Muggenhof
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Muggenhof ist ein Stadtteil im Westen von Nürnberg.
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Überblick
Muggenhof bildet den Statistischen Bezirk 65 mit rund 2200 Einwohnern. Es grenzt an die Nachbarstadt Fürth.
Geschichte
Im 20. Jahrhundert wurde Muggenhof vor allem in Bezug auf Entsorgung bekannt. Bis zur Eröffnung der Müllverbrennungsanlage befand sich im nahe der Fuchsstraße gelegenen „Fuchsloch“ eine große Müllkippe.
Heute befindet sich das Klärwerk in Muggenhof.
Literatur
- Werner Sprung: Der Eberhardshof und der Muggenhof. Zwei ehemalige Weiler vor den Toren der Reichsstadt. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN). Band 50, Nürnberg, 1960, S. 53-84 - MVGN
- Wiltrud Fischer-Pache: Muggenhof. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - online
- Katrin Bielefeldt u.a.: Gostenhof, Muggenhof, Eberhardshof und Kleinweidenmühle, Geschichte eines Stadtteils. (Nürnberger Stadtteilbücher 9, Hrsg.: Geschichte Für Alle e.V.), Sandberg-Verlag, 2005, 192 Seiten, ISBN 3-930699-41-9
- Ute Wolf: Muggenhof - eine Art Niemandsland. „Wer nicht gezielt herkommt, fährt durch“. In: Nürnberger Zeitung vom 4. April 2007 - NZ-Serie über Nürnberger Stadtteile
- Clemens Helldörfer: Das Kulturbüro Muggenhof hat seine Arbeit aufgenommen. Frischer Wind im «Wilden Westen». In: Nürnberger Zeitung Nr. 222 vom 22. September 2008, Nürnberg plus, S. + 1 - NZ
- Stephanie Siebert: Stirbt mit Quelle auch der Stadtteil? «Tote Hose in Muggenhof». In: Nürnberger Zeitung Nr. 244 vom 22. Oktober 2009, S. 9 - NZ
- Robert Riess: Niemandsland sieht anders aus. Spaziergang durch Muggenhof. In: Nürnberger Zeitung Nr. 148 vom 1. Juli 2010, Nürnberg plus, S. + 4 - NZ
Siehe auch
Weblinks
- Bürgerverein Gostenhof-Kleinweidenmühle-Muggenhof und Doos e.V. - online
- U-Bahnhof Muggenhof - Wikipedia
Artikel in der NZ
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
NZ-Serie über Nürnberger Stadtteile am 4.4.2007:
Muggenhof - eine Art Niemandsland
"Wer nicht gezielt herkommt, fährt durch"
Von Ute Wolf
- Bloße Zahlen sagen wenig darüber aus, wie sich Menschen in ihrem Stadtteil fühlen. In Muggenhof ging’s eher bergab in den letzten Jahren. Doch es gibt auch Lichtblicke.
- Fürther Straße, kurz vor Fürth, die Stadtgrenze ist nicht mehr weit. Hier, wo Nürnberg langsam ausdünnt, verschwimmen selbst die Stadtteilgrenzen. Muggenhof, Doos – wo fängt was an, wo hört was auf? „Da drüber hat man sich schon früher gestritten“, sagt Johann Rahnhöfer (79). Er muss es wissen, seit 1893 hat seine Familie in der Fürther Straße erst eine Wagnerei, später ein Fachgeschäft für Leitern und Korbwaren betrieben. Bis Anfang dieses Jahres, als Rahnhöfers Tochter Doris das Traditionsgeschäft aufgeben musste.
- „Wir sind halt so eine Art Niemandsland zwischen Nürnberg und Fürth“, meint Georg Zöllner. Vier Generationen hindurch führten die Zöllners ihre Metzgerei in Muggenhof, zeitweise vornehm halb französisch, als „Großfleischer und Charcutier“. Dieser Schriftzug prangte über dem Laden, als das Haus gleich neben Korbwaren-Rahnhöfer noch nicht unter Putz lag und seine schöne Ziegelstein-Fassade zeigte. Von 1973 bis 2003 war Georg Zöllner der Chef. Seine Kinder ergriffen andere Berufe, da verpachtete er Metzgerei und Werkstatt. Heute, mit 66 Jahren, hat sich Zöllner mehr aufs Reisen verlegt.
- Trotzdem hält er Muggenhof die Treue und ist nicht weggezogen wie andere, besonders die Jungen. Statt dessen hat er etwas getan, um den Stadtteil zu verschönern: 1991 baute er in der Rupprechtstraße, einer Querstraße der Fürther Straße, ein ansprechendes Wohnhaus für acht Parteien und zog selbst dort ein. Den angrenzenden Garten mit alten Obstbäumen an der Ecke Rupprecht-/Konradstraße – hinter einem blickdichten Bretterzaun – darf man ohne Übertreibung als Idyll bezeichnen. Die Zöllners fühlen sich eindeutig wohl hier.
- Auch Johann Rahnhöfer bleibt. Doch er spricht, „a weng zynisch“, wie er einräumt, vom „Untergang von Muggenhof“. Das habe seine besten Zeiten eindeutig hinter sich: „Wir waren ein blühendes Viertel, wo es alles gegeben hat. Und wenn ich heut’ aufzähl’, was wir noch haben – null!“ Der Schorsch Zöllner beschwichtigt: „Null derfst net sag’n, Hans!“
- Schnell packen die beiden ihre Erinnerungen an die dreißiger und vierziger Jahre aus und gehen die damaligen Betriebe, Läden und Wirtshäuser durch, zum Beispiel in der Tassilostraße von damals: „Die Hercules-Fabrik, ein Bäcker, ein Metzger, die Blechwarenfabrik, eine Drogerie, ein Metzger, eine Wirtschaft, ein Friseur, ein Milchladen, ein Gemüseladen, ein kleiner ,Konsum‘.“ Ähnlich belebt sei die Fuchsstraße gewesen, an der Muggenhof aufhört: „Der Nadler, ein Wirtshaus, ein Geschäft für Kinderfahrzeuge, eine Drechslerei, der Spargelacker, die Wohnwagen der Zigeuner, ein Schmied, der Lkw-Parkplatz, ein Berufswäsche-Geschäft, eine CaféKneipe, der Milchladen, der Zigarrenladen, ein Fahrrad-Geschäft, die einzelne Tanksäule auf der Straße, ein Wirtshaus, ein Friseur und der Bonbonladen.“ So könnte Rahnhöfer alle Straßen durchmachen – ein erstaunliches Gedächtnis.
- Und heute? Wenig ist geblieben vom „wohlständigen Viertel“ (Rahnhöfer). Das Lokal „Hochbahn-Doos“ – auch hier wieder das Problem der unklaren Grenzen – an der Fürther Straße wechselt ständig den Pächter. Ein Stück weiter oben stehen mehrere Läden leer. In der Muggenhofer Straße hat man neben einer trist-grauen Mietskaserne einige Häuser mit frischer Farbe zumindest aufgepeppt. Doch was hilft’s, wenn man vom Fenster und der Straße aus auf den „Koloss“ Kläranlage blickt? Ganz zu schweigen vom Gestank, der von dort herströmt. Der sogar in dem kurzen Moment, den die U-Bahn (an dieser Stelle fährt sie als Hochbahn) Richtung Fürth in Muggenhof hält, ins Innere der Waggons drängt.
- „Ach, da haben wir uns längst dran gewöhnt“, winkt Georg Zöllner ab, und Johann Rahnhöfer stimmt ihm zu. Ihre Kunden allerdings, die haben sich früher oft über die Geruchsbelästigung beschwert, vor allem in der Metzgerei. Trotzdem: Die Kläranlage halten die beiden nicht für den größten Störfaktor. Problematischer sei der Wandel, den die Fürther Straße durchgemacht hat. Sie ist nicht mehr die Hauptverkehrsader nach Fürth – dazu hat sich längst der Frankenschnellweg entwickelt. Im Gegensatz zur gemütlicheren Straßenbahn, die früher Nürnberg und Fürth verband, „rast die Hochbahn vorbei“, findet Rahnhöfers Tochter Doris. Und Fußgänger, die an der Fürther Straße entlanglaufen, gibt es so gut wie gar nicht.
- „Wer nicht gezielt hierherkommt, fährt durch“, sagt auch Georg Zöllner. Nur Spezialangebote, die es woanders kaum gibt, könnten noch Publikum anlocken. Das schaffen etwa das „Pokalstudio“ in der Fürther Straße oder der benachbarte Schrauben- und Dübelladen. Auch die zwei alten Backsteinhäuser auf dem städtischen Grundstück Ecke Fürther-/Muggenhofer Straße bringen ein wenig Leben: In einem hält das Bildungszentrum Kurse für nachzuholende Schulabschlüsse ab, das andere beheimatet das Centro Español. „Das feiert hier seine Feste, da freuen sich alle“, erzählt Zöllner.
- Ein Gewinn ist auch die „Osteria Sertolli“ auf der anderen Seite der Fürther Straße (Ecke Tassilostraße), von der Optik her ebenso wie aus kulinarischer Sicht: Das rot-weiße Haus mit dem etwas niedrigeren hellen Anbau, fröhlich mit Weinreben bemalt, macht schon von der Hochbahn aus gute Laune; die schmälert auch das Brachgrundstück daneben nicht. Das Lokal bietet schmackhafte italienische Küche mit monatlich wechselnder Zusatzkarte und hält sich immerhin schon seit drei Jahren.
- Überhaupt strahlt das Muggenhof südlich der Fürther Straße mehr Optimismus aus: eine neue Wohnanlage zwischen Tassilostraße und Bahn mit dem „Appart Hotel Tassilo“, das erst vor kurzem eröffnete „Alasuka“ mit Thai-China-Spezialitäten an der Ecke Konrad-/Ferdinandstraße, die Mietshäuser in der Tassilostraße mit freundlich begrünten Balkonen und Garten im Erdgeschoß.
- Hoffnung setzen einige Muggenhofer auch in den XXXLutz. Der Möbelgigant will das leer stehende Gebäude an der Fürther Straße, kurz vor der Zufahrt zum Frankenschnellweg, „revitalisieren“ (die NZ berichtete). Auf dem Gelände residierte früher einmal das Möbelhaus Rosenfelder, zuletzt Unger. XXXLutz wird sich allerdings nicht mit dieser Fläche begnügen, sondern auch das städtische Grundstück daneben mit bebauen. „Da kehrt vielleicht wieder Leben ein hier“, überlegt Johann Rahnhöfer, „vielleicht ändert sich damit aber auch die Struktur von Muggenhof.“ Schließlich soll ja sogar die Dooser Straße wegen der Neubebauung verlegt werden. Doris Rahnhöfer ist ein bisschen skeptisch: „Hoffentlich kommt da nicht auch noch das letzte Grün weg.“
- Vielleicht hält ja der Schutzengel aus der gleichnamigen Kirche in der Sigmundstraße schützend seine Hand über Muggenhof. Obwohl – steht das Gotteshaus womöglich schon auf dem Gebiet von Leyh?
