Giovanni Francesco Marchini

Aus Franken-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Giovanni Francesco Marchini (* 1671 oder 1672 in Como; † 1745 in Bamberg) war ein italienischer Freskenmaler, der in Franken vor allem für Mitglieder der Familie von Schönborn tätig war.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dass Marchini aus Como stammte, wissen wir nur durch einen Eintrag in einem Taufbuch der Mainzer Pfarrei St. Ignaz, der sich auf die Taufe eines Sohnes bezieht, wo er als „oriundus ex Como“ bezeichnet ist. Über seine frühen Jahre wissen wir sehr wenig. Aber eine Ausbildung bei einem der oberitalienischen Quadraturisten (vor allem der Lombardei und Emilia-Romagna) ist zweifelsfrei, weil die Bemalung von Wänden und Decken mit perspektivisch korrekt konstruierten Scheinarchitekturen, die sich zu Anräumen oder Ausblicken in Landschaften und illusionistische Himmelsräume zu öffnen scheinen, sein „Markenzeichen“ war. Wenn er sich in einem Bewerbungsschreiben von 1730 beim Fürstbischof von Speyer, Damian Hugo von Schönborn (1676 - 1743), als „pittore romano“ („römischer Maler“) bezeichnet, dürfte dies eher auf seine Weiterbildung in Rom, vielleicht bei Andrea Pozzo (1742 - 1709), bezogen gewesen sein, der in den Jahren ab 1685 sein römisches Hauptwerk, die Ausmalung der Jesuitenkirche Sant' Ignazio geschaffen hatte. An Stelle der nicht ausgeführten Kuppel hatte Pozzo dort eine Scheinkuppel auf eine ebene Leinwand gemalt, die auf einen präzisen Betrachterstandpunkt konzipiert war.

Die perspektivischen Konstruktionsgrundlagen für seine gemalten (Schein-)Architekturen hat Pozzo in seinem ab 1693 erschienenen Traktat „Prospettiva de pittori e architetti“ (deutsche Ausgabe in zwei Bänden: Der Mahler und Baumeister Perspectiv, Augsburg:Wolff 1708 und 1711) allen Fachkollegen und Interessenten dargelegt. Ob Marchini die Gestaltung von Scheinkuppeln, wie er sie in Franken mehrfach schuf, bei Andrea Pozzo selbst oder aus dessen Traktat gelernt hat, bleib eine offene Frage.
Bamberg, St. Martin: Scheinkuppel am Gewölbe vor dem Chor

1703 holte Kaiser Leopold I. Andrea Pozzo nach Wien, wo er im Zuge der Umgestaltung der Jesuitenkirche ebenfalls eine Scheinkuppel schuf. Ob Friedrich Karl von Schönborn (1674 - 1746), der seit 1705 als Reichsvizekanzler in Wien residierte, seinen Onkel Lothar Franz (1655 - 1729) als Bauherr von Schloss Weißenstein in Pommersfelden auf die Perspektivkunst des Andrea Pozzo und seine Epigonen, wie etwa Marchini, aufmerksam machte, ist ebenfalls fraglich.

Die frühesten Arbeiten Marchinis auf deutschem Gebiet scheinen die Festsaal-Ausmalungen in den Schlössern des in den Adelsstand erhobenen Leipziger Kaufmanns David von Fletscher in den Schlössern von Crossen an der Elster/Thüringen und Wiederau (südlich von Leipzig) gewesen zu sein. Erst danach tritt er in Schönbornsche Dienste: Den Arbeiten für den Bamberger Fürstbischof Lothar Franz in dessen Pommersfeldener Privatschloss folgen Freskierungen in seinem Lustschloss Favorite bei Mainz, wo er seit 1695 Erzbischof war. Von Mainz aus war Marchini auch in Walldürn tätig. Dem schloss sich die Freskierung der Pfarrkirche St. Mauritius, dem Residenzschloss des Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn in Wiesentheid gegenüber liegend, an.

Ein weiterer Schönborn-Bischöf, für den Marchini tätig war, ist Damian Hugo, seit 1919 Fürstbischof von Speyer, der sich in Bruchsal ab 1720 ein weitläufiges Residenzschloss errichten ließ. Da Marchinis Wand- und Deckenbemalungen an und in den Gebäuden von Schloss Bruchsal heute weitestgehend (sehr gelungene) Rekonstrutionen der am 1. März 1945 zerstörten Originale sind, stellt die Ausmalung der Pfarrkirche von Wiesentheid neben jener der Wallfahrtskirche von Alldürn den umfangreichsten Originalbestand von seinem Schaffen dar.

Ein Kleinod auch hinsichtlich der Architektur ist die Valentinikapelle in Unterleiterbach, bei der der Bamberger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn fördernd und gestaltend eingriff.

Werke

  • Bamberg, katholische Stadtpfarrkirche St. Martin (ehemalige Jesuitenkirche), Scheinkuppel am Vierungsgewölbe, 1714.
  • Bruchsal, Schloss "Damiansburg": Freskierung der Intrada (Eingangshalle), des Grottensaales und der Sala Terrena (Gartensaal), sowie Bemalungen an mehreren Fassaden, 1731-36.
  • Crossen an der Elster, Schloss: Ausmalung des zweigeschossigen Festsaals, 1705-12.
  • Mainz, Jüngerer Dalberger Hof: Die Deckenmalerei von Marchini wurde während der Belagerung der Stadt 1793 zerstört.
  • Mainz, Lustschloss Favorite: Fassadenbemalung und Ausmalung des Gartensaalesödes "Rheinschlösschens" (1793 bei der Beschießung von Mainz zusammen mit der gesamten Garten- und Schlossanlage zerstärt).
  • Pommersfelden, Schloss Weißenstein, Treppenhaus: Scheinarchitekturbrüstung, die das Deckenfresko von Johann Rudolf Byss umgibt, 1713 oder 1717; Nebenräume des Gartensaales ("Sala Terrena"): illusionistische Wand und Deckenbemalung, 1716-18. Die Personifikationen der Eitelkeit, Vanitas, und des Wohlstandes, Prosperitas, geben den beiden Räumen die Namen Vanitas- und Prosperitas-Saal; Marstall: Freskierung der Sattelkammer (zusammen mit Johann Rudolf Byss), 1719.
  • Unterleiterbach bei Zapfendorf, Valentinikapelle: Wand- und Deckenbemalung, 1740; die Scheinarchitektur der Wände entstand nach Rissen des Architekten der Kapelle, Johann Michael Küchel.
  • Walldürn, Wallfahrtskirche Zum Heiligen Blut: Ausmalung der Gewölbezone, 1723-25.
    Wallfahrtskirche Walldürn: von Marchini freskierte Gewölbezone
  • Wiederau/Sachsen, Schloss: Ausmalung des Festsaales, ca. 1705-12.
  • Wiesentheid, katholische Pfarrkirche St. Mauritius: Scheinarchitekturbemalung der Wände und Decken, 1728-30.
  • Zeilitzheim, Schloss: Ausmalung des Saales, 1737.

Literatur

  • Peter Seewaldt, Giovanni Francesco Marchini. Sein Beitrag zur Monumentalmalerei des Spätbarock in V´Deutschland, Egelsbach 1984 (zugleich Diss. Mainz 1983)
  • Elisabeth Trux, Giovanni Francesco Marchini und die oberitalienische Quadraturmalerei nach Andrea Pozzo in Franken, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege, 51. Jahrgang, Heft 4/August 1999, S. 271-280.
  • Jörg Katerndahl, Die Wand- und Deckengemälde von Giovanni Francesco Marchini in den Schlössern Wiederau und Crossen an der Elster, Rudolstadt 1998
  • Thomas Korth, Die Valentinikapelle in Unterleiterbach. Ein Hauptwerk der Sakralbaukunst von Johann Jakob Küchel, in: Dorf-Leben. Politik, Glaube und Kultur im Wandel. 1200 Jahre Unterleiterbach, herausgegeben von Dietmar Absch und Günter Dippold, Unterleiterbach 2000, S. 147-166

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen