Luitpoldarena

Aus Franken-Wiki

Share/Save/Bookmark

2.3/5 (14 Stimmen)

Wechseln zu: Navigation, Suche
  • Stadtlexikon Nürnberg Der folgende Abschnitt stammt aus dem von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres herausgegebenen Stadtlexikon des Stadtarchivs Nürnberg, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht bearbeitbar. Weitere Abschnitte zu diesem Thema sind aber durchaus erwünscht.

Die Tribünenanlage (Luitpoldarena) entstand auf Anweisung Adolf Hitlers im wesentlichen zwischen 1933 und 1935 auf dem Gelände der ehemaligen Bayerischen Landes-Gewerbe-Industrie- und Kunstausstellung von 1906. Das Areal - in den 1920er Jahren als Park angelegt - ist von den Nationalsozialisten schon bei ihren Reichsparteitagen 1927 und 1929 als Versammlungsort einbezogen worden. Nach dem Ausbau zu Beginn der NS-Herrschaft bot die Luitpoldarena bis zu 150.000 Teilnehmern und auf dem Tribünenrechteck 50.000 Zuschauern Platz. Auf der westlichen Längsseite lag in einem Halbrund die Ehrentribüne mit einer Rednerkanzel für den „Führer“. Dahinter hingen drei große Hakenkreuzfahnen (24 x 6 m). Zwei 7m hohe Reichsadler aus Bronze von Kurt Schmid-Ehmen schlossen die Tribüne für Ehrengäste an den beiden Seiten ab. Die ganze Anlage war ausgerichtet auf das der Ehrentribüne gegenüberliegende Gefallenendenkmal (Ehrenhalle). Die Nationalsozialisten bezogen das Bauwerk in ihren während der Parteitage besonders gepflegten Totenkult um die „Märtyrer der Bewegung“ mit ein. Die Luitpoldarena diente als Aufmarschgelände für SA und SS. Zentrale Elemente beim Appell der „braunen Armee“ waren zum einen die „Weihe“ neuer Fahnen und Standarten durch Hitler, die der „Führer“ mit der als Heiligtum verehrten „Blutfahne“ - jener Fahne, die beim gescheiterten Putsch 1923 mitgeführt worden war - in einem pseudosakralen Akt vornahm. Zum anderen wurde stets das Totenritual als Höhepunkt der Feier inszeniert. Dabei schritt Hitler - nur begleitet vom Reichsführer SS Heinrich Himmler und SA-Stabschef Viktor Lutze - von der Rednertribüne über die zentrale Achse der Anlage, einem 240m langen und 18m breiten, mit Granitplatten belegten Weg bis zum Gefallenendenkmal, um dort den Toten des Kriegs und vor allem der „Bewegung“ die Ehre zu erweisen. 1959/60 wurden alle Bauten der NS-Zeit in dem zum heutigen Luitpoldhain umgestalteten Gelände abgetragen. Im Areal ist das Halbrund der Terrassen der Ehrentribüne noch zu erkennen (Reichsparteitagsgelände).
Autor: Dr. Siegfried Zelnhefer

Quellen:
Stadtlexikon Nürnberg

Literatur:

Centrum Industriekultur (Hrsg.), Kulissen der Gewalt, München 1992.
Geschichte für Alle (Hrsg.), Geländebegehung. Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, Nürnberg 1994.