Ludwig Feuerbach

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Ludwig Feuerbach


Ludwig Andreas Feuerbach (* 28. Juli 1804, † 13. September 1872) war ein deutscher Philosoph und Religionskritiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Feuerbachs Grab

Ludwig Feuerbachs Vater war der Rechtsgelehrte Paul Johann Anselm von Feuerbach (1775–1833). Ludwig besuchte erst die Schule in München, dann in Bamberg. Nach der Trennung der Eltern folgte er dem Vater nach Ansbach, wo er das Gymnasium besuchte. Schon dort zeigte er sich stark an der Theologie interessiert und begann 1823 in Heidelberg ein Theologiestudium.

1824 ging er nach Berlin, in erster Linie, um dort sämtliche Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel zu hören. Eine weitere Station seines Studiums war Erlangen, wo er sich für die Fächer Botanik, Anatomie und Physiologie einschrieb und seine Dissertation mit dem Titel: "Über die Unendlichkeit, Einheit und Allgemeinheit der Vernunft" verfasste. Nach der Habilitation arbeite er in Erlangen zuerst als Privatdozent.

Eine Schrift mit dem Titel „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ setzte Feuerbachs akademischer Karriere ein abruptes Ende. Sie wurde wegen religionskritischer Äußerungen (etwa der Kritik an Religionen mit Jenseitsvorstellungen) sofort verboten, gegen den anonymen Verfasser wurden Ermittlungen eingeleitet.

Ludwig Feuerbach heiratete 1837 Bertha Löw, die Mitbesitzerin einer Porzellanfabrik und sie zogen nach Bruckberg bei Ansbach. Hier arbeitete er an seinen Werken „Das Wesen des Christentums“, „Grundsätze der Philosophie der Zukunft“ und „Das Wesen der Religion“. Die 1848-er Revolution und ihre Unterdrückung bewirkten, dass sich Feuerbach aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Im Jahr 1860 übersiedelte er nach Nürnberg. Nach mehreren Schlaganfällen waren seine geistigen Fähigkeiten stark in Mitleidenschaft gezogen. 1872 starb er an einer Lungenentzündung. Sein Grab befindet sich auf dem Johannisfriedhof Nürnberg.

Feuerbachs Philosophie und Religionskritik

Ludwig Feuerbach wandte sich von der klassischen Philosophie ab und entwickelte eine neue Denkweise, die zu einem anthropologischen Materialismus führt. Ausgangspunkt seiner philosophischen Betrachtungen ist nicht ein absolutes Wesen, sondern der sinnliche Mensch mit seinen Vorzügen und Nachteilen. Eine Gottheit hingegen verkörpere menschliche Empfindungen wie Glück und Vollkommenheit. Die These Feuerbachs lautet „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“. Gott ist daher eine reine Projektion des Menschen und damit ist auch die Religion eine Illusion. Für Feuerbach ist demnach der Mensch selbst das höchste Wesen. Aufgabe des Menschen sei es, das Dasein vernünftig und humanistisch zu gestalten. Diese philosophischen Anschauungen hat Feuerbach am präzisesten im Werk „Das Wesen des Christentums“ dargelegt.

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Wirkung

Feuerbachs Werke beeinflussten etwa Karl Marx und Friedrich Engels sowie Friedrich Nietzsche. Er stellte dem deutschen Idealismus eine materiell untermauerte Philosphie entgegen, dokumentiert etwa an dem Ausspruch "Der Mensch ist, was er isst". Allgemein wird Feuerbach als wichtiges Bindeglied zwischen Hegel und Marx angesehen.

Feuerbachs Denkmal in Nürnberg

Die umstrittenen Ansichten Feuerbachs sorgten auch noch lange nach dessen Tod für heftige Diskussionen. Dies wird u.a. in den vielen gescheiterten Versuchen dokumentiert, dem Religionskritiker in Nürnberg ein Denkmal zu setzen. Zum 100. Geburtstag war ein Denkmal geplant, am Ende kam aber nur eine Gedenktafel heraus. Sein ehemaliges Wohnhaus, an dem sie angebracht wurde, ist zudem zwölf Jahre später abgerissen worden. 1930 starteten Oberbürgermeister Hermann Luppe und andere Initiatoren einen zweiten Versuch. Konservative und kirchliche Kreise opponierten dagegen heftig. Das Denkmal konnte zwar gegen den Widerstand erbaut werden, fiel dann aber den Nationalsozialisten zum Opfer. Nach dem Krieg sorgten die Pläne, das wieder gefundene Denkmal an seinem alten Platz zu errichten, erneut für heftige Proteste. Zeitweilig musste die Gedenkstelle sogar unter Polizeischutz gestellt werden.

Philosophenweg in Nürnberg

Zum 200. Geburtstag wurde Feuerbach zu Ehren der Philosophenweg nahe der Regiomontanus-Sternwarte eingeweiht und Stelen mit prägnanten Zitaten von Feuerbach enthüllt. Der Pfad führt vorbei an dem Denkmal, das von den Nationalsozialisten entfernt und 1955 wieder aufgebaut wurde. Die Inschrift des Denkmals lautet: „Dem Freidenker Ludwig Feuerbach zum Gedächtnis 1804 – 1872“. Die Worte des Philosophen „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“ und „Tue das Gute um des Menschen Willen“ stehen auf der Längsseite. Auch ein Gedenkstein mit der Tafel von Fritz Zadow, die zu Feuerbachs 100. Geburtstag an seinem Wohnhaus am Fuße des Rechenbergs angebracht und am 11. April 1999 an ähnlicher Stelle neu aufgestellt wurde, steht am Wegrand. Sowohl der Weg als auch die Monumente erinnern an den zwölfjährigen Aufenthalt des Philosophen in Nürnberg.


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Diaschau zum Philosophenweg

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Literatur

  • Literaturabfrage zum Stichwort "Ludwig Feuerbach" beim Bibliotheksverbund Bayern
  • Blasphemie in Stein - Spiegel-Artikel von 1955 zum Denkmalsstreit
  • Biedermann, Georg: Der anthropologische Materialismus Ludwig Feuerbachs. Höhepunkt und Abschluss der klassischen deutschen Philosophie, Neustadt am Rübenberge, 2004.
  • Biedermann, Georg: Zum Begriff des Atheismus bei Ludwig Feuerbach, Neustadt, 1998.
  • Deutscher Freidenker-Verband (Hg.): „Ein besseres Leben – nicht glauben, sondern schaffen!“ Ludwig Feuerbach – Vorkämpfer, Denker, Diener der Wahrheit, Offenbach, 2006.
  • Mueller, Volker (Hg.): Ludwig Feuerbach. Religionskritik und Geistesfreiheit, Neustadt am Rübenberge, 2004.
  • Kröner, Alfred: Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. Die Familie Feuerbach in Franken, In: Batz, Georg (Hg.): Aufklärung und Kritik, Sonderheft 6/2002.Magisterarbeit


Siehe auch

Weblinks