Karl Diehl

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Karl Diehl (* 4. Mai 1907 in Nürnberg; † 19. Januar 2008) war ein deutscher Industrieller, Seniorchef und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Diehl-Stiftung. Die Geschichte der Firma Diehl ist untrennbar mit dem Leben Karl Diehls verbunden.

Karl Diehl nimmt neue Stahlsynchronringfertigung am Standort Röthenbach in Betrieb.
© Uwe Niklas/NZ

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Herkunft und Studium

Ferdinand Friedrich Wilhelm Karl Diehl ist das einzige Kind des Ziseleurs und Industriellen Heinrich Diehl (* 3. August 1878 in Kölschhausen (heute Ehringshausen); † 1938 in Nürnberg) und seiner Ehefrau Margarete geb. Schmidt (* 25. August 1880 in Nürnberg).

Nach der Schule, Volksschule, der Real- und Handelslehranstalt und der Oberrealschule, an der er sein Abitur ablegte, begann er nach einem Industriepraktikum das Studium des Maschinenbaus an der Technischen Universität in München. Sein Studium schloss er als Diplom-Ingenieur ab.

Der Unternehmer

1930 trat er mit dem Diplom in der Tasche in das väterliche Unternehmen, das „Metall-, Guß- und Preßwerk Heinrich Diehl“ ein. 300 Mitarbeiter waren damals dort beschäftigt. Ab 1938 führte er das Unternehmen nach dem Tode des Vaters allein weiter. Bereits damals befand sich der Hauptsitz der Firma in der Stephanstraße in einem Gebäudekomplex der Firma Bing, die kurz vorher in Konkurs gegangen war. In Röthenbach an der Pegnitz wurde die Halbzeugproduktion konzentriert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als „kriegswichtig“ eingestuft. Bereits während des Ersten Weltkriegs hatte man mit der Produktion von Rüstungsgütern begonnen und zwar als Unterlieferant für diverse Zünder. Als Karl Diehl die Leitung des Unternehmens übernahm, wurden bereits 2.800 Personen beschäftigt und der Umsatz lag bei 14,4 Millionen Reichsmark. Kriegsbedingt diente Halbzeug bis Mai 1945 vor allem als Vormaterial für diverse Zünder.

Ende 1945 waren fast alle Werksanlagen durch Bomben zerstört. Das Röthenbacher Gelände diente bis 1951 den US-Streitkräften als Truppenunterkunft. Diehl produzierte zunächst Bau- und Möbelbeschläge, formte aus Stahlhelmen Haushaltsgeräte, sortierte und schmolz Flugzeugschrott ein. Doch im Laufe der Jahre wurde der Konzern immer internationaler. Das Produktionsprogramm baute Diehl über das Halbzeug und die Zünderfertigung auf Uhren, Zeitschaltgeräte, Maschinenbau, Luftfahrtsysteme und Luftfahrtgeräte kontinuierlich aus. Betriebsstätten im europäischen Ausland und Übersee wurden gegründet. Immer wieder wurde der Konzern als „Waffenschmiede“ bezeichnet. Doch nur rund 35 Prozent des über 1,6 Milliarden liegenden Umsatzes werden im wehrtechnischen Bereich erwirtschaftet.

Das reine Familienunternehmen wird heute von seinen Söhnen Thomas als Vorstandsvorsitzender sowie Werner und Peter als Aufsichtsratsvorsitzender beziehungsweise Stellvertreter geführt.

Karl Diehl als Mäzen

Karl Diehl war nicht nur Unternehmer, sondern auch Mäzen und Stifter. Seine Heimatstadt Nürnberg hat ihn deshalb auch zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Auch die soziale Sicherheit seiner Mitarbeiter hat er mit dem Heinrich-Diehl-Gedächtnis-Fonds auf ein breites Fundament gestellt. Die Karl-Diehl-Stiftung gewährt seit 1987 Menschen in Nürnberg und Umgebung, die in Not geraten sind, Hilfe.

Der Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt war und ist Karl Diehl ein persönliches Anliegen. Dr. Erich Mulzer, der Vorsitzende der Nürnberger Altstadtfreunde, hat Karl Diehl für dieses Wirken bereits vor Jahren den Ehrentitel Mäzen der Nürnberger Altstadt verliehen.

Es gibt in Nürnberg selbstverständlich noch manch anderen Spender, so würdigte ihn Erich Mulzer, aber Karl Diehl ist der einzige, der die Baukunst und die Überlieferung seiner Heimatstadt in den Mittelpunkt seiner Förderung gestellt und zu seiner Herzensangelegenheit gemacht hat. Karl Diehl ist in unserer Zeit der Mäzen des Alten Nürnberg - das ist eine Feststellung, von der man heute schon sagen kann, dass sie in die Annalen der Stadt eingehen wird.

Und im Stadtlexikon Nürnberg schrieb Mulzer: Als „Altstadtmäzen“ unterstützte Karl Diehl mehrere Vorhaben. Dass in einer Halbmillionenstadt ein maßgeblicher Teil der Denkmalpflege allein von bürgerlichem Idealismus getragen wird, ist in der Bundesrepublik einmalig.

Der Rüstungsfabrikant, Ehrenbürger der Stadt Nürnberg

Als die Stadt Nürnberg Karl Diehl 1997 zum Ehrenbürger ernannte, löste das nicht nur generelle Diskussionen über die Geschäfte mit dem Krieg aus, sondern auch insbesondere über dessen Rüstungsproduktion mit jüdischen Zwangsarbeiterinnen in einem polnischen Werk während der NS-Diktatur. Diehl zahlte freiwillig Entschädigungen an überlebende Zwangsarbeiterinnen und beauftragte den Historiker Wolfgang Benz mit einer Untersuchung. Benz kam zu dem Ergebnis, dass Diehl auf das Schicksal der Frauen persönlich keinen Einfluss genommen hatte. Der Erlanger Historiker Professor Gregor Schöllgen urteilte: Wie die meisten Unternehmer in seiner Situation handelte er pragmatisch. Diehl erklärte später, er habe Betrieb, Familie und Mitarbeiter nicht gefährden wollen. [1]

Ehrungen

  • 1953 Ehrenbürger der Stadt Röthenbach an der Pegnitz
  • 1962 Bayerischer Verdienstorden
  • 1968 Bürgermedaille der Stadt Nürnberg
  • 1997 Ehrenbürgerwürde der Stadt Nürnberg - PDF-Datei
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland - im Netz
  • Saarländischer Verdienstorden
  • Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
  • Ritter des Ordens Für Verdienste um die italienische Republik
  • Ehrenbürger der Gemeinde Nonnweiler
  • Karl-Diehl-Straße in Nonnweiler-Mariahütte (Diehl BGT Defence GmbH & Co. KG)
  • Karl-Diehl-Halle (Sporthalle) in Schramberg
  • 2007 Umbenennung der Stadthalle in Röthenbach an der Pegnitz in Karl-Diehl-Halle

Literatur

  • DIEHL, Karl. In: Wer ist wer? Das deutsche Who is who
  • Martina Bauernfeind: Diehl. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, S. 213 - im Netz
  • G. Brandt: 50 Jahre Diehl 1902-1952. zahlr. Abb. Nürnberg: Pfahler, 1952, 55 S.
  • G. Brandt: 75 Jahre Diehl. Nürnberg, 1977, 32 S.
  • Franz B. Döpper: Nürnberg und seine alten Firmen. (Deutsche Großstädte im Spiegel der Wirtschaftsgeschichte 7), Eching bei München, 1988, S. 60 f.
  • Erich Mulzer: Karl Diehl, Mäzen der Nürnberger Altstadt. Privatdruck der Firma Diehl, 1992, 44 Seiten
  • Peter Zinke: Die Leistungen überwiegen. Eine Volksgemeinschaft von der IG Metall bis zu den Republikanern sorgte dafür, daß der Rüstungsfabrikant und KZ-Profiteur Karl Diehl Nürnberger Ehrenbürger wurde. In: Jungle World Nr. 4, 1998 - im Netz
  • Erich Mulzer: Altstadtfreunde. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg, Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, S. 66 f.- im Netz
  • Gregor Schöllgen: Diehl - Ein Familienunternehmen in Deutschland, 1902 - 2002, Berlin/München: Propyläen, 2002, 336 S., ISBN 3-549-07170-1
  • Christian Keun; Martin Scheele: FAMILIE DIEHL - Abgerüstet gegen die Übernahme. In: Manager-Magazin vom 29. Juni 2004 - im Netz
  • André Fischer: 500 000 Euro Spende von Karl Diehl für Pellerhof. Wiederaufbau rückt näher. In: Nürnberger Zeitung Nr. 99 vom 30. April 2007, S. 9
  • fis (= André Fischer): Mäzen Diehl. Millionen für Nürnberg. Nürnberger Zeitung Nr. 99 vom 30. April 2007, S. 9 - NZ
  • sz [= Siegfried Zelnhefer]: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly gratulierte Ehrenbürger Karl Diehl zum 100. Geburtstag. Pressemitteilung der Stadt Nürnberg, Nachrichten aus dem Rathaus Nr. 449 vom 4. Mai 2007 - im Netz
  • Stephan Maurer, dpa: Zum Geburtstag ein Millionengeschenk - Karl Diehl wird 100. In: airliners.Magazin vom 4. Mai 2007 - im Netz
  • Karl Diehl dankt mit 100.000 Euro für Benennung in Karl-Diehl-Halle. In: Röthenbacher Rundschau, Nr. 10, Oktober 2007 - PDF
  • dpa: Industrieller Karl Diehl im Alter von 100 Jahren gestorben. In: Online Special, www.nordbayern.de vom 20. Januar 2008 - im Netz
  • Katja Jäkel: Ein langes und bewegtes Leben ging gestern zu Ende. Nürnberger Ehrenbürger Karl Diehl und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Diehlstiftung starb mit 100 Jahren. In: Sonntagsblitz vom 20. Januar 2008 - Blitz
  • NN/my: Karl Diehl starb im Alter von 100 Jahren. «Patriotischer Unternehmer». In: Nürnberger Nachrichten vom 21. Januar 2008 - NN
  • Wolfgang Mayer: Karl Diehl tot: Erfolgreich und umstritten zugleich. Zum Tod des Nürnberger Industriellen Karl Diehl - Firma mit 11 000 Mitarbeitern. In: Nürnberger Nachrichten vom 21. Januar 2008 - NN
  • dpa/NZ: Karl Diehl gestorben. Trauer um einen Mäzen Nürnbergs. In: Nürnberger Zeitung Nr. 17 vom 21. Januar 2008, S. 1
  • André Fischer: Mit 100 Jahren verstarb Karl Diehl. Ein regionales Urgestein. In: Nürnberger Zeitung Nr. 17 vom 21. Januar 2008, S. 3 - NZ
  • fis (= André Fischer): Beckstein und Maly loben Diehl: Ein großer Mäzen und Unternehmer. In: Nürnberger Zeitung Nr. 17 vom 21. Januar 2008, S. 3 - NZ
  • fis (= André Fischer): Diehl ist mehr als ein Rüstungskonzern. In: Nürnberger Zeitung Nr. 17 vom 21. Januar 2008, S. 3
  • Anabel Schaffer: Bewegende Trauerfeier für Unternehmer Karl Diehl in der Sebalduskirche. «Einer der ganz großen Söhne unseres Landes». In: Nürnberger Zeitung vom 26. Januar 2008 - NZ
  • Siegfried Zelnhefer: Einer der letzten großen Patriarchen. Zum Tod von Ehrenbürger Karl Diehl. In: Nürnberg Heute Magazin Nr. 84, Jahrgang 2008, S. 36-37 - PDF-Datei

Siehe auch

Weblinks

  • Karl Diehl - Wikipedia
  • Liste der Söhne und Töchter der Stadt Nürnberg - Wikipedia
  • 1997: Dipl.-Ing. Karl Diehl, Unternehmer. In: Liste der Ehrenbürger von Nürnberg - Wikipedia
  • 100 Jahre Diehl - im Netz
  • Diehl-Gruppe: Firmenchronik - Von der Kunstschmiede zum Technologiekonzern - im Netz
  • Werner Diehl (* 1946) - Wikipedia
  • Diehl-Stiftung & Co. KG - Wikipedia
  • Gregor Schöllgen: Diehl - Ein Familienunternehmen in Deutschland, 1902 - 2002 - PDFD Unverkäufliche Leseprobe des Propyläen-Verlages
  • Professor Dr. Gregor Schöllgen - im Netz
  • Rüdiger Löster, 91207 Lauf: Antifaschistische Chronik für Nürnberg. Teil 2: 1945 -1999 - im Netz