Engelsgruß Lorenzkirche

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Der Engelsgruß während der Inspektions- und Reinigungsarbeiten 2013
Maria mit dem Heiligen Geist als Taube
Die Schlange aus der Schöpfungsgeschichte mit dem Apfel im Maul


Der Engelsgruß in der Nürnberger Lorenzkirche, auch unter dem Namen „Englischer Gruß“ bekannt, ist ein Verkündigungsbildnis von Veit Stoß, das zwischen 1517 und 1518 entstand. Es befindet sich in sechs Meter Höhe im Hallenchor der Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungeschichte

Das Kunstwerk wurde von dem Obersten Losunger Anton II. Tucher gestiftet. Die Vergabe des Auftrages war eine große Überraschung, denn der zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alte Künstler war als verurteilter Betrüger und Querulant in Ungnade gefallen und hatte schon seit vielen Jahren keinen Auftrag mehr erhalten. Man geht davon aus, dass Tucher die Entscheidung deshalb traf, weil er Stoß als einzigen Künstler seiner Zeit ansah, der dieses ehrgeizige Projekt angemessen umsetzen konnte. Im Ausgabenbuch von Anton II. Tucher wird das Werk als „Rosenkranz“ bezeichnet. Zum ersten Mal wurde es im Sommer des Jahres 1518 im Hallenchor der Lorenzkirche aufgezogen.

Darstellung

Stoß schuf einen ovalen Kranz aus 50 geschnitzten Rosenblüten und umrahmte mit diesem symbolischen Rosenkranz die Szene, in der Maria vom Erzengel Gabriel verkündet wird, dass sie als Mutter von Jesus Christus ausgewählt wurde. Die Blüten werden von fünf Medaillons mit biblischen Szenen unterbrochen. Veit Stoß drückte in vielen symbolischen Formen und Figuren vor allem die Gefühle der Freude und der Überraschung aus. Engel musizieren auf vielen Instrumenten, Maria erschrickt so über die Erscheinung des Engels, dass ihr ein Buch aus der linken Hand fällt. Das aus Lindenholz geschnitzte Werk besticht auch durch einen großen Detailreichtum: So hält die Schlange am unteren Rand des Engelsgrußes einen Apfel im Maul, auf dem sogar der Gebissabdruck eines Menschen zu sehen ist. Veit Stoß dachte bei der Gestaltung des Engelsgrußes auch daran, wie das für den Hallenchor vorgesehene Werk am besten in der ihm zugedachten Höhe wirkt, und berücksichtigte dies etwa bei den Lichtreflexionen, die sich in den Augen des Erzengels brechen.

Weitere Geschichte des Kunstwerks

Ein Jahr nach der Aufhängung wurde eine Vorrichtung angebracht, um den Engelsgruß zeitweilig zu verhüllen. Ähnlich wie bei Flügelaltären war das Werk danach wochenlang den Blicken der Gläubigen entzogen und wurde nur an Marienfeiertagen gezeigt. Nach der Reformation hing der Engelsgruß als eine nicht dem evangelischen Glaubensverständnis entsprechende Marien- und Rosenkranzreliquie jahrhundertelang verhüllt hoch oben im Chorgewölbe. Als Nürberg 1806 an Bayern fiel, wurde der Engelsgruß zuerst in die Kunigunden-Kapelle auf der Burg geschleppt und dort ausgestellt. Danach kam er in die Frauenkirche. Weil die Proportionen an den neuen Orten aber nirgendwo passten, kam das Werk 1817 doch wieder nach St. Lorenz. Weil man es aber an einem alten und abgenutzten Seil aufhängte, ereignete sich am 2. April ein schweres Unglück: Die Befestigung riss und der Engelsgruß zerbrach in viele Stücke. Erst 1825 wurde das Werk wieder durch die Bildhauer Lorenz und Michael Rotermund restauriert. Für immer verloren gingen zwei der Engelsfiguren, eine kleine Jesusfigur, die das Zepter Gabriels geziert hatte, und die linke Hand von Maria. Die Hand wurde später als seitenverkehrte Kopie der rechten Hand rekonstruiert, die anderen Figuren fehlen bis heute.

Im Laufe der weiteren Jahrhunderte wurde das Werk noch mehrmals restauriert.Vor Beschädigungen in den Zeiten des II. Weltkriegs wurde der Engelsgruß durch die Einlagerung im Nürnberger Kunstbunker bewahrt, die bereits im Jahr 1939 erfolgte. Für regelmäßige Inspektions- und Säuberungsarbeiten wird er etwa alle sechs Jahre für einige Tage zu Boden gelassen. Diese Gelegenheit nutzt die Pfarrgemeinde auch, um das Kunstwerk aus nächster Nähe zeigen und erläutern zu können.


Anekdoten

Der Engelsgruß war wegen seines ursprünglichen Namens "Englischer Gruß" oft der Gegenstand von Verwechslungen: Viele Menschen brachten den Begriff "Englischer" nicht mit dem Gruß eines Engels, sondern mit dem Land England in Verbindung. Dazu mag in Nürnberg auch insbesonders der Umstand beigetragen haben, das man hier auch eine Maria-Ward-Schule besitzt, deren Gründerinnen früher auch als "Englische Fräulein" bezeichnet wurden. Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, entschloss sich die Kirchengemeinde mittlerweile, das Kunstwerk nur noch als "Engelsgruß" zu bezeichnen.

Bildergalerien und Videos

Quellen

  • St. Lorenz in Nürnberg, Kunstverlag Josef Fink, hrsg von der Kirchengemeinde St. Lorenz
  • Der Engelsgruß in der Nürnberger Lorenzkirche, verfasst von Marco Popp und Susanne Bammessel

Literatur

Siehe auch


Weblinks