Hadermühle (Nürnberg)

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Deutschlands erste Papiermühle: Ulman Stromer-Denkmal an der Hadermühle auf der Wöhrder Wiese

Die Nürnberger Hadermühle (auch "Gleißmühle" genannt) kann mit Fug und Recht als ein frühes Kompetenzzentrum in der Noris bezeichnet werden: Diese frühindustrielle Anlage vor dem Wöhrder Tor gilt als die erste Produktionsstätte für Papier nördlich der Alpen. Ulman Stromer, der die Mühle 1390 erworben hatte, rüstete sie im folgenden Jahr zur Produktionsstätte für Papier um. Das Produktionsgeheimnis wurde damals streng gehütet. Wahrscheinlich auch deswegen befand sich unmittelbarer Nachbarschaft der Mühle auch ein befestigter Herrensitz. Das Obereigentum über die Mühle blieb übrigens bei den Nürnberger Burggrafen, die dieses Privileg zusammen mit ihrem Amt 1427 an die Reichsstadt veräußerten.

In der Hadermühle (der Name leitet sich von den Alttextilien, eben „Hadern“, ab, aus denen man damals Papier erzeugte) wurde nur zu geringen Teilen Schreibpapier hergestellt, in größerem Umfange Papier für gewerbliche Zwecke, Packpapier für die vielfältigen Produkte der Nürnberger Kleinindustrie, also etwa der Nadler, Fingerhüter, Messerer, Klingenschmiede etc., sowie für die Handelsgüter der Firma Stromer selbst.

Die Papierproduktion blieb nur ein vorübergehendes Intermezzo der Nürnberger Wirtschaftsgeschichte: Als der Nürnberger Rat die Mühle 1463 einzog, wurde sie zu einem Hammerwerk für Kupfer und in eine Produktionsstätte für Waffen umgewandelt. 1479 fielen Herrenhaus und Mühle einer Feuersbrunst zum Opfer, ihre Nachfolgebauten wurden im Zweiten Markgräflerkrieg 1552 zerstört. Nach einem weiteren Großfeuer 1767 wurde die Mühle nicht wieder aufgebaut. In unmittelbarer Nähe der ersten deutschen Produktionsstätte für Papier befindet sich heute in der Blumenstraße das Druckhaus Nürnberg, einer der letzten deutschen Zeitungsverlage, der noch nicht auf die grüne Wiese abgewandert ist.

Literatur

  • Lore Sporhan-Krempel und Wolfgang Frh. Stromer von Reichenbach, Das Handelshaus der Stromer von Nürnberg, in: Unbekanntes Bayern, Bd. 7: Land der Franken, München: Süddeutscher Verlag 1962, S. 56-73.

Siehe auch