Die Nürnberger Malerfamilie Preißler

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Die Preißler (auch Preissler oder Preisler) waren eine Nürnberger Familie von Malern, Zeichnern und Kupferstechern des späten 17. und des 18. Jahrhundert.

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Johann Daniel Preissler Herrenportrait

Inhaltsverzeichnis

Daniel Preißler

Stammvater der Nürnberger Malerdynastie Preißler, * 8 März 1627 Prag, † 19. und begr. 23. Juni 1665 Nürnberg.
Sein Vater, der Schlosser Georg P., zog aus Glaubensgründen mit seiner Familie von Prag nach Dresden, wo Daniel P. 1642 zum dortigen Hofmaler Christian Schiebling in die Lehre kam. Am 29. Oktober 1648 als Gesell freigesprochen, begab er sich im Juli 1650 auf eine etwa zweijährige Wanderschaft. Nachdem er sich am 27. September 1652 in Nürnberg niedergelassen hatte, arbeitete er zunächst als Geselle bei Johann Christian Ruprecht (um 1600 - um 1666). Nach Vorlage seines Probstücks (Meisterstück), Kain erschlägt Abel in Lebensgröße, beim städtischen Rugamt, wurde er am 25. Mai 1654 als Meister freigesprochen.
Daniel P. war vor allem als Bildnis-, aber auch Altarbildmaler tätig. Joachim von Sandrart würdigt ihn in seiner Teutschen Academie: Trotz "seiner guten naturalien zu der Kunst" sei er "zu Anfangs seines Studii, sehr gehindert worden", weil er mangels finanzieller Mittel "der Künste Mutter Italien oder andere Länder" nicht habe bereisen können[1]. Nicht zuletzt aber durch Kopieren seiner (Sandrarts) Porträts des Königs Gustav Adolf von Schweden, des Hertzogens von Amalfi (d. h. Octavio Piccolomini) und "vieler anderer Potentaten" habe er "hernach andere und bessere Manier an sich genommen" und sich so perfektioniert, daß er "auch bey einigen umligenden Fürsten hierinnen aufzuwarten beruffen worden"[2]. Von Sandrart genannte sakrale Werke, die bemalten Flügel der von Heinrich Traxdorf geschaffenen Hauptorgel von St. Sebald und das Hochaltarbild Aussendung des hl.Geistes der Heilig-Geist-(Spital)Kirche, fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Eines seiner letzte (erhaltenen) Werke ist ein Selbstbildnis im Kreis seiner Familie (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum).
Seiner zweiten Ehe mit Magdalena Riedner entsprangen sieben Kinder, von denen drei überlebten, darunter der Sohn Johann Daniel.

Johann Daniel Preißler

Sohn des Daniel Preißler, * 17. Januar 1666 Nürnberg, † 13. und begr. 18. Oktober 1737 ebd.
Johann Daniel wurde erst mehrere Monate nach dem frühen Tod seines Vaters geboren und war zunächst Schüler seines Stiefvaters Heinrich Popp, den seine Mutter in zweiter Ehe geheiratet hatte. Nach dessen Tod trat er eine dreijährige Lehre bei Johann Murrer (1644 - 1713) an. 1688 reiste er nach Italien mit nachweisbaren Aufenthalten in Venedig, Bologna, Florenz, Siena und, ab dem 6. April 1689, in Rom. Erst am 28. Mai 1696 kehrte er im Gefolge des Markgrafen Georg Friedrich d. J. von Ansbach nach Nürnberg zurück. Über seinen Italienaufenthalt gibt er in autobiographischen Notizen einen ausführlichen Bericht[3].
Als "Virtuose", der sich lange Jahre in Italien vervollkommnet hatte, war er, wie seine Kollegen Johann Murrer und Johann Leonhard Kramer, von einigen Pflichten der handwerklichen Maler befreit, hatte jedoch jährlich drei Gulden in die Kasse der Maler zu bezahlen, woher sich die Bezeichnung "Drei-Gulden-Maler" ableitete. Trotz mehrerer Beschwerden der Maler beim Rugamt, lieferte Johann Daniel nie das vorgeschriebene Probstück ab. Mit seinen beiden Kollegen machte er sich für eine Reform der Ausbildung und Organisation der Maler stark, was ebenfalls zu Spannung mit den "Handwerkern" führte. Per Ratsverlass vom 15. Dezember 1704 wurde er zum Direktor der Malerakademie (heutige Akademie der Bildenden Künste) ernannt. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod. Noch im gleichen Jahr wurde mit Billigung des Rates der Akademiebetrieb durch eine von ihm entworfene Schulordnung reformiert. Für Unterrichtszwecke brachte er ein italienisches Lehrbuch L'Anatomica dei Pittori del Signor Carlo Cesio im Deutschen heraus. Neben weiteren Lehrwerken zu Anatomie und Gewandbildung, deren Kupferstiche sein Sohn Georg Martin fertigte, widmete er eine Stichfolge auch dem Zeichnen von Landschaften und Veduten (siehe unten: Druckwerke).
Von 1715 bis 1737 war er Genannter des Größeren Rats. 1716 übernahm Johann Daniel P. auch die Leitung der Zeichenschule, die der Freiherr Heinrich Christoph Hochmann von Hohenau gestiftet hatte. Sie wurde der Akademie angegliedert und sollte der handwerklich-künstlerischen Ausbildung von Kindern bedürftiger Eltern dienen.
Sein wohl bedeutendstes Werk, das er zusammen mit Johann Martin Schuster (1667 - 1738) schuf, war die 1711-18 entstandene (und 1945 zerstörte) Deckenausmalung in St. Egidien, Nürnberg.


Druckwerke

  • Orthographia, Nürnberg: Weigel, um 1700 (Titelkupfer und 12 Buchstaben- und Ornamentblätter, radiert von Hieronymus Böllmann).
  • L'Anatomica dei Pittori del Signor Carlo Cesio, Das ist deutliche Anweisung und gründliche Vorstellung von der Anatomie der Mahler..., verlegt und mit 16 ganzseitigen Kupferstichen versehen von Hieronymus Böllmann. 1706 (und weitere Auflagen).
  • Die durch Theorie erfundene Practic, Oder Gründlich=verfaßte Reguln deren man sich als einer Anleitung zu berühmter Künstlere Zeichen=Werken bestens bedienen kan, Nürnberg, 1728-31 (und weitere Auflagen).
  • Gründliche Anleitung, welcher man sich im Nachzeichnen schöner Landschafften oder Prospecten bedienen kan, den Liebhabern der Zeichen=Kunst mitgetheilet, Nürnberg, 1734 (und weitere Auflagen).
  • Gründliche Anweisung zu richtigen Entwürffen und Zierlichen Auszeichnungen der Blumen. Denen Liebhabern der Zeichen-Kunst mitgetheilet, Nürnberg, um 1735.

Gemälde

  • Behringersdorf, ev. Pfarrkirche, Altarbild Kreuzigung Christi.
  • Nürnberg, Museen der Stadt Nürnberg: Christus am Kreuz mit Maria Magdalena, 1702; Bildnis des Jakob Wilhelm Imhof.


Johann Justin Preißler

Johann Justin, getauft 4. Dezember 1698 in Nürnberg, † 18. und begr. 25. Februar 1771 ebenda, war das älteste von fünf Kindern des Johann Daniel P., die alle künstlerische Berufe ergriffen.
Nach erster Ausbildung durch den Vater bekam er mit 15 Jahren Unterricht von Johann Martin Schuster, der unter des Vaters Leitung an der Malerakademie tätig war. Wie schon sein Vater hinterließ er autobiographische Notizen, die über seinen Lebensweg Auskunft geben[4]. 1724 reiste er als Begleiter eines Offiziers nach Venedig und studierte dort unter Giambattista Piazzetta. 1727 ist er in Rom und besucht zusammen mit Christoph Andreas von Imhoff, späterem Nürnberger Bürgermeister, Neapel. Für vier Jahre trat er dann in Dienste des Diplomaten, Numismatikers und Kunstsammlers Baron Philipp von Stosch (1691 - 1757), um für ihn antike und neuzeitliche Skulpturen und vor allem seine Sammlung antiker Gemmen für die Herausgabe im Kupferstich zu zeichnen. An der französischen Akademie freundete er sich mit dem Bildhauer und Architekten Edmé Bouchardon (1698 - 1762) an, der 1727 eine Porträtbüste des Barons Stosch schuf, die Johann Justins Sohn Georg Martin nach einer Zeichnung des Vaters in Kupfer gestochen hat.
Kurz nach Stoschs erzwungener Abreise aus Rom nach Florenz, kehrte Johann Justin über Florenz, Bologna, Parma, Mantua, Verona, Bozen, Innsbruck und Augsburg am 30. August 1731 nach Nürnberg zurück, im Gepäck über 2000 Abgüsse antiker Gemmen[5]. Am 29. Mai 1742 wurde Johann Justin in Nachfolge von Paul Decker d. J. (1685 - 1742) Direktor der Malerakademie. 1745 - 63 war er Genannter. Am 29. August 1754 übernahm er von seinem verstorbenen Bruder Georg Martin überdies die Leitung der Zeichenschule, übergab sie später jedoch an seinen Schwiegersohn Christoph Johann Sigmund Zwinger (1744 - 1813).
Sein nicht sehr umfangreiches Oeuvre umfasste Altar- und Historienbilder, Porträts, Architektur- und Ornamentstiche. Das Lehrwerk seines Vaters, Die durch Theorie erfundene Practic, ergänzte er um einen weiteren, vierten Teil.

Druckwerke

  • Philippo L Baroni de Stosch Antiqvitatis amatori Bonarumqve Artivm Cvltori Statvas hasce antiqvas ab Edmvndo Bovchardon Gallo Scvlptore egregio Romae delineatas Io. Ivstinvs Preisler Noricvs Pictor a se in Aes incisas..., Nürnberg: Georg Martin Preißler, 1732.
  • Ornamenti d'Architettura. Das ist Architectonische Verzierungen aus verschiedenen führnehmen Gebaeuden in und ausser Rom zusammengetragen..., Nürnberg: Georg Martin Preißler, 1734.
  • Der berühmten Künstler P. P. Rubens und Anton. van Dyck fürtrefliche und weitbekannte Mahlereyen die sich vorhin in dem prächtigen Tempel R. R. P. P. Soc. Iesu zu Antwerpen befunden haben; nun aber durch desselben Einäscherung verlohren gegangen sind werden aus der Asche gleichsam herfürgezogen und im Kupffer an das Licht gebracht von Johann Justin Preißler, Mahler. Nürnberg, verlegts Georg Martin Preißler, Anno 1735.

Gemälde

  • Altenthann, ev. Pfarrkirche, Flügelbilder des Gedächtnisschreins für Anna Helene Grundherr;
  • Betzenstein, ev. Pfarrkirche, Deckenbemalung, 1735/36.
  • Hersbruck, ev. Pfarrkirche, Hochaltarbild Grablegung Christi.
  • Ipsheim, ev. Pfarrkirche, Altarbilder.
  • Nürnberg, Museen der Stadt Nürnberg, Die Apotheose des Aeneas, Deckengemälde, 1732 (aus dem ehem. Gartenanwesen des Grafen Christian von Wied-Runkel an der Johannisstraße 32 a).


Georg Martin Preißler

Zweitältester Sohn von Johann Daniel Preißler, getauft 6. November 1700 in Nürnberg, † 29. August und begr. 4. September 1754 ebenda.
Er erhielt seine Ausbildung durch den Vater. 1726-54 war er als Kupferstecher im Ämterbüchlein eingetragen und 1737 bis zum Tod Direktor der Zeichenschule. Neben Bildnissen stach bzw. radierte er vor allem nach Vorlagen seines Vater und seines Bruder Johann Justin und war auch als Verleger für die graphischen Folgen tätig (siehe oben).


Johann Martin Preißler

Drittältester Sohn von Johann Daniel Preißler, getauft 14. März 1715 in Nürnberg, † 17. November 1794 in Lyngby bei Kopenhagen.
Nach dem ersten Unterricht beim Vater und seinem Bruder Georg Martin weitere Ausbildung in Paris bei dem Kupferstecher Laurent Cars (1699 - 1771). 1744 vom dänischen König als Hofkupferstecher nach Kopenhagen berufen, wurde er dort 1750 auch Professor an der Kunstakademie. Vorwiegend als Porträtstecher und -radierer tätig.

Druckwerke

(zus. mit Johann Eberhard Ihle) Gründliche Zeichenkunst für Liebhaber aus allen Ständen, besonders für die Jugend, Nürnberg: Schneider, um 1795.


Valentin Daniel Preißler

Jüngster Sohn von Johann Daniel Preißler, * 18. April 1717 in Nürnberg, † 8. und gebr. am 16. April 1765 ebenda.
Nach der ersten Ausbildung beim Vater wandte er sich einem Studium der Mathematik und Philosophie an der Universität Altdorf zu, kehrte jedoch zur Druckgraphik zurück, indem er sich von Bernhard Vogel (1683 - 1737) in der Mezzotinto- oder Schabkunsttechnik unterrichten ließ. Zwei jHare verbrachte er in Kopenhagen als Student seines zwei Jahre älteren Bruders Johann Martin an der dortigen Akademie.
Die von Vogel begonnene Schabkunst-Edition von Gemälden - vorwiegend Porträts - des Johann Kupezky (1667 - 1740) führte er nach Vogels Tod zu Ende und gab sie 1745 mit 73 Darstellungen (ohne Titel und Inhaltsverzeichnis) heraus:
JOANNIS KVPEZKY, Incomparabilis Artificis, IMAGINES et PICTURAE quotquot earum haberi potuernt, antea ad quinque Dodecades ARTE quam vocant NIGRA aeri incisae a BERNHARDO VOGELIO, jam vero similiter continuatae opera et sumptibus VALENT. DAN. PREISLERI, Chalcographi Norib. MDCCXLV, ein für das Porträtschaffen Kupezkys sehr wertvolles Werk.vbr>

Ehrungen

In Nürnberg wurde die Preißlerstraße im Stadtteil Gostenhof und die an dieser Straße liegende Johann-Daniel-Preißler-Schule (Mittelschule) nach Mitgliedern der Familie benannt.

Literatur

  • (Johann Wilhelm) Sturm, Originalaufzeichnungen zur Geschichte der Preisler'schen Künstlerfamilie, in: Archiv für die zeichnenden Künste mit besonderer Beziehung auf Kupferstecher- und Holzschneidekunst und ihre Geschichte, 9. Jg, Leipzig 1863, S. 363-391 Online-Text.
  • Franz Friedrich Leitschuh, Die Familie Preisler und Markus Tuscher. Ein Beitrag zur Geschichte der Kunst im 17. und 18. Jahrhundert, Leipzig 1886.
  • Alfred Schädler, Landkreis Pegnitz, = Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Oberfranken, Bd. II, München 1961, S. 68.
  • Heidrun Ludwig, Nürnberger naturgeschichtliche Malerei im 17. und 18. Jahrhundert, Marburg an der Lahn: Basilisken-Presse, 1998, S. 365-368.
  • Manfred H. Grieb (Hg.), Nürnberger Künstlerlexikon, Bd. 3, München 2007, S. 1171-1174.
  • Ludwig Sichelstiel, Die Künstlerfamilie Preißler, in: Matthias Henkel u. Ursula Kubach-Reutter (Hg.), 1662 – 1806. Die Frühzeit der Nürnberger Kunstakademie, Nürnberg: Ausstellungskatalog Museen der Stadt Nürnberg 2012, S. 71-80.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Link-Text Sandrart, Teutsche Academie, III. Teil, S. 79 f.
  2. Ebd..
  3. Siehe Literatur: "Sturm."
  4. Siehe Literatur: "Sturm".
  5. Diese Zahl im Nürnberger Künstlerlexikon genannt.