Johann Jakob Michael Küchel

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Johann Jakob Michael Küchel (* 19. August 1703 in Bamberg, † 2. Juni 1769 ebenda) war ein vorwiegend im Gebiet des ehemaligen Hochstiftes Bamberg tätiger Architekt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Küchel war Sohn des Zimmermanns Simon Küchel und zunächst Zögling der Jesuitenakademie Ottoniana in Bamberg. Danach war er Schüler und Mitarbeiter von Maximilian von Welsch in Mainz. Überlicherweise beschritten Architekten in dieser Zeit eine militärische Laufbahn. So wurde Küchel in Mainz als Ingenieurleutnant in Dienst gestellt. Nachdem der Fürstbischof von Würzburg und Bamberg, Friedrich Karl von Schönborn, und sein Baudirektor Balthasar Neumann auf ihn aufmerksam geworden waren, erhielt er am 3. Juli 1735 seine Bestallung als bambergischer Ingenieur und Kriegsleutnant. Bis zu seinem Ruhestand stieg er bis zum Obristleutnant auf. 1737 wurde er zur weiteren Ausbildung auf eine Studienreise geschickt, die ihn von Mai bis August durch Österreich, das westliche Ungarn und Böhmen bis nach Berlin und Sachsen führte. Die Reiseziele waren ihm vom Fürstbischof vorgegeben worden, da dieser in seiner Zeit als Reichsvizekanzler (1705 - 1731) in Wien in enger Beziehung zu einem der bedeutendsten österreichischen Barockarchitekten, Johann Lucas von Hildebrandt (1668 - 1745), stand, der für ihn unter anderen den Gartenpalast Schönborn im 8. Wiener Gemeindebezirk und sein Landschloss in Göllersdorf/Niederösterreich erbaute. Der von Küchel im Oktober 1737 eingereichte Reisebericht, „Reiß-Beschreibung nacher Wienn und deren orthen“, ist im Staatsarchiv Bamberg erhalten und in jüngerer Zeit veröffentlicht worden. 1745 heiratete er eine Tochter des wohlhabenden und einflussreichen hochfürstlichen Geheimrats Ignaz Tobias Böttinger.

Nach seiner Rückkehr entfaltete er eine umfangreiche Tätigkeit in Bamberg und vielen Orten des bambergischen Landgebietes. Sein Aufgabengebiet umfasste gleichermaßen Sakral- wie Profanarchitektur, aber auch das Festungsbauwesen.

In Bamberg war Küchel bereits ab 1737 an bischöflichen Baumaßnahmen beteiligt, etwa am Klerikerseminar, der ehemaligen Dompfisterei (1738), einer Treppe (1737/38) und einer Raumgruppe (1747) in der Neuen Residenz. 1743 setzte er Schloss Geyerswörth instand und baute es zum Ämtergebäude um.1754 entstand das Kapitelhaus des Chorherrenstifts St. Stephan.

1765-68 wurden unter seiner Leitung die vier Turmhelme des Domes neu errichtet und einander in Form und Höhe angeglichen.

Auch mehrere Wohnhäuser errichtete er, unter anderem 1739 sein eigenes Wohnhaus Lange Straße 37. Bei den Landkirchen lag die Ausführung häufig in Händen lokaler Bauführer. Bei einem der wichtigsten Bauvorhaben, das unter der persönlichen Kontrolle des Fürstbischofs Friedrich Karl stand, dem Bau der Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen, wurden seine Pläne zwar nicht berücksichtigt, jedoch erhielt er später unter dem Architekten Balthasar Neumann die verantwortliche Bauleitung.

Seine Profanbauten umfassten Pfarrhäuser, fürstbischöfliche Amtshäuser und Schlösser. Schon ab seinem ersten Dienstjahr war er an Umbaumaßnahmen des fürstbischöflichen Lustschlosses Seehof (u.a. Toranlage mit Wachthäusern, Vergrößerung der Orangerie) beteiligt. Andere Bauherren seine Schlossneu- und umbauprojekte waren Mitglieder des fürstbischöflichen Hofes (Haig, Thurn) und Friedrich Karls Nachfolger, Fürstbischof Philip Anton von Franckenstein (Ullstadt). Nachdem er unter der Leitung Balthasar Neumanns seit 1741 an Baumaßnahmen in der hochfürstlichen Landesfestung Rosenberg ob Kronach tätig war, erhielt er 1745 dort die ständige Bauaufsicht.

Küchel war auch entwerfend für eher skulpturale Werke tätig, beispielsweise für die Kanzel, den Hochaltar, den Taufstein und die Weihwasserbecken, den Heinrich-Kunigunden- und Johannes Nepomuk-Altar in der Wallfahrtskirche Gößweinstein. Zu seinen Aufgaben gehörte auch gutachterliche und beratende Tätigkeit für Baumaßnahmen im Hochstift.
Wallfahrtskirche Gößweinstein: Hochaltar von Peter Benkert nach einem Entwurf Küchels

Würdigung

Auch wenn Küchel etwas im Schatten von Balthasar Neumann stand, besitzt sein Schaffen doch eigenständiges Profil und weist qualitätvolle eigenständige Schöpfungen auf. Dazu gehören etwa das Spital mit Kirche in Kupferberg, sowie die Pfarrkirche St. Laurentius in Lettenreuth und die Valentinikapelle von Unterleiterbach.

„Die Einflüsse Maximilian von Welschs und Balthasar Neumanns sowie seiner Studienreise von 1737 bilden ein Konglomerat vieler architektonischer Sichtweisen, die Küchel ordnete und für seine Belange maßgeschneidert umzusetzen wusste“ (Kunzmann, S. 320). Andererseits ist ein „ständiges Schwanken zwischen französisch-klassizistischer und italienisch-barocker Stilentwicklung“ (Kunzmann, S. 321) zu beobachten, die sich auch durchaus nicht linear in seinem Werk vollzieht.

Werke (Auswahl)

  • Bamberg, Curia Sti. Pauli (jetzt Erzbichäfliches Palais); Häuser Karolinenstraße 10/12, Michaelsberg 2 und 6, Vorderer Bach 6
  • Forchheim, ehem. fürstbischöfliche Kommandantur, 1744-47
  • Glosberg, Pfarrhaus (errichtet als Franziskanerhospiz), 1745
  • Wallfahrtskirche Gößweinstein, Pfarrhof, 1747; Mesnerhaus, 1747/48; Entwurf zur Brüstungsmauer mit Balustrade der Kirchenterrasse, 1755-57
  • Haig, Schloss, ab 1731
  • Kersbach, kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptista und Ottilie, 1743/44
  • Kronach, ehem. fürstbischöfliches Oberamtshaus, 1740-42; kath. Pfarrhof, 1752-55
  • Kupferberg, Spital und Kirche zum Heiligen Geist und St. Katharina, 1738-39
  • Lettenreuth, kath. Pfarrkirche St. Laurentius, 1753-56
  • Leutenbach, Pfarrhaus, 1738
  • Marienweiher, kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, Turm und Westfront, 1743-45 [1]
  • Marktschorgast, Pfarrhaus, nach 1750
  • Nordhalben, ehem. fürstbischöfliches Amtshaus, 1746-49
  • Oberbrunn, Filialkirche St. Laurentius, 1744-50
  • Pettstadt, kath. Pfarrkirche Mariä Geburt, 1754-56
  • Pommersfelden, Pfarrhaus, um 1750
  • Pottenstein, Pfarrhof, 1738; Elisabethenspital, 1751-53
  • Pretzfeld, kath. Pfarrkirche St. Kilian, 1742
  • Rentweinsdorf, Schloss der Freiherrn von Rotenhan, Südflügel, 1765-66
  • Scheßlitz, Elisabethenspital, 1765-69
Ehemaliges Elisabethenspital in Scheßlitz
  • Thurn, Aus- und Erweiterungsbau des Schlosses, ab 1747
  • Ullstadt, Schloss, Erweiterung des Hauptbaus und Gebäude um den Ehrenhof, 1747-50 [1]
  • Unterleiterbach, Friedhofskapelle St. Valentin ("Valentinikapelle"), 1738-39[2]
  • Vierzehnheiligen, ehem. Propstei, nach Baubeginn 1743 durch Gottfried Heinrich Krohne Weiterführung und Vollendung durch Küchel 1744 bis 1745/46.
  • Vilseck, kath. Pfarrkirche St. Ägidius, Langhausneubau, 1751-53
  • Windheim, ehem. Pfarrhaus, 1738/39

Literatur

  • Alfred Schädler, Landkreis Pegnitz, = Die Kunstdenkmäler von Oberfranken, Bd. )), München: Oldenbourg 1961
  • Joachim Hotz, Johann Jacob Michael Küchel. Sein Leben, seine Mainzer Zeit und seine Tätigkeit für die Landschlösser des fränkischen Adels, Lichtenfels: Schulze 1963 (Diss. Würzburg 1962)
  • Jutta Glüsing, Der Reisebericht Johann Jacob Michael Küchels von 1737. Edition, Kommentar und kunsthistorische Auswertung, Kiel 1978 (Diss. Kiel 1977)
  • Thomas Korth, Die Valentinikapelle in Unterleiterbach. Ein Hauptwerk der Sakralbaukunst von Johann Jakob Küchel, in: Dorf-Leben. Politik, Glaube und Kultur im Wandel. 1200 Jahre Unterleiterbach, herausgegeben von Dietmar Absch und Günter Dippold, Unterleiterbach 2000, S. 147-166
  • Roland Kunzmann, Die Kirchenbauten des Johann Jakob Michael Küchel, Diss. Bamberg 2005, erschienen 2007 als elektronische Ressource[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Schlossanlage Ullstadt
  2. Pfarrei Zapfendorf: Valentinikapelle
  3. Opus Bayern: Roland: Die Kirchenbauten des Johann Jakob Michael Küchel, Bamberg 2005