Frankenmuth

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Frankenmuth ist wegen seiner Vergangenheit und seines besonderen Ambientes mittlerweile eine touristische Attraktion.

Frankenmuth ist eine Stadt im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan, deren Geschichte mit fränkischen Auswanderern aus Roßtal eng verknüpft ist.

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte

Frankenmuth ist eine Stadt mit erstaunlicher Vergangenheit, gerade aus fränkischer Sicht. Es war im 19. Jahrhundert, als der Missionar Frederick Wyneken an die Lutheraner in Deutschland schrieb, dass die deutschen Siedler in Amerika nicht genügend Pfarrer, Kirchen und Schulen hätten. Die Nachricht erreichte Wilhelm Löhe, den berühmten Pfarrer in Neuendettelsau, der sogleich Abhilfe schaffen wollte. Löhe plante, eine Missionssiedlung in Michigan zu gründen. Er schrieb an einen schwäbischen Pastor in Michigan, der einen geeigneten Standort suchen sollte. Gefunden wurde er am Cass River. Das Gebiet wurde im Jahre 1845 von Immigranten aus Franken besiedelt, die meist gebürtige Roßtaler waren. Daher erklärt sich auch der Name des Ortes Frankenmuth. Mutig waren die Franken in der Tat, die sich am 5. April 1845 auf die abenteuerliche Reise in die neue Welt aufmachten und ihre Kolonie gründeten. Doch sie hatten Erfolg, und Löhe war offenbar so begeistert davon, dass er noch drei weitere Siedlungen gründete, mit den sinnfälligen Namen Frankentrost, Frankenlust und Frankenhilf. Heute ist Frankenmuth noch in aller Munde, vor allem bei Touristen. Gerade die Amerikaner frönen in Frankenmuth der vermeintlich bayerisch-fränkischen Gemütlichkeit, die Gemeinde hat sich ganz darauf spezialisiert und bietet eine entsprechende touristische Infrastruktur. Seit 1962 ist Frankenmuth Partnergemeinde von Gunzenhausen.

Literatur

  • Clemens Helldörfer: Auch in Michigan spricht man Fränkisch. In: Nürnberger Zeitung vom 15. Februar 2008, Reihe „Der allerschäinste Dialekt“

Siehe auch

Weblinks

Artikel in der NZ

In der Reihe „Der allerschäinste Dialekt“ erschien in der Nürnberger Zeitung am 15. Februar 2008 folgender Artikel:

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!


Auch in Michigan spricht man Fränkisch

Von Clemens Helldörfer

«Mei Ledda hodd ma dou scho immer Kerchhuuf gsachd!« ist ein Satz, der ohne weiteres als lupenreines Original-Fränkisch durchgehen kann. Er bedeutet: «Mein Lebtag lang hat man bei uns Kirchhof gesagt« und war eine spontane Reaktion auf die Verwendung des hochdeutschen Wortes «Friedhof«. Das eigentlich Erstaunliche an diesem Ausruf ist allerdings, dass er nicht von einer Fränkin, sondern von einer waschechten US-Amerikanerin stammt, deren Familie schon seit Generationen jenseits des Atlantiks lebt. Wie kann es sein, dass man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten den Zungenschlag des Landkreises Fürth beherrscht?
Die Antwort lautet «Frankenmuth« und führt zu einem außergewöhnlichen Beispiel von transatlantischen Beziehungen.
Eine entscheidende Rolle dabei spielte Wilhelm Löhe, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Er reagierte im Jahr 1840 auf einen Aufruf des Pfarrers Friedrich Wyneken, der den Glaubensbrüdern in Deutschland die schwierigen Lebensverhältnisse der deutschen Pioniere in Amerika schilderte.
Am 5. April 1845 brachen 13 fränkische Bürger, darunter acht Roßtaler, in Richtung Bremerhaven und von dort per Schiff nach New York auf. Ihr Ziel war es, am Cass River in Michigan eine deutsch-lutheranische Gemeinde mit dem Namen «Frankenmuth« zu gründen, dort den anderen deutschen Pionieren geistlichen Beistand zu geben und vor allem die in dieser Gegend ansässigen indianischen Ureinwohner zu missionieren. Außerdem verpflichteten sich die Kolonialisten, immer loyal zu Deutschland zu stehen und der deutschen Sprache treu zu bleiben.
Die Missionierungs-Pläne erwiesen sich allerdings als nicht besonders erfolgversprechend, denn die Indianer waren zu diesem Zeitpunkt schon in Jagdgründe jenseits der «weißen« Rodungsgebiete weitergezogen.
1846 kamen 90 weitere fränkische Auswanderer nach Frankenmuth, davon 20 aus Roßtal. Der Zuwachs an Menschen bewirkte die Gründung von weiteren «fränkischen Kolonien« mit den Namen Frankentrost, Frankenlust und Frankenhilf.
Die Verbindungen zwischen Roßtal und Frankenmuth haben bis in die Gegenwart Bestand, wie der «Roschtler« Bürgermeister Maximilian Gaul der NZ berichtet: «Nach wie vor sind Reisen nach Frankenmuth oder Besuche von Verwandten aus den USA üblich, manchmal kommt sogar ein ganzer Reisebus bei uns vorbei«. Neben Roßtal halten auch Neuendettelsau und Gunzenhausen, die offizielle Partnergemeinde Frankenmuths, bis heute Kontakt.
Während das Deutsche nach wie vor noch von vielen Frankenmuthern beherrscht wird, droht allerdings der fränkische Dialekt mit der Zeit in Vergessenheit zu geraten: «Die Alten beherrschen das Fränkische noch, aber die Jungen nicht mehr«, weiß Bürgermeister Gaul. «Es gibt aber noch eine ganze Reihe von Bürgern, die das Fränkische pflegen, aber die sind alle schon jenseits der 60«.
Ein Grund für das langsame Verschwinden des heimischen Idioms sei wohl auch der Umstand gewesen, dass es in den Zeiten während und nach des II. Weltkrieges in Amerika verpönt war, sich auf seine deutschen Wurzeln zu besinnen. In der jüngeren Vergangenheit hat sich der im Jahr 1978 gegründete Verein «Siem G’scheit« auf die Fahnen geschrieben, die fränkischen Wurzeln wieder zu pflegen.
Bei Besuchen in Frankenmuth (so etwa zur Einweihung der «Roßtaler Straße) hat Maximilian Gaul aber immer wieder wunderbare fränkisch-amerikanische Sprüche zu hören bekommen. so etwa den Bericht über die Zerstörung einer Brauerei: «Dou drieem is die Brauerei gstandn, dann is’ der Dornado neiganger und der ganze Scheiss is’ zammgrachd!« 

Bayerischer

Zuckerbäckerstil

So vertraut, wie sich diese Laute anhören, so groß dürfte der Kulturschock sein, wenn sich ein europäischer Franke einmal in das heutige Frankenmuth aufmacht: Denn seit 1958, als die Familie Zehnder mit dem «Bavarian Inn« den Anfang machte, hat sich Frankenmuth stellenweise zu einer Art bajuwarischem Vergnügungspark entwickelt. Als «Michigan’s little Bavaria« macht der Ort mittlerweile in den ganzen USA Furore. Statt fränkischer Fachwerkidylle erwartet dem Besucher weißblaue Architektur im Zuckerbäcker-Stil. Weil sie so dekorativ sind, schmücken alpenländische Balkone viele Häuser – bisweilen ohne Zugang von innen. Gefeiert wird natürlich das «Octoberfest«, während des ganzen Jahres lockt ein riesiges «Christmas Wonderland« und in den Hotels, die etwa «Bavarian Inn« heißen, hängen Alphörner an den Wänden und servieren die Kellnerinnen im Dirndl.
So weit von der Heimat entfernt verschwimmen halt die regionalen Besonderheiten ein wenig: «Da wird kein großer Unterschied zwischen Franken, Bayern oder Böhmen gemacht«, bestätigt Maximilian Gaul. Immerhin aber achtet man auf die nationale Identität: «Parken nur für Deutsche – alle anderen werden abgeschleppt« steht etwa als unübersehbarer Hinweis vor einer Gaststätte zu lesen.

Karte

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