Fritz Körber

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Fritz Körber (* 1. September 1939 in Nürnberg) ist ein fränkischer Kommunalpolitiker (SPD). Er war Bezirksrat und Vertreter des Bezirkstagspräsidenten (SPD) und von 2000 bis 2006 Bürgermeister der Gemeinde Schwaig bei Nürnberg.

Fritz Körber
Foto: Rolf Syrigos

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Herkunft

Fritz Körber ist einer der Söhne des Arbeiters und Angestellten Hans Körber (1910-1996) und dessen Ehefrau Maria, geb. Bieber (1911-1988). Fritz Körber hat einen Bruder (* 1935) und eine Schwester (* 1943). Hans Körber war Angestellter beim Wehrbezirkskommando in Nürnberg. Er wurde aufgefordert, der NSDAP beizutreten, dann wäre er nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden. Da er sich weigerte, wurde er an die Front abkommandiert und kam erst später aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Jugend- und Schulzeit

Die Jahre nach 1945 haben sich Fritz Körber als Jahre der Armut, Not und des Überlebenskampfes eingeprägt.

Fritz Körber besuchte von 1945 bis 1953 die Volksschule Behringersdorf. Bei einem Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks „Kinder malen ihre Heimat“ hatte er ein Radio gewonnen. So konnte man in der Schule den Schulfunk hören.

Als Beurteilung stand auf seinem letzten Zeugnis: „Er war stets der Klasse ein Vorbild.“

Anschließend besuchte er die Berufsschule und später die Verwaltungsschule für den gehobenen Dienst.

Berufliche Entwicklung

1953 begann er in der Ruinenstadt Nürnberg eine dreijährige Lehre zum Einzelhandelskaufmann und besuchte die Berufsschule. Anschließend war er als Kaufmannsgehilfe in verschiedenen Einzelhandelsunternehmen angestellt, z.B. im Konsum und bei Engelbrecht.

Als die Stadt Nürnberg 1973 eine Stelle als Lebensmittelüberwacher ausschrieb, bewarb sich Fritz Körber. Doch für eine Beamtenlaufbahn war er mit 34 Jahren schon zu alt. Aber auf Grund seiner hervorragenden Zeugnisse schlug ihm die Leiterin des Personalamtes vor, in den einfachen Verwaltungsdienst zu gehen und während der Dienstzeit die Verwaltungsschule zu besuchen. Nach zwei Jahren hatte er die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst bestanden.

Seitdem war er als Verwaltungsangestellter im Sozialamt der Stadt Nürnberg tätig. Diese Arbeit für Menschen gefiel ihm; denn sie entsprach seinem Charakter. Zuletzt war er für den Sozialhaushalt zuständig.

Als Fritz Körber sich im Jahre 2000 mit 61 Jahren in Schwaig als Bürgermeisterkandidat aufstellen ließ und die Wahl gewann, wurde er dann doch noch Kommunalbeamter.

Familie

Fritz Körber und seine Frau Inge haben zwei erwachsene Söhne und vier Enkel. Bei Fritz Körbers Verabschiedung als Bürgermeister im Mai 2006 lobten die Redner und insbesondere Regierungspräsident Karl Inhofer Inge Körber dafür, wie sie hinter ihrem Mann und dessen politischer Arbeit stehe und ihn im Gleichgewicht gehalten habe.

Politische Laufbahn

Fritz Körber wurde 1972 in den Gemeinderat in Behringersdorf gewählt. Seit der Gebietsreform 1976 war Fritz Körber SPD-Gemeinderat in Schwaig bei Nürnberg.

Körber war von 1990 bis 1994 Bezirksrat für das Nürnberger Land und Vorsitzender der Bezirkstagsfraktion der SPD im Bezirkstag von Mittelfranken.

Von 1994 bis 2003 war er Vizepräsident des Bezirkstags von Mittelfranken.

Bei der turnusgemäßen Neuwahl des Fraktionsvorstands wählte die SPD-Bezirkstagsfraktion im Jahre 2005 Fritz Körber, den Vizepräsidenten des Verbandes Bayerischer Bezirke, als Nachfolger von Elke Held-Bartsch einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Er führte die Sozialdemokraten im Bezirkstag bis zum Ende der Wahlperiode.

Im Jahr 2000 wurde Fritz Körber zum Nachfolger von Bürgermeister Karlheinz Vogel (FWG) gewählt, der dies Amt von 1976 bis 2000 innehatte. Fritz Körber war dann von 2000 bis 2006 Bürgermeister der Gemeinde Schwaig bei Nürnberg. 2006 hätte er gern noch einmal kandidiert. Doch durfte er aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl antreten. So fiel ihm der Abschied aus dem Bürgermeisteramt schwer. Seine Nachfolgerin wurde Ruth Thurner (FWG).

Bei der Abschiedsfeier im Mai 2006 im Schwaiger Schloss mit 150 geladenen Gästen sagte der 2. Bügermeister Georg Müller (CSU), „Ehrlich und geradlinig, ein Schlitzohr manchmal und ein Sozialdemokrat immer, ein Kommunalpolitiker mit Leib und Seele und ein Kämpfer für Frieden und Völkerverständigung, ein Optimist und ein Vorbild für die Jüngeren“, sei Fritz Körber. Körber habe Maßstäbe gesetzt.

Zu den Rednern gehörten seine Nachfolgerin Ruth Thurner, Regierungspräsident Karl Inhofer, der stellvertretende Landrat Norbert Dünkel, Brigitte Zepf für die vier Fraktionen im Schwaiger Gemeinderat, für die Bürgermeister Conny Rupprecht und für die Stadt Nürnberg Bürgermeister Horst Förther.

Ehrenamtliches Engagement

Arbeiterwohlfahrt

Seit 37 Jahren leitet Fritz Körber die jährliche AWO-Kindererholung in Vals in Südtirol. Nach seinem 70. Geburtstag wird er dies Amt in die Hände seines Sohnes legen.
Fritz Körber in einem Kinderheim im ukrainischen Charkiw
Foto: oh / Nürnberger Nachrichten

Hilfe für Charkiv

Seit 16 Jahren organisiert Fritz Körber im Namen des AWO-Ortsvereins Schwaig Hilfstransporte in die Nürnberger Partnerstadt Charkiw, Ukraine. Mit seinen Mitstreitern – auch Frau Körber ist dabei – sammelt er Hilfsgüter: Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Krankenhausbetten, bis hin zu speziellen medizinischen Geräten für Krankenhäuser und natürlich auch Geld. Die Hilfsgüter wurden und werden dann mit mehreren großen LKWs von Fritz Körber und seinen Helfern persönlich nach Charkiv transportiert. Diese Transporte sind äußerst mühevolle Expeditionen in´s Unbekannte, was z.B. die Straßenverhältnisse und die zahlreichen bürokratischen Hindernisse betrifft.

Fritz Körber betreibt dort zwei Armenküchen. Auch sammelte er finanzielle Mittel, so dass zwei Kinder in Deutschland erfolgreich operiert werden konnten.

Bemühen um eine Städtepartnerschaft mit Oradour

Als Beauftragter des Bezirks Mittelfranken für Partnerschaft und Völkerverständigung bemühte sich Fritz Körber erfolgreich um Kontakte nach Frankreich und nach Polen. Fritz Körber hatte als erster Deutscher 60 Jahre nach dem Massaker von Oradour als Zeichen der Versöhnung dort öffentlich gesprochen. Der Gedenkort im Limousin ist ein Symbol für den deutschen Terror in Frankreich: Am 10. Juni 1944 hatten dort SS-Männer Frauen und Kinder in die Kirche getrieben. Die SS-Leute zündeten darauf das Gotteshaus an, sprengten den Kirchturm, warfen Handgranaten und schossen wahllos in die Menge. An diesem Tag starben 642 Menschen in Oradour. Unter den Toten waren 207 Kinder und 254 Frauen.

Feierliche Kranzniederlegung in Oradour mit (von links) einer Europaabgeordneten, Oradours Bürgermeister Raymond Frugier und Fritz Körber
Foto: Andreas Sichelstiel

Die von Körber angestrebte Partnerschaft mit der französischen Stadt kam bisher nicht zustande. Das schmerze ihn und beschäftige ihn fast am meisten, sagte der scheidende Bürgermeister bei seiner Verabschiedung 2006. Leider gebe „es in der Gemeinde immer noch einige Leute, die lieber in den Spiegel als durch eine Glasscheibe schauten“, und so eine Partnerschaft zwischen Oradour und Schwaig bislang verhinderten.

Fränkische Weihnacht

Die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik hatte Fritz Körber um eine Mundartgeschichte „Fränkische Weihnacht“ gebeten. Die Uraufführung war im Heilig-Geist-Spital in Nürnberg. Es folgten Lesungen in Gunzenhausen und Erlangen. In Erlangen fand unter der Schirmherrschaft von Innenminister Joachim Herrmann, Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Bürgermeister Gerd Lohwasser am Sonntag, 21. Dezember 2008, um 16.00 Uhr in St. Theresia zum 30. Mal die Fränkische Weihnacht statt. Die Effeltricher Sänger und Effeltricher Musikanten sowie ein Nürnberger Blechbläserquartett und Irmgart Mayer an der Orgel sorgten für weihnachtliche Stimmung. Zwischen den Musikstücken trug Altbürgermeister Fritz Körber die Weihnachtsgeschichte in fränkischer Mundart vor.[1]

Ehrungen

  • 2000 Bundesverdienstkreuz
  • 2004 Chevalier de l'Ordre national du Mérite, Ordre national du Mérite (zweithöchster französischer Nationalverdienstorden)
  • 2006 Goldene Verdienstmedaille der Gemeinde Schwaig

Kontakt

Fritz Körber
Am Neubruch 11
90571 Schwaig-Behringersdorf
Tel. 0911 5074499

Veröffentlichungen

  • Fritz Körber: Charkiw hautnah. AWO Schwaig und Behringersdorf war in der Ukraine. In: Pegnitz-Zeitung vom 17. April 2010, S. 12

Reden (Auswahl)

  • Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten. Rede von Bürgermeister Körber zur Gedenkveranstaltung „ 60 Jahre Kriegsende“ am 8. Mai 2005 im Schlosshof des Schwaiger Schlosses

Literatur

  • fi [= Clemens Fischer]: Körber: Abschied in allen Ehren. In: Pegnitz-Zeitung vom 16. Mai 2006 - PZ
  • Andreas Sichelstiel: Versöhnung mit Chormusik in Oradour. In: Der Bote vom 21. Mai 2007 - Bote
  • Stephan Sohr: Richard Bartsch (CSU) bleibt Bezirkstagspräsident – Fritz Körber (SPD) fiel durch. Verletzt, frustriert, den Tränen nahe. In: Nürnberger Zeitung Nr. 249 vom 24. Oktober 2008, S. 17 - NZ
  • Stephan Sohr: Körbers Niederlage. Abfuhr mit Ansage. In: Nürnberger Zeitung Nr. 249 vom 24. Oktober 2008, S. 17 - NZ
  • Stephan Sohr, Abschied nach über 30 Jahren - Mit Fritz Körber verlässt ein hochgeschätzter Politiker den Bezirkstag, in: Nürnberger Zeitung vom 14. September 2013, S. 16.

Siehe auch

Sachartikel

Personenartikel

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Rathausreport Erlangen, Nr. 193 vom 17. Dezember 2008 - Fränkische Weihnacht in St. Theresia