Johann Michael Doser

Aus Franken-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Michael Doser (* 20. April 1678 in Degelsdorf bei Auerbach/Opf., † 13. November 1756 in Auerbach/Opf.) war ein oberpfälzisch-fränkischer Bildhauer des Barock.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Sein aus der Gegend von Füssen stammender Vater Hans Adam Doser lag während der Geburt des Sohnes als Reiter einer kurbaierischen Kompagnie mit seiner Familie in Auerbach im Quartier. Im Frühjahr 1679 aus dem Militärdienst entlassen, ließ er sich, da er in Auerbach keine Arbeitserlaubnis als Schreiner erhielt, in Schnaittach nieder, wo ihm das Bürgerrecht gewährt wurde und sein Sohn Johann Michael aufwuchs.

Beim Tod des Vaters am 2. Februar 1695 war Johann Michael wahrscheinlich auf Wanderschaft, über deren Stationen, wie über seine gesamte Ausbildung, wir keine Informationen besitzen. Jedoch kann ein Aufenthalt in Böhmen aus seinen späteren Werken stilistisch mit Sicherheit erschlossen werden.

Zwischen 1700 und 1705 dürfte Doser geheiratet haben. Erstes gesichertes Datum ist erst wieder die Taufe eines Sohnes am 6. Oktober 1705 in Schnaittach. In den folgenden fünf Jahren schuf er seine ersten Werke am Ort und in der näheren Umgebung, in Bühl, Kirchröttenbach und Neunkirchen am Sand, neben Aufträgen in Oberfranken (etwa Ebermannstadt und Waischenfeld).
Kirchröttenbach, kath. Pfarrkirche St. Walburga: Frauenaltar (rechter Seitenaltar), 1706. Foto: HOR-ARB

Da das kurbaierische und damit katholische Amt Rothenberg mit Schnaittach 1707 unter die Verwaltung der evangelisch geprägten Reichsstadt Nürnberg kam, sah Doser für seine auf kirchlich-katholische Auftraggeber konzentrierte Arbeit wohl den Markt schwinden und zog 1710/11 deshalb nach Auerbach. Nun wurde die nordwestliche Oberpfalz und die Fränkische Schweiz (die heutigen Landkreise Amberg-Sulzbach, Bayreuth und Forchheim) sein Hauptwirkungskreis und so entstand sein bedeutendstes fränkisches Skulpturen- und Altarensemble für den Schnaittacher Kalvarienberg erst von Auerbach aus. Dosers so umfangreiches, die gesamte erste Hälfte des 18. Jahrhunderts abdeckendes Œuvre ist wohl nur auf der Basis einer gut funktionierenden Werkstatt vorstellbar.

Die meisten seiner Altäre, etwa auch die Hochaltäre der Pfarrkirche von Neunkirchen am Sand und der ehemaligen Abteikirche von Weißenohe, besitzen die herkömmlichen architektonischen Aufbauten aus gestufter Sockelzone, Säulenordnungen mit Gebälk und Auszug, jedoch schuf Doser auch zahlreiche qualitätvolle Akanthusaltäre, die eine interessante, oberpfälzisch-böhmische Sonderform bilden: monstranzartig flache Aufbauten aus vergoldeten Akanthusranken, mit Blüten besetzt und/oder von Bändern durchzogen, die eine Nische umrahmen, in der eine Heiligenfigur steht (beispielsweise der Jakobus- und der Sebastiansaltar der Pfarrkirche von Auerbach).

Werke (Auswahl)

  • Auerbach/Opf., kath. Pfarrkirche St. Johannes Bapt.: vier Akanthusaltäre (1710), Pfeilerfiguren (1728), Annenaltar (1730) und Orgelprospekt (1755); Friedhofskirche: Hochaltar (1721) und Seitenaltäre (um 1750); Spitalkirche St. Katharina: Hochaltar (1741) und Seitenaltäre (1749); Oberer Torplatz: Maria Immaculata-Gruppe (1723).
  • Bühl/Gem. Simmelsdorf-Hüttenbach, kath. Pfarrkirche Mariä Heimsuchung: Kanzel (1708) und Hochaltar (1717), nördlicher Seitenaltar (1727); Ölberg (1719).
  • Drosendorf am Eggerbach/Lkr. Forchheim, kath. Pfarrkirche Mariä Heimsuchung: Hochaltar (1715/16).
  • Ebermannstadt, kath. Marienkapelle: Hochaltar (1708).
  • Grafenwöhr, alte kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt: Seitenaltäre (1718), Hochaltar (1726) und Kanzel (1731).
  • Kirchenbirkig/Pottenstein, kath. Pfarrkirche St. Johannes Bapt.: Seitenaltäre (1714 und 1725).
  • Kirchröttenbach, kath. Pfarrkirche St. Walburga: Frauenaltar (1706), Figuren für den ehem. Marienaltar (1706/08), Hochaltar und linker Seitenaltar (1720) und die Kanzel (1722); kath. Kapelle Hl. Kreuz: Seitenaltäre (1755).
  • Klausstein/Gem. Ahorntal, Evang.-luth. Filialkirche: Kanzelaltar (1723).
  • Königstein/Opf., kath. Pfarrkirche St. Michael: Akanthusaltäre (um 1713).
  • Michelfeld/Opf., Friedhofskirche: Altarfiguren (1736), Kanzel (1741); Ölbergkapelle: Geißelung Christi und Dornenkrönung (1747), Ölbergengel und Grabchristus ( 1745).
  • Neunkirchen am Sand, kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt: Figuren der hll. Heinrich u. Kunigunde (1710), Altäre (1723/24), Kanzel (?); Friedhofskruzifix (1707).
  • Obertrubach, kath. Pfarrkirche St. Laurentius: Kanzel u. Altarfiguren (1714).
  • Pegnitz, kath. Filialkirche Mariä Namen: Choraltar (1720/30) und Kanzel (Doser-Werkstatt).
  • Ranna, Magdalenenkapelle: Hochaltar (1742).
  • Reuth, Lkr. Forchheim, kath. Pfarrkirche St. Johannes Bapt.: Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel (1721/22).
  • Schnaittach, Kalvarienberg: Kreuzigungsgruppe (1722/23 und 1726) und Christus des Hl. Grabes (1724), Figuren im Grottenhaus (1735/36); Reliefs für elf Kreuzwegsstationen (1748; die erhaltenen heute in der Pfarrkirche); Kalvarienbergkapelle: Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel (1736/38), Altäre der Seitenkapellen (1751); kath. Pfarrkirche St. Kunigund: Kruzifix (1705), Pietà (1724), rechter Seitenaltar (1746).
  • Speikern/Gem. Neunkirchen am Sand, Kapelle St. Florian: Altar und Figuren (1715).
  • Stöckach, kath. Pfarrkirche St. Aegidius: Hochaltar (1716)
  • Untertrubach, kath. Filialkirche St. Felicitas: Hochaltar (1715).
  • Vilseck, kath. Pfarrkirche St. Aegidius: Hochaltar (1713).
  • Waischenfeld, kath. Stadtkirche St. Laurentius: Hochaltar-Figuren (1701), Seitenaltäre und Kanzel (1707).
  • Weißenohe, Pfarrkirche (ehem. Abteikirche) St. Bonifatius: Kanzel und Orgelgehäuse (1713), Hochaltar und Seitenaltäre (1720/21).

Literatur

  • Aquilas Rohner u. Wolf-Dieter Hamperl, Böhmisch-oberpfälzische Akanthusaltäre, München; Zürich: Verlag Schnell & Steiner, 1984 (2. Aufl. 1999) (= Reihe "Große Kunstführer", Bd. 123).
  • Dies., Die Schnitzwerke Johann Michael Dosers in Oberfranken und der Oberpfalz, München; Zürich: Verlag Schnell & Steiner, 1990 (= Reihe „Große Kunstführer“, Bd. 166).

Weblinks