Kirche St. Michael (Stadtsteinach)

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St. Michael ist eine katholische Pfarrkirche in Stadtsteinach. Der Ort, im ehemaligen Hochstift Bamberg gelegen, war Grenzort zum Markgrafentum Brandenburg-Kulmbach. Das Patrozinium St. Michael wird am 29. September begangen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Nennung eines Geistlichen und somit die Existenz einer Pfarrei stammt aus dem Jahr 1250, wo Dekan Konrad von Steina genannt wird; die Kirche selbst wird erst am 26. Oktober 1306 in einer Urkunde zur Stiftung eines Seelgerätes genannt. Dieses Seelgerät errichtete Eberlein der Jüngere, genannt Blassenberger, zum Gedächtnis an seine verstorbene Ehefrau Irmgard. Zur Ausstattung dieses Totengedenkens verpfändete dieser der Pfarrei einen Hof zu Pfaffenreuth: Möglicherweise stiftete er auch den linken Seitenaltar, welcher zur Zeit der Ausstellung noch nicht geweiht war und vor dem seine verstorbene Ehefrau bestattet worden war.

Diese wohl erste Kirche wurde im 1. Markgrafenkrieg 1460-1463 durch Markgraf Albrecht Achilles zerstört und danach als spätgotische Hallenkirche neu erbaut und zu Ehren der hll. Michael und Margaretha eingeweiht.

Auch im 2. Markgrafenkrieg 1552-1554 unter Markgraf Albrecht Alcibiades wurde die Kirche entweiht, ausgeraubt, der Turm in Brand gesteckt, so dass dieser 1558 ab dem unteren Sims neu erbaut werden musste. Die Instandsetzung der Kirche zog sich bis 1595 hin, wo die Altäre durch den Weihbischof von Bamberg neu geweiht wurden. Einen Vergleich von dem 1611 angelegten Inventarium und eines solchen um 1550 angelegten zeigt, dass kein einziger Gegenstand der Plünderung entgangen ist.

1618 brach der 30-jährige Krieg aus und brachte Besetzungen des Ortes mit sich. Besonders die Jahre 1630 bis 1634 zeichneten sich durch Zerstörungen und Plünderungen, wo auch der Kirchenbau darunter zu leiden hatte, aus. Trotz allen Übels brachte es der 1631 angetretene Pfarrer Jakob Degen bereits 1642 fertig, die Wiederherstellung der Kirche zu beginnen.

Doch lag es noch bis 1672 sehr im Argen, ein Bettelbrief von Pfarrer Johann Jakob Gerhard, Oberamtmann, Kastner, Vogt und dem Bürgermeister unterzeichnet, wurde in der Gegend ausgehängt, doch diese Aktion erbrachte nicht das erhoffte Ergebnis, sondern nur 98 Gulden. Erst mit beginnendem 18. Jahrhundert wurde die Kirche wohl erst richtig ausgestattet, vom Einbau von Sitzbänken wird 1708 berichtet. 1712 stiftete der Pfarrer Johann Dietz und ein nicht genannt sein wollender den Marienaltar, der in Bamberg gefertigt wurde. Unter Pfarrer Zapf (1715-1749) fertigten der Bildhauer Johann Georg Stöhr aus Bamberg und der Schreiner Johann Heinrich Thalwitz von Stadtsteinach den Schalldeckel der Kanzel und erbauten einen weiteren Seitenaltar, den Apostelaltar.

Im dritten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts trat Prinzessin Christine Sophia Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach vom evangelisch-lutherischen Glauben zur papistischen Religion über und unterstützte die Ausstattung der Kirche. Doch bereits 1733 kehrte sie zu ihrer angestammten Religion zurück.

Pfarrer Zapf stiftete, wie auch dann sein Nachfolger Otto Friedrich Johannes (1749-1765), namhafte Summen zum Bau einer neuen Kirche. Jedoch der kränkelnde Nachfolger Elias Eizenberger konnte den Neubau der Kirche nicht beginnen, erst sein Nachfolger Johann Wagner (1769-1779) machte sich ans Werk. Im Jahr 1772 lag auch die Genehmigung von Bamberg vor, und es begann die Arbeit: Abbruch der Kirche. Bereits im Januar 1774 konnte Wagner berichten, „in nur 8 Monaten hat man den Bau von außen her gänzlich zustand gebracht“.

Als Baumeister fungierte der Bamberger Hofbaumeister Konrad Fink, die ausführenden Arbeiten lagen in den Händen des Maurermeister Konrad Pohl aus Kronach. Von der alten Kirche wurden übernommen Chor und Turm.

Die Ausstattung lag, soweit nicht von der Ausstattung der abgebrochenen Kirche übernommen, in den Händen von Pankraz Fries aus Kronach, Friedrich Theiler aus Ebermannstadt. Die Decke bemalte mit Szenen aus der Apokalypse der Maler Link aus Forchheim. Es entstand eine Saalkirche im Rokokostil, welche bereits zu Michaeli 1774 gesegnet werden konnte. Die Einweihung der Kirche nahm dann Franz Ludwig von Erthal, Fürstbischof von Bamberg, während einer Visitationsreise vor. Am 7. Oktober 1785 weihte er die Seitenaltäre zu Ehren Mariens Himmelfahrt und der hl. Aposteln, am darauffolgenden Samstag wurde Kirche und der Hochaltar geweiht.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Kirche „modernisiert“, die Orgel samt Rokoko-Gehäuse entfernt, die reich vergoldeten Seitenaltäre mit Öl-Farbe überzogen, usw. Doch das Ende kam mit einem Brand, welcher in der Scheune der Kapellmühle am 26. Februar 1903 um 11 Uhr ausbrach. Der Funkenflug dieses Brandes erreichte den Turm der Kirche, die im Turm vorhandenen Dohlennester entzündeten sich und der Brand breitete sich vom Turm aus rasch auf das Kirchengebäude aus. Nach zwei Stunden war der Kirchturm eingestürzt, die Kirche ausgebrannt. Während des Brandes wurde unter Lebensgefahr noch einiges Inventar aus der Kirche gerettet; Kaplan Mayer konnte das Allerheiligste vom Hochaltar sicherstellen.

Der 1892 aufgezogene Pfarrer Schmitt konnte den Neubau, aufgrund der Spendenfreudigkeit der Bevölkerung von Stadtsteinach bald beginnen, und man einigte sich auch auf die Architektur „Neurokoko“. Aufgrund dieser Entscheidung konnten noch vorhandene Ruinenreste in den Neubau des Kirchenneubaues, welcher durch Professor Josef Schmitz/Nürnberg entworfen wurde, übernommen werden. Die örtliche Bauleitung lag in den Händen des Architekten Th. Vonwerden/Nürnberg. Die Grundsteinlegung zur Kirche wurde am 9. Oktober 1904 gelegt; der Rohbau war 1905 vollendet. Am 7. November 1905 wurde die noch nicht eingerichtete Kirche durch den Erzbischof von Bamberg Friedrich Philipp von Abert eingeweiht. Zu der noch ausstehenden Kircheneinrichtung wurde ein Wettbewerb veranstaltet, den der Münchner Architekt Anton Bachmann gewann. Bachmann ließ dann den Hochaltar errichten. Der Ausbruch des Krieges 1914 verhinderte für Jahre weitere Maßnahmen zur Einrichtung. Erst mit Pfarrer Hart 1922 kam die Vollendung. Hart verpflichtete mit Vertrag Bachmann am 14. Januar 1923, die bis dato unterbrochenen Einrichtungsmaßnahmen bis zum 1. Juli 1923 zu vollenden. Es handelte sich hierbei um zwei Nebenaltäre, Kanzel, Beichtstühle, usw. Die Arbeiten welche auf 7 Millionen Mark veranschlagt waren, erreichten die Summe von 37 Millionen Inflations-Mark.

Im 2. Weltkrieg wurden 1942 die Glocken vom Turm gelassen, konnten jedoch von einem Glockenfriedhof nach beendigten Krieg 1945 im Jahr 1947 wieder zurückgeholt werden.

1962 wurde die Kirche renoviert, die Heizung 1964 und eine Lautsprecheranlage 1965 eingebaut. Umgestaltung des Chorraumes nach Vorgaben des II. Vaticanums unter Pfarrer Sebastian Butterhof. Die Kirche wurde in den 1970-er Jahren einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

Führung

Äußeres

An der Westseite, rechts des Turmes eine Ölbersgszene nach 1700, die Nische wurde durch Spindler im Jahr 2005 mit einer Ansicht Stadtsteinachs bemalt.

Die bis 1938 leere Figurennische über dem Hauptportal bekam durch Stiftung des in Stadtsteinach geborenen Prof. DDr. Konrad Schübel zu Erlangen die Figur des hl. Michael, geschaffen durch den Künstler Prof. August Weckbrecker in München

Inneres

Der Vorraum zur Kirche beherbergt die Gedenktafel für die Gefallenen des 2. Weltkrieges sowie die für den aus der Pfarrei stammenden von wegen seines Glaubens zum Tote verurteilten und in Brandenburg am 24. September 1940 hingerichteten Alfred Andreas Heiß.

Der Deckenstuck, ebenfalls aus den Jahr 1923, erhielt seine Malereien erst 1936 von dem Maler Hans Bayerlein aus Bamberg. Und zeigt vom im Chor anfangend: Den Gnadenstuhl mit den vier Evangelisten, die Aufnahme Mariens in den Himmel, die Wiederkunft Jesus zum Jüngsten Gericht, das vierte Feld über der Orgel zeigt den Himmel und wurde 1983 angebracht.

Linker Seitenaltar: Der Altar aus dem Jahr 1923 mit einer 1972 beschafften Nachbildung einer gotischen Madonna

Hochaltar: dieser wurde durch die Firma Schoyerer in Cham, nach dem Entwurf Anton Bachmanns gefertigt. Bachmann entwarf den Altar nach dem Hochaltar in Marienweiher. Das Altarblatt zeigend, Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer, fertigte Max Colombo im Jahr 1915, die beiden den Altar begleitenden Seitenfiguren hll. Margaretha und Barbara schnitzte Ludwig Egen aus Cham.

Rechter Seitenaltar: Wie auch der linke Seitenaltar aus dem Jahr 1923 in dessen Aufbau eine um 1750 entstandene Figur des hl. Josef integriert wurde.

Kanzel: Der Schalldeckel der Kanzel, aus dem 18. Jahrhundert von Johann Georg Stöhr und Johann Heinrich Thalwitz geschaffen, konnte wohl vor dem Brand 1903 sichergestellt werden.

Kreuzwegstationen: Diese aus dem 18.Jahrhundert stammenden Leinwandbilder wurden aus der brennenden Kirche gerettet und stammen von einem unbekannten Meister.

Die aus der brennenden Kirche geretteten Figuren und hier plazierten sind: Kaiser Heinrich, hl. Sebastian, Kaiserin Kunigunda, hll. Joachim und Anna; Kreuzgruppe; hl. Johannes der Täufer; kleine Kreuzgruppe.

Orgel

Die Orgel, welche Firma Steinmeyer/Öttingen baute, wurde durch Fa. Dittmann /Lichtenfels auf elektrische Traktur umgebaut und verfügt über 28 klingende Register, zwei Manuale, Pedal, zwei freie Kombinationen. Das Orgelprospekt wohl um 1912.

Volksfrömmigkeit

Eine Mariä-Schmerzensbild ursprünglich in der Marienkapelle, vor dem Hufeisen niedergelegt wurden, wurde im 18. Jahrhundert auf den linken Seitenaltar der Pfarrkirche transferiert. Doch auch hier erfreute sich das Bild einer großen Verehrung, und die Bevölkerung dankte es mit Wachsmodellen. Diesem Brauch trat Fürstbischof von Erthal bei seiner Visitation 1785 energisch entgegen und verlangte die Entfernung (!) des Bildes. Doch noch Mitte des 19. Jahrhunderts stand es auf dem linken Seitenaltar. Ob dieses von der Pfarrbevölkerung verehrte Bild in den Flammen von 1903 verbrannte oder ob es sich heute noch versteckt im Pfarrbezirk befindet, ist nicht bekannt.

Quelle

St. Michael Stadtsteinach; Kunstführer Nr. 1837 aus dem Verlag Schnell & Steiner GmbH München und Zürich

Siehe auch

Weblinks