Kläranlagen in Nürnberg
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Die Stadtentwässerung Nürnberg betreibt zwei Klärwerke: Das Klärwerk 1 mit 1,4 Millionen Einwohnerwerten und das Klärwerk 2 mit 230 000 Einwohnerwerten.
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Geschichte der Nürnberger Kläranlagen
Von 1873 bis 1877 erarbeitete man im städtischen Bauamt ein Entwässerungskonzept für das gesamte Stadtgebiet. Schon im Jahr 1874 entstanden die ersten Kanäle aus Betonrohren. Eine Abwasserreinigung war zunächst noch nicht vorgesehen. Die Wasserqualität der Pegnitz verschlechterte sich durch die steigenden Abwassermengen jedoch dramatisch, so dass die Errichtung von Kläranlagen unumgänglich war.
Die erste Nürnberger Kläranlage wurde 1897 auf dem Gelände des neuen städtischen Krankenhauses errichtet. Aus dem Jahr 1908 stammen erste Projekte zur Errichtung einer zentralen Abwasserreinigungsanlage bei Muggenhof. Dieses ehrgeizige Projekt verfolgte man jedoch wegen der recht hoch erscheinenden Kosten nicht weiter. Statt dessen wurden zunächst einige kleinere Kläranlagen errichtet, meist durch Baugenossenschaften im Rahmen von damaligen Neubaugebieten.
Als erste Großkläranlage in Bayern ging im Jahr 1913 die Kläranlage Süd (heute Klärwerk 2) in Betrieb. In den darauffolgenden Jahren entstand eine ganze Reihe weiterer Kläranlagen für Gebiete, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich der zukünftigen Kläranlage Nord lagen. Im Jahr 1931 folgte schließlich die seit vielen Jahren geplante zweite Großkläranlage Nürnbergs: Die Kläranlage Nord (heute Klärwerk 1). Die Inbetriebnahme der Kläranlagen Süd und Nord sowie die Erweiterungen des Kanalnetzes und der Bau von Pumpwerken machte die Vielzahl der kleinen Kläranlagen nach und nach überflüssig.
(Quelle: Stadtentwässerung Nürnberg/Nürnberg online)
Vorübergehende Ver- und Wiederanmietung der Klärwerke (Cross-Border-Leasing)
Im Zuge eines so genannten „Cross Border Leasing“-Geschäftes vermietete die Stadt Nürnberg 1999 Klärwerk 1, Klärwerk 2 und Regenüberlaufbecken an einen amerikanischen Investor, um es anschließenn wieder anzumieten. Am 1. März 2010 wurde das Geschäft wieder aufgelöst. Ursachen waren zum einen erhöhte Sicherheitsleistungen wegen der weltweiten Finanzkrise und zum anderen Diskussionen über die moralische Integrität der Cross-Border-Transaktionen, die sich in erster Linie die amerikanische Steuergesetzgebung zu Nutze machten. Durch das Geschäft mit den Klärwerken erwitschaftete die Stadt laut Kämmerer Harald Riedel einen Gewinn von 31,8 Millionen Euro.
Technik und Geschichte des Großklärwerks I
Das Klärwerk 1 ist das größere der beiden Nürnberger Großklärwerke. Es ist auf 140.0000 Einwohnerwerte ausgelegt und wurde im Jahr 1931 in Betrieb genommen. Ab 1956 gab es laufende Erweiterungen und Anpassungen zur Erhöhung der Reinigungsleistung. Heute ist das Klärwerk 1 eine zweistufige biologische Kläranlage (Belebung/Belebung) mit nachgeschaltetem Abwasserfilter.
- 1908: Planung einer zentralen Kläranlage für Nürnberg am Standort des heutigen Klärwerks 1 bei Doos. Das Projekt wird wegen der hohen Kosten nicht weiterverfolgt.
- 1917: In einer Planung für den Ausbau der Abwasserbeseitigung in Nürnberg wird erneut die Errichtung einer zentralen biologischen Kläranlage am Standort Doos vorgeschlagen.
- 1928: Baubeginn für die Zuleitungskanäle zur Kläranlage im Pegnitztal westlich der Nürnberger Altstadt. Begradigung der Pegnitz im Bereich der zukünftigen Kläranlage, Bau eines Hochwasserdammes.
- 1929: Baubeginn für die Kläranlage am Standort Doos. Sie erhält (ihrem Einzugsgebiet entsprechend) die Bezeichnung Kläranlage Nord.
- 1931: Fertigstellung der Kläranlage. Sie besteht aus Rechen, 4 Absetzbecken, 8 Zellenfaulbehältern sowie 5 Schlammtrockenbeeten mit einer Fläche von 3 000 Quadratmetern. Der Sandfang geht im Jahr 1932 in Betrieb.
- 1945 : Wegen Kriegsschäden muss die Kläranlage im April 1945 für 6 Monate außer Betrieb genommen werden.
- 1955 : Eine erste Belebungsanlage geht in Betrieb. Wegen betrieblicher Schwierigkeiten (Schaumentwicklung durch Waschmittel-Inhaltsstoffe) wird sie mit der Inbetriebnahme der zweiten Tropfkörpergruppe (1963) wieder stillgelegt und zu Absetzbecken umgebaut.
- 1956 : Vier Tropfkörper (Durchmesser 20 Meter) für die biologische Abwasserreinigung werden fertig gestellt. Acht Zellenfaulbehälter zur Schlammfaulung (als erster Bauabschnitt) gehen in Betrieb.
- 1960: Acht weitere Zellenfaulbehälter (als zweiter Bauabschnitt) gehen in Betrieb.
- 1962 : Die Kläranlage Nord wird umbenannt und heißt seitdem Klärwerk 1.
- 1963: Inbetriebnahme von vier weiteren Tropfkörpern (Durchmesser 30 Meter) und zwei Absetzbecken (Durchmesser 50 Meter).
- 1967: Fertigstellung des ersten großen Faulbehälters („Faulei“) mit 10.800 Kubikmetern Volumen.
- 1972: Die Schlammentwässerungsanlage geht in Betrieb. Sie war erforderlich, da die anfallenden Schlamm- Mengen nicht mehr in den Trockenbeeten bewältigt werden konnten.
- 1975: Die zweite biologische Stufe (Belebungsanlage) mit drei Absetzbecken (Durchmesser 70 Meter) geht in Betrieb.
- 1977 : Das zweite Faulei - baugleich mit dem ersten - wird fertig gestellt.
- 1978: Das dritte Faulei wird fertig gestellt.Vier weitere Tropfkörper (Durchmesser 36 Meter) und ein weiteres Absatzbecken (Durchmesser 50 Meter) gehen in Betrieb.
- 1984: Inbetriebnahme von vier weiteren rechteckigen Absetzbecken für den mechanischen Anlagenteil.
- 1989 : Die Belebungsanlage wird um zwei Belebungsbecken und ein viertes Absetzbecken (70 Meter) erweitert.Das vierte und das fünfte Faulei werden fertig gestellt.
- 1992: Die Schlammentwässerungsanlage hat nach 20 Betriebsjahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und wird stillgelegt.
- 1993: Der neue Einlaufbereich (Hebewerk, Rechenanlage, Sandfang) geht in Betrieb.
- 1994 : Inbetriebnahme des Abwasserfilters.Inbetriebnahme der neuen Schlammtrocknungsanlage als Nachfolge der 1992 stillgelegten Schlammentwässerungsanlage.
- 1995: Die Maßnahmen zur Stickstoffreduzierung (vorgeschaltete Denitrifikation in der zweiten biologischen Stufe) gehen in Betrieb.
- 1997: Das Verwaltungs- und Betriebsgebäude auf dem Gelände von Klärwerk 1 wird fertig gestellt.
- 2002 : Die Hochlastbelebungsanlage (als erste biologische Reinigungsstufe) geht in Betrieb. Sie ersetzt die bisherigen Tropfkörperanlagen.
- 2003: Das Blockheizkraftwerk geht in Betrieb. Dadurch wird eine nahezu vollständige Verwertung des Klärgases ermöglicht.
- 2005 : Das fünfte Nachklärbecken der zweiten biologischen Stufe geht in Betrieb.
(Quelle: Stadtentwässerung Nürnberg/Nürnberg online)
Lageplan/Luftbild des Klärwerks 1
Technik und Geschichte des Klärwerks 2
Das Klärwerk 2 ist das kleinere der beiden Nürnberger Großklärwerke. Es ist auf 230 000 Einwohnerwerte ausgelegt und ging unter der Bezeichnung Kläranlage Nürnberg Süd im Jahr 1913 in Betrieb. Das heutige Klärwerk 2 war damit die erste Großkläranlage in Bayern. Ab dem Jahr 1984 wurde die Anlage vollständig umgebaut. Heute ist das Klärwerk 2 eine zweistufige biologische Kläranlage (Belebung/Belebung) mit nachgeschaltetem Abwasserfilter
- 1910: Das städtische Bauamt entwirft eine Kläranlage an der Ausmündung des Südlichen Hauptsammlers in die Pegnitz. Sie erhält die Bezeichnung Kläranlage Süd.
- 1911: Baubeginn für die Kläranlage Süd.
- 1913: Inbetriebnahme der Kläranlage Süd. Sie besteht aus: Rechen, Sandfang, acht Emscherbrunnen (Durchmesser 8 Meter, Tiefe 10,7 Meter), einer nachgeschalteten "Absturzanlage" zur Belüftung des Abwassers sowie großflächigen Schlammtrockenbeeten (1 600 Quadratmeter).
- 1914 : Baubeginn für die Kläranlagenerweiterung. Der steigende Wasserverbrauch, der Anschluss des Gostenhofer Hauptsammlers sowie neu entstandene Bebauung im Einzugsgebiet machten eine Erweiterung der Anlage um zwölf Emscherbrunnen sowie eine Vergrößerung der Trockenbeete auf insgesamt 2 850 Quadratmeter erforderlich.
- 1915: Inbetriebnahme der Kläranlagenerweiterung.
- 1929: Fertigstellung der Anlagen zur Klärgasnutzung auf der Kläranlage Süd: Gasauffangung in der gesamten Kläranlage, Gasausgleichsbehälter, Rohrleitung zum städtischen Gaswerk.
- 1958: Einführung der biologischen Abwasserreinigung in Tropfkörpern: Es gehen vier Tropfkörper (Durchmesser 25 Meter) und zwei Absetzbecken (Durchmesser 35 Meter) in Betrieb.
- 1962 Die Kläranlage Süd wird umbenannt und heißt seitdem Klärwerk 2 (als das kleinere der beiden Klärwerke).
- 1980: Die Planungen für eine völlige Umgestaltung des Klärwerks beginnen.
- 1984: Abbruch der alten Kläranlage (bis auf das Zulaufbauwerk des Südlichen Hauptsammlers und die Tropfkörper mit den dazugehörigen Absetzbecken).
- 1987: Inbetriebnahme des Kläranlagen-Neubaus/erster Bauabschnitt. Er umfasst den Zulaufbereich (Hebewerk, Rechen, Sandfang) und die erste biologische Stufe (sauerstoffbegaste Belebungsanlage) mit den dazugehörigen beiden Absetzbecken (Durchmesser 44 Meter).
- 1990: Inbetriebnahme des Kläranlagen-Neubaus/zweiter Bauabschnitt. Er umfasst die zweite biologische Stufe (luftbegaste Belebungsanlage) mit den dazugehörigen Absetzbecken (Durchmesser 44 Meter).
- 1991: Inbetriebnahme des Kläranlagen-Neubaus/dritter Bauabschnitt (Abwasserfilter).
- 1994: Die Maßnahmen zur Stickstoffreduzierung (vorgeschaltete Denitrifikation in der zweiten biologischen Stufe) gehen in Betrieb.
- 2000: Baubeginn für ein drittes Absetzbecken der zweiten biologischen Stufe (luftbegaste Belebungsanlage).
- 2003: Inbetriebnahme des dritten Absetzbeckens.
(Quelle: Stadtentwässerung Nürnberg/Nürnberg online)
Literatur
Andre Fischer: Stadt beendet Cross-Border-Geschäft vorzeitig: 42,4 Millionen für den Haushalt. NZ vom 6. März 2010 - Artikel bei NZ online
Weblinks
- Homepage der Stadtentwässerung Nürnberg: Stadtentwässerung Nürnberg
