Houbirg

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Winterlicher Blick von der Houbirg auf den Happurger Stausee.

Die Houbirg ist ein Berg bei Happurg in der Hersbrucker Schweiz und eine der frühen Siedlungsstätten in Franken.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Geologie

Die Houbirg liegt zwischen Förrenbach-, Pegnitz- und Högenbachtal am Tor zur Hersbrucker Schweiz etwa 35 Kilometer östlich von Nürnberg. Zu ihren Füßen liegen im Westen die Ortschaften Happurg und Förrenbach sowie im Osten und Süden die Orte Pommelsbrunn, Arzlohe und der Weiler Reckenberg. Die höchste Stelle der Houbirg liegt 617 Meter über dem Meeresspiegel. Geologisch gehört die Houbirg zum fränkischen Jura. An einem aufgelassenenen Steinbruch am Aufstieg von Happurg gelegen lassen sich sehr schön die verschiedenen Juraschichten Lias, Dogger und Malm (schwarzer, brauner, weißer Jurakalk) studieren. Auf der Südostseite erhebt sich mit dem Hohlen Fels ein mächtiger Zeuge des Jurameeres, der heute vor allem ambitionierte Kletterer anlockt.

Geschichte

Die Besiedelung der Houbirg beginnt bereits in der mittleren Bronzezeit (1600 v. Chr.). Die Befestigungsanlage zählt zu den bedeutensten vorgeschichtlichen Höhensiedlungen Deutschlands. Seit der Urnenfelderzeit (900 v. Chr.) und in der späten Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) wurde auf dem Berg eine Befestigungsanlage gebaut; in dieser Zeit war die Houbirg einer der zentralen Mittelpunkte eines großen keltischen Siedlungsraumes. Die etwa 4,5 km lange ehemalige Mauer umschließt eine 88,3 Hektar große Innenfläche, welche in ihrer Größe der Altstadt von Nürnberg entspricht. Sie lässt sich heute noch fast komplett "erwandern". Die Siedlung wurde ab 330 v. Chr. verlassen. In der Spätlatènezeit (ab ca. 150 v. Chr.) erlangte die Houbirg - im Gegensatz zu benachbarten befestigten Höhensiedlungen wie dem Staffelberg oder dem Walberla - nicht mehr ihre frühere Bedeutung. Erst in der Zeit zwischen 300 bis 400 n. Chr. erfuhr dieser Platz wieder eine dauerhafte Besiedelung durch die Germanen. Im vergangenen Jahrhundert haben dann die Nazis versucht, eine unterirdische Rüstungsfabrik - das so genannte Doggerwerk - in diesem Bergstock zu errichten. Für die gefährlichen Arbeiten unter Tage wurden Zwangsarbeiter aus dem Lager Hersbruck, einer Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg, eingesetzt.


Geschichte der Wallanlage und archäologische Forschungen

Das Bauwerk, das sich heute als Wallanlage um die Hochfläche der Houbirg zieht, stellt die Reste einer gewaltigen Mauer dar. Erbaut wurde sie in den zwei Hauptbesiedlungsphasen des Berges, der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur (um 900 vor Christus), eine zweite Bauphase liegt in der frühen Keltenzeit um 500 vor Christus. Um 330 vor Christus endete die keltische Besiedlung der Houbirg. Von späteren Aufenthalten auf dem Berg sind nur geringe Hinterlassenschaften aus spätkeltischer, germanischer und frühmittelalterlicher Zeit überliefert. Eine damalige weitere Nutzung der Verteidigungsanlage konnten die Forscher nicht nachweisen. Auf der Houbirg selbst wurde bislang nicht geforscht. Grund: Seit gut 100 Jahren ist der Berg dicht bewaldet. Fündig werden Archäologen eher auf Äckern, die regelmäßig durchgepflügt werden. Es gibt aber Zufallsfunde.

Der Hohle Fels

Der Hohle Fels auf der Houbirg ist eine Felsformation mit einer Höhle, die steinzeitliche Besiedlungsspuren aufwies. Im Jahr 1849 wurde die Höhle allerdings – um sie für ein Sommerfest des „Verschönerungsvereins Hersbruck“ besser zugänglich zu machen – komplett ausgeräumt. Bei dieser Aktion wurde die im Lauf der vergangenen rund 100.000 Jahre entstandene Abfolge der Schichten in der Höhlenverfüllung unwiderruflich zerstört. Anhand der teilweise noch erhaltenen Funde kann nur noch auf den immer wiederkehrenden zeitweiligen Aufenthalt von Menschen in der Höhle im Verlauf der letzten Eiszeit und während jüngerer steinzeitlicher Phasen geschlossen werden. Stein- und Knochengeräte sowie Abfälle von deren Herstellung dokumentieren, dass die Steinzeitjäger sich dort zumindest für jeweils einige Tage aufhielten. Der Grund für diese Aufenthalte dürfte gewesen sein, dass die Höhle zum einen Schutz vor der Witterung bot. Außerdem hatten die Steinzeit-Jäger von hier aus einen hervorragenden Überblick auf die Jagdgründe der Umgebung.

Wandertipp bei NZ.de

  • Clara Grau: Hier rasteten schon Steinzeit-Jäger. Wanderung über die Houbirg zum Hohlen Fels. NZ vom 14.12.2010 Artikel bei nz.de


Literatur

  • Friedrich Stählin: Der vorgeschichtliche Ringwall auf der Houbirg bei Nürnberg. Mit Benutzg von hinterlassenen Papieren Konrad Hörmanns. Mit 1 Karte v. Alfred Heidner. Nürnberg [Luitpoldhaus]: Naturhistorische Gesellschaft, 1935, 22 S. (Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg)
  • Friedrich Vollrath: Die Houbirg. Nürnberg: Frankenverlag Spindler, 1960, 36 S. (Mitteilungen / Altnürnberger Landschaft e.V., Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege und Heimatforschung in den Landkreisen Erlangen, Hersbruck, Lauf und Nürnberg: Sonderhefte; Jg. 9. 1960)
  • Harald Koschik: Die Houbirg im Nürnberger Land. Archäologische Forschungen in Vergangenheit und Gegenwart. Altnürnberger Landschaft e.V., Nürnberg. Nürnberg: Korn u. Berg, 1985, 204 S. (Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft e.V.; Band 32)
  • Wanderung zur Houbirg, einer vorgeschichtlichen Befestigungsanlage bei Happurg - PDF-Datei

Siehe auch

Weblinks

Karte

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