Hannah Stockbauer

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Hannah Stockbauer
Foto: Roland Fengler/NZ

Hannah Stockbauer (* 7. Januar 1982 in Nürnberg) ist fünffache Schwimm-Weltmeisterin.

Inhaltsverzeichnis

Zum Leben

Hannah Stockbauer hatte schon als Vierjährige mit dem Schwimmen begonnen.

Hannah Stockbauer
Foto: Roland Fengler/NZ

Stockbauer gewann bei den Weltmeisterschaften im Jahr 2001 in Fukuoka (Japan) zwei Goldmedaillen, bei den Weltmeisterschaften in Barcelona (Spanien) im Jahr 2003 sogar die Titel über 400, 800 und 1500 Meter Freistil. Trainer bei ihrem Verein SSG 81 Erlangen war Roland Böller. Nachdem sie bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen über 800 und 1500 Meter überraschend bereits im Vorlauf ausgeschieden war, beendete sie ihre Karriere und gab am 9. Oktober 2005 ihren Rücktritt bekannt.

Seitdem konzentrierte sie sich auf ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei Siemens, wo sie heute arbeitet.

In Erlangen ist die Schwimmhalle des Röthelheimbades nach ihr benannt. In den Jahren 2001 und 2003 wurde sie von den deutschen Sportjournalisten zur "Sportlerin des Jahres" gewählt.

Hannah Stockbauer ist liiert mit dem Wasserballer Tobias Kreuzmann (Duisburg), der des Dopings verdächtigt, letztendlich aber freigesprochen wurde.[1]

Sportliche Erfolge

Hannah Stockbauer
Foto: Roland Fengler/NZ

Erfolge bei Olympischen Spielen:

Jahr 2004:

Bronze: 4x200 m Freistil


Erfolge bei Weltmeisterschaften:

Jahr 2001:

2 x Gold: 800 m Freistil; 1500 m Freistil

Silber: 4x200 m Freistil

Bronze: 400 m Freistil

Jahr 2003:

3 x Gold: 400 m Freistil; 800 m Freistil; 1500 m Freistil


Erfolge bei Europameisterschaften:

Jahr 1999:

2 x Gold: 800 m Freistil; 4×200 m Freistil

Jahr 2002:

1 x Gold: 4x200 m Freistil

1 x Bronze: 800 m Freistil

Literatur

  • Alexandra Groß: „Freude am Schwimmen ist noch nicht zurück“. Weltmeisterin Hannah Stockbauer über ihre WM-Absage, olympische Ziele und ihr Leben als Azubi. In: Die Welt vom 20. März 2005 - WELT

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.sportgericht.de/sportrecht-newstext-5431-.html&suchtext=Wasserball

Weblinks

  • Hannah Stockbauer, Sportverband Erlangen e.V. - online

Berichte in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

"Wie die 20-Jährige in Athen 2004 eine olympische Medaille holen will / Neuer Stützpunkt in Erlangen

Als Vorbild ist Hannah mehr gefragt denn je

Von MARKUS KAISER

Den Weg nach Olympia 2004 in Athen wollen sie gemeinsam gehen: Hannah Stockbauer (links) und ihr Trainer Roland Böller.Foto: Fengler

ERLANGEN (NZ). - Der 14.Oktober ist für Hannah Stockbauer ein besonderer Tag. Dann beginnt für die 20-Jährige ein neuer Lebensabschnitt: ihr Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg. Für was sie sich einschreibt, will die Schwimm-Weltmeisterin von der SSG 81 Erlangen noch nicht verraten. Statt über die nahe Zukunft spricht sie lieber über das, was sie sich für August 2004 fest vorgenommen hat: eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Athen.

Bei einem Pressegespräch im Erlanger Siemens-Forum bekräftigte Hannah Stockbauer gestern dieses Ziel genauso wie Ralf Beckmann, Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbands: »Grundphilosophie für jeden DSV-Stützpunkt muss es sein, alle vier Jahre eine olympische Medaille zu holen.« Und genau so einer von zwölf Stützpunkten ist Erlangen seit gestern - einen Monat, nachdem Fürth den Zuschlag für ein Sportleistungszentrum für Sommersportarten am Finkenschlag erhalten hat.

Partner in der Wirtschaft

Verbunden ist damit zunächst einmal eine ideelle Anerkennung bis zu den Olympischen Spielen für die bisherigen Erfolge: Europameisterin ist Hannah Stockbauer, Weltmeisterin, und im vergangenen Jahr war sie zur »Sportlerin des Jahres« gewählt worden. Außer ein paar Aufwandsentschädigungen für Hannahs Trainer Roland Böller gibt es für den Stützpunkt vom Verband nichts. »Die Leistungszentren können nur funktionieren, wenn sie in der Wirtschaft starke Partner haben.« Die Siemens AG ist einer der Hauptsponsoren, zahlt bis 2004 dem SSG-Perspektivteam mit Hannah Stockbauer, Teresa Rohmann (15), Franziska Steinmetz (16) und Andreas Lösel (19) 50000 Euro für zwei drei- bis vierwöchige Trainingslager pro Saison. Und die SSG Erlangen hofft darauf, die Mieten für das Röthelheimbad künftig erlassen zu bekommen. »Ansonsten wären wir der einzige DSV-Stützpunkt, der für das Training zahlen muss«, meint Roland Böller. Seit 1991 ist der 33-Jährige Trainer bei der SSG.

Sein größtes Talent und seine bisher erfolgreichste Schwimmerin ist eindeutig Hannah Stockbauer. Doch auch den anderen drei Sportlern des Perspektivteams traut Böller Medaillen bei Deutschen Meisterschaften zu. »Team 2004 heißt natürlich nicht, dass alle vier bei Olympia dabei sind«, wiegelt Böller ab. »Wenn alle vier bei den nationalen Ausscheidungen eine Medaille holen, dann hätten wir schon riesigen Grund zu feiern.« Sollten sich weitere Talente herauskristallisieren, können diese noch ins Team aufgenommen werden, erklärt Böller.

»Keine Allüren«

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft seiner Schwimmer befürchtet der ruhige und diplomatische Trainer nicht. »Klar, wir machen Leistungssport. Aber auch Hannah integriert sich gut in die Mannschaft. Sie hat keine Allüren.« Sie ist vielmehr ein Vorbild: Morgens als Erste im Röthelheimbad, abends geht sie meist als Letzte. Auch wenn sie sich für ein Studium einschreibt, gilt die Konzentration bis zu den Olympischen Spielen in erster Linie dem Sport. »Da sind wir uns einig«, sagt Böller.

Das Leistungszentrum sieht der Erlanger als »Verpflichtung für die Zukunft«, ohne seine Top-Schwimmerin unter Druck setzen zu wollen. Nach einer langwierigen Virus-Infektion und dem Abistress hatte Hannah Stockbauer im August bei der EM in Berlin »nur« eine Goldmedaille in der 4x200m-Staffel und Bronze über 800m Freistil geholt. »Druck lastet aber überhaupt nicht auf mir«, meint die 20-jährige Nürnbergerin. »Eher auf den Jüngeren.«"

(Aus: Nürnberger Zeitung vom 27. September 2002)


"Der Erlanger OB will das Röthelheimbad umbenennen

200 Fans haben Hannah am Flughafen empfangen

NÜRNBERG (NZ). - Die WM-Heldin ist zurück in Nürnberg. Mit der Hapag-Lloyd-Maschine HF1638 aus Palma de Mallorca landete Hannah Stockbauer gestern um 16.38 Uhr am Flughafen Nürnberg. Rund 200 Fans, Vereinskollegen, Promis und ihre Eltern Sabine und Johann holten die dreifache Schwimm-Weltmeisterin direkt vor der Maschine ab. Auf einem Transparent sind drei Goldmedaillen gemalt, in dem Kreis jeweils ein Foto von Hannah Stockbauer und daneben der Schriftzug »Wir gratulieren Dir!«. Etwa 15 Kinder der SSG 81 Erlangen, dem Verein der 21-jährigen Ausnahmeathletin aus Nürnberg, begrüßten den neuen Schwimm-Star mit »Hannah, Hannah«-Rufen. »Einige davon eifern der Hannah ganz schön nach«, sagt eine Mutter - während sich vier Kamerateams und rund ein Dutzend Fotografen um die Langstrecklerin drängen, die in Barcelona Gold über 400, 800 und 1500m Freistil gewonnen hat.

Siegfried Balleis, der Erlanger Oberbürgermeister, ist einer der Gratulanten. Der berühmtesten Sportlerin seiner Stadt verspricht er, dass das Röthelheimbad in Hannah-Stockbauer-Schwimmhalle umbenannt werden soll (die NZ berichtete). »Der Stadtrat muss noch zustimmen, aber ich bin optimistisch«, sagte Balleis, der die dreifache Weltmeisterin heute schon wieder trifft: ab 14 Uhr beim Empfang im Röthelheimbad an der Gebbertstraße.

Müde und erschöpft sieht Hannah Stockbauer nach der WM-Woche gestern schon aus - obwohl sie den Medien- und Empfangsmarathon erst noch vor sich hat. Abends im Bayerischen Fernsehen bei »Blickpunkt Sport«, heute eine Pressekonferenz im Siemens-Forum in Erlangen, anschließend der Empfang, demnächst der Eintrag ins »Goldene Buch« der Uni Erlangen-Nürnberg, an der sie offiziell eingeschrieben ist.

Immer wieder müssen ihr Trainer Roland Böller und sie gestern neben dem Flieger Interviews geben und Autogramme schreiben. »Ich bin von dem Empfang überwältigt«, sagt Stockbauer. »Ich denke, dass sich der ganze Rummel in zwei bis drei Tagen aber wieder gelegt hat.« Hannahs Mutter Sabine Stockbauer war vorher schon eine gefragte Interviewpartnerin: »Sie bleibt so wie sie ist. Sie bleibt die Hannah«, sagte sie. Auf die Frage, was Hannah zu Hause erwartet, antwortete die Mutter: »Ihr Bruder Jan hat Nougat, eine Flasche Wasser, Marmelade und Weintrauben gekauft.«

Markus Kaiser"

(Aus: Nürnberger Zeitung vom 29. Juli 2003)


"Schwimm-Star Hannah Stockbauer peilt in Athen zwei Goldmedaillen an

»So gut war ich noch nie«

Von MARKUS KAISER

Leichtathletik, Schwimmen, Radfahren, Hockey und Tennis - Mittelfranken sind in fünf Sportarten bei den Olympischen Spielen in Athen dabei. Die NZ stellt in ihrer neuen Serie »Frankens Asse in Athen« alle Sportler vor, die für einen fränkischen Verein starten oder die aus Franken stammen und die für Olympia nominiert wurden. Der vierte Teil ist der Schwimmerin Hannah Stockbauer von der SSG 81 Erlangen gewidmet, die in Athen über 400 und 800 m Freistil an den Start geht.

ERLANGEN (NZ). - Mitten im Gewühl im Erlanger Schlossgarten war sie auf einmal alleine mit ihren Eltern und der Freundin ihres Bruders. Hannah Stockbauer saß beim Schlossgartenfest an einem Tisch vor der Orangerie und tippte SMS - während die Besucher des Gartenfests durch den Schlossgarten schlenderten, um mal mit dem einen, mal mit dem anderen Smalltalk zu führen. Oder während die Gäste tanzten. Hannah Stockbauer schien die Ruhe an ihrem Tisch vor der Orangerie zu genießen. »Ich kann doch nicht tanzen«, sagte die 22-jährige Nürnbergerin, die bis zum Sommersemester an der Universität Erlangen-Nürnberg im Studiengang Geographie eingeschrieben war.

Am Tag nach dem Gartenfest flog Hannah Stockbauer ins Höhentrainingslager in die spanische Sierra Nevada. Als sie drei Wochen später zurückkam und sich am vergangenen Donnerstag den Medien zu einer letzten Pressekonferenz vor den Olympischen Spielen stellte, war der Rummel um die fünffache Weltmeisterin weitaus größer. Im Cabrio fuhr Stockbauer direkt vors Siemens-Forum in Erlangen. Fotografen und Kamerateams warteten bereits auf die »Sportlerin des Jahres« 2001 und 2003, drängten sich um sie. Selbst für eher langweilige Bildmotive mit der Expertin für die langen Schwimmstrecken legten sich die Fotografen ins Zeug. Das größte Klatschmagazin Deutschlands, die Bunte, ließ sich nach der Pressekonferenz extra eine Viertelstunde für ein Fotoshooting reservieren.

Werbefigur

Hannah Stockbauer ist spätestens seit ihren drei Goldmedaillen über 400, 800 und 1500 m im vergangenen Jahr bei der WM in Barcelona zu den Stars und Sternchen aufgestiegen. Aus der bodenständigen Fränkin ist eine beliebte Werbefigur geworden für fränkische Unternehmen wie »Frankenbrunnen«, aber auch für überregionale wie ein großes Mobilfunkunternehmen. Nachdem Hannah Stockbauer ihre Management-Agentur gewechselt hatte, wurde sie auch in diesem Bereich professioneller. Rupert Wild, der neue Manager, versucht ebenso wie ihr Trainer Böller den Erwartungsdruck von seiner Athletin zu nehmen: »Auch wenn sie in Athen keine Medaille holt, bleibt sie ein Star.«

Wenn Hannah Stockbauer allerdings in Athen über 400 und 800 m zur Goldmedaille kraulen sollte, würde sie vor allem die Erlanger Rathaus-CSU in Bedrängnis bringen. Als Anerkennung für ihre fünf WM-Titel bauten sie ihr im Frühjahr ein Denkmal, benannten die Schwimmhalle des Röthelheimbads in Hannah-Stockbauer-Schwimmhalle um. Die Opposition fragte, was man denn mache, falls Hannah Olympiasiegerin werde. »Wir lassen uns da schon was einfallen«, sagte Bürgermeister Gerd Lohwasser (CSU). Erlangen in »Hannah-City« umzutaufen, dürfte sich im Stadtrat aber doch nicht durchsetzen lassen.

Hannah Stockbauer selbst sind solche Diskussionen unangenehm. Sie konzentriert sich lieber aufs Training. In diesem Jahr schwamm sie so viele Kilometer wie noch nie zuvor. »Ich fühle mich fit und freue mich auf Athen«, sagt sie. In den Tests während der Vorbereitung schnitt sie glänzend ab. »So gut war ich noch nie«, erklärt Stockbauer, »deshalb kann ich ganz zuversichtlich sein.«

Zuvor ist diese Saison nicht unbedingt nach ihrem Geschmack verlaufen: Bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Dublin wurde sie im Dezember über 800 m Freistil nur Sechste, über 400 m schied sie gar im Vorlauf aus. Bei den Deutschen Meisterschaften im Juni in Berlin scheiterte sie über 200 m, einer Nebenstrecke, ebenfalls im Vorlauf und verpasste so die Chance, in Athen auch in der 4x200-m-Freistil-Staffel zu schwimmen. DSV-Teamchef Ralf Beckmann lässt zwar ein Hintertürchen offen und will sich erst in Athen festlegen, wer schwimmt. »Aber ich mache mir darüber jetzt keinen Kopf mehr«, meint Hannah im Gespräch mit der NZ.

Auch mit Misserfolgen hat die 22-Jährige gelernt umzugehen. Im Jahr 2000, ein Jahr nach ihrem ersten EM-Titel in Istanbul, weckte sie mit schnellen Zeiten in der Olympia-Vorbereitung Hoffnungen auf eine Medaille - und wurde über 800 m Fünfte, über 400 m Sechste. »Ich habe auf jeden Fall was daraus gelernt«, sagt Stockbauer. »Ein fünfter und ein sechster Platz waren aber ja nicht so schlecht für mich. Das waren ja meine ersten großen internationalen Wettkämpfe.« Vier Jahre später zählt sie im deutschen Schwimmteam neben Franziska van Almsick zu den größten Gold-Hoffnungen.

Egal, wie die Olympischen Spiele für Stockbauer ausgehen, danach will sie erst einmal Urlaub machen. Gebucht ist aber nichts. Danach bricht sie ihr Studium ab, das sie aus Zeitgründen ohnehin nie ernsthaft betreiben konnte, und beginnt eine Stammhauslehre zur Industriekauffrau bei Siemens. Das Schwimmen wird etwas in den Hintergrund treten.

Bis dahin gilt ihre Konzentration Olympia. »Der Druck von außen ist schon groß. Aber ich will mir natürlich auch selber beweisen, was ich kann.« Bei der Eröffnungsfeier wird Hannah Stockbauer fehlen. Nicht weil, ihr wie den meisten Athletinnen, die Einmarschkollektion nicht gefällt, sondern weil sie nicht stundenlang in der Hitze stehen will. »Ich gehe lieber zur Abschlussfeier. Die ist viel schöner.« Aber mit mehr Rummel als beim Schlossgartenfest."

(Aus: Nürnberger Zeitung vom 31. Juli 2004)


"Hannah Stockbauer hört auf - Ein Portrait

Das Leben ist mehr als Kacheln zählen

Von Markus Kaiser

Ihr Leben verlief wie in einem Zeitraffer. Nur wenn sie im 50-Meter-Becken in der nach ihr benannten Hannah-Stockbauer-Schwimmhalle in Erlangen Kacheln zählte, wie sie das zeitaufwändige und quälende Training nannte, kamen ihr die Einheiten manchmal wie eine Ewigkeit vor. Doch in ihrem jungen Leben hat die 23-jährige Nürnbergerin (fast) alles durchgemacht: Mit insgesamt fünf Weltmeistertiteln im Jahr 2001 im japanischen Fukuoka und im Jahr 2003 in Barcelona ist sie die erfolgreichste deutsche Schwimmerin bei einer WM geworden. »Sie hat eine historische Marke gesetzt«, sagt Ralf Beckmann, der Teamchef des Deutschen Schwimm-Verbandes.

Mit zwölf Jahren gewann Hannah Stockbauer ihren ersten Deutschen Meistertitel, im Jahr 1999 bei den Europameisterschaften in Istanbul ihr erstes EM-Gold und 2001 ihre ersten beiden Goldmedaillen bei den WM in Japan. Eine steile Karriere hatte begonnen, in der der damals 19 Jahre alten Schwimmerin der SSG 81 Erlangen nur noch ein Titel fehlte: eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Aber der größte Erfolg, den ein Schwimmer feiern kann, blieb ihr - wie auch Franziska van Almsick - verwehrt. In Syndney 2000 wurde Stockbauer über ihre Strecken 400 und 800 Meter Freistil nur Fünfte und Sechste, obwohl sie mit der Empfehlung einer Jahresweltbestzeit nach Australien geflogen war.

Den absolute Tiefpunkt ihrer Karriere erlebte Stockbauer im vergangenen Jahr, als sie in Athen über ihre Paradestrecken bereits im Vorlauf ausgeschieden war - als amtierende Weltmeisterin. »Ich habe keine Erklärung«, stammelte die deutsche Gold-Hoffnung damals, »ich habe noch keine Lust, großartig nachzuforschen.« Lieber wollte sie ein Jahr pausieren und sich auf ihre Ausbildung als Industriekauffrau konzentrieren, die sie nach den Olympischen Spielen begann. Aus der Auszeit, die sie zwischendurch um ein weiteres Jahr verlängern wollte, ist nun das Karriereende geworden.

Heftiger Streit mit Teamchef Beckmann

In ihrem Frust über ihr schlechtes Abschneiden in Athen, das sie sich nicht erklären konnte, lieferte sie sich eine mediale Schlacht mit DSV-Teamchef Beckmann. »Beim DSV geht das Geld oft an die falschen Orte und Personen«, kritisierte sie via Bild. »Unser Cheftrainer Ralf Beckmann zum Beispiel kommt vier Tage in die Sierra Nevada, und zwei Tage davon macht er Urlaub.« Es waren die letzten großen Interviews.

Außerhalb des Schwimmbeckens kam Hannah Stockbauer nie an die Größe einer Franziska van Almsick heran, der es nahezu perfekt gelungen war, sich als Glamourgirl des deutschen Schwimmsports zu vermarkten. Hannah Stockbauer ließ sich zwar nach ihrem WM-Titel von Fukuoka für das Magazin Maxim in erotischen Posen ablichten. Ihre Werbepartner, wie Frankenbrunnen oder Arndt, waren jedoch meist aus der Region.

Als sie im Dezember 2001 von den Sportjournalisten erstmals zur »Sportlerin des Jahres« in Baden-Baden gekürt wurde, musste sie in ihrem Kleiderschrank gar nicht lange auswählen, was sie anziehen soll. Sie hatte ohnehin nur ein Kleid, das für solch einen Anlass in Frage kam. Erst spät hat Hannah Stockbauer sich vermarkten lassen. Lange Zeit hielt sie in der Öffentlichkeit das Bild von der bodenständigen Fränkin aufrecht: »Ich bin einfach die Hannah geblieben.«

Die Hannah freilich, die auf vieles im Leben verzichten musste, die kaum Freizeit hatte und sich bei Wettkämpfen über die langen Strecken immer so quälen musste, dass sie Bauchschmerzen bekam. Dieses Leben tauscht sie nun gegen mehr Freizeit ein. Das Leben ist für Hannah Stockbauer mehr als Kacheln zählen, mit dem sie bereits als Elfjährige bei ihrem Trainer Roland Böller in Erlangen begonnen hatte. Zu ihm verband sie bis zuletzt eine sehr innige Beziehung. Zu ihrem Sport war die Ausnahmeschwimmerin durch ihre beiden älteren Brüder Jan und Mirko gekommen.

Frühzeitig war ihr Talent erkannt worden. »Mit ihrem ästhetischen Stil wird sie sich auf Jahre hinweg an der Weltspitze halten können«, prophezeite die Süddeutsche Zeitung nach dem Gewinn der beiden WM-Titel 2001. Aber das war Hannah Stockbauer zu anstrengend."

(Aus: Nürnberger Zeitung vom 11. Oktober 2005)