Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

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Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ist eine Einrichtung der Museen der Stadt Nürnberg. Die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ informiert über die Geschichte des Geländes und stellt Ursachen, Zusammenhänge und Auswirkungen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dar.

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
© Hagen Gerullis/NZ
Eingang zu Doku-Zentrum

Inhaltsverzeichnis

Lage

Auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände stehen auf über vier Quadratkilometern die Überreste nationalsozialistischer Bauwerke. Dazu gehört die unvollendete Kongresshalle. In deren Nordflügel befindet sich das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Einführung

Nürnberg ist wie nur wenige andere deutsche Städte mit dem historischen Erbe der nationalsozialistischen Zeit konfrontiert. Über 55 Jahre nach Kriegsende entstand auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände erstmals ein zeitgemäßes und ganzjährig geöffnetes Informationsangebot. Der hufeisenförmige 40 Meter hohe Torso der Kongresshalle ist der dominanteste und weithin sichtbarste Bau auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Im nördlichen Kopfbau jenes für 50.000 Menschen geplanten, aber niemals vollendeten NS-Kongresszentrums entstand auf rund 1.300 m² die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt". Auf dem Dach des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände bietet ein Internationales Studienforum vertiefte pädagogische Begleitprogramme an, insbesondere für Schulklassen oder Jugendgruppen. Das Dokumentationszentrum bezieht auch eine deutliche architektonische Gegenposition zur Herrschaftsarchitektur der Nationalsozialisten. Wie ein Pfahl bohrt sich ein gläserner Gang, geschaffen von dem Grazer Architekten Günther Domenig, durch das Gebäude und durchdringt so die streng rechtwinklige Geometrie des Nordflügels. Die Innenräume befinden sich in baulichem Rohzustand, der auch bei der Ausstellungsgestaltung beibehalten wird. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände wurde im Jahr 2000 von der UNESCO als offizieller deutscher Beitrag zum "Internationalen Jahr für eine Kultur des Friedens" aufgenommen. Seit Mai 2006 erschließt ein Informationssystem mit 23 Einheiten das historische Areal und ermöglicht einen individuellen Rundgang über das ehemalige Reichsparteitagsgelände. Es stellt eine wichtige Ergänzung zur Ausstellung im Dokumentationszentrum dar.

Kuratorium des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände

Ein Kuratorium aus Persönlichkeiten nationalen Ranges setzt sich für das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ein (Stand Juni 2011):

  • Richard Bartsch, Präsident des Bezirkstags von Mittelfranken
  • Arno Hamburger, Nürnberger Stadtrat und Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg
  • Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München/Oberbayern
  • Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
  • Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland
  • Elisabeth Hann von Weyern, Evangelische Landeskirche in Bayern
  • Prof. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg
  • Renate Schmidt, Familienministerin a.D.
  • Dr. Oscar Schneider, Bundesminister a.D. (Sprecher des Kuratoriums)
  • Bruno Schnell, Verleger der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung
  • Horst Seehofer, Bayerischer Ministerpräsident
  • Dr. Ludwig Spaenle, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus

Wissenschaftlicher Beirat

Die wissenschaftliche und museumsfachliche Ausgestaltung des Dokumentationszentrums wurde von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. Ihm gehörten Vertreter der Zeitgeschichtsforschung an:

  • Prof. Dr. Wolfgang Benz, Institut für Antisemitismusforschung, Berlin
  • Prof. Dr. Horst Möller, Institut für Zeitgeschichte, München
  • Prof. Dr. Reinhard Rürup, Stiftung Topographie des Terrors und Institut für Geschichtswissenschaften, TU München
  • Prof. Dr. Gregor Schöllgen, Universität Erlangen-Nürnberg (Sprecher des Beirats)

Vertreten waren ferner profilierte Museumsfachleute:

  • Dr. Judith Belinfante, vormals Präsidentin der Vereinigung jüdischer Museen in Europa, Amsterdam, und Mitglied des niederländischen Reichstags
  • Prof. Dr. Hermann Schäfer, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
  • Prof. Dr. Christoph Stölzl, vormals Deutsches Historisches Museum, Berlin, und Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Berlin

Das Kultusministerium des Freistaats Bayern war vertreten durch Dr. Peter März, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München. [1]

Kontakt

  • Hausadresse

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
90478 Nürnberg

  • Telefon: 0911 231-5666
  • Fax: 0911 231-8410
  • Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 9 - 18 Uhr,
Samstag und Sonntag: 10 - 18 Uhr,
Einlass bis 17 Uhr

Literatur

  • Franz Sonnenberger: Eine Stadt stellt sich ihrer Vergangenheit. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg. In: Asmuss, Burkhard / Hinz, Hans-Martin (Hrsg.): Historische Stätten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Orte des Erinnerns, des Gedenkens und der kulturellen Weiterbildung? Zum Umgang mit Gedenkorten von nationaler Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland, Symposium am 23. und 24. November 1998 im Deutschen Historischen Museum. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Wien: Peter Lang, 1999, 280 S., ISBN 978-3-631-36007-1
  • Gabi Seitz: Besuch in Georg P. Salzmanns «Bibliothek der verbrannten Bücher». Ein treuer Freund der verfolgten Dichter. In: Nürnberger Zeitung Nr. 94 vom 22. April 2008, S. 9 - NZ
  • Marco Puschner: Kommentar: Pro: Die Sammlung gehört nach Nürnberg. In: Nürnberger Zeitung Nr. 94 vom 22. April 2008, S. 9 - NZ
  • Ute Wolf: Kommentar: Kontra: Nürnberg braucht diese Bibliothek nicht. In: Nürnberger Zeitung Nr. 94 vom 22. April 2008, S. 9 - NZ
  • Marco Puschner: «Bibliothek der verbrannten Bücher»: Augsburg bekommt den Zuschlag. In: Nürnberger Zeitung Nr. 107 vom 8. Mai 2008, S. 15 - NZ
  • Tim Farin: Hitlers „Mein Kampf“. Zwischen Kritik und Propaganda. In: Stern vom 25. April 2008 - stern.de
  • dpa: Aufklärung oder Gefahr? Streit um die Freigabe von Hitlers «Mein Kampf». In: Nürnberger Zeitung Nr. 117 vom 21. Mai 2008, S. 6 - NZ
  • Das Dokumentationszentrum in Nürnberg. Zeichen gegen das Vergessen. In: nordbayern.de vom 25. November 2009 - nordbayern.de
  • Alexander Jungkunz: Mit dem Zug zur Todesrampe. Spät stellte sich die Bahn ihrer Rolle während der NS-Diktatur. In: Nürnberger Nachrichten vom 23. März 2010 - NN

Artikel in der NZ

  • tig [= Tilmann Grewe]: Neue Ausstellung im Dokuzentrum. Als die Synagoge abgerissen wurde. In: Nürnberger Zeitung Nr. 185 vom 9. August 2008, S. 9 - NZ
  • cro: Dokuzentrum: Sonderausstellung zu den Nürnberger Synagogen. In Stein gehauener Zeuge der Geschichte. In: Nürnberger Zeitung Nr. 263 vom 11. November 2008, S. 13 - NZ
  • Ute Wolf: Ausstellung im Doku-Zentrum. Wie die Deutschen in Slowenien wüteten. In: Nürnberger Zeitung Nr. 25 vom 31. Januar 2009, S. 13 - NZ
  • Eckart Dietzfelbinger: Neue Forschungen über Entrechtung in der NS-Zeit. Kleine Schritte ins Verbrechen. In: Nürnberger Zeitung Nr. 57 vom 10. März 2009, Nürnberg plus, S. + 2 - NZ
  • Susanne Rieger: Buch beleuchtet Erinnerungskultur seit 1945. Nürnberg hat eine besondere moralische Last geerbt. In: Nürnberger Zeitung Nr. 59 vom 12. März 2009, S. 14 - NZ
  • epd: Wissenschaftliche Ausgabe. Adolf Hitlers «Mein Kampf» wird neu herausgebracht. In: Nürnberger Zeitung Nr. 171 vom 28. Juli 2009, S. 1 - NZ
  • Eike Schamburek: «Der Hunger lässt alles vergessen». Zeitzeugengespräch im Dokuzentrum. In: Nürnberger Zeitung Nr. 178 vom 5. August 2009, Nürnberg plus, S. + 2 - NZ
  • Isabel Lauer: «Die Leute waren besoffen vor Glück». Ausstellung im Dokuzentrum: Verführung beim Reichserntedank. In: Nürnberger Zeitung Nr. 269 vom 20. November 2009, S. 11 - NZ
  • Claudia Urbasek: Dokumentationszentrum eröffnet im Mai große Sonderausstellung. Bahn als Hitlers großer Helfer. In: Nürnberger Zeitung Nr. 68 vom 23. März 2010, S. 7 - NZ
  • Claudia Urbasek (Text) und Harald Sippel (Fotos): »Das Gleis. Logistik des Rassenwahns« – Ausstellung im Dokuzentrum eröffnet. Die Bahn als williger Vollstrecker. In: Nürnberger Zeitung Nr. 113 vom 19. Mai 2010, S. 9 - NZ
  • Armin Leberzammer: Juden-Deportationen aus Franken. Bahnfahrt in den sicheren Tod. In: Nürnberger Zeitung Nr. 163 vom 19. Juli 2010, Nürnberg plus, S. + 2 - NZ

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Doku-Zentrum Nürnberg: Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“: Wer steckt dahinter? Kuratorium


Karte

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