Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen
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Die Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen waren gemeinnützige Einrichtungen, die alten und nicht mehr arbeitsfähigen Handwerkern einen gut versorgten Lebensabend in einer mönchsähnlichen Gemeinschaft ermöglichen sollten.
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Grundprinzipien
Zweck der Stiftungen war es, alten und gebrechlichen Handwerkern einen geregelten Lebensabend zu ermöglichen. Voraussetzung war der Besitz des Nürnberger Bürgerrechts, relativ gute Gesundheit (man durfte nicht bettlägrig sein) und die Kenntnis der gebräuchlichsten Gebete. In den Zwölfbrüderhäusern lebten die Brüder in einer klosterähnlichen Gemeinschaft, besuchten regelmäßig die Kirche und waren verpflichtet, beständig für das Seelenheil des Stifters zu beten. Wer vorzeitig ausscheiden wollte, musste dafür eine hohe Ablöse zahlen.
Die Mendelsche Stiftung
Die erste Stiftung wurden von dem reichem Handelsmann Conrad Mendel im Jahr 1388 gegründet. Er stand damit in einer familiären Tradition: Sein Großvater Konrad Groß hatte das Heilig-Geist-Spital und sein Bruder Marquart Mendel das Karthäuserkloster gestiftet. Conrad Mendel seinerseits ließ ein Altenheim für bedürftige Handwerker bauen, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten. Jeweils zwölf Handwerker wurden aufgenommen (die Zahl ist offenbar eine Anlehnung zu den zwölf Aposteln). Als Gegenleistung für Unterkunft und Logis mussten sie regelmäßig die Gottesdienste in den Kirchen der Stadt besuchen und für den Gründer beten.
Die Hausbücher
Ab 1425/26 wurden die Brüder mit einem ganzseitigen Bild im Mendelschen Hausbuch porträtiert. Diese Sitte wurde bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit beibehalten. Die Brüder wurden in Ausübung ihres Handwerks dargestellt, obwohl sie in Wirklichkeit ja nicht mehr arbeiten konnten. Wegen dieser Gepflogenheit aber haben sich genaue und aufschlussreiche Darstellung historischer Berufe, ihrer Werkzeuge, der Ausstattung ihrer Werkzeuge und ihrer Produkte erhalten. Zu den Bildern wurden auch kurze Texte gestellt, die von einer stichwortartigen Beschreibung bis zu einer Art Kurzbiografie reichen.
Die Landauersche Stiftung
Mendels Stiftungsmodell fand schnell Nachfolger: Nach seinem Modell wurden auch in anderen deutschen Städten wie Augsburg, Regensburg und Ingolstadt Zwölfbrüderhäuser gegründet. Im frühen 16. Jahrhundert gab es in Nürnberg einen weiteren Nachfolger: Der Montanunternehmer Matthäus Landauer gründete ein zweites Nürnberger „Zwölfbrüderhaus“ mit ähnlicher Funktion und gleicher Memorialbuchform. Auch diese Stiftung bestand bis 1806.
Digitalisierungsprojekt der Stadtbibliothek und des Germanischen Nationalmuseums
In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Stadtbibliothek Nürnberg und das Germanische Nationalmuseum die Mendelschen und die Landauerschen Hausbücher digitalisieren und ins Internet stellen lassen. Damit können diese einzigartigen Dokumente weltweit für Forschungszwecke verwendet werden.
Literatur
- Horst-Dieter Beyerstedt: Altenheime. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - im Netz
- Michael Diefenbacher: Zwölfbrüderhausstiftungen. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - im Netz
- Eike Schamburek: Die Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen. Kost und Logis für tägliche Gebete. In: Nürnberger Zeitung Nr. 257 vom 6. November 2009, Nürnberg plus, S. + 1 - NZ
- Hartmut Voigt: Sorge um das Seelenheil. Studie zur Kultur des Gedenkens im 15. Jahrhundert. In: Nürnberger Nachrichten vom 23. Januar 2010 - NN
- Gabi Seitz: Neuer Band zur Stadtgeschichte. Das Gedächtnis des 15. Jahrhunderts. In: Nürnberger Zeitung Nr. 18 vom 23. Januar 2010, S. 13 - NZ
Siehe auch
Weblinks
- Stadtbibliothek Nürnberg: Die Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen
- Wikipedia: Zwölfbrüderbücher
