
Mehr erhofft hatten sich auch einige andere aus der Riege der Lokalmatadoren. Für den Vorjahressiebten Bernd Eichhorn etwa reichte es diesmal nur zu einer Zeit von 8:30:40 Stunden und einem elften Rang. „Ich hatte mir eine schon Zeit um die 8:15 zugetraut und war eigentlich total motiviert, vor allem weil meine Schwimm- und Radleistung echt gut waren“, resümierte Eichhorn. „Aber dann kam der schlimmste Marathon seit Jahren.“
Und auch Heidi Jesperger, die im Vorfeld auf den deutschen Meistertitel geschielt hatte und letztlich doch nur den siebten Rang ergattern konnte, musste neidlos anerkennen, dass andere diesmal einfach besser waren. „Ich habe keinen guten Tag erwischt, und meine Beine waren nach der Radstrecke schwer wie Blei“, sagte die 27-jährige Athletin. „Aber ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe“, fügte sie hinzu.
Zur großen Gewinnerin avancierte diesmal die erst 22 Jahre alte Christine Waitz aus Roth, die sich mit ihrem fünften Rang gleichzeitig den deutschen Meistertitel holte. „Das ist nur noch toll, mehr kann ich dazu gar nicht sagen“, erklärte die zierliche Fränkin. Auch nach den 9:33:30 Stunden, die sie für die Strecke benötigte, machte sie keinen allzu erschöpften Eindruck. „Das täuscht, es ist tatsächlich ganz schön hart gewesen“, gestand Waitz. Doch ihr breites Dauergrinsen schien jegliche Anzeichen von Erschöpfung zu verdrängen.
Der neben Christine Waitz wohl im wahrsten Sinne des Wortes „glücklichste“ Lokalmatador an diesem Tag war Markus Forster. Nach 8:20:41 Stunden kam der Starter vom TV Thalmässing als Siebtplatzierer im Rother Triathlonpark an. Zu diesem Erfolg trieb den berufsmäßigen Schornsteingfeger auch sein ganz besonderer Talisman. „Mein einjähriger Sohn war heute mit dabei. Und immer, wenn ich ihn irgendwo auf der Strecke gesehen habe, hat mich das zusätzlich angespornt“, erklärte Forster stolz.
Feuer im Herzen
Susanne Buckenlei hätte ihren Liebsten beim Challenge lieber nicht auf der Strecke getroffen. Irgendwann hat sie ihn dann sogar überholt. „An ihm vorbeizuziehen war das Schlimmste für mich, aber wenn ich bis zum Ziel bei Michi geblieben wäre, hätte ihn das nur noch mehr genervt“, sagte Buckenlei. Allmählich kehrte dann auch die Freude über ihr gutes Rennen wieder zurück. Und ihr Lieblings-„Firefighter“ hat sowieso längst ein Feuer in ihr entfacht. Ob mit oder ohne WM-Titel in der Tasche spielt dabei keine Rolle."
(Aus: Nürnberger Zeitung vom 25. Juni 2007)


"Lokalmatadorin Christine Waitz:
Debütantin mit glänzender Referenz
Von Markus Kaiser
ROTH — Nach dem Ironman auf Hawaii war das Staunen im vergangenen Oktober groß: Christine Waitz kam beim Langdistanz-Triathlon nach 10:13 Stunden als schnellste Deutsche ins Ziel. In ihrer Altersklasse wurde die 22-Jährige Erste. In der Gesamtwertung belegte sie den 39. Platz. Und das bei ihrem zweiten Rennen über 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,195km Laufen. „Der Erfolg kam schnell und unerwartet“, sagt Christine Waitz selbst.
Für Hawaii hatte sich die Athletin, die beim Rothsee-Triathlon über die olympische Kurzdistanz drei Mal Zweite hinter Vereinskollegin Dagmar Matthes vom SC Roth geworden war, in Wisconsin qualifiziert. In 11:04 Stunden wurde sie Neunte. Am Sonntag feiert Christine Waitz ihr Debüt beim Quelle Challenge Roth. „Ich freue mich drauf“, sagt die gebürtige Rotherin, „schließlich bin ich schon jahrelang als Zuschauerin an der Strecke dabei.“
In diesem Jahr hat Christine Waitz außerdem die T-Shirts für die ehrenamtlichen Helfer gestaltet. Die 22-Jährige studiert im vierten Semester Kunst auf Lehramt an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. „Kunst ist ein schöner Ausgleich zum Sport“, meint Waitz. „Damit kann ich ein bisschen runterkommen.“ Am liebsten zeichnet sie mit dem Bleistift. Ihr Kunst-Studium bezeichnet sie als „Traum“: „Es ist ja nicht ganz so einfach, da reinzukommen.“ Vor allem im Frühling und im Sommer kommt es ihr entgegen, dass sie sich – bis auf die Akademie-Seminare – ihre Zeit relativ frei einteilen kann.
Christine Waitz trainiert schließlich 20 bis 30 Stunden in der Woche. „Ich bin trotzdem meist die, die pünktlich zum Studium morgens da ist“, sagt sie mit einem Lächeln. „Wenn die anderen verschlafen reingeschlappt kommen, habe ich schon meist eine Trainingseinheit hinter mir.“ Nach ihrem Ironman auf Hawaii wurde sie im vergangenen Jahr des Öfteren von Kommilitonen auf ihren Sport angesprochen: „Was? So was machst Du?“ Die Fragen und Kommentare bewegten sich laut Waitz zwischen Erstaunen, Entsetzen und Bewunderung: „Kunststudenten sind ja allgemein nicht die sportlichsten.“
Sie selbst zählte als Kind allerdings auch nicht zu den Sportskanonen. „Mit Bällen kann ich gar nicht umgehen. Und meine Mama sagt immer: ,Du warst die Unsportlichkeit in Person.‘ Das glaubt mir heute nur keiner mehr.“ Ihre Mutter wollte sie motivieren, zum Turnen zu gehen. „Das habe ich total verweigert.“ Im Jahr 1998 fing sie dann aber an, Sport zu treiben und machte ihren ersten Triathlon. Auch ihr 19-jähriger Bruder Michael nimmt inzwischen ab und zu an Triathlon-Wettkämpfen teil. Eine typische Biografie für eine Rother Familie.
Wenn Christine Waitz am Sonntag erstmals beim Quelle Challenge startet, ist sie nicht ganz entspannt: „Wenn man mit dem Prädikat als schnellste Deutsche auf Hawaii reingeht, steht man schon unter Druck.“ An Hawaii hat die 22-jährige Studentin nur gute Erinnerungen: „Ich wusste, dass ich gut trainiert habe. Dass es so gut wird, war aber nicht vorherzusehen.“ Auf der Strecke habe sie immer wieder ihre bisherigen Zwischenzeiten nachgerechnet und schon einmal eine Prognose für das Endergebnis erstellt: „Ich dachte, ich muss mich verrechnet haben.“
In diesem Jahr will die Athletin des SC Roth, die von der olympischen Kurzdistanz kommt, auf jeden Fall wieder beim traditionsreichen Ironman auf Hawaii starten. „Meine Hawaii-Reise ist aber noch nicht bezahlt, und mein Konto sieht auch nicht so aus, als würde es eine Hawaii-Reise hergeben.“ Deshalb hofft sie, nach dem Quelle Challenge wenigstens ein paar kleinere Geldgeber zu finden. „Bisher sind Mummy und Daddy meine einzigen Sponsoren.“
(Aus: Nürnberger Zeitung vom 21. Juni 2007)