Hotel Deutscher Hof (Nürnberg)

Aus Franken-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Hotel Deutscher Hof ist ein geschichtsträchtiger Bau am Frauentorgraben, dessen Räumlichkeiten u.a. als Vereinsheim, Hotel, Theater und Rahmen für prächtige Bälle genutzt wurden. Derzeit ist das Gebäude ungenutzt.

Historische Aufnahme aus den 1930er-Jahren, die als Postkartenmotiv verwendet wurde
Dieser Putto an einer Säule im mittlerweile leer stehenden Gebäude erinnert noch an die Glanzzeiten.
© Uwe Niklas/NZ

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eröffnet wurde das Hotel mit der Adresse Frauentorgraben 20 am 27. September 1913. Damit wurde u.a. ein Wunsch der Nürnberger Lehrerschaft nach einem eigenen Lehrerheim verwirklicht. Architekt des Gebäudes im Stil der Neurenaissance war Hans Müller. Für die Aktivitäten des Vereins Lehrerheim diente der hintere Teil des Komplexes. Günstig wirkte sich vor allem die Nähe zum im Jahr 1906 eröffneten Hauptbahnhof Nürnberg aus.

Verknüpfung mit der NSDAP

Schon in den 1920er-Jahren diente das Hotel Adolf Hitler als Unterkunft während seiner Aufenthalte in Nürnberg. Nach der Machtergreifung musste der Lehrer-Verein das gesamte Gebäude an die NSDAP verkaufen. 1937 wurde auch das benachbarte Verwaltungsgebäude der Siemens AG integriert. Ziel war es, Platz für während der Reichsparteitage hier untergebrachte Diplomaten zu schaffen. Adolf Hitler logierte im ersten Stock, wo er vom Balkon aus Huldigungsmärsche abnahm.

Zerstörung und Wiederaufbau

Beim einem Luftangriff am 3. Oktober 1944 wurde das Gebäude weitgehend zerstört. In den Ruinen entstand das Lessingtheater, das erst von der US-Militärregierung über einen Treuhänder an Karl Pschigode verpachtet wurde. Es eröffnete 1948 und bestand bis 1959. 1949 ging das Theater in die Verwaltung der Städtischen Bühnen über. Ebenfalls 1949 ging das Hotel wieder in den Besitz des Vereins Lehrerheim über und wurde auch in diesem Jahr wieder eröffnet. Der Bau war in vereinfachter Form wieder errichtet worden, hatte aber viele historische Merkmale bewahrt.

Gesellschaftliches Zentrum und Niedergang

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Hotel vor allem als gesellschaftlicher Treffpunkt für Bälle und Festveranstaltungen bekannt. Einen guten Namen hatten auch die hier ansässigen Lokale „Bocksbeutel-Keller“ und „Theater-Eck“. Doch mit dem Ende des Jahrhunderts wurde auch das Ende dieser Tradition eingeläutet: Seit Juni 2004 steht der Deutsche Hof leer.

Ideen für einen Neuanfang

Manfred H. Grieb, Vorsitzender des Fördervereins Kulturhistorisches Museum, plädiert für die Einrichtung eines Museums für Nürnberger Kulturgeschichte in den leer stehenden Räumen. Unabhängig von einer möglichen Zukunftsnutzung wehren sich Denkmalschützer und Heimatpfleger bereits jetzt gegen Überlegungen, die einen Teilabriss des denkmalgeschützten Gebäudes vorsehen.

Literatur

  • Helmut Beer: Hotel Deutscher Hof. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999
  • we: «Deutscher Hof»: Altstadtfreunde wehren sich. In: Nürnberger Zeitung Nr. 124 vom 2. Juni 2009, S. 10 - NZ
  • Isabel Lauer: Zukunft des Hotels ungewiss: Der Deutsche Hof als Museum: Ein Luftschloss? NZ vom 6. Februar 2010 Artikel bei NZ online
  • Ute Wolf: Idee des Fördervereins Kulturhistorisches Museum. Museum im früheren Hotel Deutscher Hof? In: Nürnberger Zeitung vom 12. August 2009 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Historische Bilder vom Deutschen Hof auf der Seite „Third Reich in Ruins“ - thirdreichruins.com