Johann Alexander Boener

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Johann Alexander Boener, auch Bäner, Bener, Böhner, Poner (* 18. Januar 1647 in Nürnberg, † 2. und begr. 5. November 1720 ebenda) war ein Nürnberger Zeichner, Kupferstecher, Radierer, Kunsthändler und Verleger.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Johann Alexander Boener war Sohn eines gleichnamigen, an der Mauthalle beschäftigten Bediensteten zur Verladung von Kaufmannsgütern (sog. Gropner oder Gopper), der aus der Gegend von (Bad) Berneck zugewandert war, und dessen Ehefrau Barbara, geb. Gerhäuser.

Nach seiner Ausbildung bei dem aus den Niederlanden stammenden Kupferstecher Mathias von Somer und anschließenden Wanderjahren, von dessen Stationen wir keine Kenntnis haben, war Boener in der Vaterstadt zunächst vorwiegend als Porträtstecher in verschiedenen Werkstätten tätig, ehe er 1669 eine eigene graphische Werkstatt eröffnete. Im Nürnberger Ämterbüchlein war er von 1669 bis 1717 als Kupferstecher und von 1690 bis 1716 auch als Kunsthändler verzeichnet. Zusätzlich hatte er ab etwa 1684 auch einen eigenen Verlag betrieben.

Boener war dreimal verheiratet. Die erste Ehe mit Maria Magdalena Hirschvogel blieb kinderlos. Seine zweite, nicht namentlich bekannte Ehefrau schenkte ihm den Sohn Johann Jakob, der ihm beruflich nachfolgte. Sie "muß sehr geschäftstüchtig gewesen sein. Sie hat wohl ihren Gemahl dazu veranlaßt, einen Kunsthandel zu beginnen, das heißt, einen Verlag zu gründen, in dem er vor allem Erzeugnisse seiner Werkstatt selbst verlegt. Sie regte ihn zu besonders reicher Produktion und zu vielen Unternehmungen an, sie übernahm wohl auch den Vertrieb seiner Arbeiten auf Messen und Märkten (wie einst Dürers Frau Agnes)" [1]. Zunächst hatte er "am Fischbach", d. h. in der heutigen Karolinenstraße gewohnt, 1697 erwarb er ein Haus in der Mostgasse.

Seine dritte Ehe mit Margareta Sophia Knortz wurde wohl vor Ende April 1709 geschieden. Auch wirtschaftlich ging es ihm durch Konkurrenz anderer Verlage und die qualitätvolleren Prospekte des jungen Johann Adam Delsenbach (1687 - 1765) zunehmend schlechter. Boener kränkelte mehr und mehr, so dass sein Sohn sich 1717 veranlasst sah, um die Aufnahme des inzwischen pflegebedürftigen Vaters in das Heilig-Geist-Spital anzusuchen. Nach seinem Tod fand Boener im Grab seiner Eltern auf dem St. Rochus-Friedhof (nicht erhalten), in dem auch seine Frau beigesetzt worden war, seine letzte Ruhe.

Werk

Boener begann zunächst als Porträtstecher. Er schuf mehr als 180 Porträtstiche (bzw. -radierungen) sowohl nach fremden wie eigenen Vorzeichnungen. An Joachim von Sandrarts Stichwerk Von der Scultura, Oder Bildhauer=Kunst (lateinische Ausgabe Sculptura veteris admiranda, Nürnberg 1680) war er mit mindestens zwei Stichen, einer Vestalin (VIRGO VESTALIS, Taf. ff) und einer Personifikation der Rhetorik (Taf. kk) nach Sandrarts Vorzeichnungen beteiligt. Unter dem Titel "Renn-Bahn der Ehren" erschien 1688 eine Folge von 25 Reiterbildnissen bedeutender Persönlichkeiten, kombiniert mit huldigenden Gedichten. Im Folgejahr veröffentlichte er eine Serie von Nürnbergische(n) Kleider-Trachten, die auch zahlreiche Ansichten, teilweise mit Staffagefiguren, Um- und Trauerzügen enthielt. Sein druckgraphisches Hauptwerk war jedoch die "Wahre Abbildung der vornehmsten Gebäude, Häuser und Straßen in der Heil. Röm. Reichsstadt Nürnberg...". Der ersten Ausgabe mit 100 radierten Ansichten von 1699 folgten zwei weitere 1702 und 1708. "Im ganzen umfaßte das Werk 9 Titelblätter... sowie 310 Blätter mit Ansichten, einschließlich der verschiedenen Varianten waren es 428 Blätter. Die Hauptbedeutung des Werkes liegt in den Ansichten der wichtigsten Gebäude Nürnberg, vor allem aber einzelner Straßen und Plätze (mit Varianten insgesamt 158 Blatt); dann folgen Ansichten der Vorstädte und der Gegenden vor den Toren (61 Blatt), sowie Ansichten von Objekten und Ortschaften des reichsstädtischen Territoriums (145 Blatt) [2]. Der Nachbarstadt Fürth und ihrer Umgebung widmete 1705 eine Druckfolge mit insgesamt 31 Ansichten.

Würdigung

"Johann Alexander Boener hat ein überaus umfangreiches Lebenswerk hinterlassen. Seine Einzelblätter und Folgen sind zahlreicher als die anderer Nürnberger Kupferstecher vor und nach ihm" [3]. Zwischen den etwas früher und zeitgleich entstandenen Veduten von Johann Andreas Graff (radiert von Johann Ulrich Kraus) und den späteren Ansichten von Johann Adam Delsenbach (ab 1715/16), sowie jenen der Brüder Christoph Melchior und Matthäus Roth der 1750-60er Jahre, vervollständigen Boeners Ansichten entscheidend unser Bild des barocken Nürnbergs und des reichsstädtischen Umlandes um 1700. Boeners Prospektfolge "hat vom topographisch-kulturgeschichtlichen Standpunkt aus größte Bedeutung, weil hier viele Objekte erstmalig abgebildet wurden" (Wilhelm Schwemmer)[4].

Im Nürnberger Stadtteil Steinbühl trägt seit 1907 die Bönerstraße seinen Namen.

Eigene Werke (Auswahl)

  • Renn-Bahn der Ehren, Auf welcher Fünf und Zwanzig unvergleichliche Helden/ die unter denen Großmächtig- und unüberwindlichensten dem Römischen Kaiser Leopold/ und König in Hungarn Joseph/ streitende ein unsterbliches Lob erfochten/ alle nach der besten Gleichheit ihrer Bildnüsse auf allzeit geänderten Pferd-Stellungen anzuschauen fürgestellet und verlegt von Joh. Alex. Boener... und mit hochteutschen Lobgebäuden umwunden von S. F. [= Samuel Faber] Nürnberg 1688.
  • Nürnbergische Kleider=Trachten/ Der Manns= und Weibs-Personen/ Denen zu mehrerer Ergötzung mit beygefüget sind etliche der vornehmsten Plätze und Gebäude in= und an der Stadt/ Wie auch Der Grund-Rieß und doppelter Prospect derselbigen. Neu heraus gegeben und verlegt/ Durch Johann Alexander Bäner/ Kunsthändlern in Nürnberg am Fischbach/ Anno 1689.
  • Illustrationen in: Erasmus Francisci, Der Wunder=reiche Uberzug underer Nider=Welt/ Oder Erd=umgebende Lufft=Kreys/ Nach seinem natürlichen Wesen/ nachfaltigen Eigenschafften/ Nutzen/ und Würckungen... erklärt, Nürnberg (bei Wolffgang Moritz Endter und Johann Andreae Enders seel. Söhnen) 1680 (zwölf mit "J. A. Boener fe." und "J. A. Boener sc." bezeichnete Blätter).
  • Titelkupfer und Illustrationen zu: Hans Jakob Christophel von Grimmelshausen, Der aus dem Grabe der Vergessenheit wieder erstandene Simplicissimus; Dessen Abentheuerlicher/ und mit allerhand seltsamen Begebenheiten abgefüllter Lebens=Wandel, Nürnberg (bei Johann Jonathan Felßecker) 1685 (und 1705).
  • Wahre Abbildung der vornehmsten Gebäude, Häuser und Straßen in der Heil. Röm. Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg (1. Ausg.) 1699.
  • Kurzer Bericht von dem Altertum und Freiheiten des freien Hofmarkts Fürth samt den Prospekten des Hofmarkts... und der umliegenden Gegend, Nürnberg 1705.

Zahlreiche Porträtstiche und -radierungen sind zu finden im Virtuellen Kupferstichkabinett. Nicht berücksichtigt sind hier Titelkupfer und einzelne Illustrationen in Büchern, recherchierbar über das Autorenfeld des Karlsruher Virtuellen Katalogs.

Literatur (Auswahl)

  • Christian Gottlieb Müller , Verzeichnis von Nürnbergischen topographisch-historischen Kupferstichen und Holzschnitten, Nürnberg 1791
  • Josef Trostler, Boeners "Rennbahn der Ehren" (1688), in: Ungarische Rundschau für historische und soziale Wissenschaften, IV. Jahrgang, München - Leipzig 1915, S. 207-212.
  • Karl Fischer, Nürnberger Künstler in der Landschaft, Johann Alexander Böhner (1647 - 1720), in: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft Nr.1/1952, S. 2-6.
  • Wilhelm Schwemmer, Johann Alexander Boener. Die Reichsstadt Nürnberg und ihr Umland um 1700, Nürnberg 1981, = Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft, Bd. XXIX (mit einer Einleitung zu Leben und Werk Boeners und weiterer Literatur).
  • Doris Gerstl, Artikel Boener, Johann Alexander, in: Stadtlexikon Nürnberg, Nürnberg 2000, S. 151 f.
  • Artikel Boener, Johann Alexander, in: Nürnberger Künstlerlexikon, hg. von Grieb, Manfred H., Bd. 1, Nürnberg 2007, S. 156.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Schwemmer (siehe Literatur), S. 6 f.
  2. Schwemmer, S. 10 f.
  3. Schwemmer, S. 10.
  4. Gerhard Pfeiffer (Hg.), Nürnberg - Geschichte einer europäischen Stadt, München 1971, S. 357.