Franken außerhalb Frankens

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Auch für Franken außerhalb Frankens spielt Franken eine große Rolle, weil es ihr Heimat- oder Ursprungsland ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Heimat Franken

Auf der ganzen Welt, z.B. in Frankenmuth in den USA, fühlen sich Menschen, die in Franken aufgewachsen sind oder deren Vorfahren aus Franken stammen, auf Grund ihrer Heimatverbundenheit, ihrer Heimatliebe oder ihres Heimatbewusstseins auch fern der Heimat als Franken.

Im Zweiten Weltkrieg starben auch viele Franken außerhalb Frankens in anderen europäischen Ländern. Auch an sie wird in der fränkischen Heimat gedacht.

Das fränkische Selbstverständnis endet daher keineswegs an den Grenzen der fränkischen Regierungsbezirke.

Fränkische Ortsnamen

Außerhalb des heutigen Franken gibt es Orte, die von Franken besiedelt oder gegründet wurden und einen entsprechenden Namen tragen. Sie können entweder etwas über die ursprüngliche Siedlung der Franken oder über die Ausbreitung und Wanderungen der Franken sagen. Der größte noch existierende Beweis auf einer Landkarte für die ehemalige Größe des Frankenreiches, dürfte der Staat Frankreich sein.

In Deutschland

Die deutschen Orte mit dem Namensteil „Franken“ liegen meist nicht allzuweit entfernt von dem heutigen Franken. Es ist zu prüfen, welche Orte mit dem Fränkischen Reichskreis verbunden waren.

  • Frankenau, Hessen Waldeck-Frankenberg
  • Frankenberg (Eder), Hessen Waldeck-Frankenberg
  • Frankenberg/Sachsen, Sachsen Mittweida
  • Frankendorf, Thüringen Weimarer Land
  • Frankeneck, Rheinland-Pfalz Bad Dürkheim
  • Frankenfeld, Niedersachsen Soltau-Fallingbostel
  • Frankenhain, Brandenburg Elbe-Elster
  • Frankenhain, Thüringen Ilm-Kreis
  • Frankenhain (Sachsen). Der Ortsname weist auf eine fränkische Besiedlung hin.
  • Frankenhardt, Baden-Württemberg Schwäbisch Hall
  • Frankenheim, Thüringen bei Meiningen
  • Frankenheim, Unterfranken, Ortsteil von Bischofsheim an der Rhön
  • Frankenheim, Sachsen, Ortsteil von Markranstädt, Landkreis Leipzig
  • Frankenroda, Thüringen Wartburgkreis
  • Frankenstein, Rheinland-Pfalz Kaiserslautern
  • Frankenstein, Sachsen Freiberg
  • Frankenthal (Sachsen), Sachsen, Bautzen
  • Frankenthal (Pfalz), Rheinland-Pfalz Kreisfreie Stadt
  • Frankenwinheim, Bayern Schweinfurt
  • Frankfurt (Oder), Brandenburg Stadtkreis
  • Frankfurt am Main, Hessen Kreisfreie Stadt
  • Frankleben, Sachsen-Anhalt Merseburg-Querfurt
  • Frankweiler, Rheinland-Pfalz Südliche Weinstraße

Von Franken in den USA gegründete Orte

Wilhelm Löhe wurde gleichzeitig mit Theodor Fliedner Begründer einer lutherischen Mission. In Neuendettelsau erreichte Löhe ein Hilferuf des deutsch-amerikanischen Pastors Friedrich Wynecken, der ihn auf die schwierige kirchliche Situation deutscher Auswanderer in den USA aufmerksam machte.

Auf seine Initiative hin gingen 1842 erste Helfer nach Amerika. Im Verlauf der kommenden Jahre entwickelte sich aus dieser Initiative die „Missionsanstalt für Nord-Amerika“. Seit 1841 wurden Missionare für die Seelsorge der nach Nordamerika Auswandernden ausgebildet. So nahm Löhe auch Einfluss auf die kirchliche Prägung der Neuen Welt. Viele Franken folgten dem Ruf, als Neusiedler nach Amerika auszuwandern. Die amerikanischen Orte Frankenmuth, Frankentrost, Frankenlust und Frankenhilf sind Gründungen fränkischer Auswanderer im 19. Jahrhundert. (1)

Franken im Königreich Böhmen

Viele Orte entlang der Goldenen Straße gehörten von 1353 bis 1373 zum Königreich Böhmen. Durch Kauf, Heirat, Verpfändung, Erbschaft und Diplomatie hatte Karl IV. die Obere Pfalz (heute Oberpfalz) und Teile von Franken in den fünfziger und sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts erworben.(2)

Literatur

  • Matthias Niese: Verwandte im Westen. Auch jenseits der bayerischen Grenze leben fränkische Brüder und Schwestern. In: Wochenendmagazin von NN und NZ vom 8.4.2006
  • Clemens Helldörfer: Auch in Michigan spricht man Fränkisch. In: Nürnberger Zeitung vom 15. Februar 2008, Reihe „Der allerschäinste Dialekt“ - NZ
  • Raimund Kirch: Letzte, ferne Heimat. Ein Besuch auf dem Soldatenfriedhof Apscheronsk im Nordkaukasus. In: Nürnberger Zeitung Nr. 267 vom 15. November 2008, Magazin am Wochenende, S. 3 - Magazin
  • Arndt Peltner: Gelockt vom Ruf der Neuen Welt. Franken suchten ihr Glück in den USA. In: Nürnberger Zeitung Nr. 215 vom 17. September 2009, Nürnberg plus, S. + 4 - NZ
  • Sharon Chaffin: Ausgewanderter Franke machte in USA sein Glück. Vom Tellerwäscher zum Maître d’Hotel. In: Nürnberger Zeitung Nr. 244 vom 22. Oktober 2009, Nürnber plus, S. + 4 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Fränkische Landnahme - Wikipedia
  • Fränkische Nachrichten, Tauberbischofsheim - Wikipedia
  • NN/NZ-Gästebuch mit fränkischen Besuchern aus Übersee usw. - im Netz

Einzelnachweise und Anmerkungen

(1) Wilhelm Löhe und die Amerika-Auswanderung 1841-1872. Ausstellung im Stadtmuseum Gunzenhausen - im Netz

(2) Bernd Rudolf: Als Franken noch bei Böhmen war. Knapp vor den Toren Nürnbergs endete das Königreich Böhmen. Lauf hatte eine besondere Stellung. In: Prager Zeitung vom 8. Oktober 2009 - im Netz

Artikel in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Verwandte im Westen

Auch jenseits der bayerischen Grenze leben fränkische Brüder und Schwestern

Von Matthias Niese

Wir Franken werden in vielen Teilen Deutschlands nur als "Nordbayern" wahrgenommen. Dabei vergessen wir selbst oft, dass es auch weit hinter Feuchtwangen und Rothenburg ein baden-württembergisches Franken gibt. Die Menschen dort fühlen sich mit uns verbunden und pflegen ähnliche Traditionen.
Wenn die Gäste im Frankenstadion zu vorlaut sind, bekommen sie von heimischen Fans gehörig eins auf die Mütze. Sofort eilt mit Tatütata die Franken Ambulance herbei und versorgt blutige Nasen. Der Eklat wird später im Frankenradio vermeldet. Es spielt der FC Heilbronn gegen TuRa Untermünkheim. Unser Club steht zur gleichen Zeit etwa 170 Kilometer östlich in seinem Nürnberger Stadion auf dem Platz, das seinen identitätsstiftenden Namen gerade gegen den englischen eines Konsumentenkredits eintauschen musste. Wir sind in Heilbronn - richtig, ohne s, also nicht Heilsbronn bei Ansbach. In Heilbronn hat man den Namen Frankenstadion behalten dürfen. Wer weiß schon, dass auch die Großstadt am Neckar noch in Franken liegt. Und zwar im baden-württembergischen Teil Frankens.
Die Namen des Stadions, des Rettungsdienstes und des Radiosenders gibt es wirklich in Heilbronn, die Prügelszene beim Landesliga-Derby ist natürlich fiktiv. Denn "der Heilbronner ist gefällig gegen Fremde, hat etwas feinere Formen im Umgange, ist höflicher, wird aber vielleicht vom Schwaben an innerer Herzlichkeit übertroffen", beschrieb ein württembergischer Beamter im Jahr 1865 die Bewohner des Oberamts Heilbronn.
Schwäbischer Fleiß und fränkische Lebensart
Und er ordnet sie klar den Franken zu: "Da die meisten Bewohner dem fränkischen Stamme angehören, so sind sie redseliger und lebhafter als die Schwaben. Der Heilbronner ist fleißig und unternehmend und wagt eher, als daß er die Hände in den Schooß legt." Typische Franken eben. Darauf sind sie stolz, und so schreibt die Stadt auf ihrer Internetseite: "Hier verbinden sich schwäbischer Fleiß und fränkische Lebensart".
Wenn wir also künftig auf der A 6 gen Westen brausen, so sollten wir wissen, dass auch in der lieblichen Hügellandschaft um Weinsberg, bei Schwäbisch Hall oder im Tal der Tauber fränkische Brüder und Schwestern leben. Das relativiert vielleicht ein wenig unsere Larmoyanz darüber, dass wir vom Rest Deutschlands im Schatten Altbayerns oft nur als "Nordbayern" gesehen werden. Unsere landsmannschaftliche Verwandschaft in der baden-württembergischen Diaspora wird zum Teil noch nicht einmal von uns als fränkisch wahrgenommen. Nein, die Heilbronner sind keine Schwaben!
Die Unkenntnis mag ihre Gründe haben, denn hört man den Menschen hinter Feuchtwangen beim Sprechen zu, klingt das für unsere Ohren schon eher schwäbisch/alemannisch denn fränkisch. Die Region wird sprachlich dem Südfränkischen zugeordnet, doch "der eigentliche Dialekt rund um Heilbronn ist dabei, auszusterben. Das Schwäbische ist einfach zu dominant und viele sind zugezogen", sagt Hans-Joachim Kurz vom Tourismusbüro der Stadt. Auch die Mitarbeiter des Stadtarchivs haben beobachtet, dass sich die schwäbischen Einflüsse seit der Eingliederung der ehemals freien Reichsstadt ins Königreich Württemberg 1803 bis heute verstärken. So weist die Mundart des Heilbronner Raums nur noch wenig fränkische Eigenarten auf. Am ehesten findet man sie noch in Grenznähe zu Unter- und Mittelfranken.
Gemeinsame historische Traditionen
Es ist also weniger die ungefähre Übereinstimmung des Dialekts, die die Zugehörigkeit zu Franken bestimmt. Es sind vor allem gemeinsame historische Traditionen. Denn das Gebiet, das im nördlichen Teil des Bundeslandes Bayern liegt und allgemein als Franken betrachtet wird, ist eigentlich nur der östliche Teil des mittelalterlichen Herzogtums Franken. Bis ins 10. Jahrhundert gehörte dazu sogar noch Rheinfranken mit großen Teilen des heutigen Hessen, von Rheinland-Pfalz und Nordbaden.
Später bestand es ungefähr aus den heutigen bayerischen Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken, aus Südthüringen um Sonneberg und in Baden-Württemberg aus der heutigen Region Heilbronn-Franken (die bis 2003 noch Region Franken hieß), dem Ostteil des Neckar-Odenwald-Kreises, aus Hohenlohe-Franken zwischen Wertheim, Schwäbisch Hall und Crailsheim. Erst 1972 wechselte Eichstätt von Mittelfranken nach Oberbayern.
Um 1500 waren fast alle diese Gebiete Teil des Fränkischen Reichskreises. Bei der Flurbereinigung Napoleons 1806 zerfiel dieser lose Verband zusammen mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Franken ist seitdem keine politische Einheit mehr. Der Franzose schlug den fränkischen Osten aus Dank für die Waffenbrüderschaft gegen Preußen den Bayern zu, die vorher weder historisch noch politisch sonderlich mit Franken verbunden waren. Die westlichen Teile Frankens gingen ans Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden.
Das Große Landeswappen von Baden-Württemberg führt denn auch den Fränkischen Rechen. Im Bayerischen Staatswappen wird dafür analog der Bezirk Schwaben um Augsburg durch die drei übereinander angeordneten Schwäbischen Löwen dargestellt. Auch der Nachbarstamm lebt nicht vereint in einem Bundesland.
Franken definiert sich heute also vor allem durch gemeinsame Kultur und Geschichte, die zum Beispiel länderübergreifend an der charakteristischen Form der schlanken fränkischen Dorfkirchtürme erkennbar ist. Nicht nur das badische (!) Tauberbischofsheim "schmückt sich mit zahlreichen fränkischen Fachwerkgebäuden", heißt es in einer Radlerbroschüre. "Ins Land der Franken radeln" wirbt die Stadt für eine Radtour von Rothenburg bis Wertheim durchs "Badische Frankenland".
Die Menschen dort bezeichnen sich nach wie vor als Franken und demonstrieren ihre Zugehörigkeit zu diesem Volksstamm durch die Aufnahme des Fränkischen Rechens in Wappen, Fahnen oder Siegel, wie eben der Main-Tauber-Kreis mit Tauberbischofsheim als Kreisstadt. Selbst die Postleitzahlen beginnen hier mit einer 9- und die Vorwahlen mit 09-. Der Heilbronner Pressesprecher Christian Britzke sagt denn auch: "Am fränkischsten ist nach wie vor der Main-Tauber-Kreis geblieben."
Doch auch die Crailsheimer feiern jedes Jahr ihr "Fränkisches Volksfest" (heuer vom 15. bis 18. September), auf dem der Heimatverein "Fränkische Familie" seine Trachten präsentiert. Viele Gasthöfe locken mit "Fränkischer Küche" und ihren Spezialitäten auch echte Schwaben an den Tisch. Denn "die Franken feiern gerne mit Musik und Tanz. Das gilt besonders, wenn man sich im Laufe des Abends mit fränkischen Spezialitäten wie Blaue Zipfel oder Schäufele verwöhnen lässt. Dazu gibt es köstlichen (Tauber-)Frankenwein aus dem charakteristischen Bocksbeutel", wirbt das württembergische Wertheim um Gäste. Das Fränkische als Gütesiegel.
Im Gasthaus sind West- und Ostfranken vereint
An den Rändern franst Württembergisch-Franken aber stark aus, "schon die Region Heilbronn-Franken stellt sich landsmannschaftlich ausgesprochen heterogen dar", weiß Ralph Wachter von der Bürgeriniative "pro Region Heilbronn-Franken e. V.". Die Menschen sind nicht mehr so fest in der Heimat verwurzelt wie früher, durch Zugereiste wird die Bevölkerung der Regionen immer gemischter. Sein Verein möchte daher ein neues "Wir-Gefühl" in diesem Gebiet erreichen, das nicht unbedingt durch die Zugehörigkeit zu Franken geweckt wird. Und auch Helmut Buchholz, Redakteur der Heilbronner Stimme, hat beobachtet, dass "die Menschen hier mit dem Begriff Franken nicht mehr so viel anfangen können. Immer wieder kommt deshalb eine Diskussion auf, ob man nicht lieber anders heißen sollte."
Im Gasthaus Holdermühle bei Creglingen schließlich sind West- und Ostfranken dann doch vereint: Die Grenze geht mitten durch die Tische der Schankstube. "Früher war dort ein Stall, die Kühe haben in Württemberg gefressen und in Bayern gesch. . .", schmunzelt Klaus Hein aus Creglingen. Dafür gehen die Gäste heute in Württemberg auf die Toilette.