Hermann Strebel

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Hermann Strebel, Künstlername „Strebala“, (* 18. Dezember 1877 in Mühldorf am Inn, † 5. Dezember 1949 in München) war ein Nürnberger Mundartdichter, Humorist und Kabarettist.

Hermann Strebel

Inhaltsverzeichnis

Zum Leben und Wirken

Herkunft

Hermann Strebels Vorfahren waren Franken. Seine Großeltern lebten im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen. Sein Großvater war Lehrer und Kantor in Nürnberg. Hermann Strebels Vater war ein kleiner Beamter. Kurz nach seiner Heirat wurde er von Neustadt an der Aisch nach Mühldorf am Inn versetzt. Als sein Sohn Hermann als sein fünftes Kind geboren wurde, bat ihn sein Bruder, ein Lebküchner in Nürnberg, den Buben aufziehen zu dürfen, weil seine Ehe kinderlos geblieben war. So kam das noch nicht ganz zehn Wochen alte Kind nach Nürnberg. Dort wuchs Hermann bei seinem Onkel und Taufpaten in Nürnberg-Lichtenhof in einem Haus in der Hinteren Bleiweißstraße auf.

Schule

In den ersten zwei Schuljahren besuchte Hermann die Volksschule in den Baracken auf der Wöhrder Wiese, in den beiden darauffolgenden Jahren das Wäscherschulhaus in der Allersberger Straße. Als sein Vater nach Dinkelsbühl versetzt wurde, kam Hermann mit zehn Jahren in die Lateinschule in Dinkelsbühl.

In „Mei Lebensleifla“ schreibt Strebel über diese Zeit:
„Für das Große, das man mit mir vorhatte, zeigte ich nur ein ganz kleines Verständnis. Ein Rektor und vier Professoren haben sich ehrlich bemüht, aus mir einen akademisch gebildeten Menschen zu machen.“[1]

Nach fünf Jahren - mehr Klassen hatte die Lateinschule in Dinkelsbühl nicht - besuchte er die sechste Klasse des Münchener Luitpold-Gymnasiums [1]. Er wohnte bei Bekannten direkt neben dem Staatstheater am Gärtnerplatz. Da er aber mehr im Theater als in der Schule war, flog er vom Gymnasium.

Beruf und Bühne

In jener Zeit hatte er in München einen Bauleiter kennengelernt, den er oft auf seinen großen Baustellen besuchte. Da er Freude an diesem Beruf hatte, begann er ein Praktikum auf dem Bau. In den Wintermonaten besuchte er die Bauschule und wurde Bautechniker. Unter seiner Leitung entstanden verschiedene Bauten.

Hermann Strebel war noch nicht 20 Jahre alt, als ihm Luitpold, Prinzregent von Bayern, einen zweijährigen festen Vertrag mit einer kleinen Gage gab. Nach dieser zweijährigen Dienstzeit ging Strebel wieder auf den Bau. Aber sein natürlicher Humor zog ihn wieder zur Bühne.[2]

Doch nun betrieb er die „Komikerei“ neben seinem Beruf als Bautechniker in ganz großem Maß. So trat er in vielen Vereinen, bei Stiftungsfesten und Christbaumverlosungen als Komiker auf und trug seine Verse vor. Dabei lernte er viele Theater-Leute kennen, die ihm den Rat gaben, zur Bühne zu gehen.

Humorist, Kabarettist und Mundartdichter

Schwabinger Kaffeehaus

Damals hatte der bekannte Sänger José Benz in der Leopoldstraße in Schwabing das Café „Leopold“ eröffnet[3] und brachte als Neuerung jeden Donnerstag und Sonntag die sogenannten Benz-Abende. Neben bekannten Bühnengrößen durften auch talentierte Anfänger auftreten, so auch Hermann Strebel. Tagsüber arbeitete er am Bau, abends war er auf dem Podium. So begann seine Künstlerlaufbahn.

Als Honorar bekam er seine Barauslagen, 20 Pfennig für die Straßenbahn, und bei gut besuchten Abenden einen Nierenbraten mit Kartoffelsalat und an weniger gut besuchten Abenden zwei Regensburger Würstchen.

Apollo-Theater in Nürnberg und Kriegsdienst

Dort in Schwabing lernte er Philipp Nickel (1865-1946) kennen, den Direktor des Nürnberger „Noriskinos“ in der Karolinenstraße, der damals als Humorist im Kolosseum in München auftrat. Dieser engagierte ihn mit einem Bühnenvertrag für das „Varieté“ Zeughaus in Nürnberg, Ecke Färberstraße und Frauengasse. So begann Hermann Strebel am 1. September 1901 in Nürnberg seine Varietélaufbahn. Oben unterm Dach in einem kleinen Mansardenstübchen entstanden seine ersten Lokalcouplets.

Von Mai bis Juli 1902 besuchte sogar der damals noch völlig unbekannte Karl Valentin Strebels „Kabarett-Schule“.[4]

Eine bestimmende Rolle spielte der „Nürnberger Hotelkönig“ Johann Baptist Zetlmeier (1858-1933); denn Zetlmeiers größtes Hotelprojekt war das 1897 fertiggestellte Hotel Wittelsbach in der Pfannenschmiedsgasse 22 mit dem angebauten Apollo-Theater.[5]

Dort im Apollo-Theater trug Hermann Strebel vor und nach dem ersten Weltkrieg jahrzehntelang als das „Strebala“ seine selbstgeschriebenen Couplets, Gedichte und Mundart-Humoresken vor und riss seine Zuhörer zu Lachsalven hin. Das „Strebala“ verstand es wie kein anderer, mit seinem trockenen Humor die Eigenarten der Nürnberger und der „modernen Zeit“ aufs Korn zu nehmen. Seine Auftritte erreichten bald Kultstatus. So war Hermann Strebel als vielbegehrter Unterhaltungskünstler 34 Jahre lang mit der Eisenbahn zu Bühnenauftritten unterwegs.

Als am 1. August 1914 der Weltkrieg ausbrach, diente Hermann Strebel 51 Monate als Soldat.

Eigenes „Kabarett Strebel“ im Hotel „Wittelsbach“

Am 1. Dezember 1934 eröffnete Hermann Strebel ein eigenes Kabarett. Aus dem Restaurant im Hotel „Wittelsbach“ machte er ein „Bierkabarett für Familienpublikum, eine Unterhaltungsstätte, in der man sich ein paar Stunden wohlfühlt“.

Wie es ihm als Direktor einer eigenen Kabarett-Bühne geziemte, nahm das „Strebala“ erstmals 1935 seinen ständigen Wohnsitz in Nürnberg.

Bühnenarbeit im Dritten Reich

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern arrangierte sich Strebel nie mit den NS-Machthabern. Seine Auftritte mit manchen Anzüglichkeiten gegen das nationalsozialistische Regime brachten ihn wiederholt in Schwierigkeiten, aber nicht um seinen Humor.

Vor allem mit dem „Frankenführer“, Gauleiter Julius Streicher, legte er sich häufig an. Überliefert ist seine „Interpretation“ des Hitlergrußes, bei dem Strebel auf die Bühne kam, den Arm wie zum Hitlergruß zackig erhoben, und dem Publikum mitteilte: „Suu hoch lichd bei uns dahamm der Dregg“.

Auch in den 1930er-Jahren gab er zahlreiche Gastspiele auf auswärtigen Kleinkunstbühnen, doch blieb er seiner Bühne im Apollo-Theater treu.

Im Text „A su a Komiker, der houts fei schöi!“ beschreibt er die Arbeit eines Bühnenkomikers. Ein kleiner Auszug:
„Von zwölf Vurträg konnst allawal elfa wegschmeißen... Singst wos politisch, nou sogns, blouß ka Politik af die Bühna. Singst wos anderscht, schreins wieda, a bißla wos politisch wolln ma höirn. ... Bringst wos Neis, nou sogns, seine altn Sachen worn doch die bestn, und bringst was Alts, nou haßts, der könnt a amol was Neis lerna“.

Die immerwährende Anspannung eines Alleinunterhalters bei Bühnenauftritten und der Zwang, ständig lustig sein zu müssen, auch wenn ihm nicht danach war, überforderten ihn auf Dauer.

Ruhestand in München

1942 verließ der 65-jährige Hermann Strebel mit seiner Frau Antonie Nürnberg, um sich in München zur Ruhe zu setzen. Als von dort Evakuierter lebte er einige Zeit in einem kleinen oberbayerischen Gebirgsort, wo er einige Zeit Bürgermeister war.[6] Erst 1948 kehrte er aus München für einige Auftritte auf die Bühne des Apollo-Theaters zurück. Seine Eindrücke von der zerstörten Nürnberger Altstadt schildert er in einem Gedicht, das er einer Nürnberger Zeitung sandte.

„Strebalas“ Klage

So kam ich nach Nürnberg wieder.
Nach sechs langen Jahren her
Schaute von der Burg hernieder
Und erkannte es nicht mehr.
Trümmerhaufen, wüste Szenen,
Das war’s, was ich sah um mich,
Weinen könnt’ ich bittre Tränen,
Weinen, Nürnberg, über dich.

Es folgen fünf weitere Strophen. Die Nürnberger Zeitung schrieb dazu: „Die schlichten Zeilen machen uns klar, was wir in jener verhängnisvollen Nacht vom 2. zum 3. Januar 1945 verloren haben.“[7]

Im Jahr darauf starb Hermann Strebel.

Mundart-Couplets und Gedichte

Hermann Strebel hinterließ sich und der Stadt seines langjährigen Wirkens als Denkmal der Nürnberger Mundart sein bekanntestes Gedicht: „Das ist doch der allerschönste Dialekt“, ein Glanzpunkt seines Werkes.

Obwohl seine Mundart-Couplets und Gedichte sehr begehrt waren, veröffentlichte Strebel nur eine kleine Witzsammlung von 11 Seiten. Eugen Kusch nahm in seine Mundart-Gedichtsammlung „Auf gut Nürnbergisch“ (1951) ein Gedicht Hermann Strebels über das „Hamwöih“ auf: „Dou zöigts mi hi“.[8]

Antonie Strebel gab sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes in dem Buch „Unser Strebala“ eine Auswahl seiner Texte heraus. Im Vorwort schreibt sie, dass sie viele Texte weglassen musste.

Ehrung

Veröffentlichungen

  • Die allerneuesten, wirksamsten und zündendsten Witze. Gesammelt und vorgetragen von Hermann Strebel. Band 14, um 1929, 11 S.
  • Unser „Strebala“. Fränkischer Humor, Couplets und Prosastücke. Hrsg.: Antonie Strebel. Nürnberg: Karl Ulrich & Co., 1956, 111 S.; Nürnberg: Albert Hofmann, 1975, 96 S.; 4. Auflage: 1982, ISBN 3-87191-033-3

Literatur

  • Christa Schaper: Hermann Strebel, Humorist, 1877-1949. In: Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 2., erg. u. erw. Auflage. Nürnberg: Hofmann, 1989, 459 S., ISBN 3-87191-088-0, hier: S. 362 f.
  • Clemens Helldörfer: Streitn si zwaa Dullnraamer... In: Nürnberger Zeitung, 2007 (Mundartserie „Der allerschäinste Dialekt“)

Siehe auch

Weblink

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Hermann Strebel: „Mei Lebensleifla“ (verfasst 1937). In: Antonie Strebel (Hrsg.): Unser „Strebala“. Fränkischer Humor, Couplets und Prosastücke von Hermann Strebel. Vorwort von Antonie Strebel vom Juni 1956. Nürnberg: Albert Hofmann, 1979, Auslieferung an den Buchhandel: M. Edelmann, Nürnberg, 96 S., ISBN 3-87191-033-3; hier: S. 7-10
    • Anmerkung: Etliche andere Informationen stammen aus Hermann Strebels „Lebensleifla“ und „Strebalas“ Sammlung von Couplets und Prosastücken. Auch Christa Schaper stützt sich auf diese Quelle. Vgl. Christa Schaper: Hermann Strebel, Humorist, 1877-1949. In: Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 2., erg. u. erw. Auflage. Nürnberg: Hofmann, 1989, 459 S., ISBN 3-87191-088-0, hier: S. 362 f.
  2. Strebel, Hermann. In: Eugen Kusch (Hrsg.): Auf gut Nürnbergisch. Unsere schönsten Mundartgedichte. Federzeichnungen von Jules Stauber, Umschlag und Einband von Toni Burghart. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 1951, 174 S.; hier: S. 167
  3. Hans Brandenburg: Schwabing nach der Jahrhundertwende. In: Hermann Proebst und Karl Ude (Hrsg.): Denk ich an München. Ein Buch der Erinnerungen. München: Gräfe und Unzer, 1966, 315 S.: S. 39 f.
  4. Biographie Karl Valentins - im Netz
  5. Vgl. Helmut Beer: Hotels und Zetlmeier, Johann Baptist. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - im Netz
  6. Eine Nürnberger Zeitung: „Nun kommt er wieder - Gottseidank“. In: Antonie Strebel (Hrsg.): Unser „Strebala“. Fränkischer Humor, Couplets und Prosastücke von Hermann Strebel. Nürnberg: Albert Hofmann, 1979, 96 S., ISBN 3-87191-033-3; hier: S. 92
  7. Für eine Nürnberger Zeitung: „Strebalas“ Klage. In: Antonie Strebel (Hrsg.): Unser „Strebala“. Fränkischer Humor, Couplets und Prosastücke von Hermann Strebel. Nürnberg: Albert Hofmann, 1979, 96 S., ISBN 3-87191-033-3; hier: S. 93 f.
  8. Hermann Strebel: Dou zöigts mi hi. In: Eugen Kusch (Hrsg.): Auf gut Nürnbergisch. Unsere schönsten Mundartgedichte, 1951, S. 127


Artikel in der NZ

Im Rahmen der Mundartserie „Der allerschäinste Dialekt“ erschien 2007 folgenden Artikel über das „Strebala“: Vorlage:NZ:Strebala