Frankenderby

Aus Franken-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Derby zwischen dem Club und Fürth 2009 im Ronhof


Das Frankenderby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der Fürther Spielvereinigung ist das traditionsreichste und am häufigsten ausgetragene Derby im deutschen Fußball.


Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Nur 14 Kilometer trennen das Grundig-Stadion Nürnberg vom Ronhof in Fürth. Die Tradition des Derbys geht auf die 1920er-Jahre zurück. Damals waren die beiden fränkischen Vorzeigevereine tonangebend im deutschen Fußball. Sie machten die Meisterschaft meist unter sich aus. Auch die deutsche Nationalmannschaft wurde dominiert von Spielern der beiden Teams. Schon damals war allerdings die Rivalität so groß, dass die Auswahlspieler zum Beispiel in getrennten Abteilen zu Auswärtsspielen fuhren.

In den 1960ern trafen der FCN und die Spielvereinigung in der Oberliga Süd regelmäßig aufeinander. Mit Einführung der Bundesliga nahm die Zahl der Derbys ab. Häufig spielten die beiden Vereine in unterschiedlichen Ligen. Insgesamt gab es bislang mehr als 250 Lokalvergleiche, darunter auch etliche Testspiele. Die Mehrzahl der Spiele hat Nürnberg gewonnen.

Der Begriff Frankenderby wird mittlerweile auch verwendet, wenn unterklassige Teams aus Franken aufeinander treffen. Das Frankenderby ist allerdings nur die Begegnung von FCN und Kleeblatt.

Geschichte

Anfänge

Im Herbst 1902 standen sich der Club und Fürth zum ersten Mal gegenüber. Am Schießanger gewann der FCN 15:0. Allerdings kann man die ersten drei Spiele nicht bedingungslos in die offizielle Statistik einrechnen: Damals trat die Fußballabteilung des TV 1860 Fürth an. Erst am 23. September 1903 gründeten die fußballbegeisterten Mitglieder des TV 1860 die Spielvereinigung. Sie blieb noch bis zum Jahr 1906 unter dem Dach des Turnvereins, ehe sie sich selbstständig machte.

Am 20. Oktober 1910, beim ersten Spiel, das auf dem Fürther Sportplatz am Ronhofer Weg ausgetragen wurde, behielt das Kleeblatt erstmals die Oberhand. Fürth hatte fortan die Vormachtstellung in Fußballfranken und gewann 1914 noch vor dem Club seine erste Meisterschaft.


Clublogo.gif
Spvgglogo.jpg

Die 1920er-Jahre

Die Wende stellte das Jahr 1920 dar, als die fränkischen Rivalen im Finale um die Deutsche Meisterschaft an den Sandhöfer Wiesen in Frankfurt den nationalen Champion unter sich ermittelten: Der Club schlug den Titelverteidiger (wegen des 1. Weltkriegs wurden zwischen 1915 und 1919 keine Meisterschaften ausgespielt) vor der Rekordkulisse von 35.000 Zuschauern durch Tore von Popp und Szabó mit 2:0 und legte den Grundstein für die „goldenen 20er“. Die 1920er-Jahre bedeuteten für die fränkische "Fußball-Hochburg" die erfolgreichste Zeit. Nie mehr wieder konnten zwei Vereine den deutschen Fußball dermaßen dominieren, dass sie ganz alleine die Nationalmannschaft stellten. Eine Anekdote vom 21. April 1924 erlangte große Bekanntheit: Damals waren für ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande ausschließlich Spieler von Nürnberg und Fürth nominiert worden. Deutschland gewann in diesem Spiel erstmals gegen die Niederlande, die Spieler verbrachten jedoch sowohl Hin- als auch Rückfahrt in nach Vereinen getrennten Zugabteilen.

Die 1930er-Jahre

Nach den für beide Vereine traumhaften 1920er-Jahren, als man Jahr für Jahr fast sicher davon ausgehen konnte, dass der bessere der beiden fränkischen Kontrahenten später auch die Meisterschaft feiern würde, konnten beide Teams in den 1930er-Jahren ihre Ausnahmestellung im deutschen Fußball nicht mehr beibehalten. Beide Vereine traten überwiegend in der Gauliga Bayern an.

Die 1940er-Jahre

Für viele Fürther war es unfassbar: 1947/48 stieg die Spielvereinigung erstmals aus der Oberliga Süd in die Zweitklassigkeit ab. Doch man schaffte bereits in der folgenden Spielzeit den Wiederaufstieg: Die Oberliga-Saison 1949/50 gehörte dem Kleeblatt, das am 12. März 1950 mit einem 2:1-Sieg in Nürnberg einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Süddeutschen Meistertitel ging. Mit dem Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft 1949/50 wurde jedoch die letzte Hochzeit des Fürther Fußballs eingeleitet. Für den Club indes gab es zwei Highlights: 1940 und 1948 sicherte sich Nürnberg den Deutschen Meistertitel.

Die 1950er-Jahre

Anfang der 1950er-Jahre schaffte es das Frankenderby nochmals, sich als eines der hochklassigsten Fußballspiele Deutschlands zu etablieren.

Die 1960er-Jahre

Dem vorläufig letztem Aufblühen des Kleeblatts wurde durch die Einführung der Bundesliga 1963 ein Ende bereitet. Während der Club die Qualifikation für die höchste deutsche Spielklasse schaffte, musste Fürth am Saisonende den Gang in die Regionalliga antreten. Das letzte Oberliga-Derby war gleichzeitig auch das letzte Pflichtduell beider Klubs für einige Jahre. Erst nach dem Abstieg des FCN 1969 traf man sich wieder.

Die 1970er-Jahre

In diesem Jahrzent spielten beide Vereine weiterhin in der Regionalliga Süd, beziehungsweise später in der neu geschaffenen, damals noch zweigleisigen 2. Liga. Die Siege gingen zumeist an Nürnberg, für Fürth waren sie eher die Ausnahme.

Das 209. Frankenderby im Jahr 1973 wurde zu einem Skandalspiel.
Das 209. Frankenderby, das am 21. Januar 1973 im Fürther Ronhof stieg, ging als Skandalderby in die Geschichte ein: Nürnberger Chaoten zündeten Raketen und stürmten den Platz. Die Partie wurde beim Stand von 4:2 für Fürth abgebrochen und im Nachgang mit 2:0 für die Spielvereinigung gewertet.

Die 1980er-Jahre

Am 24. September 1980 fand im DFB-Pokal das für längere Zeit letzte Pflichtspiel statt: Die Rivalen trennten sich in der ersten Runde des Cup-Wettbewerbs im Ronhof nach Verlängerung mit 1:1. Da bis zur Saison 1991/92 für diesen Fall ein Wiederholungsspiel vorgesehen war, traf man sich bald darauf in der Noris wieder, wo der Club durch ein 3:0 in die nächste Runde einzog. In der Folge standen sich die beiden Vereine bis Mitte der 1990er nur noch in Testspielen gegenüber. Dem Club gelang 1980 der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga, für Fürth begann in den 1980ern der langsame Niedergang bis in die Landesliga.

Die 1990er-Jahre

1996/97 wurden Erinnerungen an vergangene Glanzzeiten wieder erweckt: Die beiden Vereine spielten in der drittklassigen Regionalliga Süd und trafen auch im DFB-Pokal aufeinander. Bei der ersten Begegnung der beiden Kontrahenten wurde nicht nur das sportliche Wiedererstarken der einstigen fränkischen Fußballhochburg deutlich, sondern auch das wiedergewonnene Interesse der Zuschauer, wie es ein O-Ton aus der Kleeblatt-Chronik beschreibt: „Da stehen sich an einem schönen Oktobertag zwei Drittligisten gegenüber, und es kommen 44.500 Zuschauer!“. [1]

Nürnberg und Fürth beherrschten die Liga-Konkurrenten nahezu nach Belieben, so dass sie am Ende gemeinsam aufstiegen. Seither gehört Fürth der zweiten Bundesliga an, wobei der Aufstieg in den letzten Jahren immer knapp verfehlt wurde. Der Club wechselte immer wieder zwischen zweiter und erster Liga.

ab 2000

Seit der Jahrtausendwende trafen sich die beiden Vereine ab und an in der 2. Liga wieder. Im März 2004 fielen zwischen 2.000 und 3.000 Club-Fans in die Kleeblatt-Stadt ein, zogen marodierend durch die Innenstadt. Die Polizei wurde vom "Marsch durch Fürth" überrascht. Aus ihrer Antipathie machten die Gäste keinen Hehl, vielfach zum Entsetzen der Fürther Bevölkerung. 2009 war die Polizei besser vorbereitet und leitete den wenig freundschaftlichen Stadtspaziergang um die Innenstadt. Schwerwiegende Negativ-Vorkomnisse blieben angesichts der deutlich verstärkten Sicherheitsmaßnahmen aus.

Am 20. Dezember 2011 trafen der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth im Achtelfinale des DFB-Pokals aufeinander. Es war der 254. Vergleich beider Vereine, öfter fand in Deutschland kein Derby statt. Die Spielvereinigung besiegte den Club mit 1:0 und zog damit ins Viertelfinale ein.

Bildergalerien

  • Bildergalerie über die "Faszination Frankenderby" auf nordbayern.de
  • Bildergalerie über Fußballspieler, die für beide Vereine spielten: "(Stadt-)Grenzgänger: Sie waren für beide Vereine aktiv" auf nordbayern.de

Literatur

  • Christoph Bausenwein, Harald Kaiser, Herbert Liedel, Bernd Siegler: Der Club – 100 Jahre Fußball, Verlag W. Tümmels, Nürnberg, 1999
  • NZ-Artikel von Stefan Jablonka: "Das Derby einmal von der anderen Seite" und von Dieter Bracke: "Als sich Edi Schaffer und Ertl Erhardt im Café trafen" vom 20. November 2008
  • NZ-Artikel von Tilmann Grewe: "Nach dem Abpfiff wird es gefährlich" vom 24. November 2008
  • NZ-Artikel von Uli Digmayer und Florian Pöhlmann: "Die Tabelle sorgt schon für genügend Brisanz"; von Philipp Roser und Dieter Bracke: "Heinz Kreißels schlimme Erinnerungen"; von Dieter Bracke: "´Kleeblatt`-Idol Bergmann völlig ohne Berührungsängste" vom 6. Mai 2009
  • NZ-Artikel zum 253. Derby Von Stefan Jablonka: "Denkwürdiger Sonntagsschuss ins Glück" und von Uli Digmayer: "Wanderer zwischen den fränkischen Fußballwelten" vom 8. Mai 2009

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Geschichte des Frankenderbys in der Kleeblatt-Chronik