Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

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Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist eines der schönsten Barocktheater Europas. Seit Juni 2012 zählt es zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth mit der Büste Wilhelmines. Foto/© DHB

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Theater zeugt noch heute vom Leben und Wirken der Markgräfin Wilhelmine. Die preußische Prinzessin, Kunstliebhaberin und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen wollte im 18. Jahrhundert aus der Residenzstadt Bayreuth eine strahlende Kulturmetropole machen. Ihr Lieblingsprojekt und zugleich prächtigster Spielort war das Markgräfliche Opernhaus. Das Opernhaus war vor einigen Jahren auch Filmkulisse in dem Film über den Kastraten "Farinelli". Außerdem war es im Jahr 2010 auf dem besten Weg, als deutscher Vorschlag als Unesco-Weltkulturerbe ins Rennen geschickt zu werden, fiel allerdings bei der entscheidenden Kultusministerkonferenz überraschend durch.

In nur vier Jahren Bauzeit wurde das Theater 1748 fertiggestellt - für das Gebäude war Joseph Saint-Pierre zuständig, die Innenausbauten planten Giuseppe und Carlo Galli-Bibiena. Zu seiner Zeit war es in Größe und Prachtfülle nur vergleichbar mit Häusern in Wien, Dresden, Paris oder Venedig. Das Opernhaus ist ein ganz aus Holz gefertigtes Logentheater. Die drei Logen sind den drei Ständen der Gesellschaft zugeordnet. Allerdings wurde die Fürstenloge fast nie vom Markgrafenpaar genutzt. Stattdessen stellte man für die Fürsten meist goldene Sessel in die Mitte der ersten Reihe.

Das Opernhaus wurde anlässlich der Vermählung der Tochter des Markgrafenpaares - Wilhelmine und Friedrich von Brandenburg-Bayreuth -Elisabeth Frederike Sophie mit dem Württemberger Herzog Carl Eugen eingeweiht.

Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth (* 3. Juli 1709 in Potsdam; † 14. Oktober 1758 in Bayreuth), eine Schwester Friedrichs des Großen, verstarb wenige Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerkes. Sie war eine begabte Komponistin und viele ihrer kleinen Opern und Singspiele wurden hier aufgeführt. Mit ihrem Tod hörte auch im Theater der Spielbetrieb auf. Historiker sehen in dieser Tatsache einen Grund dafür, dass dieses hölzerne Opernhaus nicht wie die anderen seiner Zeit einem Feuer zum Opfer fiel. Es wurden dort kaum noch Kerzen oder Lichter entzündet, die einen Brand hätten verursachen können.

Heute bietet die Bühne den stimmungsvollen Rahmen für eine ganze Reihe hochkarätiger Konzertreihen, darunter das Osterfestival, die alljährlich stattfindende Fränkische Festwoche sowie das Festival Bayreuther Barock. Eine Licht- und Toninszenierung informiert vor Ort über das Opernhaus sowie über Kultur und Geschichte der Markgrafschaft.

Entwicklung und Bau

Die Pläne für die Fassade stammen von dem Bayreuther Hofarchitekten Joseph Saint-Pierre, die Innenausstattung schuf der Kaiserliche Hofarchitekt Giuseppe Galli-Bibiena, von März bis September 1748. Auch sein Sohn Carlo war daran beteiligt. Außerdem werden folgende Künstler und Kunsthandwerker genannt: Hofmaler Wilhelm Wunder, Johann Christian Drechsler für die Leuchter und Johann Nikolaus Grüner für die Vergoldungen. Benjamin Müller aus Dresden schuf das Deckengemälde "Apollo und die neun Musen". In den Rundbildern der Deckenrahmung findet man mythologische Szenen aus den Metamorphosen Ovids.

Über dem Bühnenportal ist das Markgräfliche Wappen und die Königskrone, die von der Markgräfin als preußische Königstochter geführt wurde. Der Zuschauerraum ist vollständig aus Holz. Die reichen Holzschnitzereien sind vergoldet. Von besonderer Schönheit ist die farbige Erscheinung des Innenraumes, den man sich im lebendigen Licht der Kerzen vorstellen muss. Der Zuschauerraum ist mit den schweren Formen des italienischen Spätbarocks ausgestattet. Er folgte dem Typus des italienischen Logentheaters. Eine Neuerung im damaligen Theaterbau war die Wandelhalle, die sich vor dem Zuschauerraum befindet. Diese schlichte und einfache Wandelhalle steht im beabsichtigten Kontrast zu dem Reichtum des Zuschauerraums. Das Markgräfliche Opernhaus, das bis weit in das 19. Jahrhundert hinein eines der größten Bühnenhäuser Europas besaß, stellte einen Höhepunkt und den Abschluss der Entwicklung des barocken Theaterbaus dar.


Einteilung

Von den modernen Theatern unterscheidet sich das Opernhaus dadurch, dass der Zuschauerraum auch als höfischer Festraum für Konzerte, Bälle und höfische Feste diente. Die Bühne und das Proszenium bilden mit dem Zuschauerraum eine Einheit. Von den Trompeterlogen, die als kleine Nebenbühnen dienten, verkündeten Posaunenbläser den Einzug der Fürstlichkeiten und den Beginn der Spiele. Auf dem unteren Rang nahmen nach Einzug der Fürstlichkeiten die Pagen Aufstellung. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum modernen Theater ist, dass der Zuschauerraum während der Spiele nicht verdunkelt, sondern von zahlreichen Kerzen beleuchtet war. Auch das sichtbar musizierende Orchester gehörte zum festlichen Gesamtbild.

Restaurierung

Das Ziel der geplanten Maßnahmen am Logenhaus des Markgräflichen Opernhauses ist die Erhaltung und dauerhafte Pflege des einzigartigen Festraumes mit seiner Malerei aus dem 18. Jahrhundert unter maßgebender Berücksichtigung seiner 260-jährigen Geschichte. Die restauratorischen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erhaltung der Malerei ohne die Abnahme der Übermalungen und "historischen" Konservierungsmaterialien nicht möglich ist. Hinzu kommt die inzwischen sichere Kenntnis, das große Flächen der Malerei von 1748 unter den groben Überarbeitungen gut erhalten sind. Mit der Abnahme der Überarbeitungen werden der Charakter und die Qualität der phantastischen Raumillusion des 18. Jahrhunderts wieder deutlich zum Tragen kommen. Die plastischen Formen der Architekturillusion und die weitgehende Annäherung an die ursprüngliche, wenn auch gealterte Raumfarbigkeit, sind damit wieder zu gewinnen. Nach der Konservierung und der Abnahme aller Überarbeitungen des 20. Jahrhunderts tritt im Wesentlichen der Zustand zutage, den das Logenhaus 1935 nach knapp 200 Jahren Theaternutzung hatte. Neben der künstlerischen Qualität wird damit wieder eine lebendige Theateratmosphäre spürbar. Erst im Verlauf der Maßnahmen wird sich zeigen, mit welchem Maß minimale Ergänzungen und Retuschen erforderlich werden, um einerseits einen geschlossenen und gepflegten Raumeindruck zu vermitteln, andererseits den Charme und den Nutzungscharakter unverändert zu erhalten.


Weltkulturerbestreit

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wurde 2012 vom UNESCO-Welterbekomitee in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. Bereits im Jahr 2010 war das Markgräfliche Opernhaus auf dem besten Weg, neben der Altstadt Bamberg als zweiter oberfränkischer Ort in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Allerdings entschied sich die deutsche Kultusministerkonferenz damals in einer «Nacht- und Nebelaktion», stattdessen die Fagus-Werke im niedersächsischen Alfeld für die Wahl zu nominieren. Dem Bau von Walter Gropius wurden nur geringe Chancen bei der Anerkennung als Weltkulturerbe durch die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur eingeräumt. Mit dem barocken Opernhaus in Bayreuth hätte der deutsche Vorschlag nach Ansicht einiger Experten größere Chancen gehabt. Der gut begründete Antrag soll schon im Herbst 2009 zur Vorprüfung nach Paris weitergeleitet und dort sehr wohlwollend aufgenommen worden sein.

Öffnungszeiten

Besichtigungszeiten:

1. April - 30. September Montag - Sonntag 9:00 - 18:00 Uhr

1. Oktober - 31. März Montag - Sonntag 10:00 - 16:00 Uhr

Letzter Einlass: 30 Min. vor Schließung

Öffnungszeiten gelten nur noch bis Schließung, zwecks Restaurierung!

Eintrittspreise

Besichtigungszeiten:

1. April - 30. September Montag - Sonntag 9:00 - 18:00 Uhr

1. Oktober - 31. März Montag - Sonntag 10:00 - 16:00 Uhr

Letzter Einlass: 30 Min. vor Schließung

Öffnungszeiten gelten nur noch bis Schließung, zwecks Restaurierung!


Eintrittspreise: 5,50 € regulär 4,50 € ermäßigt

Gesamtkarte "Neues Schloss / Markgräfliches Opernhaus" 9 € regulär 8 € ermäßigt Kombikarte "Bayreuth" (Drei Bayreuther Objekte der Bayerischen Schlösserverwaltung nach freier Auswahl): 12 € regulär 10 € ermäßigt

Jahreskarte: € 65,- für Familien € 45,- für Einzelpersonen


Mehrtagesticket: € 40,- für Familien € 24,- für Einzelpersonen

Die Jahreskarten und Mehrtagestickets der Bayerischen Schlösserverwaltung ermöglichen freien Eintritt in über vierzig Sehenswürdigkeiten Bayerns.

Jährliche Veranstaltungen im Opernhaus - Das Osterfestival. Ein Benefizkonzert vom Klinikum Bayreuth - Neujahrskonzert des Alt-Wiener Strauss-Ensembles - Die Museumsnacht in Bayreuth

Kontakt

  • Opernstraße 14, 95444 Bayreuth, Telefon 0921 75969-22, Fax 0921 75969-32


Karte

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Siehe auch

Weblinks

Bilder

Tafel vor geschnitzten Stuhl Foto: MB
Geschnitzter Stuhl mit Lederpolsterung Foto: MB
Das Opernhaus im Dezember 2011 Foto: MB
Gemälde von Philipp Bassewitz Foto: MB
Tafel unter Gemälde von Bassewitz Foto: MB
Gemälde an der Decke des Opernhauses Foto: MB
Tafel am Opernhaus Foto: MB
Tanz Markierungen am Boden Foto: MB
Kronleuchter im Durchgang zum Opernsaal Foto: MB