Ludwig-Donau-Main-Kanal

Aus Franken-Wiki

Share/Save/Bookmark

1.9/5 (23 Stimmen)

Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen der Donau bei Kelheim und dem Main bei Bamberg wurde unter König Ludwig I. von Bayern 1846 vollendet.
Ludwig-Donau-Main-Kanal.jpg

Er diente im 19. und 20. Jahrhundert als ein 172,4 km langer Verkehrs- und Handelsweg. Er wurde auch Ludwigskanal oder Alter Kanal genannt.

Heute ist er ein beachtliches Technik-Bodendenkmal. Zwischen Beilngries und Nürnberg ist der Kanal im historischen Umfang/Verlauf und mit einigen Funktionen noch recht weitgehend erhalten. Nachfolger des 1950 aufgelassenen Kanals ist in seiner Funktion die 1960 bis 1992 errichtete Bundeswasserstraße Main-Donau-Kanal. Über die Auswirkungen für Landschaft und Wirtschaft ist an anderer Stelle zu berichten.

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte

Schleuse am alten Ludwig-Donau-Main-Kanal an der Kleingartenkolonie Königshof
©: Harald Sippel/NZ
  • Stadtlexikon Nürnberg Der folgende Abschnitt stammt aus dem von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres herausgegebenen Stadtlexikon des Stadtarchivs Nürnberg, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht bearbeitbar. Weitere Abschnitte zu diesem Thema sind aber durchaus erwünscht.

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal wird häufig noch mit den Namen „Der Alte Kanal“ oder Ludwigskanal bezeichnet.

Die Ströme Rhein und Donau zu verbinden, hatte erstmals Karl der Große (768-814) versucht, indem er bei Treuchtlingen zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl einen Kanal graben ließ. Im 17./18. Jahrhundert wurde dieser Gedanke in einer schriftlichen Ausarbeitung von Georg Zacharias Haas mit dem Titel „De Danubii et Rheni coniunctione“ erneut aufgegriffen. Die Umsetzung des Projekts scheiterte an der Unvereinbarkeit der Interessen der Landesherren. Ludwig I. (1825-48) beauftragte 1825 den Chef der Obersten Baubehörde, Heinrich Freiherr von Pechmann, Entwürfe für einen Kanalbau auszuarbeiten. Fünf Jahre später legte Pechmann einen Planungsentwurf für den Ludwig-Donau-Main-Kanal und eine Kostenaufstellung über 8,53 Mio. Gulden vor.
1834 begannen an verschiedenen Streckenabschnitten die Erdarbeiten. Insgesamt 9.000 Arbeiter, unter ihnen viele italienische „Gastarbeiter“, waren ab 1836 damit beschäftigt, zwischen Dietfurt an der Altmühl und Bamberg eine 15,80m breite und 1,50m tiefe Rinne auszuheben bzw. abzudämmen (z.B. Distellochdamm). Im Jahr 1843 war die Teilstrecke Nürnberg-Bamberg, 1846 der Ludwig-Donau-Main-Kanal in seiner gesamten Ausdehnung von 177km fertiggestellt. Die Baukosten betrugen mit insgesamt 17,4 Mio. Gulden mehr als das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Summe.
Die wirtschaftspolitischen Impulse des Kanals und seines Nürnberger Hafens an der Rothenburger Straße blieben jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, da die Eisenbahn als Transportmittel vorgezogen wurde. Zudem konnten auf dem Kanal nur eigens dafür konstruierte 120-Tonnen-Schiffe verkehren, die überdies noch 100 Schleusen zu passieren hatten. Dementsprechend sank das Frachtaufkommen des Kanals im Lauf der Zeit zusehends: Von 196.000t 1850 auf 32.000t im Jahr 1915. Diese Entwicklung führte im Jahr 1892 zur Gründung des heutigen Deutschen Wasserstraßen- und Schiffahrtsverein Rhein-Main-Donau e.V. unter dem Vorsitz des Nürnberger Oberbürgermeister Ritter von Schuh. Pläne für ein neues Kanalprojekt wurden 1917 im bayerischen Landtag diskutiert und 1921 in einem Staatsvertrag zwischen Bayern und dem Deutschen Reich zumindest formell beschlossen. Die Realisierung, der Bau des Main-Donau-Kanals, ließ jedoch noch einige Zeit auf sich warten.
Autor: Dr. Maritta Hein-Kremer

Quellen:
Stadtlexikon Nürnberg

Literatur:

Lehnert W., 1200 Jahre Kanalbau in Franken, in: Weiger, H. (Hrsg.), Der Rhein-Main-Donau-Kanal, Nürnberg 1983.
Schnabel L./Keller W. E., Vom Main zur Donau. 1200 Jahre Kanalbau in Bayern, Bamberg 1984.
Keller W. E., Karlsgraben, Treuchtlingen 1993.

Zitat

„Die Geschichte des Ludwig-Donau-Main-Kanals ist mehr als nur die Betrachtung eines lokalen Objektes. Der Bau der drei (!) Kanäle (Fossa Carolina, Ludwig-Donau-Main-Kanal, Main-Donau-Kanal) war und ist immer in das Geschehen der bayerischen, der deutschen, ja der europäischen Geschichte und Kultur eingebettet. Und die Kanäle waren und sind immer ein Teil der zur Verfügung stehenden Verkehrssysteme und Handelswege.“ Hans Grüner

Staustufen, Verlauf

Im weiteren Sinne war der Kanal Teil einer schiffbaren Verbindung zwischen der Nordsee bei Rotterdam und dem Schwarzen Meer bei Constanța. Von den einst 100 Schleusen in den Flüssen Altmühl und Regnitz sind zwischen Beilngries und Nürnberg noch viele eindeutig lokalisierbar und mit einigen Funktionen erhalten: Weltenburg / Kelheim, Alt-Essing, Neu-Essing, Burg Randeck, Schloss Prunn, Riedenburg, Untereggersberg, Obereggersberg, Altmühlmünster, Mühlbach, Griesstetten, Dietfurt, Beilngries, Plankstetten, Berching, Neumarkt, Berg, Gnadenberg, Burgthann, Röthenbach, Wendelstein, Gugelhammer, Worzeldorf, Nürnberg, Fürth, Erlangen-Eltersdorf, Erlangen-Bruck, Erlangen, Möhrendorf, Baiersdorf, Hausen, Forchheim, Eggolsheim, Hirschaid nach Bamberg.

An der Bamberger Schleuse 100 hatte die Wasserstraße am so genannten Nonnengraben das Niveau der schiffbaren Regnitz erreicht.


Die alten Kanalhäfen von Kelheim, Beilngries, Neumarkt in der Oberpfalz, Worzeldorf und Bamberg existieren heute noch. Lagerhallen, Schleusenwärterhaus, Hafenbecken, Schleusen und Ladekräne sind weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben.

Weitere Häfen befanden sich in Fürth, Erlangen und Forchheim.

Schleuse 1 - 25

  • Kelheim - MÜHLHAUSEN

Landschaftlich schöne Strecke. Kanal in der Altmühl – nur noch 3 Schleusen.

Länge 24km, 3 Schleusen

Ein paar Kilometer vor Berching beginnt der noch heute wasserführende Teil des alten Kanals.

Länge 29 km, 7 Schleusen

Verläuft zum größten Teil wasserführend.

Länge 21 km, 9 Schleusen

Schleuse 26 - 50

  • MÜHLHAUSEN - SCHWARZENBRUCK

Schleuse 51 - 75

  • - NÜRNBERG

Schleuse 76 - 100

  • Sandreuth (heute: an der Sandreuthstraße)
  • .....
  • Flussmeisterstelle Bamberg, 99

Vor Erreichen der Altstadt Bambergs teilt sich die Regnitz an der "Buger Spitze" in einen linken und rechten Arm. Vermutlich wurde der linke Arm bereits im 15. Jahrhundert angelegt, um die zahlreichen Mühlen der Stadt mit einer konstanten Wassermenge zu versorgen. Überschüssiges Wasser konnte (bei Hochwasser) in den rechten Arm abgeleitet werden. Eine weitere Ableitung bestand im linken Arm bei der Mühle Walkspund, wo Überlaufwasser in den Nonnengraben geführt werden konnte.

  • Schleuse Nr. 100, an der Concordia, Bamberg

Wasserwirtschaft, Scheitelhaltung

In Rübleinshof bei Burgthann befindet sich bei 417 m über NN Höhe die Scheitelhaltung, also der höchste Punkt, des Kanals.

Schleusenwärter, Leben am Kanal

....

Museum

Seit 1995 befindet sich im Südflügel der Burg Burgthann das Bayerische Ludwig-Donau-Main-Kanal-Museum.

Öffnungszeiten
April bis Oktober: jeden 1. und 3. Sonntag im Monat
November bis März: jeden 1. Sonntag im Monat
jeweils von 13:30 Uhr bis 16:30 Uhr
(Gruppen auch nach Vereinbarung)
Führungen
Ingeborg Herrmann, Tel.: 09187 41805


Zwei noch regelmäßig auf dem Kanal verkehrenden Schiffe sind die Treidelschiffe der Wasserwirtschaftsämter Nürnberg und Regensburg, die in den Frühjahrs- und Sommermonaten kurze Fahrten für Touristen anbieten.

  • die Elfriede verkehrt in einem Abschnitt der Scheitelhaltung bei Schwarzenbach,
  • die Alma-Viktoria in den Haltungen der Schleusen 24 und 25 bei Mühlhausen.
  • Außerdem: Donau-Schiffahrts-Museums Regensburg
Thundorfer Straße, 93047 Regensburg, Tel.: 0941 507-5888, E-Mail: kontakt@dsmr.de
www.dsmr.de, AK Schiffahrts-Museum e.V.

Medien

Am 14. Januar 1982 hatte der Kabarettist Dieter Hildebrandt eine Folge seiner Fernsehsendung Scheibenwischer dem Donau-Kanal-Projekt gewidmet und für einen Medienskandal gesorgt. Gemeinsam mit seinen Kollegen Gerhard Polt und Gisela Schneeberger persiflierte Hildebrandt den „Alfons-Goppel-Prestige-Tümpel“, der die heimische Fauna ausmerze, dafür aber „Kanalratten neuen Lebensraum und Tierpräparatoren sichere Arbeitsplätze bringe“. Die seit über einem halben Jahrhundert geplante Wasserstraße durchschneide wohl ein „lästiges Erholungsgebiet“, aber schließlich könnten ja auch nur „völlig intakte Landschaften diesen Kanal überstehen“. Die bayerische Staatsregierung protestierte daraufhin beim Sender Freies Berlin wegen angeblicher Unterstellungen und eines „bayernfeindlichen Programms“.

Siehe auch

Main-Donau-Kanal

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern. Band 1: Franken. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1999, ISBN 3-422-03051-4, S. 592f
  • M. Eckoldt (Hrsg.), Flüsse und Kanäle, Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen, Seite 458-461, DSV-Verlag 1998
  • Keller W. E., Karlsgraben, Treuchtlingen 1993 (historisches Vorgängerbauwerk)
  • Lehnert W., 1200 Jahre Kanalbau in Franken, in: Weiger, H. (Hrsg.), Der Rhein-Main-Donau-Kanal, Nürnberg 1983.
  • Herbert Liedel, Helmut Dollhopf: Der alte Kanal damals und heute. Ludwig-Donau-Main-Kanal. Stürtz Verlag, Würzburg 1981, ISBN 3-8003-0154-7.
  • Herbert Liedel, Helmut Dollhopf: 150 Jahre Alter Kanal. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 1996. ISBN 3-921590-41-8
  • Ludwig-Donau-Main-Kanal. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 980..
  • Schnabel L., Keller W. E., Vom Main zur Donau. 1200 Jahre Kanalbau in Bayern, Bamberg 1984.

Karten

  • Bayerisches Landesvermessungsamt: Umgebungskarte - Topographische Karten Bayern. Naturpark Altmühltal, Östlicher Teil - Parsberg, Riedenburg, Mainburg, Regensburg-West, Kelheim. Altmühl-Panoramaweg, Jakobsweg, Juraweg. Mit Wanderwegen u. Radwanderwegen. UTM-Gitter f. GPS. Die Karte des Naturparks Altmühltal. 1: 50.000. ISBN 3-86038-422-8
  • Bayerisches Landesvermessungsamt: Topographische Karte 1: 25.000 (TK 25) (in der Reihenfolge des Streckenverlaufs von Kelheim nach Bamberg):
    • 7037 Kelheim, 7036 Riedenburg, 7035 Schamhaupten, 6935 Dietfurt a.d. Altmühl, 6934 Beilngries, 6834 Berching, 6734 Neumarkt i.d.OPf., 6634 Altdorf b. Nürnberg, 6633 Feucht, 6632 Schwabach, 6532 Nürnberg, 6531 Fürth, 6431 Herzogenaurach, 6331 Röttenbach, 6332 Erlangen Nord, 6232 Forchheim, 6132 Buttenheim, 6131 Bamberg Süd, 6031 Bamberg Nord.

Weblinks