Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist die zweitgrößte Hochschule Bayerns und größte Hochschule Nordbayerns. An ihr sind im Wintersemester 2007/2008 26.044 Studenten in 132 Studienfächern eingeschrieben. Die Universität besteht aus fünf Fakultäten mit 265 Lehrstühlen und hat ihre Hauptstandorte in Erlangen und in Nürnberg. Benannt ist die Hochschule nach den Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, der die Hochschule gegründet hat, und Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach, der sie maßgeblich gefördert hat.[1]

Inhaltsverzeichnis

Universitätsleitung

Die Universität wird geleitet von Rektor Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, seinen Stellvertretern Prof. Dr. Harald Meerkamm, Prof. Dr. Hans-Peter Steinrück sowie Prof. Johanna Haberer und Kanzler Thomas A. H. Schöck. Zusammen mit den Dekanen der fünf Fakultäten bilden sie die erweiterte Hochschulleitung. Die Hochschulleitung sitzt im Erlanger Schloss am Schlossplatz. Vorgänger von Grüske waren Prof. Dr. Gotthard Jasper und zuvor Prof. Dr. Nikolaus Fiebiger. Grüske ist für seine zweite Amtszeit noch bis zum Jahr 2010 gewählt.

Im Hochschulrat sitzen neben den acht gewählten Senatsmitgliedern acht externe Mitglieder: Prof. Dr. Hans-Joachim Freund (Fritz-Haber-Institut Berlin), Prof. Dr. Carl Friedrich Gethmann (Universität Essen), Prof. Dr. Thomas Gruber (ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks), Dr. Bernd Rödl (Rödl und Partner in Nürnberg), Maria-Elisabeth Schaeffler (INA Schaeffler in Herzogenaurach), Rupert Stadler (Vorstandsvorsitzender der Audi AG in Ingolstadt), Prof. Dr. Klaus Wucherer (Siemens AG in Erlangen) und Prof. Dr. Eberhart Zrenner (Universität Tübingen). Ohne Stimmrecht ist zudem die Frauenbeauftragte der Universität Mitglied im Hochschulrat.[2]

Standorte

Die Universität Erlangen-Nürnberg ist keine klassische Campus-Universität. Ihre zwei hauptsächlichen Standorte liegen in Erlangen und in Nürnberg. Daneben hat sie Außenstellen in Bamberg (Sternwarte), am Brombachsee (Segelsportzentrum), an der Altmühl (Grotte) und in Fürth (Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik). In Erlangen ist sie querbeet über die gesamte Stadt verteilt; lediglich die Technische und die Naturwissenschaftliche Fakultät sind auf das so genannte Südgelände neben der Bundesstraße 4 konzentriert. Der Nürnberger Teil der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (ReWi) ist auf die beiden Standorte an der Findelgasse (Dekanat und Sozialwissenschaften) und an der Langen Gasse (Wirtschaftswissenschaften) verteilt. Dabei handelt es sich um die frühere Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät (WiSo).

Teile der Philosophischen Fakultät (der früheren Erziehungswissenschaftlichen Fakultät bzw. noch früheren Pädagogischen Hochschule) sind in maroden Räumen an der Regensburger Straße untergebracht.

Aufbau der Universität

Die Universität Erlangen-Nürnberg ist seit 1. Oktober 2007 in fünf Fakultäten gegliedert: die Philosophische Fakultät, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, die Naturwissenschaftliche Fakultät, die Medizinische Fakultät und die Technische Fakultät. Grüske hatte sich mit einer Fakultätsreform durchgesetzt und die Zahl der Fakultäten von elf auf fünf verringert. Fusioniert wurden die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät in Nürnberg mit der Juristischen Fakultät in Erlangen, die beiden Philosophischen Fakultäten mit der Theologischen und mit der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät sowie die drei Naturwissenschaftlichen Fakultäten. Die Technische sowie die Medizinische Fakultät sind erhalten geblieben.

Die Fakultäten sind ihrerseits in 22 Departments bzw. Fachbereiche unterteilt. Insgesamt gibt es 265 Lehrstühle und 268 C3- bzw. W2-Professoren. Außerdem gehört zur Universität die Universitätsklinik mit ihren 23 Kliniken und elf selbstständigen Abteilungen.

Neben den Fakultäten gibt es zahlreiche sonstige Einrichtungen an der Universität: das Zentralinstitut für Regionalforschung unter der Geschäftsführung der Politikwissenschaftlerin Dr. Petra Bendel, das Bayerisch-Kalifornisches Hochschulzentrum (BaCaTeC), das Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik (ZMP) in Fürth, das Zentralinstitut für Lehr-/Lernforschung (ZILL), das Zentrum für Medizinische Physik und Technik, das Franz-Penzoldt-Zentrum (FPZ) für Tierversuche, das Institut für Europäisches Wirtschaftsrecht, das Zentralinstitut für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation (ZIEW), das Bayerisches Hochschulzentrum für Lateinamerika (BAYLAT) sowie das Sprachenzentrum.

Studium und Lehre

Die Universität Erlangen-Nürnberg ist nach eigenen Angaben eine der Hochschulen Deutschlands mit dem breitesten Fächerspektrum. 132 Fächer können an der zweitgrößten Hochschule Bayerns nach der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert werden. Zum Wintersemester war neben den Staatsexamens-Studiengängen erstmals nur noch die Einschreibung in Bachelor- und Masterstudiengänge möglich. Die gestuften Studienabschlüsse (Bologna-Prozess) ersetzen die Diplom-Studiengänge, die allerdings noch zu Ende studiert werden können.

Im Wintersemester 2007/2008 sind 26.044 Studenten eingeschrieben.[3] Das bedeutet ein Minus um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (26.544 Studenten). Auch die Zahl der Studienanfänger ist rückläufig: Sie sank von 5569 um 8,2 Prozent auf 5.110 Erstsemester. Grüske führt dies darauf zurück, dass die Schulabgänger skeptisch sind, ob Bachelor-Absolventen später von der Wirtschaft nachgefragt werden. Zudem glaubt er, dass die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester für einen Rückgang der Erstsemesterzahl gesorgt hat. Außerdem gebe es wegen der derzeit guten konjunkturellen Lage mehr Ausbildungsplätze, so dass sich mehr Abiturienten entschlössen, eine Lehre zu beginnen, statt ein Studium aufzunehmen.

Seit diesem Wintersemester bildet die Philosophische Fakultät mit 8.800 Studenten die mit Abstand größte Fakultät. Fast 70 Prozent der Studenten an dieser Fakultät sind weiblich. Bei den Studienanfängern gab es zum Wintersemester allerdings einen Rückgang um 18,8 Prozent. An der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (ReWi), die sich aus der bisherigen Juristischen und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zusammensetzt, sind 6.006 Studierende eingeschrieben. Die kleinste Fakultät, was die Studentenzahlen betrifft, ist die Medizin mit 2.767 Studenten.

Forschung

In den beiden Runden der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder konnte sich die Universität Erlangen-Nürnberg mit ihrem Zukunftskonzept nicht durchsetzen. Sie schied jeweils in der Vorrunde aus und war damit aus dem Rennen um etliche Millionen Euro und den inoffiziellen Titel einer "Elite-Universität".

In der ersten und in der zweiten Förderlinie hatte sich die Universität immerhin durchsetzen können: In der ersten Runde erhielt sie den Zuschlag für die "Erlangen Graduate School in Advanced Optical Technologies" (SAOT). In der Graduiertenschule arbeiten Nachwuchswissenschaftler an den Schnittstellen von Disziplinen wie Materialwissenschaft, Messtechnik, Medizin und Be- oder Verarbeitungstechnik eng zusammen. Im zweiten Durchgang setzte sich die Universität mit ihrem Exzellenzcluster (Forschungsschwerpunkt) „Engineering of Advanced Materials“ in den Werkstoffwissenschaften durch. Das Projekt unter der Koordination von Prof. Dr. Wolfgang Peukert wird voraussichtlich für fünf Jahre mit insgesamt rund 42,2 Millionen Euro gefördert. "In diesem Cluster werden hierarchisch organisierte Materialien mit maßgeschneiderten elektrischen, optischen, katalytischen und mechanischen Eigenschaften entwickelt. Über neue Wege der Zusammenarbeit zwischen sieben Fachrichtungen der Universität, außeruniversitären Einrichtungen und der Industrie werden innovative Anwendungen auf den Gebieten der Nanoelektronik, Photonik, Katalyse oder dem Leichtbau erschlossen. Die Vision des Clusters ist es, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung moderner Funktionsmaterialien zu schließen", schrieb die Uni Erlangen am 19. Oktober 2007 in einer Pressemitteilung.[4]

An der Uni Erlangen gibt es neben den beiden Projekten aus der Exzellenzinitiative neun Sonderforschungsbereiche.[5]

Außerdem arbeiten sechs DFG-Forschergruppen an der Hochschule. Sieben Graduiertenkollegs sind derzeit am Laufen. An 14 bayerischen Forschungsverbünden ist die Uni Erlangen beteiligt. Allein im Jahr 2006 warb sie knapp 90 Millionen Euro an Drittmitteln aus der Industrie und von Forschungsorganisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein. 634 Promotionen und 66 Habilitationen wurden im Jahr 2006 an der Uni Erlangen abgeschlossen.

In manchen technischen Disziplinen kooperiert die Uni Erlangen teilweise mit der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Nürnberg.

Woran an der Universität Erlangen-Nürnberg geforscht wird, zeigt die Hochschule alle zwei Jahre bei der Lange Nacht der Wissenschaften der Öffentlichkeit.

Feste

Höhepunkt im Juni bzw. Juli ist seit 1952 das jährliche Schlossgartenfest. Das Fest des Rektors ist nach eigenen Angaben das größte Gartenfest Europas. Im Januar findet in der Meistersingerhalle der Winterball statt, der inzwischen von allen Nürnberger Hochschulen gemeinsam veranstaltet wird.

Literatur

  • Jürgen Sandweg: Der Verrat des Geistes. Der Fall der Erlanger Universität im »Dritten Reich«. In: Christoph Friederich (Hrsg.): Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule. Erlangen, 1993, S. 121
  • Christoph Friederich: Das verborgene Universitätsmuseum. Zur Geschichte der Sammlungen an der Universität Erlangen. In: Christoph Friederich (Hrsg.):Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule. Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, Erlangen (Stadtmuseum Erlangen) 1993, S. 556-562
  • Alfred Wendehorst: Die Universität bis zur Gründung der Technischen Fakultät (1743-1966). In: Christoph Friederich; Bertold Frhr. von Haller; Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. Redaktion: Martina Bauernfeind. Nürnberg: W. Tümmels, 2002, 784 S., ISBN 3-921590-89-2, S. 70 - im Netz
  • Markus Kaiser: Hochschulpressesprecher frühstückten in der NZ. In: Nürnberger Zeitung Nr. 23 vom 28. Januar 2008, Nürnberg plus, S. + 3 - NZ
  • Sabine Göb: Zur Emeritierung von Prof. Johannes Lähnemann. Ein Leben für den Dialog der Religionen. In: Nürnberger Zeitung Nr. 23 vom 28. Januar 2008, Nürnberg plus, S. + 3[6]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Universität Erlangen-Nürnberg: Geschichte der Universität
  2. Nürnberger Zeitung: Bericht zum neuen Hochschulrat
  3. Nürnberger Zeitung: Bericht zu den Studentenzahlen
  4. Nürnberger Zeitung: Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Peukert zum Exzellenzcluster
  5. Universität Erlangen: Sonderforschungsbereiche
  6. Nürnberger Zeitung: Emeritierung von Prof. Johannes Lähnemann