Johann Neudörffer der Ältere

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Johann Neudörffer (Neudörfer) der Ältere (* Oktober 1497 in Nürnberg; † 12. November 1563 ebenda) war ein Nürnberger Schreib- und Rechenmeister und hatte einen wichtigen Anteil bei der Entwicklung der Fraktur.

Johann Neudörffer mit einem Schüler
Hauptwerk des niederländischen Malers Nicolas Neufchâtel, das dieser 1561 kurz nach seiner Ankunft in Nürnberg malte. (Alte Pinakothek, München) © Wikimedia Commons

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Herkunft

Sein Vater war der Kürschner Stephan Neudörffer.

Ausbildung

Johann Neudörffer wurde bei dem Schreib- und Rechenmeister Caspar Schmid und dem Kanzleischreiber Paul Vischer zum „Modisten“[1] ausgebildet.

Berufstätigkeit

Johann Neudörffer gab 1518 das erste Schreibmusterbuch nördlich der Alpen heraus, das „Fundament ... seinen schülern zu einer unterweysung gemacht“. Mit diesem Musterbuch schuf er die Grundlagen für die Frakturschrift und für die Entwicklung einer deutschen Kurrent- und Gebrauchsschrift. In späteren Arbeiten wie der „Gute(n) Ordnung ... Zierlichs schreyben“ (1538) oder dem „Gesprechbüchlein“ (1549) entwickelte er sein Frühwerk in gestalterischer und methodischer Hinsicht systematisch fort. Viele spätere Schriftmusterbücher orientierten sich an seinem Vorbild. Sein Rang als Modist wird auch daran deutlich, dass Albrecht Dürer ihn bat, die Texte auf seine Apostel-Bilder (Vier Apostel) zu schreiben.

Neudörffer wurde bei dem Kartographen Erhard Etzlaub zum Rechenmeister ausgebildet. Neudörffer sah in der Beherrschung der „Arithmedica“ und der „Geometria“ die wichtigsten Hilfen zur künstlerischen Gestaltung und zum Verständnis der Welt, wie er in seinem „Gesprechbüchlein“ schreibt. Einer seiner Schüler, Caspar Schleupner, veröffentlichte nach Neudörffers Tod 1598 nach einem Manuskript Neudörffers ein „Rechenbüchlein“.

„Johann Neudörffers Nachrichten von den vornehmsten Künstlern und Werkleuten, so innerhalb hundert Jahren in Nürnberg gelebt haben“ (1547) geben einen anschaulichen Einblick in das künstlerische Leben in Nürnberg. Diese Schrift ist daher von besonderer Bedeutung für die Nürnberger Kunst- und Stadtgeschichte der Dürerzeit.

Johann Neudörffer erwarb 1524 ein Haus unterhalb der Burg. Es war nicht nur Wohnhaus, sondern auch ein Schulhaus für seine Schüler und ein Internat für seine auswärtigen Schüler. Ab 1531 war er Genannter des Größeren Rats. Er starb als hoch angesehene Nürnberger Persönlichkeit und wurde auf dem Johannisfriedhof begraben.[2]

Historische Wirkung

Johann Neudörffer war an der praktischen Einführung der Fraktur als Druck- und Schreibschrift entscheidend beteiligt. Er fand für die Schrift eine vollkommene Form, die sich durchsetzte und auch für den Druck der theoretischen Schriften Albrecht Dürers verwendet wurde. Neudörffer legte auch den Grund zur deutschen Schreibschrift, indem er die Buchstaben seiner Fraktur vereinfachte und miteinander verband. Diese zügig geschriebene Schrift wurde als „Kurrentschrift“ (lateinisch: currens für laufend) bezeichnet.

Ehrungen

  • 1555 Pfalzgrafenwürde bei Hofe, verliehen von Kaiser Karl V.
  • Neudörferstraße im Nürnberger Stadtteil St. Peter

Veröffentlichungen

  • Fundament ... seinen schülern zu einer unterweysung gemacht. Nürnberg, 1518 (Schreibmusterbuch, Lehrbuch für die Frakturschrift, handschriftliche Fassung)
  • Eine gute Ordnung ... Zierlichs schreyben. Nürnberg, 1538/43 (Hauptwerk)
  • Kurtze Ordnung. (zwei gekürzte, ebenfalls als Handschriften verbreitete Varianten des Hauptwerkes in der Stadtbibliothek Nürnberg)
  • Johann Neudörffers Nachrichten von den vornehmsten Künstlern und Werkleuten, so innerhalb hundert Jahren in Nürnberg gelebt haben. Nürnberg, 1547
  • Gesprechbüchlein. Nürnberg: Druck von Johann Petreius, 1549 (Einführung in die Schreibkunst in Form eines Dialogs zwischen dem älteren, belehrenden Schüler Johannes und dem jüngeren, noch lernenden Schüler Stephan)

Literatur

  • Johann Neudörffer d. Ä., der große Schreibmeister der deutschen Renaissance. 48 Faksimile-Tafeln aus verschiedenen Werken mit einer Einleitung von Albert Kapr. Hrsg. vom Institut für Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Leipzig: VEB Harrassowitz, 1956, 93 S.,
  • Gerhard Mammel: Johann Newdorffer. Schreib- und Rechenmaister zu Nurmberg. Nürnberg: Höhere Fachschule für das Graphische Gewerbe, 1959, 59 S. (Texte und Schrift-Reproduktionen nach Originalen der Stadtbibliothek Nürnberg; hergestellt von Studierenden des Jahrgangs 1958/59 in den Werkstätten der Höheren Fachschule für das Graphische Gewerbe an der Berufsoberschule der Stadt Nürnberg)
  • Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. Nürnberg: Verlag Albert Hofmann, 1984, 425 S., ISBN 3-87191-088-0; 2., erg. u. erw. Auflage, 1989, 459 S.; Neuauflage: Edelmann GmbH Buchhandlung, Oktober 2000
  • Silke Roennefahrt: Die hohe Kunst des Schreibens. Neue Publikation der Stadtbibliothek befasst sich mit Entwicklung der Kalligraphie. In: Nürnberger Nachrichten Nr. 290 vom 15. Dezember 2007 - NN
  • Christine Sauer: Johann Neudörffer d.Ä. machte Nürnberg zum Schönschreib-Zentrum. Die Kunst des perfekten Federstrichs. In: Nürnberger Zeitung Nr. 164 vom 16. Juli 2008, Nürnberg plus, S. + 1 - NZ
  • Hans Feist: Fraktur – die alte deutsche Schrift. Ein Nürnberger Schreibmeister machte sie populär. In: Nürnberger Zeitung Nr. 8 vom 12. Januar 2010, Nürnberg plus, S. + 3 - NZ

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Ein „Modist“ war ein Schreibkünstler des Spätmittelalters.
  2. Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - Rudolf Endres: Neudörffer (Neudörfer), Johann der Ältere