Hirsvogelsaal (Nürnberg)

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Der wieder errichtete Hirsvogelsaal wird auch für klassischen Konzerte genutzt.--©: Gerullis/NZ

Der Hirsvogelsaal ist ein prächtiger Saalbau in der Sebalder Altstadt von Nürnberg, der 1534 im Auftrag des Patriziers Lienhard Hirsvogel erbaut wurde. Der Saal wurde im II. Weltkrieg zerstört, seine berühmte Inneneinrichtung konnte aber gerettet werden. Seit dem Wiederaufbau im Jahr 2000 befinden sich die Kunstwerke in einer komplett neuen Hülle im Garten des Tucherschlosses.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Der Nürnberger Patrizier Lienhard III. Hirsvogel erwarb 1513 in der Hirschelgasse ein gotisches Wohnhaus, an dessen Nordseite er bis 1534 einen Saalbau mit einer Grundfläche von 16 mal 6,6 Metern errichten ließ. Auffällig war vor allem die Fassadengliederung im Stil der italienischen Renaissance.

Die Heirat Lienhard Hirsvogels

Der Saal war vor allem für Erholung und Geselligkeit vorgesehen - damit ähnelte er dem zur gleichen Zeit errichteten Tucherschloss in der direkten Nachbarschaft. Außerdem war er ein Geschenk Lienhards an die Augsburger Patriziertochter Sabine Welser, die er im Jahre 1535, in Augsburg heiratete. Leider war der Ehe kein langes Glück beschieden: Nach nur 18 Monaten kehrte Sabine Welser zu den Eltern nach Augsburg zurück. Die Scheidung wirbelte so viel Staub auf, dass Lienhard seine Heimatstadt verlassen musste.

Die berühmte Innenausstattung

Der Saal gilt nach Fritz Traugott Schulz als „die strengste und schönste Schöpfung der ganzen deutschen Frührenaissance“. Die wichtigsten und markantesten Details der Innenausstattung sind die vom Nürnberger Bildhauer Peter Flötner geschaffene, hölzerne Wandverkleidung mit Motiven aus der Antike, der steinerne Schein-Kamin als Durchgang zum Garten und das Deckengemälde des Dürer-Schülers Georg Pencz, das die Sage vom Sturz des Phaeton zeigt.

Zerstörung und Wiederaufbau

Vor seiner Zerstörung genoss der Hirsvogelsaal den Ruf einer großen Touristenattraktion. Diese ging jedoch in den Fliegerbombenangriffen des II. Weltkrieges zugunde. Im Unterschied zum Gebäude gelang es aber, den größten Teil der Innenausstattung vor der Zerstörung zu bewahren. Jahrzehntelang war diese in einem Raum im Stadtmuseum Fembohaus zu sehen, allerdings unter beengten räumlichen Bedingungen, die die wahre Pracht der Kunstwerke nur unzulänglich wiedergeben konnte. Dank einer Initiative der Stadt und der Unterstützung von mehreren Sponsoren gelang im Jahr 2000 der Bau einer komplett neuen „Hülle“ für den Saal im Garten des Tucherschlosses.

Neuer Verwendungszweck

Der Saal kann nicht nur besichtigt werden, sondern dient mittlerweile auch als Rahmen für verschiedene Veranstaltungen, so etwa Konzerte mit klassischer Musik. Außerdem kann er für Feste und Veranstaltungen, etwa Hochzeiten, angemietet werden.

Komplettierung durch die römischen Kaiserbüsten

Im Jahr 2009 wurde der Saal durch die Repliken von zwölf römischen Kaiserbüsten komplettiert. Diese waren in den Wirren der Nachkriegszeit verloren gegangen und konnten auch über Aufrufe in den Medien nicht mehr gefunden werden.

Adresse

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49.457963, 11.084128, Der Hirsvogelsaal beim Museum Tucherschloss </googlemap>

  • Museum Tucherschloss, Hirschelgasse 9, 90403 Nürnberg

Literatur

Artikel in der NZ

  • Herbert Heinzelmann: Triumphale Rückkehr der verschollenen Kaiser. Hirsvogelsaal wieder vollständig. In: NZ vom 13. Mai 2009 - NZ
  • Marco Puschner: Einzug der römischen Imperatoren. Der Hirsvogelsaal hat seine Kaiser wieder. In: NZ vom 14. Mai 2009 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Museum Tucherschloss mit Hirsvogelsaal - im Netz