Hauptbahnhof Nürnberg

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Nürnberger Hauptbahnhof
©: Harald Sippel/NZ

Der Nürnberger Hauptbahnhof ist einer der größten Bahnhöfe der Bundesrepublik Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Nürnberger Hauptbahnhof entstand 1844-77 nach Entwürfen des Bahnarchitekten Eduard Rüber am alten Tuchbereitersplatz. Der offzielle Name lautete „Staatsbahnhof der Bayerischen Nord-Süd-Staatsbahn.“

Der Standort des Bahnhofs vor dem Frauentor bescherte der bis dahin weniger bedeutenden Lorenzer Stadtseite einen Aufstieg, die Sebalder Seite verlor ihr wirtschaftliches Gewicht.

Schon wenige Jahrzehnte nach seiner Errichtung konnte das neugotische Gebäude dem gestiegenen Verkehrsaufkommen und dem Andrang der Reisenden nicht mehr gerecht werden, 1903 wurde es abgerissen. An seiner Stelle entstand in den Jahren 1903 – 1905 ein Neubarockbau aus Muschelkalk nach Plänen des Generaldirektionsrats Karl Gustav Zenger. 1998 wurde die Baugenehmigung für die Umnutzung des Bahnhofsgebäudes zu einem Ladenzentrum erteilt.

  • Stadtlexikon Nürnberg Der folgende Abschnitt stammt aus dem von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres herausgegebenen Stadtlexikon des Stadtarchivs Nürnberg, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht bearbeitbar. Weitere Abschnitte zu diesem Thema sind aber durchaus erwünscht.

Vorlage:NZ:Stadtlexikon/Hauptbahnhof

Die Übersicht der Bahnhöfe in Nürnberg beschreibt in Nürnberg bestehende und aufgelassene Betriebsstellen im Personenverkehr (Pv). Alle sich in Betrieb befindenden Bahnhöfe (Bf) und Haltepunkte (Hp) werden vom Bahnhofsmanagement der Deutschen Bahn (DB AG) in Nürnberg unterhalten und sind in das Tarifsystem des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) eingebunden. Sie werden von mindestens einer der Linien der R- und S-Bahn bedient und bieten oft auch Umsteigemöglichkeiten zu einer der U-Bahn-, Straßenbahn- oder Bus-Linien des Nürnberger Stadtverkehrs.

Andere Nürnberger Bahnhöfe

Liste der anderen Nürnberger Bahnhöfe, auch der S-Bahn, bzw. ehemaligen Bahnhöfe im Stadtgebiet Nürnberg:

  1. Hp Fischbach (bei Nürnberg)
  2. Hp Katzwang, Katzwang
  3. Nürnberg Frankenstadion
  4. Nürnberg Nordost
  5. Nürnberg Ost
  6. Nürnberg Ostring
  7. Nürnberg Rothenburger Straße
  8. Nürnberg-Doos
  9. Nürnberg-Dürrenhof
  10. Nürnberg-Dutzendteich
  11. Nürnberg-Eibach
  12. Nürnberg-Erlenstegen
  13. Nürnberg-Gleißhammer
  14. Nürnberg-Langwasser
  15. Nürnberg-Laufamholz
  16. Nürnberg-Mögeldorf
  17. Nürnberg-Rehhof
  18. Nürnberg-Reichelsdorf
  19. Nürnberg-Sandreuth
  20. Nürnberg-Schweinau
  21. Nürnberg-Stein
  22. Nürnberg-Steinbühl
  23. Reichelsdorfer Keller


2 Aufgelassene Betriebsstellen
  1. Fürth Süd
  2. Großgründlach
  3. Nürnberg-Buchenbühl
  4. Nürnberg-Neusündersbühl
  5. Nürnberg-Zollhaus
  6. Ziegelstein
3 Museum (Eisenbahn-Verkehrsmuseum) (in ehemaligen Betriebswerken)

Literatur

  • Günther P. Fehring und Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. 2. Auflage, bearbeitet von Wilhelm Schwemmer. München; Berlin: Deutscher Kunstverlag, 1977, unveränderter Nachdruck 1982, 599 S., ISBN 3-422-00558-7 (Bayerische Kunstdenkmale; 10)
  • Hans Wolfram Lübbeke: Denkmäler in Bayern, Band V. München 1986
  • Helmut Beer: Bilder, Daten und Ereignisse in Nürnberg. 100 Jahre Stadtgeschichte in Fotografien. Nürnberg: Hofmann, 1997, 252 S., ISBN 3-87191-244-1 (Nürnberger Erinnerungen, Band 9)
  • Helmut Beer, Nikolaus Bencker: Hauptbahnhof. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, 1.247 S., ISBN 3-921590-69-8 (2. Aufl., 2000), S. 413 f. - online
  • Erik Stecher: Die bewegte Geschichte des Nürnberger Hauptbahnhofs. Der Prinzregent wurde eingeschmolzen. In: Nürnberger Zeitung vom 28. Dezember 2006

Siehe auch

Weblinks


Artikel in der NZ

Zu den architektonischen Besonderheiten und der wechselvollen Geschichte des Nürnberger Hauptbahnhofs erschien in der NZ am 28. 12. 2006 folgender Artikel:

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Die bewegte Geschichte des Nürnberger Hauptbahnhofs

Der Prinzregent wurde eingeschmolzen

Warten oder hetzen - das sind die beiden Extreme am Bahnhof, die den Reisenden zu schaffen machen. So war das schon in den Anfangsjahren der Eisenbahn. Damals gab es weniger Hektik als heute - dafür waren die Wartezeiten länger. Der bayerische König Max II. hatte daher 1860 angeordnet, dass im Mittelbau des Nürnberger Centralbahnhofs eine »angemessene Wartelocalität für Allerhöchste Herrschaften« einzurichten sei. Vier Jahre später war der prächtige Salon unter der Regie von Architekt Friedrich Bürklein fertig gestellt.

Alles war hier vom Feinsten: Wappen in den Glasfenstern. Decken und Wände aus Ahorn- und Eichenholz, mit reichem Zierrat und neugotischem Dekor versehen. Und die feinen Herrschaften hatten natürlich auch eigene Toiletten und Waschräume, die sie nicht mit dem Prekariat teilen mussten. Doch mit der Zunahme des Eisenbahnverkehrs entwickelte sich dieser nur von einem kleinen Kreise genutzte Saal in der Gebäudemitte zum Hindernis für den Menschenstrom. Deshalb wurde er 1881 in den westlichen Seitenbau verlegt.

Als der Centralbahnhof dann im Jahre 1903 dem heutigen Bahnhofsgebäude weichen musste, wurde das Interieur des Salons ausgebaut. Im neuen Gebäude war dann kein Platz mehr für den Salon, der König unter den Wartesälen wurde einfach ins Exil verbannt. Als historisches Objekt ist er im Neubau des Verkehrsmuseums in der Lessingstraße 6 integriert, wo er heute noch besichtigt werden kann.

Der Nürnberger Hauptbahnhof hat freilich noch mehr Veränderungen erlebt als den Ausbau des königlichen Wartesaals. Er wurde mehrfach umgebaut, zerbombt und wieder errichtet. 1844 erstmals in heutiger Lage errichtet, war der Centralbahnhof eine architektonische Besonderheit: Während die Bahnhöfe der bayerischen Ludwigs-Nord-Süd-Bahn im klassizistischen Stil gebaut wurden, wünschte König Ludwig I. für Nürnbergs Hauptbahnhof eine neugotische Ausgestaltung: damit das Empfangsgebäude besser zum mittelalterlichen Erscheinungsbild der Stadt passte.

Das im Bild gezeigte Luitpold-Denkmal auf dem Vorplatz wurde 1934 von den Nationalsozialisten abgenommen und zunächst in einem Depot gelagert. Offiziell gaben sie »Gründe verkehrstechnischer Art« an. Rainer Mertens vom Verkehrsmuseum ist da skeptisch: »Man kann vermuten, dass die Nazis mit dem Denkmal auch einen Repräsentanten der alten Zeit beseitigen wollten.« Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen wurde das Denkmal dann 1938 wegen seines hohen Bronzegehaltes eingeschmolzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur wenige derart augenfällige Veränderungen, doch kamen und gingen immer wieder verschiedene Trends - vor allem wenn es um die Frage ging, wie man sich am Bahnhof die Zeit vertreiben sollte. In den 1950ern waren Milchshakes als Symbol des »American Way of Life« der große Renner, in allen deutschen Großstädten wurden in den Bahnhöfen Milchbars eröffnet - die dann aber spätestens Ende der 1960er-Jahre fast alle wieder verschwunden waren.

Auch Bahnhofskinos gibt es heute nicht mehr. Zunächst zeigten die Lichtspielhäuser in den Bahnhofshallen Spielfilme und Wochenschauen, in den Sechzigern richtete sich das Programm zunehmend an sexuell unausgelastete Herren. Ab Mitte der 1980er-Jahre wurde den Betreibern dann seitens der Bundesbahn nach und nach gekündigt. Den schäbigen Schmuddelkinos dürften nicht allzu viele Reisende nachtrauern.

Nostalgisch hingegen wird einem zumute, wenn man im Nürnberger DB-Museum heute die Automaten aus alter Zeit betrachtet: Fruchtdrops und »Traubenzucker mit Bohnenkaffee« bot ein mannshohes grünes Ungetüm an, ein weiteres Gerät hatte gar anspruchsvolle Literatur in seinem Bauch: Gedichte von Georg Trakl oder Hugo von Hofmannsthals »Jedermann« konnte sich da jedermann aus der Klappe rausziehen - egal ob »Allerhöchste Herrschaften« oder Holzklassefahrer. Erik Stecher