Johann Adam Delsenbach

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Johann Adam Delsenbach (* 9. Dezember 1687 in Nürnberg; † 16. Mai 1765 in Nürnberg) war ein Nürnberger Maler, Zeichner und Druckgraphiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Delsenbach war Sohn eines Geleitreiters in städtischen Diensten, dessen Aufgabe es war, die für die Wirtschaft der Stadt lebenswichtigen Warentransporte in andere Handelszentren, in seinem Fall nach Leipzig und Naumburg, zu begleiten.

Selbstbildnis Delsenbachs im Alter von ca. 28 Jahren (1715)

Johann Adam absolvierte zunächst eine Lehre bei dem Kupferstecher August Christian Fleischmann (zwischen 1704 und 1732 in Nürnberg genannt), wechselte dann an die Malerakademie, die 1699-1704 von Georg Christoph Eimmart (1638 - 1705) und dann von Johann Daniel Preisler (1666 - 1737) geleitet wurde. Bereits 1708 wurde Delsenbach von Herzog Johann Georg von Sachsen-Weißenfels zur Erstellung eines großen Kupferstichwerkes nach Leipzig berufen. Nach Vollendung des Werkes, von dem wir keine Kenntnis haben, und zweijährigen Aufenthalt, sowie einer Reise von Juli bis September 1710 über Wittenberg nach Berlin, begab er sich im November des Jahres nach Wien, wo er offenbar sogleich in die Dienste des Architekten und kaiserlichen Oberlandbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656 - 1723) trat. Wir entnehmen diese genauen Daten Delsenbachs Curriculum vitae, den er eigenhändig für Georg Andreas Wills (1727 - 1798) Nürnbergisches Gelehrten-Lexikon verfasste[1].

Fischer von Erlach arbeitete in diesen Jahren an einer groß angelegten „Architekturgeschichte“ mit dem Titel Entwurff Einer Historischen Architectur..., die von der Antike bis in die eigene Gegenwart reichen sollte. Für die Illustration durch Kupferstiche (korrekterweise: Radierungen) nach Fischers Vorzeichnungen konnte er einen versierten Kupferstecher bzw. Radierer gut gebrauchen. Das Werk wurde 1712 im Manuskript und mit Probedrucken dem Widmungsträger, Kaiser Karl VI. überreicht. Im Druck erschien es erstmals 1721.

Nach Zeichnungen von Fischer Sohn Joseph Emanuel (getauft 1693 - 1742) schuf Delsenbach die Ansichtenfolge Anfang einiger Vorstellungen der Vornehmsten Gebäude so wohl innerhalb der Stadt als in denen Vorstädten von Wien..., die ab 1713 in drei jeweils ergänzten Ausgaben erschien.
Das „Lust=gebäüde bey Dornbach, Neu=Waldeck", Tafel 27 aus „Anfang Einiger Vorstellungen...“

Wegen der Pest kehrte Delsenbach 1713 nach Nürnberg zurück und arbeitete hier am zweiten Band, der Continuation von Johann Christoph Volckamers Nürnbergische[n] Hesperides mit. In dieser Zeit radierte er wohl auch nach Vorzeichnungen des Architekten Paul Decker d. Ä. (1677 - 1713) eine Reihe ornamentaler Vorlageblätter mit dem Titel Neues Groteschgen=Werk und eine Folge von Entwürfen für Kamine und Wanddekorationen.

1715/16 erschienen die beiden ersten Teile seiner nach eigenen Vorzeichnungen radierten Nürnbergischen Prospecte. Bis 1754 wuchs dieses sein Hauptwerk auf sieben Teile mit insgesamt 113 Kupferstichen an. Mit Ansichten etwa von Oedenberg, Artelshofen, Eschenbach oder Hirschbach griff Delsenbach über die Stadtgrenzen weit hinaus auf das Landgebiet der Reichsstadt.
„Die Schütt zu Nürnberg“, kolorierte Radierung aus den „Nürnbergischen Prospecten“

1718 berief ihn der kaiserliche Rat und Hofantiquar Carl Gustav Heraeus (1671 - 1725 oder '30) wieder nach Wien zur Mitarbeit an einem graphischen Projekt. Worum es sich dabei handelte, ist unklar, doch wurde Delsenbach wohl noch im gleichen Jahr vom kaiserlichen Obersthofmeisters Fürst Anton Florian von Liechtenstein (1656 - 1721) für 400 Gulden Jahresgehalt, freier Kost und Logis in Dienste genommen mit dem Auftrag, die Schlösser und Besitzungen des Fürstenhauses in Österreich, Böhmen und Mähren bis hin nach Schlesien in einer Ansichtenfolge mit dem Titel Unterschiedl. Prospecten, Gebäude und anderer Curiosen Sachen... zu verewigen.

Nach dem Tod des Fürsten kehrte Delsenbach nach Nürnberg zurück und nahm die Arbeit an den Nürnbergischen Prospecten wieder auf, deren dritter Teil 1725 erschien. 1724 heiratete er die gleichaltrige, jedoch schon zweimal verwitwete Wirtstochter Maria Magdalena, geb. Bittelmair. Bis zu seinem Tod bewohnte er ein Haus vor dem Laufer Schlagturm, südlich der Landauerkapelle[2].

1733 wurde Delsenbach Genannter des Größeren Rats. Im Selbstverlag erschien ein anatomisches Stichwerk, zu dem der Arzt Christoph Jakob Trew (Treu) (1695 - 1769) das Vorwort beisteuerte.

In diesem Jahr, 1733, verließ er letztmals Nürnberg, um den niederländischen Gesandten am Regensburger Reichstag von Gallieris auf eine Reise nach Holland und Seeland zu begleiten. Einige auf dieser Reise entstandene Zeichnungen setzte Delsenbach in Drucke um.

Innerhalb des Nürnbergischen Patriziats hatte Delsenbach offenbar nähere Beziehungen zur Familie Ebner von Eschenbach. Darauf lassen 12 Ansichten Ebnerscher Besitzungen von seiner Hand schließen. Für den städtischen Losunger, Diplomaten und Gelehrten Hieronymus Wilhelm Ebner von Eschenbach (1672 - 1752), der eine Beschreibung der Reichskleinodien verfasst hatte, schuf er um 1740 zwölf Abbildungen davon. Beides, Beschreibung und Darstellungen, wurden erst 1790 von Christoph Gottlieb von Murr veröffentlicht.

Neben den Veduten tritt das Porträtschaffen deutlich zurück. Nur etwa 20 Porträtdrucke von Delsenbach sind bekannt, darunter sein Selbstbildnis von 1715, also im Alter von etwa 28 Jahren, und ein Brustbild im Profil von Johann Bernhard Fischer von Erlach. Um 1750 wandte sich Delsenbach verstärkt der Malerei zu, erreichte auf diesem Gebiet aber nicht seine Bedeutung als Vedutist.

Würdigung

Delsenbach „war einer der erfolgreichsten deutschen Stecher des 18. Jh., ein charakteristischer Vertreter des sog. Wiener Reichsstils“ und als „Bildchronist überragt er alle Nürnberger Zeitgenossen“ (Mende).

Mit seinen Ansichten Nürnbergs innerhalb und außerhalb der Mauern hat er bis heute das Bild der Stadt, wie es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zeigte, aufbewahrt und, durch die Häufigkeit der Reproduktionen seiner Stiche, bis heute nachhaltig geprägt. Die qualitätvollen Blätter bestechen durch Detailgenauigkeit auf der Basis höchster Präzision bei der Arbeit mit der Radiernadel. Die eingefügten Staffagen, also Personen, Gruppen, Kutschen, Tiere und anderes, erlauben dem Betrachter nicht nur einen Einblick in Zeitmode, Sitten und Gebräuche, gewerbliche und handwerkliche Tätigkeiten. Diese vielen kleinen „Bildgeschichten“ vervollständigen die Architekturkulissen zu lebenswarmen Darstellungen der reichsstädtischen Urbanität des Barock. Unschätzbar sind die Blätter auch vor dem Hintergrund der Veränderungen und Zerstörungen, die das Nürnberger Stadtbild im Laufe des 19. Jahrhunderts und vor allem zu Ende des 2. Weltkrieges erlitten hat.

Von großer, weit überregionaler Bedeutung ist Delsenbachs Mitarbeit an Fischers monumentalem Entwurff einer Historischen Architectur, einem der bedeutendsten Druckwerke des österreichischen Barock; nach Hans Sedlmayr „die erste monumentale Bilder-Kunstgeschichte aller Zeiten“ [3]. Neben den Titelblättern sind es 17 Darstellungen, die in den Adressen den Namen Delsenbach tragen. Berücksichtigt man, dass insgesamt über 50 Blätter keinen Stecher- bzw. Radiernamen tragen, jedoch durchaus von ihm radiert worden sein können, so hat Delsenbach einen herausragenden Anteil an der Darstellungefolge[4].
„Vorstellung des Traianischen Marckts...“ in Rom, Tafel VII aus dem 2. Buch des „Entwurffs Einer Historischen Architectur“

Im Nürnberger Stadtteil Wetzendorf ist ihm der Delsenbachweg gewidmet; im 11. Wiener Gemeindebezirk (Simmering) trägt die Delsenbachgasse seinen Namen.

Von Delsenbach geschaffene Graphikfolgen und Graphik-Beiträge (Auswahl)

  • Joseph Emanuel Fischer von Erlach, Johann Adam Delsenbach: Prospecte und Abriße einiger Gebäude / Vues et facades de quelques Hotels de Vienne. Anfang einiger Vorstellungen der Vornehmsten Gebäude so wohl innerhalb der Stadt als in denen Vorstädten von Wien, wovon mit der Zeit das abgehende nachfolgen soll..., Wien 1719.
  • Johann Christoph Volckamer: Continuation der Nürnbergischen Hesperidum, Nürnberg: bei Johann Andreae Endters seel. Sohn und Erben, 1714 (darin 11 Stiche von Delsenbach).
  • Paulus Decker d. Ä, Neues Groteschgen=Werk, 6 Blätter, Nürnberg: Johann Christoph Weigel
  • Ders., Entwürfe für Kamine, Wanddekorationen und Ornamente, Augsburg: Jeremias Wolff
  • Johann Bernhard Fischer von Erlach, Johann Adam von Delsenbach: Entwurff Einer Historischen Architectur, In Abbildung unterschiedener berühmten Gebäude, des Alterthums und fremder Völcker, Umb aus den Geschicht=büchern, Gedächtnüß=müntzen, Ruinen, und eingeholten wahrhafften Abrißen, vor Augen zu stellen, Wien 1721 (weitere Auflage Leipzig 1725).
  • Unterschiedl. Prospecten, Gebäude und anderer Curiosen Sachen, Erste [und] Zweyte Collection / De diverses Vues, Maisons & d'autres Choses curieuses, Premier Collection [...].Alles auf das fleißigste nach der Natur gezeichnet und in Kupfer gebracht von Johann Adam Delsenbach in Nürnberg, ca. 1719-21.
  • Nürnbergische Prospecten - Vues de Nuremberg. Gezeichnet und in Kupfer gebracht von Johann Adam Delsenbach, Nürnberg 1715/16 ff.(Teil-Reprint München: Heinrich Hugendubel Verlag 1986).
  • Kurtzer Begriff der Anatomie, worinnen hauptsächlich die nöthigsten Stücke der Osteologie und Myologie in XIX. Kupfer Tabellen enthalten, welche zugleich die Gebeine des Menschlichen Körpers wie solche unter denen Mäußlein in ihrem natürlichen Lager sich befinden, nach einer noch niemals auf gleiche Art heraus gegebene Invention allen Liebhabern dieser edlen Wissenschaft zum Nutz und Dienst auf das accurateste und mit gröstem Fleiß nach der Natur und dazu praeparirten Subjectis gezeichnet in Kupfer gebracht und nebst einer Vorrede Herrn D. Christoph Jacob Treu heraus gegeben von Johann Adam Delsenbach, Nürnberg: Verlag des Authoris, 1733.
  • Wahre Abbildung der sämtlichen Reichskleinodien welche in der des Heil Röm. Reichs freyen Stadt Nürnberg aufbewahret werden. In ihrer wirklichen Grösse auf Kosten und unter Aufsicht des sel. Duumvirs Hieronymus Wilhelm Ebners von Eschenbach, nach den Originalen abgezeichnet und in Kupfer gestochen von Johann Adam Delsenbach, nebst den Reichsheiligthümern, nach Friedrich Iuvenells Abzeichnungen, Nürnberg: in der Adam Gottlieb Schneiderischen Kunst- und Buchhandlung, 1790.

Literatur

  • Heinz Zirnbauer, Johann Adam Delsenbach, Nürnberg 1962.
  • Wilhelm Schwemmer, Johann Adam Delsenbach und sein Werk, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 52, Nürnberg 1963-64, S. 399-410 (mit Abdruck von Delsenbach Curriculum vitae).
  • Heinz Zirnbauer, Neue Delsenbachiana. Forschungsergebnisse aus der Vorbereitung der Jubiläumsausstellung des Jahres 1962, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 52, Nürnberg 1963-64, S. 411-427.
  • Wilhelm Schwemmer, Ansichten aus der Nürnberger Landschaft von Johann Adam Delsenbach, in: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, Nr.1/1968, S. 8-16.
  • Ruth Bach-Damaskinos, Johann Adam Delsenbach: Alt-Nürnberger Ansichten, = Frankens große Namen, Bd. 5, Nürnberg 2000.
  • Matthias Mende, Artikel Delsenbach, Johann Adam, in: Allgemeines Künstlerlexikon, Band 25, München, Leipzig 2000, S. 548-550.
  • Hellmut Lorenz und Huberta Weigl (Hrsg.), Das barocke Wien. Die Kupferstiche von Joseph Emanuel Fischer von Erlach und Johann Adam Delsenbach (1719), Petersberg 2007.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Wieder abgedruckt bei Zirnbauer 1963-64, S. 413 ff.
  2. Zu sehen auf Tafel 36 des Teil-Reprints der Nürnbergischen Prospecten, München 1986. An der Stelle befindet sich heute ein kleiner Platz mit dem Haupteingang des Willstätter-Gymnasiums.
  3. Hans Sedlmayr, Johann Bernhard Fischer von Erlach. Mit einem Vorwort von Hermann Bauer, Stuttgart 1997, S. 228.
  4. Nur vier weitere Blätter tragen eine Stecher-Adresse: zwei Blätter nennen Johann Ulrich Kraus, je ein Blatt C. Engelbrecht zusammen mit J. A. Pfeffel und Carl de la Haye.