Der Meister von Nürnberg

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Szene mit Maria Solveg als Evchen

Der Meister von Nürnberg ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1927 nach Motiven von Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg". Der Film löste in Nürnberg eine heftige Debatte über angebliche Verunglimpfung des literarischen Vorbilds aus und war jahrzehntelang verschollen, bevor wieder eine Kopie entdeckt wurde.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte, Besetzung und Inhalt

Der Film wurde eigentlich zur Eröffnung des Nürnberger Phöbus-Filmpalastes im Auftrag der Phoebus-Filmgesellschaft produziert. Die Regie führte Ludwig Berger, Schauspieler waren u.a. Rudolf Ritter (Hans Sachs), Gustav Fröhlich (Walter von Stolzing), Adele Sandrock (Stolzings Tante) und Veit Harlan (David). Der Inhalt der leichten Liebes-Komödie greift Motive aus Wagners "Meistersingern" auf, ohne der Oper genau zu folgen. Im Vordergrund stehen die Liebes-Verwirrungen, aus dem Meistersänger-Wettstreit wird ein Gedicht-Rezitationswettbewerb. Veit Pogner und Hans Sachs wollen Bürgermeister werden, Stadtschreiber Beckmesser erwartet als Gegenleistung für die Unterstützung Pogners die Hand seiner Tochter Evchen. Sie aber verliebt sich in Walter von Stolzing, der seinerseits vor einer drohenden Zwangsverheiratung geflohen ist und sich als Lehrjunge verkleidet hat. Der Film spielt zwar in Nürnberg, wurde aber komplett in den Berliner Babelsberg-Studios gedreht.

Kritik wegen angeblicher "Verunstaltung" Wagners

Während der Film in den meisten Zeitungen sehr positiv aufgenommen wurde, zettelte der Berliner Musikritiker Hugo Rasch eine ideologisch motivierte Generalabrechnung gegen den Film an: Er unterstellte der Produktion, dass sie das Ansehen von Wagner und seiner Oper massiv schädige. Der deutschtümelnde Totalverriss fiel in Nürnberg auf fruchtbaren Boden: Dort griff Wilhelm Matthes vom „Fränkischen Kurier“ die Attacken dankbar auf und hetzte munter weiter, ohne dass er den Film überhaupt gesehen hatte. Im Fadenkreuz hatte er die „Destruktiven“ und „Kulturbolschewisten“, die zu einem neuen Schlag im Kampf gegen Richard Wagner ausgeholt und nun ein „unerhörtes Verbrechen“ an den Meistersingern begangen hätten.

Etliche Nürnberger Vereine und Institutionen sprangen nun ebenfalls auf diesen Zug auf und verfassten einen „Nürnberger Protest“, der ein Schutz-Gesetz forderte, nach dem so erbauliche Werke wie die Wagner-Oper nicht nach dem Tode des Urhebers sinnentstellend und herabwürdigend geändert werden dürften. Zu den Unterzeichnern gehörte auch der Nürnberger OB Hermann Luppe als Vorsitzender des Philharmonischen Vereins und des Albrecht-Dürer-Vereins. Auch der Stadtrat wurde in einem Antrag aufgefordert, geeignete Maßnahmen gegen das „schändliche“ Filmwerk zu ergreifen.

Die Kampagne hatte zur Folge, dass der Film nicht wie geplant am 7. Oktober 1927 im neuen „Phoebus“-Filmpalast am Königstorgraben uraufgeführt wurde, sondern erst ein Dreivierteljahr später nach Nürnberg kam. Dabei war der Film sogar extra für die Kino-Einweihung produziert worden. In der Zwischenzeit war der Sturm im Wasserglas deutlich abgeebbt. Dazu hatten auch Redakteure der „Nürnberger Zeitung“ beigetragen, die sich den Film in München angesehen hatten und zu dem Ergebnis gekommen waren, dass der Protest jeder Grundlage entbehrte.

Wiederentdeckung zum Hans-Sachs-Jahr

Nachdem der Film jahrzehntelang verschollen war, wurde er Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Er wurde im Rahmen des Hans-Sachs-Jubiläumsjahrs 1994 aufgeführt. Da die ursprüngliche Musik verschollen war, beauftragte der damalige BZ-Chef Siegfried Kett die Percussion-Gruppe "Cabaza" mit der Komposition einer neuen Filmmusik.


Literatur

Weblinks