Christoph-Carl-Platz (Hammer)

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Christoph-Carl-Platz
Nürnberg
<googlemap lat="49.469309" lon="11.169834" zoom="17">49.469503, 11.169855, Christoph-Carl-Platz

Nürnberg, Bayern</googlemap>

Hammer Dorfplatz.jpg

Der Christoph-Carl-Platz ist seit Jahrhunderten der Mittelpunkt in dem einstigen Fabrikgut Hammer im Osten Nürnbergs. Wanderer und Radfahrer machen oft Halt und wollen die Geschichte der einzelnen Häuser wissen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick über das Ensemble

Der Platz wird abgegrenzt durch einen Torbogen im Westen und dem östlichen Ausgang. Das östliche Tor wurde von einem amerikanischen Panzer zerstört und nicht wieder aufgebaut. Fast ellipsenförmig fügen sich rechts und links um den Platz die Häuser und zeugen von der Geschichte und Bedeutung von Hammer.

Zum Namen

Der Platz in Hammer bzw. Laufamholz wurde nach Christoph Carl von Forster (1838-1912) benannt. Er war Gemeinderat in Laufamholz und hatte sich um den Ort verdient gemacht.

Fabrikgeheimnis

Das früher durch Tore abschließbare Areal weist auf eine interessante Geschichte hin. In Nürnberg war die Messingschlagerei seit 1552 ein sog. gesperrtes Handwerk, d. h. die Berufsausübung unterlag harten Reglementierungen. Die Arbeiter wurden nach der Ausbildung durch ein Gelübde an das Werk gebunden. Die erlernten Produktionsmethoden durften nicht verraten und das Fabrikgut nicht ohne Erlaubnis verlassen werden.

Von Nürnberg kommend befindet sich rechts das ehemalige Kutscherhaus mit einem Fachwerkobergeschoß erbaut im 19. Jahrhundert. Die Ruinen des ehemaligen zweigeschossigen Herrschaftshauses von 1640 mit einem Rundbogenportal und einem Wappenrelief schließen sich an. Es wurde im 19. Jahrhundert mehrfach erweitert und 1943 zerstört.

Es folgt das frühere Wirtshaus mit Stallungen ebenfalls mit einem Rundbogenportal um 1687 erbaut. Von dem Sandsteinbau mit einem Fachwerkobergeschoß stehen nur noch die Grundmauern. Eine 3D- Darstellung zeigt den ehemaligen Zustand des Wirtshauses „Einkehr zum Hammer“. Der Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz brachte das aus dem Bauschutt gerettete alte Wirtshausschild wieder an. Dieser historische Ausleger an der Ruine des Wirtshauses zeigt an der Spitze das Zeichen der Kommunbrauer, den „Zaiger“ oder auch „Flinter“ genannt. Bei diesem handelt es sich um einen sechseckigen Stern, der aus zwei Dreiecken zusammengesetzt ist. Nach alchimistischer Art ist das Dreieck mit der Spitze nach oben das Symbol für das Feuer; das Dreieck mit der Spitze nach unten stellt das Zeichen für das Wasser dar. In Verbindung ergibt sich daraus ein „Kochen“ und „Sieden“ beim Bierbrauen.In einem kaiserlichen Erlass von 1647 war es dem Schankwirt verboten, Hochzeiten und Kindstaufen abzuhalten und auswärtige Gäste zu bewirten.Erst in späteren Jahren nach Einführung der Gewerbefreiheit wurde ein Festsaal eingerichtet.

Das Zeichen nebenan verweist auf das ehemalige Stammlokal der Stahlbogenschützen von Hammer.Den Abschluss bildet ein erdgeschossiger Sandsteinbau als Arbeiterwohnhaus mit Ruhestein, erbaut im 18. Jahrhundert.

Südlich der Pegnitz direkt am Fluss befinden sich Reste früherer Industriebauten wie z. B. der Gießerei. Ein großes Tor zeigt die Einfahrt in den Hof der ehemaligen Gießerei, erbaut um 1718, mit einer darüber liegenden Wohnung. Daneben schließt sich wieder ein um 1718 erbautes ehemaliges Arbeiterwohnhaus an.

Parallel zur Pegnitz gelegen ist das im 18. Jahrhundert erbaute Büro- und Verwaltungsgebäude des früheren Werkeigners Johann Christoph Volkamer. Es war nach 1943 das Wohnhaus des letzten Fabrikherren aus der Familie von Forster.

Zentral gelegen ist das Gebäude Nr. 23 von 1668, das als Schule mit Lehrerwohnung diente und damit eine der ersten Schulen im Nürnberger Raum war, bevor öffentliche Schulen eingeführt wurden. Das sog. Uhrenhaus ist im alten Zustand wieder hergestellt. In ihm war u. a. das Patrimonialgericht untergebracht, und anschließend gab es Platz für sechs abgeschlossene Wohnungen mit jeweils eigenen Zugängen. Diese erreichte man durch für das Gebäude typische zwei hölzerne Treppenaufgänge an der Ostseite. Es ist ein zweigeschossiger Sandsteinbau mit Volutengiebel und einer Ladengaube mit Uhrtürmchen aus dem 17. Jahrhundert sowie einer Sonnenuhr im südlichen Giebel. In den Umfassungsmauern eines früheren landwirtschaftlichem Anwesens hält der Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz jährlich im Sommer einen gut besuchten Jazzfrühschoppen ab. Den Abschluss nach Westen bildet wieder ein früheres sandsteinerdgeschossiges Arbeiterwohnhaus.

Soziales

Diese Arbeiterwohnhäuser sind ein besonderes Merkmal von Hammer. Sie bilden das Gegenstück zu der oben erwähnten besonderen Bindung der Arbeiter an den jeweiligen Fabrikherrn. Als Gegenleistung verpflichteten sich die „Hammerherren“ zu einer umfassenden, lebenslangen Versorgung der Beschäftigten und deren Familien, wie auch die Zurverfügungstellung von Wohnungen.

Mittelpunkt des über Jahrhunderte gewachsenen Dorfplatzes aber ist ein Sandsteinobelisk, eine Nachbildung eines Obelisken aus dem Hippodrom in Konstantinopel. Er befindet sich dort seit 1861. In diesem Jahr wurde der Volkamer`ische Garten in Gostenhof aufgelöst und der Obelisk in Hammer aufgestellt und mit einer Inschriftplakette von Georg Christoph von Forster versehen. Er erinnert an eine Geschäftsreise von Johann Christoph Volkamer nach Konstantinopel.

1943 wurden das direkt an der Pegnitz gelegene sowie eine vor dem Westtor vorhanden gewesene imposante Fachwerkscheune zerstört. Neu gebaut nach dem Krieg wurde von der N-Ergie, die Eigentümerin des im Wasserschutzgebiet liegenden Hammer ist, das direkt an der Wehranlage gelegene Wasserkraftwerk. Es ist ein Einlaufbauwerk mit einem Rechen. In dem Maschinenhaus erzeugen moderne Turbinen Ökostrom. Die jeweilige Leistung der Turbinen wird neuerdings an einer Tafel angezeigt.

Hammer ist Endpunkt des Pegnitztal-Erlebnispfades der N-Ergie. Dieser Weg führt im Pegnitzgrund von Nürnberg nach Hammer. Am Rande des Pfades weisen 26 Tafeln auf die Besonderheiten von Fluss und Natur hin. Den Abschluss bildet die Tafel 26 in Hammer, die die Historie und Bedeutung des früheren Fabrikgutes Hammer mit der ehemaligen Messingblech- und Messingfolienfabrik aufzeigt.

Literatur

  • Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold Frhr. von Haller: „Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft“ Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft e.V. ISBN: 978-3-00-020677-1
  • Wolfram Runkel und Jürgen Schadeberg: „Galgenfrist für Hammer: Ein Dorf wird eingemottet“. In: Zeitmagazin:Galgenfrist für Hammer: Ein Dorf wird eingemottet, Beilage zur Zeitschrift Die Zeit Nr.: 44 vom 23. Oktober 1981

Siehe auch

Weblinks