Opernhaus Nürnberg

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Das Nürnberger Opernhaus ist heute eine der zentralen Spielstätten des Staatstheaters Nürnberg. In ihm kommen Opern, Operetten, Musicals, Tanztheater-Veranstaltungen, Kammerkonzerte, Kinderkonzerte und Liederabende zur Aufführung.

Das Opernhaus ist, mit sich aus der Baugeschichte ergebenden Abstrichen, historisch erhalten und bietet im Parkett und auf drei Rängen über 1.000 Plätze. Eine grundlegende Sanierung des Zuschauerraums erfolgte im Jahr 1998. Insbesondere das seit dem Jahr 2005 in Gluck-Saal umbenannte große Foyer dient ebenfalls als Veranstaltungsort.

Vorderansicht des Opernhauses im Staatstheater.
©: Karlheinz Daut/NN
Neuinszenierung der Oper "Eugen Onegin"
© Harald Sippel/NZ

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

Mit der Fertigstellung des heutigen Klinikum-Nord im Jahr 1897 war der Standort des Alten Städtischen Krankenhauses am Frauentorgraben für eine neue Verwendung frei. Schon länger wurde in der Stadt über die Errichtung eines "Neuen Stadttheaters" diskutiert, schließlich war Nürnberg eine aufstrebende Industriestadt und die Bevölkerung von 40.000 Einwohnern im Jahr 1833 auf 260.000 Einwohner im Jahr 1905 angewachsen. Das "Alte Stadttheater" am Lorenzer Platz war zu klein geworden, zudem war seine Bühnentechnik veraltet.

1898 wurde der Berliner Architekt Heinrich Seeling als ausgewiesener Spezialist für die Errichtung des "Neuen Stadttheaters" verpflichtet. Als Termin für die Fertigstellung war der 1. Oktober 1902 vertraglich festgelegt worden. Seeling legte im November 1898 einen Entwurf vor, der auf Drängen des damaligen Ersten Bürgermeisters Georg von Schuh in Altnürnberger Bauweise gestaltet war: Viele Türme zitierten die Burg und die Stadtmauer, der Festsaal war eine Nachbildung des Nassauer Hauses, das Dach des Bühnenhauses imitierte die großen Tortürme der Stadtmauer.

Dieser Entwurf geriet nach seiner Vorstellung im Rathaussaal umgehend in die Kritik der Öffentlichkeit. Seeling veränderte seine Pläne, doch auch ein zweiter Entwurf, der statt der Kleinteiligkeit des Nürnberger Stils auf Renaissance- und Barockelemente setzte, fiel durch. Im August des Jahres 1900 legte Seeling einen stilistisch nochmals überarbeiteten Entwurf vor, der, auch aufgrund des inzwischen sich ergebenden Zeitdrucks, dann ausgeführt wurde.

Im September 1905 wurde das "Neue Stadttheater am Ring" als traditionelles Rangtheater eröffnet. Es war mit der damals neuesten und Bühnen- und Beleuchtungstechnik ausgestattet und galt als teuerster zeitgenössischer Theaterbau Europas.

In den Innenräumen zierte das Opernhaus eine Mischung aus wilhelmischen Zierrat und Jugendstilornamenten. Im Foyer öffnete die Jugendstilausmalung des Münchner Malers Karl Selzer den Blick in eine Parklandschaft mit Brunnen; Verzierungen der Wände und der Tonnendecke erweckten den Eindruck, der Besucher befinde sich einer großen, von hohen Fenstern lichtdurchfluteter Laube.

1924 zog das Schauspiel ins Alte Stadttheater um, 1930 wurde das Neue Stadttheater in Opernhaus umbenannt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten entfernte im Jahr 1935 Paul Schultze- Naumburg auf Hitlers Anweisung alle Jugendstilelemente. In der "Stadt der Reichsparteitage" sollte das Opernhaus in eine "Stätte deutscher Bühnenkunst" umgestaltet werden. Unter anderem wurde eine so genannte "Führerloge" eingebaut, das Foyer, die Oberen Logen, die Säulen und die Brüstungen der Ränge im Zuschauerraum wurden grundlegend umgestaltet.

Diese Umbauten überdauerten die Nazi-Zeit und prägten die Innenräume des Opernhauses bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Nach der Nutzung des Gebäudes als Club und Kino durch die US-Truppen stand das im Krieg nicht allzustark beschädigte Haus für den Betrieb der Städtischen Bühnen Nürnberg zur Verfügung. In den Jahren 1989 bis 1998 wurde das Opernhaus in vier Baustufen für die Gesamtsumme von rund 43 Millionen Mark umfassend saniert.

Literatur

  • Festschrift anläßlich der Wiedereröffnung des Nürnberger Opernhauses September 1935 herausgegeben im Auftrag des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg von Stadtrat Dr.Dr.Robert Plank. Nürnberg: Volkhardt & Wilbert, 1935, 72 Seiten [mit Geleitworten von Reichsminister Dr. Joseph Goebbles, Gauleiter Julius Streicher, Staatssekretär Walter Funk und Oberbürgermeister Willy Liebel. Mit Textbeiträgen von Robert Plank, Stadtrat Emil Stahl, Stadtrat Beyer, Generalintendant Dr. Johannes Maurach und Bühnenbildner Benno von Arent.]
  • Theodor Hampe: Die Entwicklung des Theaterwesens in Nürnberg von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis 1806. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 12 (1898) S. 87-306 - MVGN; und II. Teil, Band 13 (1899) S. 98-237 - MVGN
  • Theodor Hampe: Die Entwicklung des Theaterwesens in Nürnberg von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis 1806. Nürnberg: J.L. Schrag, 1900, 378 S.
  • Peter Kertz: Das Nürnberger Nationaltheater (1798 - 1833). In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 50, 1960, S. 388-507 - MVGN
  • Jürgen Söllner: Das Nürnberger Stadttheater am Ring. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 73, 1986, S. 185-238 - MVGN
  • Gisela Schultheiß, Ernst-Friedrich Schultheiß: Vom Stadttheater zum Opernhaus. 500 Jahre Musiktheater in Nürnberg. Geleitwort von Oberbürgermeister Dr. Peter Schönlein. Nürnberg: Verlag A. Hofmann, 1990, 234 S., ISBN 3-87191-151-8
  • Jens Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905 - 2005; Opernhaus, Staatsoper; vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater. Hrsg.: Staatstheater Nürnberg. Nürnberg: Müller, 2005, 195 S., ISBN 3-924773-12-2

Siehe auch

Weblinks