Karl-Dieter Grüske

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Karl-Dieter Grüske (* 11. Dezember 1946 in Erlangen) ist seit 1. April 2002 Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2008 ist Grüske zudem Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Prof. Karl-Dieter Grüske
Foto: Harald Sippel/NZ

Inhaltsverzeichnis

Zum Leben und Wirken

Ausbildung

Seine Hochschulreife erwarb Grüske im Jahr 1966 am Ohm-Gymnasium in Erlangen. Der gebürtige Erlanger studierte anschließend Volkswirtschaftslehre an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg und an der Universität München. Von 1972 bis 1988 war er Assistent und Akademischer Oberrat bei Prof. Recktenwald am Volkswirtschaftlichen Institut der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg; nach Recktenwald ist ein bekannter Preis benannt, der alle zwei Jahre in Nürnberg vergeben wird. 1978 promovierte er „summa cum laude“ mit einem Thema zu den Umverteilungseffekten des öffentlichen Haushalts zum Dr. rer. pol. Für seine Habilitationsschrift wurde er im Jahr 1986 mit dem Habilitationspreis der Universität Erlangen-Nürnberg und dem mit 10.000 Mark dotierten Wolfgang-Ritter-Preis (Bremen) ausgezeichnet. 2008 wurde er zum Honorarprofessor an der University for International Business and Economics (UIBE), Beijing /VR China, ernannt.

Zur Familie

Grüske ist verheiratet (ein Kind). Er wohnt in Spardorf bei Erlangen.

Wissenschaftliche Tätigkeit

Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem 1974 nach Indonesien, 1982 in den Jemen und 1987 in die USA. Von 1988 bis 1990 war er wissenschaftlicher Projektleiter am Institut für Wirtschaft und Gesellschaft bei Prof. Meinhard Miegel am Wissenschaftszentrum in Bonn. 1990 erhielt er einen Ruf an die Universität der Bundeswehr in Hamburg. 1991 übernahm er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwissenschaft, an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Mitglied in den führenden Vereinigungen seines Faches, hat drei Bücher und zahlreiche Aufsätze verfasst und ist unter anderem Mitherausgeber der renommierten Edition der „Klassiker der Nationalökonomie“. Sein Lehrstuhl wurde zunächst vertretungsweise, inzwischen vollständig von Prof. Dr. Berthold U. Wigger übernommen, der inzwischen selbst wieder einen Ruf von auswärts angenommen hat.

Grüske war von 1994 bis 1996 Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg (der heutigen Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ReWi), von 1996 bis 2000 Mitglied des Senats, von 2000 bis 2002 Prorektor unter dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Gotthard Jasper. Seit 2002 ist er Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Grüskes Fachwissen ist in zahlreichen Gremien gefragt. So wurde er 1993 in den Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berufen; seit 1998 ist er stellvertretender Vorsitzender. Seit 1997 wirkte er als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Verwaltungsreformen der hessischen Landesministerien und Universitäten, in verschiedenen Kommissionen zu Hochschulreformen und als Mitglied des bildungsökonomischen und finanzwissenschaftlichen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik. 1999 wurde er in den Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Jugendinstituts (München) berufen. Seit 1993 ist er Vorsitzender der Gesellschaft für Finanzwissenschaftliche Forschung. Seit 2007 ist Prof. Grüske Vorsitzender des Beirats für Forschungsmigration beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. 2008 wurde er zum Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz gewählt, der Stimme aller Hochschulen in Deutschland. Dort ist er zuständig für Forschungsangelegenheiten. Von 2009 bis 2011 war er Vorsitzender der Universität Bayern e.V., einem Verein der bayerischen Universitäten, um gemeinsam Interessen gegenüber der Politik besser vertreten zu können. Vorgänger war die Bayerische Rektorenkonferenz (BRK).

Politische Ansichten

Bereits vor seiner Wahl zum Rektor galt Grüske als Befürworter von Studiengebühren, die später offiziell Studienbeiträge genannt wurden. Er begründete dies stets unter anderem mit eigenen Forschungsarbeiten, indem er anführte, dass es ungerecht sei, keine Studiengebühren zu erheben. Denn in diesem Fall würden Nicht-Akademiker Akademiker subventionieren. Im Jahr 1995 erschien vom ihm „Verteilungseffekte der öffentlichen Hochschulfinanzierung“. Obwohl er inhaltlich der CSU nahesteht, ist Grüske gegen die Sparbeschlüsse der bayerischen Staatsregierung im Jahr 2003 neben Kanzler Thomas A. H. Schöck auf die Straße gegangen und hat eine Demonstration von vor allem Studenten vom Erlanger Schlossplatz zum Rathaus mitangeführt.

Wirken als Rektor

Prof. Karl-Dieter Grüske
Foto: Harald Sippel/NZ

Karl-Dieter Grüske ist seit 1. April 2002 Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bis zum 31. März 2010 dauert die zweite Amtszeit des Chefs der mit 26.044 Studenten zweitgrößten Hochschule Bayerns. Bei seiner ersten Wahl im Jahr 2001 setzte sich der Nachfolger von Prof. Dr. Gotthard Jasper gegen den Werkstoffwissenschaftler Prof. Dr. Albrecht Winnacker von der Technischen Fakultät im ersten Wahlgang durch; bei der zweiten Wahl für die Amtszeit ab 2006 gab es keinen Gegenkandidaten.

In seiner Funktion als Rektor der größten Hochschule Nordbayerns war Grüske verantwortlich für die nach seinen eigenen Angaben größte Reform der Universität Erlangen-Nürnberg seit deren Bestehen: zum Oktober 2007 verringerte er die Zahl der Fakultäten von elf auf fünf. Nach anfänglichem enormen Widerstand insbesondere der Theologischen Fakultät und der Juristischen Fakultät scheint sich die Aufregung inzwischen gelegt zu haben. Unter Grüske wurde auf Vorschlag von Ralf Gabriel, dem früheren Geschäftsführer des Stadtmagazins „Plärrer“, die Lange Nacht der Wissenschaften alle zwei Jahre etabliert.

Ausgewählte Bücher und Beiträge als Autor und Mitautor

Die personale Budgetinzidenz (1978)

Personale Verteilung und Effizienz der Umverteilung (1985)

Redistributive Effects of the Integrated Financial and Social Budgets in West Germany (1988)

Additional Costs of Taxation: Administrative and Compliance Cost - Some Empirical Evidence (1989)

Schrumpfende Bevölkerung und öffentliche Finanzen (1989)

Außerökonomische Faktoren und Beschäftigung (1990)

Zur Bürokratieverlagerung im Steuerwesen (1991)

Wagners "Grundlegung" im Spannungsfeld zwischen Liberalismus und Sozialismus (1991)

Steigende Ausgaben im Gesundheitswesen - Analyse der systemimmanenten Ursachen (1992)

Europäischer Finanzausgleich zwischen EU-Mitgliedstaaten (1994)

Wörterbuch der Wirtschaft (12. Aufl. 1994)

Verteilungseffekte der öffentlichen Hochschulfinanzierung (1995)

Staatsverschuldung im Spannungsfeld zwischen politischen Forderungen und ökonomischer Rationalität (1995)

Distributive Implikationen des Familienlasten- und Familienleistungsausgleichs (1996)

Quantitative und qualitative Entwicklung der Beschäftigten in sich industrialisierenden Ländern - insbesondere in Südost- und Ostasien (1997)

Föderalismus und Finanzausgleich (1998)

Thorstein Bunde Veblen - Einhundert Jahre "The Theory of the Leisure Class" (1999)

Finanzausgleich und regionale wirtschaftliche Entwicklung (1999)

Globalisierung und Vermögensverteilung - Gilt der U-Turn auch für Deutschland? (1999)

Das Neue Steuerungsmodell in der kommunalen Verwaltung - Grundlagen, Zwischenbilanz und kritische Analyse (2001)

Herausgeber von Werken

Markt und Staat - Fundamente einer freiheitlichen Ordnung (1980)

Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft (zwei Bände 1995/99)

Edition "Klassiker der Nationalökonomie" (92 Bände seit 1986)

Schriftenreihe "Forum Finanzwissenschaft" (20 Bände seit 1992)

Reihe "Abhandlungen zur Nationalökonomie" (geschäftsführend; 13 Bände seit 1995

Literatur

  • Markus Kaiser: Erlangens Rektor Karl-Dieter Grüske steht am Freitag zur Wiederwahl. Der einflussreichste Hochschulchef Bayerns. In: Nürnberger Zeitung Nr. 273 vom 25. November 2009, S. 22 - NZ
  • Markus Kaiser: Rektorenwahl in Erlangen. Grüske in seinem Amt bestätigt. In: Nürnberger Zeitung Nr. 276 vom 28. November 2009, S. 16 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Prof. Dr. rer. pol. Karl-Dieter Grüske - FAU