Nicolas Neufchatel

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Nicolas (Nicolaus) Neufchatel, auch Neufchateau, niederländ. Colyn van Nieucasteel; gen. Lucidel, auch verballhornt zu Niklas Nutzschiedel (* um 1525 in der Bergen (franz. Mons)/Hennegau, † um 1584 in Nürnberg) war ein niederländischer, in Nürnberg tätiger Porträtmaler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Colyn van Nieucasteel findet sich Neufchatel erstmals 1539 in Antwerpener Zunftlisten, wo er als Lehrling des Pieter Coecke van Aelst (1502 - 1550) verzeichnet ist (und somit ab 1540 mit Pieter Brueghel zusammen war). Danach war er wieder in Bergen tätig. Sein calvinistischer Glaube veranlasste ihn, die Heimat zu verlassen und sich nach Nürnberg zu begeben, wo er ab 1561 nachweisbar ist. Er erhielt nie das Bürgerrecht, genoss jedoch Stadtschutz. Per Ratserlass wurde ihm mindestens einmal, am 1. Oktober 1563, die Aufenthaltserlaubnis um zwei Jahre verlängert. 1567 wohnte er in der Nähe des ehemaligen Weizenbrauhauses bei der Sägemühle an der Pegnitz (in der heutigen Unteren Kreuzgasse). Im Juli dieses Jahres ist er letzmalig urkundlich in Nürnberg fassbar, als er wegen umstrittener, öffentlicher Glaubensäußerungen vom Rat gerügt wurde.

Sein Malerkollege und Landsmann Nicolaus Juvenell (vor 1535 - 1597) war am 29. März 1584 wegen lästerlicher Reden bei der Bestattung einer „niederländischen Leich“ aufgefallen, was ihm eine Vermahnung des Rats eintrug, und es wird vermutet, dass es sich um die Beisetung Neufchatels gehandelt habe, was jedoch in Kirchenbüchern nicht belegt ist.

Werke

Aus der Zeit vor Neufchatels Ankunft in Nürnberg sind keine Werke nachweisbar. Er war ausschließlich als Bildnismaler tätig und als solcher der bevorzugte Porträtist des Nürnberger Patriziats, arbeitete darüber hinaus aber auch für auswärtige Auftraggeber. Es sind etwa 40 Bildnisse von seiner Hand bekannt. Keines seiner (bekannten) Werke aber ist signiert. Allein das früheste, 1561 datierte, Gemälde und zugleich ein Hauptwerk des Malers, das Bildnis des Mathematikers und Schreibmeisters Johann Neudörfer d. Ä. mit einem Schüler
Bildnis des Nürnberger Mathematikers und Schreibmeisters Johann Neudörfer d. Ä. mit einem Schüler
, trägt auf dem Rahmen ein allseitige Umschrift, die den Namen des Künstlers verrät. Er schenkte es aus Dankbarkeit (für die Aufnahme in der Stadt?) im Herbst 1564 der Stadt, wofür sich der Rat mit einem Geschenk in Höhe von 32 Gulden revanchierte. Es befindet sich heute als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Weitere Werke (Auswahl):

  • Bamberg, Staatsgalerie in der Neuen Residenz: Bildnis eines bärtigen Herren.
  • Berlin, Gemäldegalerie: Bildnis einer Frau und eines Mannes (Ehepaar, Pendants).
  • Budapest, Szépmüvészeti Muzeum: Hans Heinrich Pilgram und seine Ehefrau Margaretha, 1561.
  • Genf, Musée d'art et d'histoire: Wenzel Jamnitzer, um 1562/63.
    Porträt des Nürnberger Goldschmieds und Ornamentstechers Wenzel Jamnitzer
  • Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle: Doppelbildnis Balthasar Derrer mit seiner zweiten Frau Magdalena Bayer, 1561.
  • Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister: Hieronymus Coler.
  • Kopenhagen, Statens Museum for Kunst: Der Goldschmied Hans Lencker mit seinem Sohn Caspar.
  • Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Wolfgang Münzer von Babenberg, 1567; Stephan II. Praun und seine Ehefrau Ursula, geb. Ayrer, 1568.
  • Wien, Kunsthistorisches Museum: Kaiser Maximilian II., 1566.
  • Würzburg, Martin von Wagner-Museum: Wolfgang Fürleger.

Würdigung

Neben dem Münchner Hans Mielich (Müelich) (1515 - 1573) gilt Neufchatel als einer der bedeutendsten Porträtisten der 1560er- bis '70er-Jahre zumindest im süddeutschen Raum.

Wem er in seiner Antwerpener Lehrzeit eine Hinführung zur Bildnismalerei verdankte, ist unklar, da sein Meister Pieter Coecke vornehmlich als Altarbildmaler und Entwerfer für Wandteppiche hervortrat. In Antwerpen konnte am ehesten der längst verstorbene Quentin Massys (um 1466 - 1530) anregend gewesen sein (vor allem für das Neudörfer-Bildnis). Stärkere stilistische Bezüge ergeben sich zu dem Augsburger Hans Holbein d. J. (1497/98 - 1543) und dem in Nürnberg geborenen, jedoch in Augsburg tätigen Christoph Amberger (um 1500 - 1561/62).

Die Porträtierten vermeiden jeden dramatischen Gestus. Es dominiert die Halbfigur und das Halbprofil. Vor meist monochrom-dunklem Hintergrund in den ebenfalls meist dunklen Gewändern der Zeitmode dargestellt, ziehen die Gesichter und Hände unmittelbar den Blick des Betrachters auf sich. Die Wiedergabe der schweren Samtstoffe, der Seide, des Pelzwerks, von Haaren und Bärten ist gewöhnlich von großer Überzeugungskraft. Albrecht Dürer hatte hierin in Nürnberg bekanntlich eine hohe Messlatte hinterlassen.

Literatur

  • Rudolf Arthur Peltzer, Nicolas Neufchatel und seine Nürnberger Bildnisse, in Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst N. F. 3/1926, S. 187-231.
  • Kurt Pilz, Nürnberg und die Niederlande, in: MVGN 43/1952, S. 1-153 (zu Neufchatel S. 72-77).
  • Kurt Löcher u. a., Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Bestandskatalog, Ostfildern-Ruit 1997, S. 328-334.
  • Kurt Löcher, Neufchatel, Nicolas, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 19 (1998), S. 114 f.
  • Matthias Mende, Neufchatel, Nicolaus, in: Michael Diefenbacher u. Rudolf Endres (Hg.), Stadtlexikon Nürnberg, Nürnberg 2. Aufl. 2000, S. 738
  • Manfred H. Grieb (Hg.), Nürnberger Künstlerlexikon, Bd. 2, München..., S. 1073 f.

Weblinks

Neufchatel bei Wikipedia [1]