Klaus Gosmann

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Klaus Gosmann (* 1. September 1940 in Frankfurt/Oder) wurde in den 1960er-Jahren als der „Mittagsmörder“ bekannt. Er wuchs bis 1945 in Meseritz auf (Ostbrandenburg, heute Międzyrzecz). Sein Vater, ein Wehrmachtsoffizier, fiel an der Ostfront. Nach Vertreibung, Flucht und mehrjährigem Aufenthalt in einem bayerischen Flüchtlingslager siedelte die Familie 1949 nach Hersbruck über, wo Gosmann das Gymnasium besuchte.

Zwischen 1960 und 1965 fanden in Nürnberg, Leinburg, Ochenbruck und Neuhaus an der Pegnitz mehrere Raubüberfälle auf Sparkassenfilialen und Geschäfte statt, überwiegend in der Mittagszeit. Der Täter schoss dabei ohne jede Vorwarnung, wodurch insgesamt sieben Personen zu Tode kamen.[1]

Am 1. Juni 1965 gegen 17 Uhr versuchte Klaus Gosmann im C&A-Kaufhaus am Weißen Turm, einer Frau die Handtasche zu rauben. Auf der Flucht erschoss er den Hausmeister, der sich ihm in den Weg stellte, und verletzte zwei Kunden, einen davon schwer. Auf der Straße konnten ihn mehrere Passanten und zwei Polizisten überwältigen. Es kam gleich der Verdacht auf, dass Gosmann der lange gesuchte Mittagsmörder sein könnte.

Der Prozess fand im Juli 1967 unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Karl Kristl statt und erregte großes Aufsehen an der Öffentlichkeit. Gosmann wurde wegen fünf Mordfällen angeklagt. In zwei Fällen wurde auf die Anklage verzichtet, da Gosmann zur Tatzeit erst zwanzig Jahre alt war, weswegen nach dem Jugendstrafrecht lediglich eine Höchststrafe von zehn Jahren zulässig gewesen wäre. Am 27. Juli 1967 wurde Gosmann zu lebenslänglichem Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Seitdem sitzt er in der JVA Straubing.

Sämtliche Anträge Gosmanns auf Freilassung scheiterten bis 2010. Er ist der am längsten einsitzende Gefangene in Deutschland.[2] Nach Zeitungsberichten vom Februar und September 2012 soll Gosmann jedoch 2015 nach entsprechender Vorbereitung freikommen. Er wäre dann 75 Jahre alt und hätte 50 Jahre Haft verbüßt.[3][4]

Literatur

Artikel in der NZ

Einzelnachweise

  1. Nürnberger Nachrichten, 1. April 1963: Tod durchs Fenster
  2. Oberlandesgericht Nürnberg: „Mittagsmörder bleibt weiter in Haft“ (Beschluss vom 2. August 2010)
  3. Abendzeitung Nürnberg, 3. Februar 2012: Der Mittagsmörder kommt frei
  4. Nürnberger Nachrichten, 4. September 2012: Nürnberger Mittagsmörder kommt frühestens 2015 frei