Konrad Celtis

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Konrad Celtis


Konrad (Conrad) Celtis (* 1. Februar 1459 in Wipfeld am Main (heutiger Landkreis Schweinfurt), † 4. Februar 1508 in Wien) war ein deutscher Humanist, Dichter und Universalgelehrter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er war Sohn eines Winzers mit Familiennamen Bickel (auch Pyckell). Nach dem Besuch der Lateinschule in Schweinfurt ging er nach Köln, wo er sich an der Universität mit dem latinisierten Namen Conradus Celtis (von dem altem Wort „celt“ oder „Kelt“ für eine Art Pickel) immatrikulierte und 1479 das Baccalaureat erwarb. 1484/85 studierte er bei dem Humanisten Rudolf Agricola an der Universität Heidelberg, lernte dort Griechisch und Hebräisch und schloss sein Studium mit dem Titel Magister Artium ab. Seinem Namen fügte er den zweiten, griechischen Beiname Protucius (von griech. πρό = vor und τύκος = Steinbeil oder Meißel, also „Vormeißler“) hinzu.

In der Folge lehrte er Poetik in Erfurt, Leipzig und Rostock. Am 18. April 1487 wurde er in Nürnberg von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher in antiker Manier zum „poeta laureatus“ mit dem Lorbeer gekrönt. Eine Italienreise 1487-89 führte ihn in fast alle berühmten dortigen Universitätsstädte und mit führenden Gelehrten, wie etwa Marsilio Ficino in Florenz, zusammen. Dort erfuhr er, wie sich Gelehrte im Rückbezug auf den griechischen Philosophen Plato (428/27 - 348/47) zu einer „Akademie“ zusammengefunden hatten. Bei einer Reise über Ungarn nach Krakau griff er diese Idee mit der „Sodalitas Vistulana“ als erster von ihm gegründeten wissenschaftlich-gelehrten Gesellschaften (weitere folgten).

Nach einem weiteren Aufenthalt in Nürnberg bekleidete Celtis 1491/92 eine Professur für Poetik und Rhetorik an der Univesität Ingolstadt, ehe er 1492 Leiter der Domschule in Regensburg wurde. In der Bibliothek der dortigen Benediktinerabtei St. Emmeram entdeckte er eine lateinische Handschrift der Werke der Roswitha (Hrotsvit) von Gandersheim, die er 1501 in Nürnberg veröffentlichte.

Unbekannt wo, fand Celtis eine im 11./12. Jahrhundert entstandene Kopie einer antiken römischen Straßenkarte. Er überließ sie 1507 seinem Freund Konrad Peutinger in Augsburg. Das Original der später so genannten Tabula Peutingeriana befindet sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, und wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

1497 berief Kaiser Maximilian I. Celtis nach Wien, wo er sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte. Er erhielt eine Professur für Poetik und Rhetorik an der Universität und gründete das Collegium poetarum et mathematicorum.

Albrecht Dürer setzte dem Gelehrten ein Denkmal, indem er ihn neben seinem Selbstbildnis im Zentrum des Gemäldes „Die Marter der zehntausend Christen“, (1508; Wien, Kunsthistorisches Museum) porträtierte.

Ehrungen

  • Nürnberg: Celtisplatz, Celtisstraße und Celtisunterführung in den Stadtteilen Galgenhof und Tafelhof.
  • Wipfeld: Conrad-Celtis-Straße und Celtis-Rundweg (Führungslinie durch den historischen Ortskern).

Werke (in Auswahl)

Von eigenen Schriften und Dichtungen erschienen zu Celtis Lebzeiten:

  • Über die Dichtkunst: Ars versificandi et carminum, Leipzig, ca. 1494.
  • Vier Bücher über die Liebe (Amores): Quatuor Libri Amorum Secundum Quatuor Latera Germaniae, Nürnberg 1502 (mit 12 Holzschnitten, davon zwei von Albrecht Dürer [1]
  • Seit Erscheinen der Weltchronik von Hartmann Schedel 1493 und unter Bezug auf die Germania des römischen Schriftstellers P. Cornelius Tacitus plante Celtis eine breit angelegte, lateinische Darstellung Deutschlands (Germania illustrata), die er aber nie vollendete. Die darin enthaltene Würdigung Nürnbergs übergab er als Handschrift 1495 dem Rat der Reichsstadt. Sie erschien 1502 unter dem Titel De origine, situ, moribus et institutis Norimbergae libellus.
  • Deutsche Ausgabe: Norimberga. Ein Büchlein über Ursprung, Lage, Einrichtungen und Gesittung Nürnbergs, vollendet um das Jahr 1500, gedruckt vorgelegt 1502, aus dem Lateinischen erstmals in modernes Deutsch übersetzt und erläutert von Gerhard Fink, Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 2000.

Celtis als Herausgeber:

  • Hrotsvit (Roswitha von Gandersheim): Werke: Opera Hrosvite Illustris Virginis..., Nürnberg 1501 (mit 8 Holzschnitten, davon zwei von Dürer[2]).

Literatur

  • Ernst Borkowsky: Gestalten aus der deutschen Vergangenheit. Erste Reihe: Aus der Zeit des Humanismus. Mit elf Porträts: Dürer, Sachs, Pirckheimer, Holbein d. Ä., Erasmus, Riemenschneider, Celtis u.a. Jena: Verlag Eugen Diederichs, 1905, 241 S.
  • Friedrich von Bezold: Konrad Celtis, der deutsche Erzhumanist. Photomechanischer Nachdruck. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1959, 81 S.
  • Michael Seidlmayer, Konrad Celtis, in: Unbekanntes Bayern, Bd. 7: Land der Franken, München: Süddeutscher Verlag 1962, S. 128-141.
  • Franz Machilek: Konrad Celtis und die Gelehrtensodalitäten, insbesondere in Ostmitteleuropa. In: Winfried Eberhard und Alfred A. Strnad (Hrsg.): Humanismus und Renaissance in Ostmitteleuropa vor der Reformation. Köln; Weimar; Wien: Böhlau, 1996, VIII, 342 S., ISBN 3-412-16495-X (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands; Band 28), S. 137-155
  • Martin Stolzenau: Visionärer Vordenker mit weitreichender Wirkung. «Erzhumanist« Konrad Celtis starb vor 500 Jahren - Krönung zum Dichter durch Kaiser Friedrich III. in Nürnberg. In: Nürnberger Nachrichten vom 5. Februar 2008 - NN
  • Petra Sorge: Dichterfürst und heißer Liebhaber. Geburtstag des Nürnberger Humanisten Conrad Celtis jährt sich zum 550. Mal. In: Nürnberger Nachrichten vom 31. Januar 2009, S. 13

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Albrecht Dürer. Das druckgraphische Werk, Bd. III: Buchillustrationen, München; Berlin; London; New Yorl: Prestel, 2004, S. 136 ff.
  2. Ebd., S. 130 ff.