Karl Kittsteiner

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Auch mit 84 liebt Karl Kittsteiner den Radsport
»Der Kitt« ist noch richtig fit

Im Nürnberger Telefonbuch steht hinter »Kittsteiner, Karl« als Berufsbezeichnung noch immer »Rennfahrer«. Und das, obwohl der Herpersdorfer Altmeister des Radsports bereits 1957 seine Rennmaschine endgültig an den Haken gehängt hat. »Das bleibt so im Telefonbuch, denn noch heute rufen mich immer wieder Radsportler und Fans an, die den ,ehemaligen Meister' sprechen wollen«, erklärt der 84-jährige Karl Kittsteiner nicht ohne Stolz.

Auch fast 50 Jahre nach seinem letzten Rennen ist er das große Idol des Traditionsvereins RC Herpersdorf. Er war es, der als 20-Jähriger im Kriegsjahr 1940 den ersten Titel als Straßenmeister in das kleine Dorf vor den Toren Nürnbergs holte und damit eine in Deutschland bis dahin einmalige Serie an Meistertiteln startete. Obwohl Karl Kittsteiners Karriere durch Krieg unterbrochen wurde, kann »der Kitt«, wie ihn seine zahlreichen Fans nannten, auf eine 23-jährige Karriere mit drei deutschen Meistertiteln und über 400 Siegen auf Bahn und Straße zurückblicken.

1934 schloss sich der 14-jährige Schreinerlehrling aus Worzeldorf gemeinsam mit seinem Freund Konrad Kessler dem RC Herpersdorf 1919 an. Sehr gut erinnert sich Kittsteiner an seine ersten Fahrten: »Damals starteten bei den Vereinsrennen in Herpersdorf alle Jahrgänge in einer Klasse. Konrad und ich hatten keine Rennräder, wir fuhren mit unseren schweren alten Tourenrädern!« Beim RC Herpersdorf staunte man nicht schlecht, als die zwei Worzeldorfer Buben trotzdem den gesamten Verein auf Anhieb ziemlich respektlos abhängten. »Das war mein erster Sieg, den ich nie vergessen werde«, erzählt Karl Kittsteiner von der Vereinsmeisterschaft, die er vor Konrad Kessler gewann.

Und dieses Ergebnis sollte sich noch oft wiederholen: Bereits als Jugendfahrer räumten die schnellen Neulinge bei allen Rennen über die damals noch sehr schlechten, staubigen Landstraßen mächtig ab und fuhren unaufhaltsam in die deutsche Spitzenklasse, wobei der spurtstarke Kittsteiner fast immer vor Kessler gewann. Nach ihrem Wechsel in die Amateurklasse führten die zwei »K's« von 1938 bis 1943 ohne Unterbrechung (!) die Jahreswertung der deutschen Straßenfahrer an, ein Rekord, auf den Karl Kittsteiner noch heute stolz ist. 1946 wechselte er trotz einer schweren Kriegsbeschädigung am rechten Handgelenk zu den Berufsfahrern und holte dort auf Anhieb die erste deutsche Nachkriegs-Straßenmeisterschaft.

Ab 1947 begann Karl Kittsteiner mit dem Stehersport. »Reich wurde man da auch nicht, aber als Steher konnte ich damals etwas mehr verdienen«, erinnert er sich schmunzelnd. Bis 1957 zählte Karl Kittsteiner zehn Jahre lang zur deutschen Spitzenklasse der Steher, war drei Mal Vize-Meister hinter Motoren und holte 1954 in Wuppertal den deutschen Meistertitel der Profis.

Bereits in den letzten Jahren seiner Karriere baute sich Karl Kittsteiner eine solide berufliche Existenz auf und eröffnete mit seiner Ehefrau in Katzwang ein Lebensmittelgeschäft. »Das habe ich nach über 25 Jahren 1982 an eine meiner beiden Töchter übergeben. Seitdem bin ich Rentner, und das genieße ich auch«, betont der stets fröhliche und humorvolle Altmeister, der mit seinen 84 Jahren noch immer gerne auf dem Rad sitzt. »Ich fahre nimmer so weit und vor allem nimmer so schnell, das überlass' ich den Jüngern«, sagt er lachend.

Karl Kittsteiner besucht immer noch alle Radsportveranstaltungen der Region und verfolgt sie aufmerksam. »Da hat sich zwar sehr viel seit meiner Zeit geändert, aber plagen müssen sich die Radsportler noch immer ganz gewaltig«, stellt er immer wieder fest. Nie versäumt er ein Rennen auf der Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller: »Die Rennbahn ist für mich ganz einfach ein Stück meines Lebens. Ich hoffe nur, dass diese Bahn und mit ihr auch der schöne Stehersport noch recht lange erhalten bleibt!« Manfred Marr (Aus Nürnberger Zeitung vom 11.Juni 2005)