Hans Beheim der Ältere

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Hans Beheim (auch Behaim und andere Schreibweisen) der Ältere, (* um 1460 wohl in Sulzbach/Opf., † 21. und begraben am 25. August 1538 in Nürnberg - Grab Nr. 643 auf dem Rochusfriedhof), war ein in der Oberpfalz und Franken, seit 1490 bis zu seinem Tod in Nürnberg tätiger Baumeister.

Er war Vater des Paulus Beheim und Onkel Hans Beheims des Jüngeren, beide ebenfalls Baumeister.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Geburtsdatum und -ort Hans Beheims kennen wir nicht. Aus vier von Werner Schultheiß aufgefundenen Briefen aus dem Jahre 1488 geht hervor, dass der Bürgermeister und der Rat der Stadt Sulzbach „ihren Stadtmeister und Mitbürger“ der Reichsstadt Windsheim empfehlen. Wir erfahren auch, dass er 1488 als „Werkmeister“ für Herzog Otto von Bayern-Neumarkt und vor diesem Jahr für das Zisterzienserkloster Waldsassen tätig gewesen war.

Um 1490 kam er nach Nürnberg, wo als erste Bauaufgabe die Errichtung eines Kornhauses über dem Graben der vorletzten Stadtbefestigung südlich der Pegnitz zu bewältigen war. Dabei wurde die Stadtmauer in die östliche Längswand mit einbezogen. Später wurde es zur städtischen Sammelstelle für Talg und Fette umgewidmet und trägt seitdem die Bezeichnung Unschlitthaus
Unschlitthaus, südliche Giebelseite
. Es folgten zwei weitere große Kornhäuser mit jeweils sechs Dachböden über drei Geschossen: der laut Bauinschrift in genau einem Jahr, zwischen dem 11.10. 1494 und dem 11. 10. 1495 entstandene Verbindungsbau zwischen dem Fünfeckturm und dem Luginsland, der nach seiner Nebenfunktion den Namen „Kaiserstallung“ trägt, und das ebenfalls in den vorletzten Stadtgraben gebaute Kornhaus am heutigen Hallplatz (1498-1502), das den Namen Mauthalle seiner Funktion als reichsstädtisches Zollamt (seit 1572) verdankt. Beheim zugeschrieben wird das 1516 inschriftlich datierte Kornhaus der ehem. Deutschordenskommende (heute Areal des Polizeipräsidiums für Mittelfranken). Weitere öffentliche Bauten waren die Alte Waage mit der Herrentrinkstube an der Winklerstraße (1497/98) und die reichsstädtische Münze (1510), später Marstall, im alten Stadtgraben an der Peter-Vischer-Straße (beide 1945 zerstört). Nicht erhalten sind auch seine Um- und Erweiterungsbauten am Rathaus („Ratsstubentrakt“) mit den Maßwerkgalerien im kleinen und großen Rathaushof. Für mehrere seiner öffentlichen Bauten schuf Adam Krafft die Bauskulptur, so die Wappentafel an der Südseite der Kaiserstallung, das Relief über dem Portal der Alten Waage (jetzt im Germanischen Nationalmuseum) und das Wappen-Tympanon über dem Mittelportal an der Ostseite der Mauthalle.

Beheims bedeutendste ingenieurtechnische Leistung war der doppelte Brückenschlag über den nördlichen Pegnitzarm für den Neubau des Heilig-Geist-Spitals (1506-27) mit dem Hauptgebäude ("Sude") zur Museumsbrücke hin und dem Kreuzigungshof, sowie einem „Geheimgewölbe“ zur Aufbewahrung der Reichskleinodien in Kriegszeiten. Seine Erfahrungen legte er 1511 in einer Schrift mit dem Titel „Wie einer über das Wasser bauen soll“ nieder.

Im Haus Zu der Rosen, Theresienstraße 7, 1509-12 für Jakob Welser errichtet, schuf Beheim einen der schönsten Innenhöfe der Stadt (heute auch "Krafft'scher Hof" genannt; die Fassade und die gewölbte Eingangshalle des Hauses wurden 1945 zerstört).

Im Bereich des Kirchenbaus, waren die großen Bauaufgaben zu Beheims Zeiten vollendet. Hier trat er in Nürnberg nur mit drei Werken hervor: der Allerheiligenkapelle für die Zwölfbrüderhausstiftung Matthäus Landauers d. J. (1506/07; heute Teil des Willstätter-Gymnasiums beim Laufer Schlagturm), der Holzschuherkapelle (1506/07) im östlichen Teil des Johannisfriedhofs, sowie den Treppenaufgang von der unteren zur oberen Sakristei im Ostchor von St. Lorenz (datiert 1519).

Während seiner Nürnberger Jahre war Beheim auch häufig außerhalb der Reichsstadt gefragt. Beratende und gutachterliche Tätigkeiten führten ihn etwa nach Bamberg, Coburg, Forchheim, Regensburg und Torgau. In Ansbach schuf er den „Dicken Turm“ der Stadtbefestigung (um 1500), in St. Gumbertus den Chor mit Netzgewölbe und Gumbertus-Erker (1521-23), 1522-28 arbeitete, zusammen mit Hans Beheim d. J. am Um- und Erweiterungsbau der ehem. Wasserburg (Vorgängerbau des heutigen Residenzschlosses).

Würdigung

Fast ein halbes Jahrhundert stand Beheim im Dienste der Reichsstadt und prägte mit seinen teils monumentalen Bauten (Heilig-Geist-Spital und Kornhäuser) maßgeblich das Stadtbild.

Ein annähernd vollständiges Bild seines Schaffens ließe sich nur gewinnen, wenn man seine 1945 oder bereits früher zerstörten Bauten noch mit berücksichtigen könnte: die reichsstädtische Münze (1510), der sog. Historische Hof (Tucherstraße 20), der sog. Kaiserhof (Winklerstraße 5), das Sebalder Schulhaus, Umbau des Almosenhauses bei St. Sebald zum städtischen Schau- und Losungsamt.

Neben dem Heilig-Geist-Spital zeigen etwa der „Krafft'sche Hof“ mit seinem Treppenturm, den Arkadengängen und Maßwerkbrüstungen
Nürnberg, Theresienstraße 7: Krafft'scher Hof
, und ein Sakralbau, die Allerheiligenkapelle mit ihren gedrehten Säulen und dem hängenden Schlussstein (sog. Abhängling) am Netzrippengewölbe, heute noch sein architektonisch-gestalterisches Können.

Literatur

  • Eberhard Lutze, Hans Behaim der Ältere, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Bd.5, Heft 4, Berlin 1938, S. 181-203.
  • Werner Schultheiß, Der Nürnberger Architekt Hans Behaim d. Ä., seine Herkunft und erste Bautätigkeit bis 1491, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 47. Bd, Nürnberg 1956, S. 426-443.
  • Christa Schaper, Studien zur Geschichte der Baumeisterfamilie Behaim, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 48. Bd., Nürnberg 1958, S. 125-182.
  • Günther P. Fehring u. Anton Ress, Die Stadt Nürnberg. 2. Aufl. bearb. von Wilhelm Schwemmer, = Bayerische Kunstdenkmale Bd.X, München: Deutscher Kunstverlag 1982.
  • Ernst Eichhorn, Hans Beheim. Nürnbergs Stadtbaumeister der Dürerzeit, München: Bayerische Vereinsbank 1990.
  • Ulrike Fürst, Beheim, Hans d. Ä., in: Nürnberger Künstlerlexikon, hrsg. von Manfred H. Grieb, Bd. 1, München: K. G. Saur 2007, S. 94-96.
  • Bernd Windsheimer, Alexander Schmidt u. Martin Schieber, Architektur Nürnberg. Bauten und Biografien, Bd. 1: Vom Mittelalter bis zum Wiederaufbau, Nürnberg: Sandberg Verlag 2. Aufl. 2007, S. 10-13.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen