Nürnberger Spielwarenindustrie

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Die Nürnberger Spielwarenindustrie hat eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht.

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte

Es kommt nicht von ungefähr, dass in Nürnberg die größte Spielwarenmesse der Welt stattfindet. Denn seit dem Mittelalter ist Nürnberg eine Spielzeugstadt von internationaler Bedeutung. Nachweisbar ab ca. dem 14ten Jahrhundert sind die „Dockenmacher“, die Puppen ("Docken") mit beweglichen Gliedern aus Holz anfertigten, teilweise bunt bemalt.
Überregional bekannt war Nürnberg im späten Mittelalter für den Export sogenannter "Kruselerpüppchen", kleinen Figuren aus Keramik, die nach dem "Kruseler", einer spätmittelalterlichen Kopfbedeckung von Frauen, benannt waren, und von denen es ettliche Funde in der Altstadt ginbt, die heute im Bestand (des Germanische Nationalmuseum zu sehen sind. Erst ab dem 16. und 17. Jahrhundert lassen Nürnberg zu einer Hochburg der Spielzeugfertigung werden. Handwerker wie Schreiner, Flaschner, Hafner, Zinn- und Messinggießer fertigten neben ihren üblichen Erzeugnissen auch Miniaturgegenstände und Spielzeug. Vor allem die Holzbearbeiter hatten einen guten Ruf.

Zu einem ungewohnten Aufschwung kam es ab 1732. Salzburger Emigranten, die wegen ihres evangelischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben wurden, kamen nach Nürnberg. Sie erhielten die Erlaubnis, Schnitzwerk als kleine „Dockenküchen, Sesselein, Wagelein, Pferdeställer und Einsiedeleien“ von Baumrinde zu machen. So nahm die bis heute beliebte Puppenküche als „Nürnberger Küche“ im 17. Jahrhundert ihren Ausgangspunkt in den Werkstätten des stark spezialisierten Nürnberger Gewerbes. Einige dieser zum Teil kunstvoll eingerichteten Puppenhäuser sind heute noch im Germanischen Nationalmuseum zu besichtigen.

Als um 1850 der erste Metalldrücker sich in Nürnberg niederließ, begann das Zeitalter des Blechspielzeugs .Erst von diesem Zeitpunkt an kann man von einer Spielzeugindustrie im eigentlichen Sinn sprechen. Besonders auf diesem Gebiet der Metallspielwaren hatte Nürnberg durch seine Tradition in der Herstellung mechanischer Gegenstände einen guten Vorsprung. Auch der Zinnsoldat erlebte seine Geburtsstunde in Nürnberg. Um 1895 gab es in Nürnberg 56 Metallspielwarenfabriken. Namen wie Plank, Carette, Diestler, Bub, Lehmann, Hess, Issmayer, Schönner und vor allem Bing, zu ihrer Zeit die größte Spielzeugfirma der Welt, begründeten den Ruf der Nürnberger Spielzeugindustrie.

Nach dem 2.Weltkrieg kam es zum Umbruch. Kunststoff eroberte den Markt. Der Nürnberger Raum machte diesen Umbruch erfolgreich mit. Firmen wie Bruder, der Bobby-Car-Hersteller BIG und geobra Brandstätter mit ihren Playmobil-Spielfiguren stehen für die neue Zeit.

Literatur

  • Georg Wenzel: Die Geschichte der Nürnberger Spielzeugindustrie. Universität Erlangen-Nürnberg, Wirtschafts- u. Sozialwissenschaftliche Fakultät Nürnberg, Dissertation v. 12. Juli 1967, Nürnberg, 1967, 229, XVI S.
  • Fiedel B, Frieser C (Hrsg.): Nürnberg – Archäologie und Kulturgeschichte. ...nicht eine einzige Stadt, sondern eine ganze Welt.... Festschrift 950 Jahre Nürnberg. Stadt Nürnberg. Büchenbach: 1999.
  • Spielzeug-Hochburg Nürnberg: Das war einmal Nürnberger Nachrichten vom 7.2.09

Siehe auch

Weblinks